Dienstag, 25. April 2017

Das Potenzial hochsensibler Kinder: "Aber ich kann es doch spüren!" (Rezension und Verlosung)

Erneut möchte ich euch ein neues, gerade erschienenes Buch über hochsensible Kinder vorstellen und darf sogar ein Exemplar an euch verlosen. Es handelt sich um das Buch von Karin Abriel: "Aber ich kann es doch spüren! Hochsensibilität als Potenzial nutzen"*, erschienen im Crotona Verlag. Karin Abriel ist Pädagogin und Herausgeberin der Webseite www.hochsensibilitaet.at und möchte mit diesem Buch dazu beitragen, "Bewusstsein zu schaffen für Bedürfnisse hochsensibler Menschen, vor allem Kinder, in einer Gesellschaft, die diesbezüglich noch wenig Bewusstsein hat" (siehe hier). Außerdem wird auf dem Cover mit dem "Schwerpunkt Schule" geworben und das interessiert mich natürlich besonders, da mein hochsensibler Sohn in diesem Jahr eingeschult wird. Meine bisherigen Rezensionen findet ihr hier.

Den Titel "Aber ich kann es doch spüren!" finde ich sehr passend für ein Buch über hochsensible Kinder. Da es nicht sehr umfangreich ist, eignet es sich gut für Eltern oder Pädagogen, die sich einen kurzen Überblick über das Thema verschaffen wollen. Im 1. Kapitel "Was ist Hochsensibilität?" fasst die Autorin die wesentlichen Informationen über das Phänomen zusammen und stellt die Merkmale hochsensibler Kinder wie stark ausgeprägte sinnliche Wahrnehmungen, besonderes Interesse an tiefergehenden Themen, präzise sprachliche Ausdrucksweise, Neigung zu Ticks und Zwängen, Zwiespalt zwischen Anders-Empfinden und Anpassungswillen etc. dar und konstatiert:

"Bedürfnisse von hochsensiblen Kindern sind fordernd. Sehr fordernd. Hochsensibel wahrzunehmen, bedeutet, ständiges Überfordertsein mit der Umgebung und ihren Reizen, als Kind noch einmal um ein Vielfaches mehr als im Erwachsenenalter. Das Erkennen, dass die Welt scheinbar anders wahrgenommen wird als bei den unmittelbaren Bezugspersonen, führt zu dem Dilemma, als hochsensibles Kind schon bald mit einer Identitätskrise konfrontiert zu werden." (S. 33f)

Es entsteht oft eine Tendenz zu Introversion, Rückzug, mangelndem Selbstbewusstsein und Distanziertheit, wodurch das Potential, das solchen Kindern innewohnt, auch später im Erwachsenenalter nicht ausreichend genutzt werden kann. Für eine positive Entwicklung kommt es sehr stark auf die Unterstützung und das Verständnis der Bezugspersonen an, wobei es schwierig sein kann, die eigenen Empfindungen und Erfahrungen von denen seines Kindes zu trennen, zum Beispiel, was die eigene Schulkarriere angeht.

Im 4. Kapitel geht die Autorin auf die Herausforderungen des heutigen Schulsystems ein, das durch Zeit- und Leistungsdruck, Anti-Individualismus, Lautstärke, Gewalt und Aggression, Hierarchien etc. charakterisiert ist und eine extreme Belastungssituation für hochsensible Kinder darstellen kann. Individuellen Unterschieden von Kindern wird nicht (ausreichend) Rechnung getragen und der Druck, einer Norm entsprechen zu müssen, ist sehr hoch. Umso mehr spüren Kinder, die "anders" sind, dass sie nicht in das starre System Schule passen, genauso wie auch Pädagogen überfordert sein können, wenn ein Kind extrem vom Durchschnitt abweicht.

"Den unterschiedlichen Wahrnehmungskanälen, die bei allen, vor allem aber bei hochsensiblen Kindern, vorhanden sind, wird im Regelunterricht auf keinerlei Art und Weise Rechnung getragen." (S. 75)

Im Teil 2 des Buches geht die Autorin darauf ein, wie man ein hochsensibles Kind konkret im Alltag unterstützen kann, und gibt viele praktische Tipps und Anregungen, die das gemeinsame Leben erleichtern. Als ein Schlagwort nennt sie beispielsweise den "Mut zur Langsamkeit", den Eltern möglichst aufbringen sollten, um der langsameren, intensiveren Wahrnehmung und Verarbeitung ihres Kindes gerecht zu werden und den Stress der umgebenden Welt, dem es ausgesetzt ist, zu reduzieren bzw. auszugleichen.

Zum Schluss bietet das Buch noch konkrete Ratschläge, wie man der Überforderung hochsensibler Kinder im Schulalltag am besten begegnen kann, worauf Eltern achten sollten und wie man unterstützen kann. Auch hier kommt es wieder darauf an, eine gesunde Balance zwischen Verständnis und Überidentifizierung zu finden. Diese Anregungen beziehen sich aber im Wesentlichen auf die Rolle der Eltern; mir fehlt in dem Kapitel, wie Lehrer und Erzieher angemessen mit hochsensiblen Kindern umgehen und sie so integrieren können, dass der enorme Anpassungsdruck reduziert wird.

Die richtige Schulwahl ist ein bedeutsames Thema für Eltern hochsensibler Kinder. Nicht immer jedoch sind alternative Schulen mit ihrem Fokus auf Eigenverantwortlichkeit automatisch die besseren Schulen für solche Kinder. Sie brauchen vor allem feste Strukturen und zugewandte, verständnisvolle Bezugspersonen. Man sollte sich bewusst machen, dass es nicht die "einzig richtige" Schule für das Kind geben wird. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle.

"Es gibt Systeme, herkömmliche und alternative, die in unterschiedlichen Richtungen Schwerpunkte setzen. Ob das für Ihr Kind förderlich ist, liegt stark an der Persönlichkeit, die es mitbringt, und an den Menschen, die diese Persönlichkeit im System begleiten." (S. 139f.)

Insgesamt ist die Schulzeit eine herausfordernde, lange Zeit für hochsensible Kinder, die mit vielen Emotionen auf beiden Seiten einhergehen kann und manchmal sogar das Gefühl von Ausweglosigkeit hinterlässt. Eltern und Pädagogen sollten eng zusammenarbeiten, um die Entfaltung des Potenzials hochsensibler Kinder zu unterstützen. Das Buch möchte dazu beitragen, für das Thema zu sensibilisieren und sich damit auseinanderzusetzen. Als Einführung in das Thema und kurze Zusammenfassung ist es gut geeignet. Es sind auch gute praktische Tipps enthalten. Wenn man sich schon intensiver mit dem Thema Hochsensibilität/ hochsensible Kinder beschäftigt hat (wie in meinem Falle), bietet ein Buch von diesem Umfang naturgemäß nicht viel Neues. Auch zum beworbenen Schwerpunkt Schule hätte ich mir ein paar mehr Gedanken gewünscht. Trotzdem finde ich es ungemein wichtig, dass es solche Einführungswerke gibt und dadurch Menschen, die sich über das Thema informieren wollen, ohne gleich ein umfangreiches wissenschaftliches Werk zu lesen, erreicht werden.

Fazit: Leseempfehlung für alle Eltern und Pädagogen, die sich kurz und knackig zum Thema belesen möchten.

Die Eckdaten:
Karin Abriel: Aber ich kann es doch spüren! Hochsensibilität als Potenzial nutzen*, Crotona Verlag, Februar 2017, 180 Seiten, ISBN 978-3861910831, € 14,95

Verlosung


Ich freue mich, ein weiteres Exemplar des Buches "Aber ich kann es doch spüren!"* verlosen zu dürfen. Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasst mir bitte hier einen Kommentar darüber, was euch an dem Thema interessiert und, falls das Thema Schule bald ansteht, was euch besonders wichtig für euer hochsensibles Kind ist. Zusätzlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir auf Facebook folgt, die Verlosung teilt und mir hier ein Herzchen gebt. Ist aber keine Bedingung. Bitte gebt euren Namen an, sonst kann ich euch nicht berücksichtigen!

Die Verlosung läuft bis zum 01.05.2017, 23:59 Uhr. Unter allen bis dahin eingehenden Kommentaren wird der Gewinner/die Gewinnerin ausgelost und hier sowie auf Facebook bekanntgegeben. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang mit Facebook. Versand nur innerhalb Deutschlands. Mindestalter 18 Jahre. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Vielen Dank an den Crotona Verlag für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar!

*Affiliate Link

Ich habe am 03.05.2017 ausgelost. Gewonnen hat: Ann Greg. Herzlichen Glückwunsch!

10.05.2017: Da sich Ann Greg leider nicht bei mir gemeldet hat, musste ich neu auslosen. Die neue Gewinnerin ist Christina Voss (Josy). Herzlichen Glückwunsch! 

Mittwoch, 19. April 2017

Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Erfahrungsbericht und Fazit

Die Mutter-Kind-Kur mit dem Großen auf Usedom ist seit einer Woche vorbei und ich möchte natürlich unbedingt ein ausführliches Fazit ziehen und über meine Erfahrungen berichten. Insgesamt, das kann ich gleich vorab sagen, war es für mich eine sehr schöne Zeit, die mir gut getan hat, mich etwas Abstand gewinnen ließ und erholsam war. Ich wurde auf jeden Fall positiv überrascht nach den vielen Negativ-Berichten aus meinem Umfeld und bin sehr dankbar für die wertvolle Erfahrung. Es war nicht alles einfach und besonders die Schwierigkeiten meiner beiden Kinder (6 und knapp 4 Jahre alt) mit der Situation waren teilweise recht belastend für mich, aber ich habe immer wieder versucht, meine eigenen positiven Gefühle wahrzunehmen und zu genießen. Ich bin froh, dass ich mich für die Mutter-Kind-Kur entschieden habe (hier die Vorgeschichte) und auch die Entscheidung, mit dem Großen allein zu fahren, war definitiv richtig.

Unser kleineres Nebenhaus der Kurklinik

Wir verbrachten vom 22.03.2017 bis 12.04.2017 genau 3 Wochen in der Ostseestrand Kurklinik Klaus Störtebeker in Kölpinsee auf der Insel Usedom. Nach der Anreise am Mittwoch brauchten wir ein paar Tage, um uns einzuleben und alles kennenzulernen. Von der Kurklinik, dem Zimmer, dem Speisesaal und den sonstigen Räumen (Spielzimmer, Toberaum, Teeküche etc.) hatte ich gleich einen angenehmen Eindruck. Wir hatten als Einkind-Familie ein Einzimmerappartment mit Schiebetür, recht klein, aber praktisch und nett eingerichtet. Ich fühlte mich sofort wohl und auch der Große hatte keine Umstellungsprobleme. Auch an die Mahlzeiten im Speisesaal gewöhnten wir uns schnell. Das Frühstück war wirklich sehr lecker, das Mittagessen qualitativ unterschiedlich und das Abendbrot recht spartanisch, aber ausreichend.


Speiseplan - Beispiel

Unser Kurgang (15 Familien auf Eltern-Kind-Kur) war in einem kleineren, ruhigen Nebenhaus untergebracht, und vor unserem Fenster begann direkt der Wald. Die Lage und Umgebung war wirklich wunderbar, in weniger als 10 Minuten gelangte man zum Strand und zum Wald, die Landschaft war sehr abwechslungsreich durch Flach- und Steilküste sowie einen größeren See im Ort. Kleinere Souvenirläden gab es in direkter Nähe, einen Supermarkt und den Bahnhof der Usedomer Bäderbahn in ca. 10 Minuten Laufentfernung. Am Anreisetag schien die Sonne und wir gingen gleich nachmittags zum Strand. Es war herrlich, man schaltete sofort auf Erholung um.


In den ersten beiden Tagen standen ein ärztliches und ein psychologisches Gespräch an, in denen die Therapien und Kurse individuell festgelegt wurden. Dabei wurden die eigenen Wünsche und Vorlieben berücksichtigt. Ich bekam 4x Wirbelsäulen- und 2x Wassergymnastik, 4 Massagen, 4x Autogenes Training, 4x Beckenbodentraining und 4x Selbstfürsorge-Kurs verschrieben. Außerdem Vorträge über Erschöpfung und Stressmanagement. Weitere Angebote waren Yoga, Progressive Muskelentspannung, Kunsttherapie, Therapeutisches Bogenschießen, Sport-Fit und Freies Walken. Nach der ersten Woche hatte man eine Zwischenvisite und ein Kurgespräch, am Ende ein Abschlussgespräch mit der Ärztin und der Kurbetreuerin. In der Zwischenvisite hätte man eine Änderung des Therapieplanes besprechen können, wenn man unzufrieden gewesen wäre. Das war bei mir nicht der Fall, mir machten die Kurse Spaß, die ich hatte. Es war überhaupt kein Problem, wenn man mal an einem Termin nicht teilnahm, weil man sich lieber ausruhen wollte. Es gab keinen Zwang oder so. Gerade am Anfang war der Terminplan doch recht voll und jeder musste erstmal schauen, ob es zuviel oder angenehm ist. Ich empfehle, sich wirklich nur die Therapien herauszupicken, die man unbedingt machen möchte. Alle, die sich zuviel "aufgebürdet" hatten, ruderten in der zweiten Woche zurück, da die Entspannungszeit fehlte.


Kinderbetreuung

Am Donnerstag Nachmittag schnupperte der Große ca. 1 Stunde in der Kinderbetreuung und wir Eltern hatten nebenan ein Gruppengespräch. Da ich befürchtet hatte, ihn gleich am ersten Morgen übergangslos abgeben zu müssen, war ich von dieser "sanften" Eingewöhnung positiv überrascht. Alles machte einen guten Eindruck und der Große löste sich an diesem Tag problemlos von mir. Genauso hatte ich mir das erhofft; leider ging es nicht so weiter. Als ich den Wochenplan der Kinderbetreuungszeiten sah, war ich ziemlich überrascht: es waren im Laufe der Kur viele halbe Tage für Eltern-Kind-Interaktion eingeplant, wo die Betreuung geschlossen hatte. Insgesamt gab es in den 21 Tagen der Kur nur 4 Tage, wo die Kinder ganztags betreut wurden! Das war erstmal ein kleiner Schock für mich, immerhin gehen meine Kinder zuhause täglich 7,5 Stunden in die Kita und ich war nicht zuletzt deshalb auf die Kur gefahren, um mehr Zeit ALLEIN zu verbringen. Von fast allen aus unserer Gruppe wurde dies als unglücklich empfunden und am Ende auch im Feedbackgespräch mitgeteilt.

Kita

Dazu kam, dass es an den Tagen der Vormittagsbetreuung (bis 14 Uhr) eine freiwillige Abholzeit um 12 Uhr gab, die einige Eltern, deren Kinder einen längeren Mittagsschlaf halten sollten, wahrnahmen. Jedesmal, wenn mein Großer nun hörte, dass einer seiner Freunde statt um 14 Uhr schon um 12 Uhr abgeholt würde, forderte er dies auch von mir ein. Wäre er glücklich in der Betreuung gewesen, hätte ich das sicherlich abgelehnt. Leider fiel es ihm aber nach den ersten Tagen so schwer und er weinte herzzerreißend beim Abgeben und Abholen, dass ich nachgab und ihn dann eben auch so früh abholte. Er war dann beispielsweise nur von 9 bis 12 Uhr in der Betreuung und ich hatte neben meinen Terminen an solchen Tagen kaum Zeit für mich. Ungünstig waren auch Tage der Nachmittagsbetreuung von 14 bis 16:30 Uhr. Vormittags fand dann eine Eltern-Kind-Interaktion statt und die Kita hatte geschlossen. Keinem der Kinder fiel es leicht, nach dem gemeinsam verbrachten Vormittag dann am Nachmittag für 2 Stunden in die Betreuung zu gehen. Und den Eltern brachte das rein gar nichts. Mit der Verteilung der Betreuungszeiten waren wir also fast alle unzufrieden; wenn ich nachrechne, komme ich vielleicht auf ein Drittel unserer Betreuungszeit zuhause. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Immerhin gibt es sogar Kurkliniken, wo es eine Betreuung am Wochenende gibt, wenn man dies möchte oder braucht. Zum Glück war es für mich nicht anstrengend, da ich nur den Großen allein um mich hatte. Mit beiden Kindern hätte das schon anders ausgesehen und eine Mutter mit drei Kindern brach u.a. deshalb die Kur ab, weil es für sie zu anstrengend war, ihre Kinder ständig allein zu betreuen, was ich sehr gut verstehen kann.

Für mich war es sehr belastend, dass der Große sich nach den ersten Tagen nur noch widerstrebend und weinend in der Betreuung abgeben ließ. Fremdbetreuung und Trennungen waren für ihn nie einfach gewesen und er würde immer lieber bei uns bleiben, als in eine Kita zu gehen. Allerdings hatte ich gehofft, dass er mittlerweile anpassungsfähig genug ist, um solch eine fraglos schwierige, komplett fremde Situation zu meistern. Die Erzieher wirkten etwas unerfahren, obwohl sie ja ständig Trennungen bewältigen müssen. Fast alle Kinder hatten anfangs Schwierigkeiten mit der Kita. Hinzu kam das Pech, dass seine beiden neuen Freunde anfangs gleich drei Tage in Quarantäne (wegen Magen-Darm) waren und er sich ziemlich allein dort fühlte. Das war echt blöd für ihn, und es blieb dann bis zum Ende sehr schwierig mit der Kita. Er weinte schon abends, wenn es um den nächsten Tag ging, fragte immer, wie viele Termine ich hätte und ob ich ihn eher abholen könnte. Das war sehr schwierig auszuhalten, denn ich wollte ja nicht nur meine Termine wahrnehmen, sondern mal allein spazierengehen oder im Zimmer lesen etc. Stattdessen hatte ich auch bei nur 3 Stunden Betreuung ein schlechtes Gewissen und er tat mir so leid, dass ich meine Freizeit kürzte, um ihn eher abzuholen. Das hatte ich mir anders vorgestellt, aber es ist eben unplanbar und ich musste es so akzeptieren. Meine Termine nahm ich aber alle wahr und die Zeit mit ihm zusammen war auch meist total schön, da wir viel unternahmen und ich dadurch etwas "für mich" machte, aber es sprang für mich durch diese beiden Umstände (weniger Betreuungszeit als zuhause und die Probleme des Großen) definitiv zu wenig Alleinzeit heraus. Nach unserer Abreise sollte wohl etwas an dem Konzept der Betreuungszeiten geändert werden, ließ die Kurbetreuerin durchblicken.

Ein Spaziergang zum Strand donnerstags morgens um 9 Uhr

Die Kinder absolvierten während der Betreuungszeit auch verschiedene Aktivitäten wie Sport und Kinderküche. Toll war das Zirkus-Projekt, wofür sie des öfteren übten und was sie uns am letzten Tag in einer Abschluss-Show präsentierten. Der Große zauberte Tücher aus seinem Ärmel, andere Kinder balancierten auf einem Ball, imitierten Tiere oder schwangen Bänder und Reifen, und alle hatten einen riesen Spaß. Das war ein wunderschöner Abschluss und die eine oder andere Mama verdrückte einige Tränchen. An den beiden letzten Tagen kam der Große auch besser mit der Betreuung zurecht, sei es nun durch die baldige Abreise bedingt oder weil er richtig Fuß gefasst hatte. Insgesamt aber hatte ich mir diesen Aspekt der Kur leichter erhofft.

Steilküste

Eine zuverlässige Fremdbetreuung ist unglaublich wichtig für das Gelingen einer Kur. Mit sehr kleinen oder trennungsängstlichen Kindern würde ich mir sehr gut überlegen, auf eine Mutter-Kind-Kur zu fahren. Meiner knapp 4-jährigen Kleinen hätte ich eine Eingewöhnung in der kurzen Zeit nicht zugetraut. Das war u.a. ein Aspekt, weswegen ich sie nicht mitgenommen hatte. Die Allerkleinsten wurden nach Aussage zweier Mütter lediglich "verwahrt". Die Gruppe des Großen, die 3-6jährigen, war eine gute gemischte Gruppe, aber nicht jedes Kind schließt mit allen Freundschaft oder freut sich über die willkommene Abwechslung. Und nicht jede Mama schafft es, ihr weinendes Kind morgens abzugeben und sich dann ohne Gewissensbisse bis nachmittags ihrem Kur-Ziel zu widmen. Mir fiel das sehr schwer, was im Alltag nicht der Fall ist, wenn wir zur Arbeit fahren müssen, während die Kinder fremdbetreut sind. Es sollte jeder, der eine Kur in Betracht zieht, ehrlich überlegen, ob das für beide Seiten so funktioniert, dass die 3 Wochen zufriedenstellend verlaufen. Mein Großer ist schon alt genug, um ihn für einen Termin auch mal 45 Minuten allein im Zimmer zu lassen, wenn er sich komplett der Betreuung verweigert hätte. Mit kleinen Kindern ist das nicht möglich. Das muss man bedenken.

Therapien

Meine oben erwähnten Therapien/ Anwendungen/ Kurse waren allesamt sehr angenehm. Ich hatte eine gute Mischung aus Kursen für Körper und Geist. Sicherlich gab es Qualitätsunterschiede bei den Therapeuten und manchmal überraschende Personalwechsel innerhalb eines Kurses, aber so ist das eben in einer großen Einrichtung. Überraschend fand ich, wieviel Spaß die Wassergymnastik machte, obwohl ich diesen Kurs eigentlich absagen wollte. Als sehr fruchtbar empfand ich den Austausch im Selbstfürsorge-Kurs, wo 5 Mütter unter Anleitung einer Psychologin über ihre Probleme, Bedürfnisse und Strategien sprachen. Natürlich können solche Runden nie in die Tiefe gehen und langanhaltende Probleme lösen, aber es half schon, zu merken, dass man nicht allein mit gewissen Schwierigkeiten ist. In einige Wunden wurde der Finger gelegt, die Mütter wurden immer wieder ermutigt, sich gut um sich selbst zu kümmern und mir wurde noch deutlicher, worauf ich in Zukunft noch mehr achten muss. Einzeltermine wurden nicht aktiv angeboten, aber man konnte Beratungsgespräche problemlos vereinbaren. Einige Mütter aus unserer Gruppe nahmen zum Beispiel eine Erziehungsberatung in Anspruch. Ich hatte weder den Anspruch, dass 4 Massagen meine Rückenprobleme grundlegend beheben noch dass ein Vortrag über "Wege aus der Erschöpfung" mein gesamtes Leben verändert. Es können lediglich Anregungen zur Bewältigung vermittelt werden und Eltern für typische Probleme sensibilisiert werden. Dessen sollte man sich bewusst sein, sonst wird eine zu hohe Erwartungshaltung sicher nicht erfüllt. Was man daraus macht, muss natürlich jeder allein zuhause weitersehen. Nun war in unserer Gruppe auch außer einer Frau niemand, der wirklich schwerwiegende gesundheitliche Probleme hatte. Deshalb waren eigentlich alle Erwachsenen unserer Gruppe zufrieden mit den angebotenen Anwendungen.

Therapieplan für die 2., entspanntere Woche

Was die Kinder betrifft, sah das schon anders aus. Mein Großer war lediglich Begleitkind, d.h. es waren keine Therapien vonnöten, aber es gab einige Kinder, die ausdrücklich als Patientenkinder mitgefahren sind (Neurodermitis etc.) und diese erhielten leider keine oder unzureichende Anwendungen. Ich würde also raten, dass man lieber eine Kinderreha beantragt, wenn man umfassende Therapien für das Kind haben möchte. Bei einer Eltern-Kind-Kur liegt der Focus auf den Eltern.

Der Therapieplan hätte gern ausgeglichener sein können. In den ersten Tagen gab es viel Terminstress und kaum Zeit zwischen den Anwendungen. Ich glaube, das wird auch bewusst so geplant, damit man nicht aus seinem Alltagsstress in ein Loch fällt. Eine gewisse Tagesstrukur gibt ja auch Halt, gerade wenn alles noch neu ist. Dann wurde es langsam weniger und in den letzten Tagen hatte ich manchmal nur einen Termin (da gab es dann aber auch nur 3 Stunden Kinderbetreuung). Wenn mein Anfangsplan so stressig weitergegangen wäre, hätte ich definitiv bei der Zwischenvisite um Kürzung meiner Therapien gebeten. Das war aber genau der Zeitpunkt, als es entspannter wurde und deshalb beließ ich es dabei. Mir gefiel nicht, dass die freie Zeit manchmal so zerrissen war, d.h. Termin, 1/2 h Freizeit, Termin, 1 h Freizeit, Termin, Kind abholen. Für mich persönlich sind längere zusammenhängende Freizeitphasen besser, da ich immer recht lange zum Herunterfahren brauche. Habe ich schon in einer Stunde den nächsten Termin, bleibe ich auf einem hohen Adrenalinlevel und kann nicht abschalten. Aber das ist individuell verschieden, manche fanden auch gerade die vielen kurzen Pausen toll. Der allerletzte Tag war nochmal total vollgepackt, das bemängelten alle im Abschlussgespräch. Ich hatte an diesem Tag bewusst einen Termin gestrichen. Während der Mittagszeit fanden keine Therapien statt, d.h. man konnte tatsächlich entweder mit oder ohne Kind (je nach Betreuungsplan) auf dem Zimmer ruhen oder einen Spaziergang machen. Das war toll, denn wer von uns hat im Alltag mittags eine freie Stunde, wenn der Körper müde ist und eine Pause braucht? Auch wenn der Große bei mir war, hielten wir diese Zeit ein.

Freizeit

Für die Zeiten der Eltern-Kind-Interaktion gab es Angebote seitens der Klinik für gemeinsame Aktivitäten mit dem Kind. Oder man konnte allein etwas mit dem Kind unternehmen. Wir haben vier Angebote mitgemacht, Wassertreten am Strand, Eltern-Kind-Zirkus, eine Waldwanderung zum Gummibärchenbaum und einen Kreativ-Vormittag (Bemalen von Holz). Das war alles angenehm. Manchmal unternahmen wir allein etwas oder gingen mit den Freunden zum Strand. An zwei Interaktionstagen war der Mann mit der Kleinen zu Besuch, der Große ging nicht in die Betreuung und wir machten am Nachmittag einen Ausflug. Die Interaktionen waren aber für diejenigen Eltern schwierig, die mit Kindern verschiedenen Alters da waren. Eine Zweijährige und ein Sechsjähriger sind schlecht unter einen Hut zu bringen. Einige Eltern fühlten sich dann zerrissen oder mussten sich Alternativen überlegen. Das war etwas unglücklich organisiert.


Auch für die Wochenenden konnte man sich für Aktivitäten eintragen bzw. es gab Aushänge über Angebote wie Kutschfahrten, Kindertheater, Schwimmbad etc. In unmittelbarer Nähe waren zwei Spielplätze, der See, der Strand und der Wald, so dass es wirklich nie langweilig wurde. Im Nachbarort befand sich Karl's Erdbeerhof, wo man locker mehrmals einen halben Tag verbringen kann. Dank des meist wunderbaren Wetters waren wir natürlich viel am Strand unterwegs, machten eine lange Waldwanderung und genossen einfach die frische Ostseeluft. Abends trafen sich die Kinder meist noch im Toberaum und Spielzimmer. Der Große und seine Freunde spielten auch Karten oder Gesellschaftsspiele in der Sitzecke. Ich habe mit ihm so gut wie nie im Zimmer gespielt. Entweder wir waren draußen oder im Haus unterwegs oder wir machten eben Mittagspause. Da ich weder Essen zubereiten noch abräumen oder putzen und mich außer um die Wäsche um nichts kümmern musste, war ich in der gemeinsamen Freizeit immer präsent für ihn und konnte mich ihm exklusiv widmen. Und weil ich mich draußen in der Natur am wohlsten fühle, waren wir sehr viel unterwegs.


Besuch

Familienbesuch ist ein schwieriges Thema auf einer Kur. Eigentlich möchte man ja gerade mal raus aus den festgefahrenen Familienstrukturen und Abstand gewinnen. Zumindest ging es mir so. Jede Familie hatte das verschieden gelöst. Einige Väter waren die ersten Tage mit vor Ort, andere kamen zum Schluss die letzten Tage, andere jedes Wochenende. Manche Mütter hatten nach der Kur noch ein paar Tage Urlaub mit der Familie geplant, was sich wegen der Osterfeiertage anbot. Manche buchten sich als Übernachtungsgäste in der Kurklinik ein, andere nahmen sich ein Pensionszimmer oder eine Ferienwohnung. Wir hatten den Besuch des Papas mit der Kleinen genau in der Hälfte geplant, um die lange Zeit der Kur (immerhin war sie noch nie mehr als ca. 15 Stunden von mir getrennt gewesen) für sie erträglicher zu gestalten. Und ich fand es auch gut, nach ihrer Abreise noch eine ganze Woche für mich und den Großen zu haben. Grundsätzlich war das auch richtig so. Ich selbst hätte den Besuch nicht gebraucht, mir wäre es lieber gewesen, ich hätte die kompletten 3 Wochen Abstand gehabt. Die 4 Tage waren recht nervenaufreibend und mental anstrengend, genau so, wie es eben zuhause immer ist. Dadurch hatte ich das Gefühl, ich müsste die Kur nach dem Besuch nochmal neu anfangen. Aber für die Kinder war das schon wichtig, den jeweils anderen Elternteil wiederzusehen.


Sie hatten eine Ferienwohnung direkt neben unserem Kurhaus gebucht und obwohl ich eigentlich weiterhin in unserem Zimmer schlafen und im Speisesaal essen wollte, ließ sich das nicht durchsetzen, die Kleine vereinnahmte mich völlig und der Große wollte auch in der Ferienwohnung wohnen. An ihren Besuchstagen war zum Teil Wochenende bzw. ich hatte an den Wochentagen nur jeweils einen Termin, so dass wir flexibel genug waren, um etwas zu unternehmen. Das hatte gut gepasst. Wir machten Ausflüge zu Gullivers Welt, dem Verkehrten Haus, der Schmetterlingsfarm Trassenheide, nach Bansin, Heringsdorf und zu Karl's Erdbeerhof. Der Große hatte den Papa auch vermisst, naja und die Kleine klebte förmlich an mir. Ich fiel für 4 Tage zurück ins Alltagsleben inkl. Essensvorbereitung, Geschirrspüler ein- und ausräumen, Geschwisterstreitereien etc. Darüber war ich recht frustriert und daher froh, als der Große und ich wieder in unser Kurzimmer zurückkehren konnten. Der Abschied war wie erwartet sehr schwierig und tränenreich. Wie gesagt, für mich wäre kein Besuch besser gewesen, aber für die Kinder eben nicht. Die Kleine hatte schon darauf hingefiebert, für sie war die Zeit der Trennung natürlich sehr lang. Zwar hat der Abschied dann nochmal Wunden bei den Kindern aufgerissen, aber ich denke trotzdem, dass der Besuch wichtig für sie war.


Die Kleine, die ich aus guten Gründen nicht mitgenommen hatte, litt zuhause streckenweise arg. Sie hat eine sehr starke, nicht nur psychische, auch körperliche Bindung zu mir und war noch nie ohne mich. Sie weinte anfangs viel, suchte mich in der Wohnung und beklagte sich beim Papa, warum sie denn nicht mitkommen durfte. Sie fixierte sich dann sehr auf ihren Papa, entwickelte starke Trennungsängste und wollte sich kaum von den Großeltern, die 3 Tage bei ihnen zu Besuch waren, und dann gar nicht mehr von einer befreundeten Mama von der Kita abholen lassen. Das war für sie zuviel, wenn nach der Mama nun auch noch der Papa nicht kam. Der Mann bastelte ihr einen Tageskalender, zuerst bis zum Urlaub und danach noch einen zweiten bis zum Kur-Ende, wo sie gleich morgens den nächsten Tag abschnitt. Ich schickte ihr viele Postkarten und Fotos sowie kleine Videosequenzen, die sie aber auch oft weinen ließen. Das tat mir unheimlich leid und ich weiß, wie schwer das für sie gewesen sein muss. Trotzdem habe ich es immer für die richtige Entscheidung gehalten (und das tue ich auch heute noch), dass sie nicht dabei war, denn ihre Anwesenheit hätte eine ganz andere Dynamik und einen viel höheren Stresspegel für mich mit sich gebracht, der dem Kur-Effekt diametral entgegen gestanden hätte.


Gruppe

Alle, die am gleichen Datum anreisten (bei uns 15 Familien), waren ein fester Kurgang, wohnten im gleichen Haus (die meisten auch im gleichen Flur) und hatten ihre Termine zusammen (aufgeteilt nach den jeweiligen Plänen). Das fand ich toll, so kannte man bald die Eltern und Kinder (in unserem Kurgang war auch ein Papa mit seinen beiden Jungs, die die besten Freunde meines Großen wurden) und musste sich nicht ständig auf neue Leute einstellen. Besonders bei sensiblen Kursen wie dem Selbstfürsorge-Kurs war es angenehm, dass schon eine Art Vertrauensverhältnis aufgebaut war; so konnte man doch freier erzählen als wenn die Besetzung immer gewechselt hätte.

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig Angst vor den anderen Müttern hatte, nach den Berichten, die ich so gehört und gelesen hatte. Unsere Gruppe war zum Glück extrem toll und homogen, alle waren sehr nett untereinander und liebevoll mit ihren Kindern und es herrschte eine angenehme, ausgeglichene Atmosphäre. Natürlich gibt es mal unterschiedliche Ansichten zur Kindererziehung etc., aber es wurde sich sehr respektvoll und zugewandt ausgetauscht. Im Kurgang vor uns sah ich allerdings durchaus Mütter, die einen unschönen Umgang mit ihren Kindern pflegten und aus anderen sozialen Schichten als unsere Gruppe stammten. Deshalb bin ich wirklich dankbar, dass ich soviel Glück mit der Gruppe hatte. Da ich besonders am Anfang das Alleinsein genoss und die Einsamkeit suchte, merkte ich dies so richtig erst ab der Mitte der Kur. Auch die Altersmischung unserer Kinder war perfekt, zwischen 2 und 7 Jahren und somit passend für uns. Mit zwei 6-jährigen und einem 4-jährigen Freund hatte es auch der Große gut getroffen; eine 4-jährige Freundin für die Kleine beispielsweise hätte es in unserer Gruppe nicht gegeben. Nach uns kamen die Kurmütter mit den Schulkindern (Osterferien), das war eine ganz andere Atmosphäre und Gruppendynamik. Mit kleineren Kindern würde ich also immer versuchen, außerhalb der Schulferien auf Kur zu fahren.

Tendenziell merkte man, dass die Mütter, die mit mehreren Kindern da waren, gestresster waren als die Einkind-Mütter. Man sah deutlich den Unterschied zwischen der Einkind- und der Mehrkind-Situation, den ich selbst ja auch immer extrem krass empfinde. Alle Einkind-Mütter waren auf der Kur entspannt und zufrieden und konnten sich ausreichend ihrem Kind und sich selbst widmen. 5 Mütter unserer Gruppe (darunter ich) waren mit nur einem ihrer Kinder da und hatten die anderen zuhause gelassen. Dabei war ich die Einzige, die das kleinere Kind nicht mitgenommen hatte. Die einzige anwesende Dreikind-Mama brach die Kur ab. Die Zweikind-Mamas waren durchaus zerrissen zwischen den Bedürfnissen der Kinder und ihren eigenen. Je mehr Kinder mit sind, umso weniger kann man sich um sich selbst kümmern. Ich möchte dazu ermutigen, mit nur einem Kind zu fahren, wenn es irgendwie möglich ist. Nicht nur bekommt man eine tolle Exklusivzeit mit dem Kind geschenkt, die im Alltag so niemals möglich sein wird, sondern man kann auch mehr für sich selbst tun. Bei uns kommt erschwerend dazu, dass meine Kinder nicht gut harmonieren und dies ein enormer Stressfaktor gewesen wäre. Bei entspannten Geschwistern kann es auch eine tolle Erfahrung für beide sein.

Mein Befinden

Mir ging es bis auf Kopfschmerzen und den Anflug eines Magen-Darm-Virus (beides nur am Anfang) in der ganzen Zeit total gut, ich fühlte mich körperlich so fit wie zuhause nie, kränkelte nicht, war aktiv und gut gelaunt. Ich schlief mehr als zuhause und vor allem ungestörter, da allein. Zuhause liegt ja die Kleine neben mir, die noch einen sehr durchwachsenen Schlaf hat, und ich gehe grundsätzlich zu spät ins Bett, damit ich die einzige Freizeit des Tages auskosten kann. Auf der Kur war ich abends durch die Ostseeluft so müde, dass ich oft eindöste, nachdem der Große im Bett war. Der Schlaf war erholsam und ungestört, ich habe das nach 6 unruhigen Jahren sehr genossen. Bis auf wenige Tage konnten wir auch morgens länger schlafen als zuhause. Ich fühlte mich schnell recht ausgeruht. Vor allem die Aktivitäten an der frischen Luft taten mir gut und waren Balsam für meine Seele.

Auch die Zeit mit dem Großen war sehr entspannt, ich konnte eigentlich fast alles mit ihm unternehmen, was ich gern wollte, so dass sich mein sonst sehr hohes Stress-Level deutlich verringert hat. Die Zeit fühlte sich für mich streckenweise fast wie mein Vorkind-Leben an und dieses Gefühl, nach 6 Jahren mal so zu können, wie ich gern wollte, ohne auf alle möglichen Befindlichkeiten Rücksicht nehmen zu müssen, war so toll! Es gab auch keinen Zeitpunkt, wo ich mir gewünscht habe, dass ich ganz allein zur Kur gefahren wäre. Okay, der Große hatte zwischendurch ein paar Tage, wo sein Kopf komplett leer schien und die einfachsten Dinge nicht funktionierten. Das war nervig, aber insgesamt waren wir ein super Team und er zog gut mit. An den letzten Tagen hatte er allerdings starkes Heimweh, die 3 Wochen waren für ihn etwas zu lang. Für mich nicht;-)


Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter, den Umständen (Ort, Unterkunft, Gruppe etc.) und auch mit der Tatsache, dass uns keinerlei Krankheiten heimgesucht haben. Eine mehrtägige Isolation wegen Magen-Darm oder eine Fieberwoche oder Überführung in eine Kinderklinik auf dem Festland (trat alles in unserer Gruppe auf) hätten die Zufriedenheit auf der Kur sicherlich deutlich geschmälert. Insofern bin ich sehr dankbar, dass wir die Zeit komplikationslos ausnutzen und genießen konnten.

Mir hat es sehr gut getan, einen deutlichen Abstand vom Alltag und der Familienkonstellation zu haben. Ich konnte endlich mal reichlich Zeit allein bzw. mit dem Großen verbringen und das hat sowohl mich selbst als auch unsere Bindung gestärkt. Eines meiner Kurziele war übrigens, die Beziehung zu ihm zu intensivieren, die durch die schwierige Anfangszeit (Schreibaby) immer noch geprägt ist. Wir sind sehr zusammen gewachsen und ich sah, wie gut ihm die Ruhe und die Konzentration auf nur eine Bezugsperson bekam. Allerdings realisierte ich aber doch nach der ersten Woche, dass ihm der nahe Kontakt zu anderen Kindern (trotz Kita) fehlte und achtete ab diesem Zeitpunkt mehr darauf, uns bzw. ihn mit seinen Freunden zusammenzubringen. So waren wir oft mit anderen zusammen am Strand, im Wald, auf dem Fußball- oder Spielplatz oder im Toberaum. Wenn ich mir die vielen Fotos von dieser tollen Kindertruppe anschaue, mit ihren bunten Jacken vor dem blauen Meer oder zusammen im Strandkorb sitzend und Karten spielend, wird mir ganz warm ums Herz. Es war eine wunderbare Zeit und ich bin dankbar und glücklich über diese Erfahrungen und Erlebnisse. Gut, dass ich die Kur gemacht habe!

Ich habe versucht, alle Aspekte, die mir wichtig waren, zusammenzufassen und näher zu beleuchten. Wenn ihr noch konkrete Fragen habt, könnt ihr diese gern in den Kommentaren stellen.



Hier findet ihr die anderen Beiträge zu meiner Mutter-Kind-Kur:

Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Die Vorgeschichte
Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Die Planung
Unser Wochenende in Bildern 25./ 26. März 2017 auf der Mutter-Kind-Kur
Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Zwischenstand nach einer Woche
WMDEDGT? am 5. April 2017 - auf der Mutter-Kind-Kur

Und hier der Bericht über die Zeit nach der Kur:
Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Die Zeit danach

Mit diesem Beitrag nehme ich auch an der Blogparade #meinekur vom Blog Landfamilie teil.

Alle Fotos: Copyright Frühlingskindermama

Mittwoch, 5. April 2017

WMDEDGT? am 5. April 2017 - auf der Mutter-Kind-Kur

Heute mache ich mal bei der Aktion "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?" (#wmdedgt) von Frau Brüllen mit und berichte von unserem Tag auf der Mutter-Kind-Kur mit dem Großen. Da der Mann und die Kleine, die uns ein paar Tage besuchten, heute abreisten, räumen wir morgens die Ferienwohnung leer und stellten uns auf einen tränenreichen Abschied ein. Genauso kam es, beide Kinder weinten bitterlich und markerschütternd, als wir uns vor dem Haus verabschiedeten. Die im Auto angeschnallte Kleine streckte ihre Ärmchen weinend nach mir aus und der Große wollte mit nach Hause fahren, weil er nicht gern in die hiesige Kinderbetreuung geht. Es war wirklich furchtbar für alle und wir machten das so kurz wie möglich.


Nach der Abfahrt der beiden brachte ich den Großen - auch unter vielen Tränen - um 8:50 Uhr in die Kinderbetreuung. Ich fragte die Erzieherinnen, ob er sein Kartenspiel mit in den Gruppenraum nehmen könne (er liebt Kartenspiele) und rief einen Jungen, mit dem er zuletzt mal Fußball gespielt hatte, dass er ihn an der Hand nehmen und hineinführen solle. Er weinte, aber es klappte halbwegs und ich raste zu meinem Termin um 9:00 Uhr. Auf dem Programm stand die 3. Kursstunde "Selbstfürsorge", ein wirklich toller Austausch unter sehr verschiedenen, reflektierten Mamas, die alle ähnliche Probleme haben, wenn auch in unterschiedlichen Umständen. Es war wieder eine schöne Stunde.

Danach hatte ich eine halbstündige Pause, in der ich die Dinge, die wir in die Ferienwohnung geschleppt hatten, wieder in unserem Kur-Zimmer platzierte. Um 11 Uhr ging es weiter mit Wirbelsäulengymnastik, heute auf dem Pezziball. Danach ging ich zum Mittagessen, holte mir einen Kaffee auf's Zimmer und hielt eine Mittagspause (13:00-14:30 Uhr). Der Mann informierte mich derweil, dass er zuhause angekommen sei, die Kleine aber im Auto mehr als die Hälfte der Strecke geweint habe. Oje. Dabei war er extra noch zur Ablenkung mit ihr in Karl's Erdbeerhof gewesen. Auch zuhause weinte sie viel. Sie tut mir echt leid, aber ich bin immer noch überzeugt davon, dass es richtig war, sie nicht mitzunehmen. Dass sie mich wiederum 3 Wochen gar nicht sieht, hätte ich auch nicht über's Herz gebracht.

Um 14:30 Uhr startete mein Kurs "Autogenes Training", eine halbe Stunde Entspannung auf Knopfdruck, was mal besser, mal schlechter funktioniert. Direkt anschließend fand die letzte Einheit Beckenboden-Training statt, bis 15:45 Uhr. Ich raste danach gleich zur Kinderbetreuung und rechnete damit, einen traurigen Großen vorzufinden, aber zum ersten Mal überhaupt auf der Kur kam er mir nicht weinend in die Arme gerannt, sondern saß vergnügt mit seinem Freund am Tisch, spielte mit seinen Karten und bat mich sogar, noch ein wenig zu warten. Ich war sehr erstaunt und erleichtert. Er sagte selbst, dass es ihm heute zum ersten Mal Spaß gemacht habe. Puh! Als ich ihm dann noch erzählte, dass wir uns später mit seinen Freunden zum Fußball-Spielen treffen würden, was ich schon mit den jeweiligen Eltern verabredet hatte, war die Freude groß. Er wirkte sehr ausgeglichen und fröhlich, ein großer Kontrast zu den letzten Abholsituationen.

Nach der Betreuung wurde erstmal im Strandkorb gesnackt und erzählt. Wir gingen noch kurz Einkaufen und dann spielten die vier Jungs ein bisschen Fußball. Es war allerdings recht frisch und windig und sie hielten nicht lange durch. Stattdessen setzten wir uns noch in die Klön-Ecke in unserem Kurhaus und die Jungs spielten nochmal mit Begeisterung Karten. Dann aßen wir alle gegen 18 Uhr Abendbrot. Da wir die letzten Tage fast immer in der Ferienwohnung gegessen hatten, war das wieder spannend. Nach dem Abendbrot trafen sich die Jungs erneut und enterten den Toberaum. Ganz glücklich und ausgepowert war der Große und das war so schön zu sehen. Er hatte noch einen kurzen Papa-Vermissens-Anflug, aber äußerte nicht wie bisher jeden Abend, dass er keinesfalls morgen wieder in die Betreuung gehen würde. Mal sehen, wie es dann morgen läuft.

Ich freue mich auf unsere letzte Kurwoche, mit viel frischer Luft, schönen Ausflügen und Freunden für den Großen, was für ihn doch wichtiger zu sein scheint, als ich ursprünglich dachte und was ich ja nun nach der ersten Woche auch mehr berücksichtigt habe. Es war schön, ihn nach diesem emotional aufreibenden Morgen so ausgeglichen zu erleben. Wenn nun noch die Kleine nicht so arg traurig wäre, könnte ich die Zeit so richtig genießen. Denn ich selbst fühle mich weiterhin sehr wohl hier.