Montag, 23. Oktober 2017

Gartenfrust 2017

Unser Garten hat uns in diesem Jahr mehr Frust als Freude gebracht. Nur Arbeit, fast ohne ihn nutzen zu können. Wegen miesen Wetters mehrmals abgesagte Einladungen und Verabredungen. Bei jedem Besuch neue Baustellen wie riesengroße Wespennester, ein kaputter Sichtschutz oder ein aufgewühlter Rasen. Bis auf's Blut streitende Kinder, die erst überhaupt nicht hinfahren wollten und sich dort nur in der Wolle hatten. Wuchernde Pflanzen, unzählige Nacktschnecken, aggressive Mücken, deren Stiche den Kindern dicke Beulen bescherten, Unkraut überall. Eine so geringe Obst- und Gemüseernte wie noch nie zuvor, ich staunte immer über die Instagram-Bilder anderer Gartenbesitzer. Selbst unser Apfelbaum, der im letzten Jahr wunderschöne Schneewittchen-Äpfel hervorgebracht hatte, produzierte nur Ausschuss. Es war frustrierend.


Einerseits lag es am wirklich schlechten Frühlings- und Sommerwetter in Berlin. Ich lebe jetzt seit 23 Jahren hier, aber so einen miesen Sommer habe ich noch nie erlebt. Und wenn mal schönes Wetter war, dann unter der Woche, doch an den Wochenenden regnete es oft. Da wir aber meist nur am Wochenende hinaus in den Garten fahren können, ist das natürlich ungünstig, gelinde gesagt. Die Gartenarbeit, für die Elektro-Geräte benötigt werden, dürfen wir auch nur bis Samstag Mittag machen, danach und am Sonntag ist Ruhezeit. So mussten wir dieses Jahr oft im Nieselregen am Samstag Vormittag den Rasen mähen. Andere Arbeiten wie Hecke schneiden haben wir dann meist händisch (nicht elektrisch) erledigt, da die mögliche Arbeitszeit schon wieder vorbei war. Und ein Genießen des Gartens war fast nie möglich, wir mussten uns oft im Haus aufhalten, da es am Wochenende immer wieder regnete. Das haben wir in den letzten 7 Jahren als Gartenbesitzer noch nie so extrem erlebt.

Symbolbild des Sommers

Auf meiner Mutter-Kind-Kur hatte ich mir vorgenommen, im Sommer MEHRMALS! ALLEIN! im Garten zu übernachten, um ab und zu etwas Abstand vom Familientrubel zu haben. Im letzten Jahr hatte ich zum ersten Mal, seit wir den Garten haben, jeweils mit einem Kind im Garten übernachtet und das klappte gut. Genau das wollte ich in diesem Sommer allein machen und freute mich drauf. Was soll ich sagen: es scheiterte nicht am Willen, sondern am Wetter bzw. den Umständen. Es gab kein Wochenende, wo alles passte, wo es auch nachts warm genug war, man nicht von Mücken zerstochen wurde und kein Regen angekündigt war. Dass es überhaupt nicht heiß war, merkten wir auch in unserer Dachgeschosswohnung, die sich sonst im Sommer total schnell aufheizt. Dieses Jahr gar nicht. Von der Sonne verbranntes Gras im Garten und in unserem Park existierte 2017 nicht. Außerdem sind wir natürlich auch nicht jedes Wochenende zuhause gewesen. Unter der Woche wiederum geht das mit dem Übernachten nicht, da die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sehr schlecht ist. Ich bin echt frustriert, dass ich meine Vorsätze diesbezüglich nicht umsetzen konnte. Nun hoffe ich sehr auf nächstes Jahr.


Die Kinder hatten oft keine Lust, in den Garten zu fahren, und haben sich dann aus ihrer schlechten Laune heraus geärgert und gepiesackt. Wir mussten viel schimpfen und waren genervt. Die Mittagspause klappt im Garten nicht so wie zuhause und geschlafen wird ja sowieso nicht mehr. Auch der Mann verlor immer mehr den Antrieb hinzufahren, und selbst ich dachte zum ersten Mal ans Abgeben des Gartens. Das hatte ich noch nie, schließlich ist er meine Ruheoase und Ausgleich zum Großstadtleben. Außerdem würde dann nicht nur der Garten fehlen, sondern auch die Felder hinter unserem Garten, die Heckrinder, Wildpferde und Störche, die Spazierwege, die Heuballen, wilden Obstbäume und die Weite des Landes. Ich war total traurig über meine eigenen Gedanken des Aufgebens, aber die Umstände waren dieses Jahr wirklich bescheiden.


Nur ein einziges Mal haben wir so richtig, nämlich einen ganzen Nachmittag, geplanscht, nur zweimal überhaupt Besuch im Garten gehabt. Selten gegrillt, nicht übernachtet, oft in der Hütte gesessen, um den Regenschauer abzuwarten und uns jedesmal geärgert. Über die viele Arbeit, die seltenen Gelegenheiten, hinzufahren und eben das Wetter. Ich weiß, das kann man nicht ändern, aber noch nie hat der Frust so deutlich die Freude am Garten überwogen. Und nicht zuletzt ist das auch ein finanzieller Posten, der umso mehr weh tut, je weniger man den Garten nutzen kann.

Tja, was sollen/ können wir tun? Aufgeben? Auf ein neues, besseres Jahr hoffen? Öfter mal spontan unter der Woche rausfahren im nächsten Sommer? Das wiederum lohnt sich zeitlich kaum und bringt meist Stress und abends schreiende Kinder. Außerdem hatten die Kinder sowieso meist keine Lust und meckerten, dass sie nicht in den Garten wollten. Ich verstehe absolut nicht, warum sie zunehmend ungern hinfahren, es ist eigentlich ein Paradies für Kinder, mit dem Spielturm*, der Wasserbahn*, dem Sandkasten* und jeder Menge Spielzeug. Sie dürfen jedesmal bei der Gartenarbeit helfen, haben auch spezielle Gartenutensilien* für Kinder.


Sie dürfen natürlich direkt von den Sträuchern naschen, sie pflanzen mit mir zusammen und wir gehen oft in die wunderschöne Umgebung auf unsere Felder hinaus, wo wir Drachen steigen lassen, die Tiere besuchen, den Kreislauf der Landwirtschaft beobachten und wildes Obst pflücken. Für mich ist das wirklich traumhaft, aber es fällt mir zunehmend schwer, die schlechte Laune der Kinder im Garten auszugleichen und sie zu motivieren. Denn ich selbst möchte genießen und nicht an meinem Ruheort vollgemeckert werden. Die Streiereien der Kinder hört man schon im ganzen Umfeld und das ist zermürbend.


Das Gartenjahr 2017 ist vorbei, wir haben den Garten schon winterfest gemacht und kommen nur noch für kleine Arbeiten vorbei. Ich hoffe ganz sehr, dass das nächste Jahr in jeder Hinsicht besser wird und vor allem die Kinder wieder mehr Freude am Garten empfinden können. Wenn nicht, weiß ich nicht, ob wir ihn behalten. Wir haben ihn damals im Frühjahr 2010 übernommen, kurz bevor ich mit dem Großen schwanger wurde. Mir bedeutet er sehr viel, aber ich kann ihn nicht gegen den Widerstand meiner Familie, vor allem der Kinder, halten. Ich verstehe diese Abneigung, diesen Unwillen der Kinder nicht und weiß auch nicht, was man da tun kann. Nun warten wir einfach mal ab, was das nächste Jahr bringt. Mehr Frust als Freude ist jedenfall auf Dauer unbefriedigend!


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Kommentare:

  1. Hallo,

    wieder einmal ein toller Beitrag, ich bin zwar ein Mann, aber lese deine Beiträge genau so gern. :)

    Liebe Grüße
    Stephan von Kinderspielzeug-2017

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    1. Haha, danke, ich hoffe, dass Du nicht der einzige Mann bist, der bei mir liest;-)

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  2. Heieiei. Ich hab quasi noch keinen weiteren Blogartikel auf diesem Blog gelesen, aber ich muss einfach was schreiben. Denn es geht uns ähnlich. Garten in Karlshorst, die Anbindung ist gut, aber in der Woche noch hinfahren ist trotzdem oft Stress. In diesem Sommer hat so viel gutes Wetter gefehlt, gegrillt haben wir öfter, übernachtet kaum! Es ist erst unsere zweite Saison und ich war schon am zweifeln, ob das überhaupt Sinn macht. Kaum Erdbeeren, kaum Äpfel, keine Kirschen, keine Sauerkirschen. Dafür Wespennest und Waschbären und Mücken ohne Ende. Und hab ich den japanischen Staudenknöterisch erwähnt?!
    Aber, ich glaube einfach fest daran, dass der nächste Sommer besser wird und dann gefällt es sicher auch den Kindern wieder besser im Garten. Mit Planschen macht das nämlich einfach mehr Spaß als mit Gummistiefeln...
    Ich drücke euch sehr unbekannter Weise und damit ja auch uns die Daumen für ein gartenfreundliches 2018!!
    Liebe Grüße, Bonnie.

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    1. Hallo Bonnie,
      ja, so war es für uns auch. Ich habe wehmütig meine Gartenbilder aus den letzten 7 Jahren angeschaut, mit Schüsseln voller Erdbeeren, Tomaten, Gurken, Äpfeln etc. und vielen tollen warmen Wochenenden. Ich kann auch nur hoffen, dass nächstes Jahr besser wird. Ich drücke euch und uns die Daumen!
      Liebe Grüße!

      P.S. Ein Waschbär hat uns vermutlich gerade den Rasen zerfetzt. Waaah!

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  3. Hallo Frühlingskindermama,

    Wir haben einen Garten am Haus. Da lohnt es sich auch bei kürzeren Schönwetterabschnitten raus zu gehen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich mich bei einem weiter entfernten Garten dieses Jahr so oft hätte motivieren können.

    Ich wünsche euch für nächstes Jahr mehr schöne Zeit im Garten und vor allem Kinder, die sich auf den nächsten Besuch in selbigen freuen.

    Viele Grüße
    Mama Maus

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    1. Das habe ich in diesem Jahr ganz oft gesagt, wieviel einfacher es wäre, wenn der Garten direkt am Haus oder in unmittelbarer Nähe ist. Dass man das wechselhafte Wetter dann viel besser ausnutzen könnte. Aber wir haben eben kein Haus mit Garten, sondern eine Mietwohnung in der Stadt, und das wird sich wohl auch nicht ändern. Insofern müssen wir wirklich auf das nächste Jahr hoffen und, wenn es nicht besser wird, Konsequenzen ziehen.
      Liebe Grüße!

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  4. Ich liebe meinen Garten auch, praktischerweise ist der aber rundherum um unser Haus und so bin ich nicht von so vielen Faktoren abhängig wie du. Ich verfolge deinen Blog seit einer Weile. Du schreibst, dass du dich so sehr nach der See sehnst. Ich weiß nicht, was genau ihr beruflich macht und wie es mit einem Job in einer anderen Region, eben auch etwas ländlicher, aussähe? Wäre das für euch eine Option? Bewusst in den Garten wollen meine Jungs jetzt auch nicht unbedingt, aber sie sind dann halt super oft spontan bei allen möglichen Buddel- und Pflanz-, Säge- und Mäharbeiten dabei und könne sich direkt austoben, wenn es nötig ist. Ich bin in einem größeren Dorf wie meine Kinder jetzt aufgewachsen, eine Großstadt ist nah, aber es ist eben doch ein Dorf. Ich kenne es nicht anders, bis auf meine Studienzeit, die ich in der Stadt genossen habe. Mit Kindern finde ich es optimal und zur Arbeit fahren wir so 12km, das geht gut und wetterabhängig sogar mit dem Rad. Im Garten finde ich oftmals einen körperlich anstrengenden Ausgleich zum Beruf, das tut mir sehr gut.

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    1. Hallo, danke für Deine Gedanken, mit denen Du sehr viel ansprichst, was mich auch bewegt. Leider sind unsere Jobs sehr stadtgebunden, besonders meiner. Auf's Land oder in eine strukturschwache Region zu ziehen hieße wahrscheinlich für mich: Hausfrauendasein. Das möchte ich nicht. Und um nochmal etwas ganz Neues anzufangen, womit wir quasi überall arbeitsfähig wären, fehlt uns die Kraft und der Antrieb. Trotzdem sehne ich mich sehr nach mehr Ruhe und Landleben und blühe auf, je ruhiger meine Umgebung ist. Allerdings gäbe es dann sicherlich andere Faktoren, die mich stressen würden. Eine lange Fahrtstrecke zur Arbeit (jetzt von Tür zu Tür 20-25 min) würde mich stressen. Fehlende Infrastruktur (Einkaufen, Ärzte, Betreuungseinrichtungen) würde für mich Einschränkungen und Probleme bereiten, weil ich ungern Auto fahre. In der Stadt bin ich flexibel und unabhängig (letzteres ist sehr wichtig für mich!). Also es spielen viele Komponenten mit hinein. Ich glaube aber, wenn man die Entscheidung getroffen hat (wie ihr), ist man zufrieden und arrangiert sich mit den Nachteilen, die das Landleben natürlich auch hat. Ich finde die Vorstellung wunderschön, aus einem Haus hinaus in den Garten zu treten, morgens, abends, jederzeit, und beneide euch Hausbesitzer sehr. Es ist doch ein ganz anderes Lebensgefühl. Wir versuchen, im Urlaub ab und zu Ferienwohnungen mit Garten zu buchen, um das Gefühl zu spüren. Es ist toll! Und das mit dem Ausgleich zum Job kann ich total verstehen, es geht mir genauso. Deshalb wäre ich sehr traurig, wenn wir den Garten aufgeben würden. Aber alles hat seine Zeit...
      Liebe Grüße und danke!

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