Freitag, 23. Juni 2017

Die dritte Kitareise des Großen im Juni 2017

Zum dritten und letzten Mal vor seiner Einschulung war der Große nun für 4,5 Tage auf Kitafahrt, und diesmal waren wir alle schon so erfahren und sicher, dass wir keine Bedenken hegten und wussten, dass alles klappen würde. Bei seiner ersten Kitafahrt war er 4 1/4 Jahre alt gewesen, also ungefähr so alt wie die Kleine jetzt, und ich hatte damals große Bauchschmerzen, sowohl vorher als auch während dieser Woche. Bei seiner zweiten Fahrt war er ein Jahr älter, und nun ist er 6 1/4. Ursprünglich hatten wir gehofft, dass die Kleine schon mitfahren würde, was ich super gefunden hätte, aber da sie erst im August in den großen Elementarbereich wechselt, wird ihre erste Kitafahrt erst nächstes Jahr sein, wenn der Bruder schon in der Schule ist. Der Große hatte zwar vorher ein Mal kurz gesagt, dass er nicht mitfahren wolle, weil sein bester Freund nicht mit dabei war, der im gleichen Zeitraum mit seinen Großeltern in den Urlaub geflogen ist. Aber mit Verweis auf seine anderen Freunde verflog das schnell wieder.

Am Montag 12. Juni 2017 verabschiedeten wir ihn morgens in der Kita, wo die Gruppe der teilnehmenden Kinder gegen 9 Uhr mit einem großen Bus losfuhr. Es ging wieder in das schon vertraute Ferienlager an einen See südöstlich von Berlin. Diesmal schlief der Große in einem Zimmer mit 8 Jungen zusammen, da will ich mir gar nicht vorstellen, was da manchmal los war. Sie machten wieder eine Waldwanderung, eine Kinderdisco, einen Kinoabend und eine Nachtwanderung. Den wärmsten Tag verbrachten sie komplett am und im See. Die Eltern hatten vorher wieder eine Karte abgegeben, die den Kindern in der Mitte der Woche vorgelesen wurde. Leider verschwand diese Karte diesmal, was noch nie vorkam. Auch gab es diesmal so gut wie gar keine Fotos und Informationen über die WhatsApp-Gruppe, was die Erzieher schon vorher angekündigt hatten, da es im letzten Jahr Beschwerden von Eltern gegeben hatte, weil einige Kinder oft und andere gar nicht zu sehen waren. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln...

Wir hatten eine ziemlich arbeitsintensive Woche, da wir in der Wohnung umräumten und der Kleinen ein eigenes Kinderzimmer einrichteten. So vergingen die Tage wie im Flug. Morgens waren die Kleine und ich allein, das war total entspannt und eine herrliche Abwechslung zum sonstigen Morgenterror, zu dem der Große nicht unwesentlich beiträgt. Auch nachmittags und abends war es erholsam mit nur einem Kind. Ich muss immer wieder sagen, ich mag es sehr gern und es bekommt mir besser, Ein-Kind-Mama zu sein, und es ist egal, mit welchem Kind ich zusammen bin, es ist immer deutlich entspannter in der 1:1-Situation. Das war auf der Mutter-Kind-Kur mit dem Großen so, und diesmal mit der Kleinen auch wieder.

Am Freitag gegen 12 Uhr holte der Mann den Großen wieder vom Bus ab. Er wirkte fröhlich und gut gelaunt und staunte zuhause über das neue Kinderzimmer der Kleinen. Als ich am Nachmittag nach Hause kam, begrüßte er mich kurz und holte dann mit dem Mann die Kleine von der Kita ab. Wie in den letzten Jahren erzählte er in den folgenden Tagen kaum etwas von sich aus, ich musste ihm alles aus der Nase ziehen. Aber er wirkte zufrieden und ausgeglichen und das freute mich sehr. Nach seiner ersten Kitafahrt war er ja sehr motzig wiedergekommen und musste viel kompensieren. Man sieht also deutlich, dass er eine gute Entwicklung gemacht hat. Allerdings kennt er seine Freunde und Erzieher nun schon viele Jahre, ist gut integriert und beliebt und fühlt sich sicher. Ich denke, seine erste Klassenfahrt in der Schule wird erstmal wieder schwieriger werden.

Am Samstag Vormittag haben der Große und die Kleine relativ lange und störungsfrei im neuen Kinderzimmer der Kleinen gespielt, zwar nicht wirklich zusammen, sondern nebeneinander, aber immerhin. Leider blieb es bisher bei diesem einen Mal und spätestens ab Sonntag war alles beim Alten, inkl. ständigen Streitereien, Ärger und Frust im Garten. In der neuen Woche wollte er noch weniger als sonst in die Kita gehen, was mich wunderte, denn wenn die Kitafahrt so schön war, müsste er doch gern seine Freunde und Erzieher wiedersehen wollen. Aber er meinte, es sei wie Urlaub gewesen und nach dem Urlaub geht er eben nicht gern wieder in die Kita (er verlässt generell nicht gern die Wohnung).

Ich muss sagen, dass ich diesmal wirklich tiefenentspannt und nicht so emotional beteiligt war wie die letzten beiden Male. Sorgen habe ich mir keine mehr gemacht, ich hatte nur Angst vor der Rückkehr und der erneuten konfliktreichen Geschwisterkonstellation, die einen sehr negativen Einfluss auf mein Wohlbefinden hat. Ich war sehr froh, dass er ausgeglichen wiederkam und es ihm gefallen hat. Während in anderen Kitas die Vorschulkinder erstmals auf Kitareise fahren, war es für ihn die dritte - und letzte - Kitafahrt. Nun, wo er und wir uns gerade sicher genug fühlen, endet es wieder. Als nächstes kommt dann eine Klassenfahrt. Hoffentlich erst, wenn er sich in der neuen Schulumgebung eingelebt hat.

Mit seiner Bezugserzieherin habe ich auch nochmal unter vier Augen gesprochen und sie bestätigte mir, dass der Große sich wohlgefühlt hat, fröhlich und ausgeglichen war und alles gut mitgemacht hat. Und keine seiner derzeitigen Vorschulpubertäts-Anwandlungen gezeigt hat, unter denen wir zuhause im Moment, z.B. in unserem Frühlingsurlaub, manchmal arg leiden. Nun geht es wirklich unaufhaltsam und mit großen Schritten auf die Schule zu. Und im nächsten Jahr wird die Kleine (hoffentlich) auf Kitafahrt gehen. Ich bin gespannt!

Montag, 19. Juni 2017

Ein eigenes Kinderzimmer für die Kleine

Manchmal muss man sich von Vorstellungen verabschieden, an die man geglaubt hat, die sich aber nicht bewährt haben. Ich war z.B. lange Zeit ein überzeugter Verfechter eines gemeinsamen Kinderzimmers für meine beiden Kinder. Erstens deshalb, weil wir einfach wenig Platz in unserer 90 qm-Wohnung haben, aber auch weil ich denke, dass Kinder in einem gemeinsamen Kinderzimmer viele soziale Fähigkeiten wie Rücksichtnahme und Anpassungsfähigkeit lernen können. Das setzt aber voraus, dass sich die Kinder auch verstehen, zusammen spielen können und aneinander hängen. Bekanntlich ist das bei meinen Kindern nicht unbedingt der Fall, sie sind sehr verschieden und behindern sich eher gegenseitig, als gemeinsam zu spielen. Hier habe ich über ihre Geschwisterbeziehung geschrieben. Wir hatten die Hoffnung, dass sie sich durch ein gemeinsames Kinderzimmer annähern würden. Stattdessen sind dadurch erst viele Konflikte entstanden.


Als die Kleine ein Jahr alt war (Mai 2014), räumten wir die Wohnung um und richteten für beide ein gemeinsames Spielzimmer ein, in dem der Große auch schlief. Die Kinder bekamen das mit 20 qm größte Zimmer der Wohnung und wir schränkten uns etwas ein. Die Kleine schlief weiterhin bei mir, später stellten wir ihr Kinderbett zwar auch ins Kinderzimmer, aber sie wollte trotzdem weiterhin nur bei mir schlafen. Nach und nach kamen ihre Spielsachen dazu, zu Weihnachten 2015 auch ein Hochbett und es wurde immer als gemeinsames Kinderzimmer von uns proklamiert. Sie ging auch zum Spielen hinein, aber ich glaube, sie fühlte sich trotzdem immer wie ein Gast darin. Gefühlt war es das Zimmer des Großen, obwohl beide Namen an der Tür standen. Als die Kleine vor kurzem die ersten Gastkinder hatte, fragten diese gleich, wo denn ihr Zimmer sei. Da sie auch viel im Wohnzimmer spielte, vor allem, als sie noch kleiner war, befanden sich im Wohnzimmer einige größere Spielzeugsachen. Ihr Besitz war also überall verteilt und sie hatte keine richtige Anlaufstelle in der Wohnung. Früher war das kein Problem, aber je älter sie wurde, umso komischer wurde das.

Dazu kommt, dass die beiden wirklich überhaupt nicht miteinander spielen können. Leider beschäftigen sie sich aber auch nicht einzeln nebeneinander, sondern kleben aneinander, nerven, ärgern und piesacken sich. Die Kleine möchte gern mit dem Großen spielen und erwartet, dass er sich mit ihr abgibt. Der Große hat noch nie wie ein "normales" Kind gespielt und erwartet Bespaßung von einem Erwachsenen. Die Kleine stört ihn eher bzw. setzt ihn unter Druck mit ihrer Erwartungshaltung. Sind beide zusammen im Kinderzimmer, dauert es keine Minute, bis es Geschrei gibt. Die Kleine zetert, der Große ist genervt und wir müssen einschreiten und sie trennen. Das stresst uns unheimlich und schafft viel Unfrieden. Früher haben wir noch gedacht, das wird schon noch und sie werden sich zusammenraufen. Wir hatten auch die Hoffnung, das gemeinsame Kinderzimmer würde dazu beitragen. Nach nun 3 Jahren haben wir den Versuch aufgegeben.

Wenn der Große im September in die Schule kommt, wird er nachmittags sicher ziemlich kaputt sein und seine Ruhe brauchen. Die Kleine wird ihn stressen, wenn sie im Kinderzimmer spielt und er Hausaufgaben machen will. Ich werde nur damit beschäftigt sein, die beiden auseinanderzuhalten. Der Große möchte, wenn er seinen Freund zu Besuch hat, die Tür zum Kinderzimmer schließen. Die Kleine möchte mitspielen. Die Kleine möchte auch Besuch empfangen und ihr Spielzeug an einem Ort präsentieren, anstatt es in verschiedenen Zimmern zusammenzusuchen. All diese Überlegungen und Erfahrungen brachten mich dazu, ein eigenes Kinderzimmer für die Kleine in Betracht zu ziehen. Und da wir nur 4 Zimmer haben (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Arbeitszimmer), gab es nur die Möglichkeit, das Schlafzimmer (11 qm) aufzulösen bzw. umzuwandeln, wo die Kleine und ich bis jetzt zusammen geschlafen hatten und was nur nachts genutzt wurde. Alle anderen würden dadurch nicht beeinträchtigt. Da es auch weiterhin ihr Wunsch ist, dass ich bei ihr schlafe, konnte das auch genauso gut ihr Kinderzimmer werden, in dem ich dann eben mit schlafe. Ich brütete ein paar Monate über dieser unkonventionellen Variante, aber es gab keine andere Lösung. Auch wollte ich es nicht soweit kommen lassen wie bei einem Freund von meinem Großen, der vor kurzem die Spielsachen seiner kleinen Schwester aus "seinem" Kinderzimmer rausgeschmissen hat. Also suchte ich ein entsprechendes Bett für das schmale Zimmer, überlegte, welche Möbelstücke und welches Spielzeug zu ihr wandern würden und überzeugte den Rest der Familie.

In der vergangenen Woche war der Große auf Kitafahrt und das war eine gute Gelegenheit für die Umräum-Aktion. Denn die Kleine und ich konnten in diesen Tagen in seinem Kinderzimmer schlafen, ebenso konnten wir dort Möbel zwischenlagern, der Mann konnte abends im Zimmer werkeln, da nur ein Kind zu Bett gebracht werden musste, und alles war stressfreier als mit zwei Kindern. Zwei Tage vorher kauften wir noch Wandfarbe und einen neuen Teppichboden, was gar nicht so einfach war. Am Montag verabschiedete sich der Große auf Kitafahrt, den Rest der Woche brachte ich die Kleine in die Kita und holte sie auch ab, damit der Mann früh auf seiner Arbeit anfangen und nachmittags in der Wohnung werkeln konnte. Es war eine arbeitsreiche (vor allem für den Mann), aber nervlich unanstrengende Woche, da es mit einem Kind hier immer deutlich ruhiger ist. Die Kleine und ich machten uns morgens in aller Ruhe fertig, wo sonst immer Familienchaos und Stress vorherrschen. Auch die Nachmittage waren recht entspannt mit ihr und abends war eben nur ein Kind ins Bett zu bringen.

Die Kleine staunte jeden Tag darüber, was passierte, und wie ihr Zimmer immer mehr Formen annahm. Es war echt süß, wie sie sich freute, mithalf und alles in Beschlag nahm. Ich glaube, sie merkte dann erst selbst, wieviele Spielsachen ihr gehörten, waren diese doch früher überall verstreut. Den letzten Handschlag machte der Mann tatsächlich erst am Freitag Vormittag, bevor er den von seiner Kitafahrt zurückkehrenden Großen mittags vom Bus abholte. Als dieser nach Hause kam, staunte er nicht schlecht. Alles, was der Kleinen gehörte, war nun aus seinem Kinderzimmer raus, dafür waren andere Dinge hineingewandert. Und von Freitag zu Samstag schliefen wir zum ersten Mal im neuen Zimmer. Es ist eng, da das Zimmer sehr schmal ist, und noch nicht alles ist hundertprozentig praktikabel, aber es ist sehr gemütlich und nun wirklich ein eigenes kleines Reich für die Kleine, die als Zweitgeborene immer das Nachsehen hatte, nicht zuletzt deshalb, weil sie immer bei mir schlafen wollte und keine Notwendigkeit für ein eigenes Zimmer bestand.



Ich bin wirklich froh, dass wir das nun gemacht und geschafft haben und jedes Kind sein eigenes Revier hat. Ja, das war ursprünglich nicht meine Vorstellung und schränkt uns Erwachsene, vor allem mich, noch mehr ein als ohnehin schon. Angst habe ich z.B. vor Krankheiten meinerseits, da ich nun gar keinen Rückzugsort mehr für mich habe. Wir müssen sehen, wie das dann funktioniert. Ich hoffe aber, dass es die schwierige Geschwisterbeziehung etwas entzerrt, der Große mehr Ruhe nach seinem Schulstart hat und die Kleine sich zurückzieht und mehr auf ihr eigenes Spiel besinnt. Ich selbst hatte bis zum 15. Lebensjahr überhaupt kein eigenes Zimmer, da meine Familie zu viert in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit Wohn- und Schlafzimmer lebte, und nein, das war nicht angenehm. Im Nachhinein frage ich mich, warum meine Eltern nicht einfach im Wohnzimmer schliefen und uns beiden Kindern das Schlafzimmer überließen. Aber die Zeiten waren eben anders, und die Bedürfnisse von Kindern weniger wert. Wir haben uns nun so entschieden, gegen unseren ursprünglichen Plan eines gemeinsamen Kinderzimmers, und ich bin gespannt, ob und wie sich das Zusammenleben verändern wird.

Wie ist das bei euch, haben eure Kinder ein gemeinsames oder getrennte Kinderzimmer, wie klappt das und ist es so, wie ihr euch das vorgestellt habt?

Donnerstag, 15. Juni 2017

Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Die Zeit danach

Bevor meine Mutter-Kind-Kur allzu lange zurück liegt, möchte ich mal noch ein wenig die Rückkehr und die erste Zeit danach beschreiben, denn der Kontrast war wirklich krass und ich hatte selten so große Umstellungsprobleme nach einem "Urlaub". Man muss natürlich auch sagen, dass ich noch nie so lange (3 Wochen) verreist und aus der Wohnung, dem Job und der Familienkonstellation weg war. Insofern habe ich zwar keinen Vergleichsmaßstab, weiß aber, dass ich die Rückkehr ins gewohnte Leben nach Urlauben noch nie als so unangenehm und schmerzhaft empfunden hatte wie nach der Kur. Auch hatte ich mein Zuhause gar nicht arg vermisst, im Gegenteil, ich fühlte mich auf der Kur total wohl, blühte auf und wäre am liebsten noch länger geblieben. Trotzdem war ich natürlich gespannt darauf, wie ich die Rückkehr verkraften würde.


Am Schlimmsten war der Großstadtkoller, der mich mit aller Macht überfiel, als wir in Berlin ankamen. Schon als sich der Zug kurz vor Berlin füllte, wurde ich unruhig und der Große sagte, es würde stinken. Beim Aussteigen überwältigten uns die Menschenmassen, die Lautstärke und dass man sich auf so viele Dinge gleichzeitig konzentrieren musste. Es war wirklich ein Schock. Ich vermisste sofort den Wald, das Meer, die Ruhe und die Leere meines Kurortes. Als wir an unserer heimischen S-Bahnstation ausstiegen und nach Hause liefen, war das Unwohlsein so überwältigend, dass ich immer wieder zum Großen sagte: "Ich kann hier nicht mehr leben, das ist mir alles zu laut, zu voll, zu dreckig!" Mir war zum Heulen zumute, ich hatte so eine starke Abneigung gegen die Stadt, die ich als meine selbstgewählte Heimatstadt empfand und in der ich seit 23 Jahren lebte, noch nie empfunden. Es stank nach Abgasen, nach Müll und allen möglichen menschlichen Gerüchen, was nach 3 Wochen mit täglicher frischer Ostseeluft wirklich quälend war. Der viele Verkehr, Busse, Flugzeuge, Obdachlose, Imbisse, Werbeplakate, das ganze urbane Leben war mir auf einmal zutiefst zuwider. Ich war richtig verzweifelt, empfand Abneigung, Ekel und körperliches Unwohlsein und jammerte vor mich hin. Das war sicherlich für den Großen, der sich auf sein Zuhause gefreut hatte, nicht einfach, aber ich konnte die Gefühle nicht zurückhalten, sie waren total existenziell. Noch viele Tage nach der Rückkehr empfand ich das Gefühl von meinen Schuhen auf dem städtischen Asphalt als äußerst unangenehm. Das hatte ich in dieser Intensität noch nie gehabt.

Ich hatte wirklich so deutlich wie noch nie zuvor den Impuls, jetzt sofort meine Wohnsituation, meine ganze Lebensausrichtung ändern zu müssen, um glücklicher und zufriedener zu werden. Gleichzeitig waren natürlich die Faktoren, die dagegen sprachen bzw. dies verhinderten (Finanzen, Job bzw. Arbeitsweg, Umfeld der Kinder etc.) unverändert. Diesen Konflikt empfand ich direkt nach der Kur sehr stark. Mir war schon bewusst, dass die Kur eine Ausnahmesituation gewesen war, aber ich hatte durch sie eben sehr deutlich gemerkt, was mir fehlte und wonach ich mich sehnte. Das betraf nicht nur den Wunsch nach einem naturnaheren Leben, sondern auch die Sehnsucht nach viel mehr Zeit allein, nach mehr Flexibilität und weniger Hamsterrad. Das und die Tatsache, dass ich nichts oder nicht viel in meinem Alltagsleben ändern konnte, war schwer auszuhalten.

Als ich zurückkam, hatte ich noch einen Tag frei, an dem die Kinder in der Kita waren. Dann begann das lange Osterwochenende und ich befürchtete schon vorher, dass es konfliktreich werden würde, da sich die gesamte Familie erstmal wieder finden und zusammenraufen musste. So kam es dann auch, es folgten 4 schwierige, anstrengende Tage, leider aufgrund des schlechten Osterwetters hauptsächlich indoor stattfindend, was die negative Dynamik noch verstärkte. Es gab viel Streit und Genervtheiten und jede Seite vermisste das relativ reibungslose Funktionieren während der dreiwöchigen Trennung. Auch die Kinder kriegten sich wieder schnell in die Wolle und so waren wir froh, als das Osterwochenende vorbei war und der Alltag einzog. Ich empfand die Rückkehr in den Familienalltag als unheimlich freiheitsberaubend und einschränkend. Einerseits deshalb, weil ich mich auf der Kur um nichts außer der wenigen Wäsche und ein paar Luxus-Einkäufen kümmern musste, andererseits aber auch deshalb, weil ich auf der Kur Entscheidungen allein und unabhängig für mich und den Großen treffen konnte und es mir damit wesentlich besser ging als mit dem ständigen schwierigen Abstimmen und Abwägen der Bedürfnisse aller Familienmitglieder zuhause.

Die Vor- und Nachbereitung der Mahlzeiten fiel auf der Kur komplett weg, wir konnten 15 Minuten vor dem Ende des Mittagessens oder Abendbrots vom Strand kommen und so die Freizeit ausnutzen. Wie oft kommt man im Alltag spät nach Hause, muss dann noch Essen machen und ärgert sich, weil die Kinder nichts oder wenig essen, man selbst aber die Vor- und Nachbereitungsarbeit hat? Das fand ich auf der Kur sehr entspannend und hat mich wirklich entlastet. Überhaupt, 3 Mal am Tag eine fertige Mahlzeit vorgesetzt zu bekommen und vor allem ein tägliches warmes Mittagessen, war für mich Luxus pur. Da ich auf Arbeit keine Pause mache und nur etwas Kaltes zwischendurch esse, eigentlich aber eine warme Mahlzeit brauche, habe ich das sehr genossen und zurück zuhause arg vermisst. Ja, in 3 Wochen kann man sich an angenehme Dinge gewöhnen...

Was die Kinder betrifft, so hat der Große die beiden Umstellungen, sowohl auf der Kur als auch zurück zuhause, eigentlich gut gemeistert, dafür, dass er immer ein Kind war, was schlecht mit Veränderungen und Umstellungen klar kam. Er fremdelte nicht mit dem Papa beim Wiedersehen, was z.B. vor anderthalb Jahren nach einer Kurzreise noch der Fall war. Er lebte sich zuhause sofort wieder ein, als wäre er nie weg gewesen. Auf der Kur hatte ich das Vermissen des Papas bei ihm nur in der letzten Woche deutlich gemerkt, und die kleine Schwester fehlte ihm, glaube ich, gar nicht. Waren wir auf der Kur wirklich gut miteinander klargekommen, so entwickelte er zurück zuhause ziemlich schnell wieder seine üblichen Verhaltensweisen wie Verweigerung, Beleidigtsein und Auseinandersetzungen mit der Kleinen. Dies zeigte mir wieder einmal, was ich ohnehin weiß, nämlich dass es ihm allein, als Einzelkind besser gehen würde. Ist er mit einem oder zwei Erwachsenen allein, ist er deutlich zufriedener, man wird ihm gerechter und alles ist einfacher.

Die Kleine war durch meine 3-wöchige Abwesenheit vorhersehbarerweise deutlich mehr beeinträchtigt. Sie hatte viel geweint, das zweimalige Abholen durch die Großeltern fast verweigert und immer nach mir gesucht und gefragt. In der Kita war ihr laut Aussage ihrer ErzieherInnen nichts anzumerken. Sie hatten sich extra darauf eingestellt, sie in dieser Zeit etwas intensiver zu betreuen und zu bekuscheln, falls nötig. Der Mann kam gut mit ihr klar, denn durch meine Abwesenheit hatte sie sich emotional ganz und gar an ihn gehängt. Ich hegte ja die leise Hoffnung, dass wir das nach meiner Rückkehr beibehalten und sie z.B. abwechselnd abends ins Bett bringen könnten. Das trat leider nicht ein, sondern sie hängte sich wieder komplett an mich, ihre 1. Bindungsperson, als ich zurück war. Immerhin war nun wenigstens die Gewissheit da, dass ich sie mal allein lassen konnte und sie halbwegs ohne mich klarkommt.

Allerdings, und darüber habe ich ja schon in meinem Bericht über ihre U8 geschrieben, blieb mein Wegsein leider nicht folgenlos: sie hatte in der Zeit ihren ersten größeren Neurodermitis-Schub entwickelt, was ich als direkte Reaktion auf akutes Mama-Vermissen interpretiere. Das hat mir unheimlich leid getan und noch nachträglich Gewissensbisse gemacht. Mittlerweile sind die juckenden Stellen deutlich zurück gegangen, wir pflegen täglich. Geblieben ist die Angst und das schlechte Gewissen, wenn ich wiedermal etwas allein, ohne sie, machen möchte. Als ich zuletzt allein in Prag war, konnte ich jedoch keine Verschlechterung feststellen, dafür war mein Wegsein einfach zu kurz. Ich hoffe einfach, dass sie sich durch öftere kurze Abwesenheiten etwas daran gewöhnt und emotional besser damit klarkommt. Eine 3-wöchige Trennung, auch wenn wir uns zwischendurch gesehen haben, war natürlich eine extreme Erfahrung für sie. Da hilft auch die Betreuung durch den Papa oder die Abwechslung durch die Großeltern nur bedingt: ein Kind mit einer so starken emotionalen und physischen Bindung zu einem Elternteil wird immer leiden, wenn dieses weg ist.

Nach der Kur war sie extrem trennungsängstlich, hat oft und viel geklammert und wich kaum von meiner Seite. Als ich das erste Mal abends ausging, schrie und tobte sie, versperrte mir die Tür und wollte mich absolut nicht gehen lassen. Wenn ich sie ausnahmsweise mal zur Kita brachte (meist macht der Mann das), hatte sie enorme Schwierigkeiten, sich von mir zu lösen, schrie und klammerte energisch. Wahnsinnig hart für mich. Das war kurz vor ihrem 4. Geburtstag für mehrere Wochen der Fall. Langsam, ganz langsam wurde es wieder "besser". Bin ich da, lässt sie sich weiterhin nur von mir ins Bett bringen, wie vorher. Bin ich weg, lässt sie zum Glück den Papa zu. Insgesamt ist ihre enge Bindung zu mir nicht lockerer geworden. Hatte ich gehofft, sie gewöhnt sich etwas besser an meine zeitweilige Abwesenheit, so kam mir die Zeit direkt nach der Kur wie ein Rückfall in ihre schlimmste Trennungsangst-Zeit vor. Das tat mir wahnsinnig leid, trotzdem wusste ich, dass der Weg für mich so weitergehen muss.

Einen großen Schritt nach vorn hat mein Bewusstsein für Selbstfürsorge und Achtsamkeit gegenüber mir selbst durch die Kur gemacht. Ich nahm ja dort an einem Gesprächskurs "Selbstfürsorge" teil, der mir sehr viel brachte, vor allem in Hinblick darauf, mit Mut, Nachdruck und ohne schlechtes Gewissen eigene Bedürfnisse einzufordern und durchzusetzen. Damit hatte ich mich immer schwer getan und zwei so anhängliche Kinder machen das natürlich auch nicht leichter. Schon während der Kur nahm ich mir vor, in Zukunft aktiv mehr für mich zu machen, anstatt darauf zu warten, dass mir jemand Freizeit ermöglicht. Dies habe ich umgesetzt, sicherlich trotzdem noch auf einem geringeren Niveau als andere Mütter, aber wesentlich mehr als vor der Kur und als in den letzten Jahren, und ich möchte das bewusst und kontinuierlich weiterverfolgen. Ich war mehrmals abends verabredet (das habe ich früher nie gemacht, um den Mann nicht abends allein mit den Kindern zu lassen), ich war in einem Musical und das Aufregendste und Einschneidendste war natürlich meine Prag-Reise allein, das erste Mal nach über 6 Jahren, dass ich 2,5 Tage komplett ohne Kinder war.


Ich habe wirklich das Gefühl, dass die Kur in dieser Hinsicht Steine ins Rollen gebracht hat und das war wichtig und bitter nötig. Ich hatte mich bisher immer mehr um die Kinder als um mich gekümmert, was sicherlich ein Problem ist, das viele Mamas haben, aber nicht jede Mama leidet gleichermaßen so sehr darunter, wie ich schon immer. Es war der Zwiespalt zwischen einem hohen Verantwortungsgefühl und schlechtem Gewissen und auf der anderen Seite einer großen Sehnsucht nach dem Verfolgen der eigenen Interessen und nach Me-Time. Der Konflikt ist natürlich immer noch da und wird nie verschwinden, aber durch die Kur ist der Mut und das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Selbstfürsorge enorm gewachsen. Ich finde das megatoll und hoffe, dass ich diesen Weg so weitergehen kann und nicht wieder zurückfalle in alte Muster. Es ist wirklich nicht einfach, wenn man niemanden hat, der einen dabei aktiv unterstützt, sondern immer das Gefühl vermittelt bekommt, man fordere eigentlich zuviel oder wenn die Kinder traurig und verzweifelt sind und sogar körperliche Symptome (siehe Neurodermitis) entwickeln, aber es ist der einzige Weg, wie ich mich selbst stärken kann. Dies wiederum kommt dann auch den Kindern zugute. Eine schwierige Gratwanderung und immer neues Austarieren der verschiedenen Bedürfnisse. Auf jeden Fall hat die Kur mich hier einen großen Schritt nach vorn gebracht und das ist in meinen Augen ihr wichtigster Effekt.

Dies war meine kleine Zusammenfassung der Zeit nach der Kur, der Veränderungen und Fortschritte. Der Kontrast nach der Rückkehr war echt heftig, sowohl was die Großstadt als auch was die Familienkonstellation und das Hamsterrad betrifft. Da macht sich eine Pause von 3 Wochen deutlich bemerkbar, damit hatte ich nicht gerechnet. Mittlerweile habe ich mich weitestgehend wieder an die Umstände zuhause gewöhnt, vermisse aber immer noch einige spezielle Aspekte der Kur-Zeit und denke immer wieder gern an diese 3 Wochen zurück. Die bedeutendste Veränderung ist sicherlich mehr Selbstfürsorge und Achtsamkeit für mich selbst. Schon allein für diese Fortschritte hat sich die Zeit gelohnt, und ich bin sehr dankbar dafür.

Freitag, 9. Juni 2017

Frühlingsurlaub mit Highlight: dem Playmobil-FunPark

Unsere Kita hat immer in der Woche über Christi Himmelfahrt geschlossen und wir nutzten wie jedes Jahr die Möglichkeit, im schönen Monat Mai eine Woche Urlaub zu machen. Nächstes Jahr, wenn der Große in der Schule ist, wird das wegfallen oder anders aussehen, und ich werde diese Frühlingsurlaubswoche sicher vermissen. Der Clou sollte diesmal sein, dass wir eine Woche zusammen als Familie verreisen wollten und ich danach betriebsbedingt noch eine Woche inkl. Pfingsten frei haben würde, und zwar ALLEIN frei, d.h. der Rest der Familie würde in der Kita bzw. auf der Arbeit sein. Darauf hatte ich mich besonders gefreut, denn mehrere Tage am Stück allein zuhause hatte ich schon ewig nicht mehr und ich hatte mir vieles vorgenommen, sowohl obligatorische ToDo's als auch schöne Dinge für mich. Und die Krönung dieser Tage sollte meine Prag-Reise sein, die erste Reise allein und ohne Kinder, also seit über 6 Jahren. Nach der Rückkehr blieben dann noch die beiden Pfingstfeiertage, d.h. die Familie würde auch nicht zu kurz kommen. Soweit die Planung.

Gut gelaunt und erwartungsfroh fuhren wir freitags in unseren Stamm-Ferienpark und konnten gleich am ersten Nachmittag im See baden. Wir hatten diesmal ein schönes großes Ferienhaus mit einer tollen Terrasse und einem riesengroßen Garten direkt oberhalb des Sees und konnten aufgrund des tollen Wetters meist auf der Terrasse essen, was für mich der Inbegriff von Urlaub ist. Irgendwie waren die Kinder aber, obwohl sie alles kannten, sich wohlfühlten und sofort eingelebt waren, im ganzen Urlaub ziemlich schräg drauf, hatten oft schlechte Laune, reagierten heftig und waren sich untereinander überhaupt nicht grün. Der negative Höhepunkt war unser gemeinsamer Fahrradausflug, den ich auch verbloggt habe.

Wir unternahmen einiges, allerdings weniger als geplant, fuhren zu einer Familienfeier und in einen großen Freizeitpark und verbrachten auch Zeit auf der Terrasse und im Garten. Die Kinder waren ein paar Mal allein im Spielhaus, immer auf Initiative der Kleinen, und das ist schon toll, dass sie sich dies seit Weihnachten trauen. So können wir auch mal durchschnaufen. Der Nachteil ist allerdings, dass man nicht mehr ganz allein im Ferienhaus ist. Für mich persönlich macht es einen Unterschied, ob ich ganz allein bin oder noch eine Person (der Mann) anwesend ist. Richtig abschalten kann ich nur, wenn ich ganz allein bin. Bisher war es immer so, dass wir abwechselnd mit den Kindern im Spielhaus waren. Der andere hatte in der Zeit Ruhe. Nun gehen sie allein ins Spielhaus und wir sind damit zu zweit im Ferienhaus. Für mich bedeutet das weniger Entspannung. Hat alles also seine Vor- und Nachteile. Die Kleine wollte auch oft mit ihrem neuen Fahrrad eine Runde durch die Anlage drehen. Ich finde es einerseits toll, dass sie so selbstständig und mutig ist, andererseits muss man ständig schauen, wo sie ist und ggf. hinterher rennen. Das kennen wir vom Großen überhaupt nicht ;-)



Schon vor längerer Zeit hatte ich mir überlegt, dass wir vor der Einschulung des Großen nochmal ein kleines Highlight einschieben und etwas ganz Besonderes machen. Insbesondere hatte ich den Playmobil-FunPark bei Nürnberg auf dem Plan, war zwar etwas unsicher, da ich den Großen schon für zu alt dafür hielt, aber letzten Endes entschieden wir uns dafür und hatten im Anschluss an die Woche in unserem Stamm-Ferienpark noch für 2 Tage eine Ferienwohnung bei Nürnberg gebucht, um dem Playmobil-FunPark einen Besuch abzustatten. So müssten wir nicht zweimal die lange Strecke von Berlin fahren und hätten am Ende des Urlaubs ein richtiges Highlight.

Im Playmobil-FunPark

Wir kamen auch gut in unserer Ferienwohnung an und tobten uns abends noch in einem kleinen Park aus. Leider klagte die Kleine dann über Bauchschmerzen und ich befürchtete schon das Schlimmste. So kam es dann auch, gegen 23 Uhr fing sie an, sich zu übergeben und hörte erst nach 4 Uhr morgens damit auf. Was zuhause auch schon schlimm und anstrengend ist, stellt sich in einer fremden Ferienwohnung als noch schlimmer dar. Man hat keine Wechselbettwäsche, nicht genügend Handtücher, und am nächsten Tag wollten wir ja ganztägig in den Playmobil-FunPark. Ach, das war so unpassend und sie tat mir so leid. Zum Glück übergab sie sich morgens nicht mehr, war aber sehr schwach und wir schoben sie den ganzen Tag durch den Playmobil-FunPark. Zum Glück hatten wir den Buggy mitgenommen, sonst hätte ich mit ihr zuhause bleiben müssen. Sie konnte dort nichts machen, sondern saß nur schlapp drin. Es war sehr heiß und voll und als sie endlich einschlief, setzte ich mich in eine schattige Ecke und wartete einfach.

Wir waren von 11 bis 17 Uhr im Playmobil-FunPark und der Große hat mit dem Mann fast alles mitgenommen und ausprobiert. Es hat ihm wider Erwarten sehr gut gefallen, er fand es nicht zu kindisch und obwohl er nie ein Playmobil-Kind war, konnte er mit allen Sachen etwas anfangen. Der Park ist absolut empfehlenswert für kleine und auch größere Kinder, sehr vielfältig und abwechslungsreich. Er bietet jede Menge Möglichkeiten für Eltern und Kinder, selbst aktiv zu werden und ich denke, er wird auch bei mehrmaligem Besuch nicht langweilig. An dem Brückentag nach Christi Himmelfahrt, als wir dort waren, war es unglaublich voll und man musste leider bei den Hauptattraktionen recht lange anstehen. Aber der Große wartete geduldig und war gut gelaunt und so war der Tag trotz der kranken Kleinen wirklich schön für uns. Ein tolles Erlebnis und ein würdiges Highlight vor der Einschulung, so wie es gedacht war.





Am nächsten Morgen traten wir die lange Rückfahrt nach Berlin an, nachdem sich die Kleine wieder übergeben hatte. So saß ich neben ihr in Bereitschaftshaltung, aber zum Glück passierte nichts mehr. Die Fahrt, die für uns der größte Risikofaktor gewesen war, da unsere Kinder von jeher keine guten Automitfahrer waren und sind, klappte reibungslos und schnell, nach 5 Stunden inklusive Pause waren wir wieder zuhause. Tatsächlich war dies die längste Strecke, die wir jemals mit den Kindern gefahren sind.

Am Sonntag, unserem letzten gemeinsamen Urlaubstag, waren alle fit, ich war mit den Kindern ein paar Stunden allein im Garten und freute mich auf meine kommende Urlaubswoche allein zuhause, wo ich soviel machen und noch mehr ausruhen wollte. Sonntagabend klagte der Mann über Bauchweh und übergab sich alsbald. In der Nacht zu Montag war mir plötzlich speiübel und das Gleiche ging bei mir morgens um 4 Uhr los. Da die Kinder fit waren, brachte der Mann sie am Montagmorgen in die Kita, damit wir uns auskurieren konnten. Als er sie am Nachmittag wieder abholte, hatte sich der Große gerade 10 Minuten vorher übergeben und war also auch infiziert. Demnach mussten wir am Dienstag alle 4 zuhause bleiben.

Als dies feststand, hatte ich einen kleinen Nervenzusammenbruch wegen der ungeheuren Ungerechtigkeit, dass MEINE erste Urlaubswoche allein zuhause einem Magen-Darm-Virus zum Opfer fiel. Ja, es war gut, dass wir wieder zuhause waren und uns 3 das nicht in der Ferne getroffen hatte und ja, wir mussten nicht zum Arzt rennen, da ich Urlaub hatte und der Mann ja auch krank war. Trotzdem, es war himmelschreiend unfair und ich war stockunglücklich. Immerhin war es nicht das erste Mal, dass etwas, worauf ich mich so sehr gefreut hatte, nicht zustande kam. Vor ca. einem Jahr z.B. hat mir ebenfalls ein Magen-Darm-Virus zwei freie Tage zerstört. Das ist echt hart für mich, denn freie Tage allein zuhause sind für mich im Moment die einzige Möglichkeit, zu regenerieren und aufzutanken. Und nur, weil der Große so schnell wieder fit war und der Mann sich am Mittwoch wieder auf Arbeit quälte, sprang für mich letzten Endes doch noch ein einziger Tag heraus, an dem ich selbst noch unfit war und soviel zu erledigen hatte, dass ich kaum zum Sitzen kam.

Naja, und am nächsten Tag ging es in mehr oder weniger krankem Zustand nach Prag, auf meine erste Reise allein als Mama. Darüber habe ich im letzten Beitrag geschrieben. So fällt meine Bilanz der beiden Urlaubswochen leider eher negativ aus: im Ferienpark waren die Kinder mies drauf, im Playmobil-FunPark war die Kleine krank, danach haben wir alle noch ihren Magen-Darm-Virus bekommen, ich verlor meine so wichtigen freien Tage und auf meiner ersten Reise ohne Kinder war ich selbst noch krank. Das kann man sich selbst mit viel Optimismus nicht schönreden. Immerhin war das Wetter fast die ganze Zeit perfekt. Man kann halt nicht alles haben...

Fazit Nr. 1: Mit Kindern kommt es immer anders, als man denkt! Das wissen wir ja alle, aber manchmal fühlt es sich besonders ungerecht an.

Fazit Nr. 2: Der Playmobil-FunPark ist echt toll und eine Reise wert!

Sonntag, 4. Juni 2017

Allein in Prag - meine erste Reise ohne Kinder

Ich hab's getan! Ich hab es wahr gemacht und bin zum ersten Mal, seit ich Mama bin, also seit über 6 Jahren, allein verreist! Und auch heil wieder zurück gekommen...

Seit die Kleine sich auch vom Papa ins Bett bringen lässt, wenn ich nicht da bin, hatte ich mir vorgenommen, endlich mal allein wegzufahren. Die Sehnsucht danach war schon lange sehr groß, aber ohne die Sicherheit, dass die Kleine auch wirklich beim Papa einschlafen würde, konnte ich das nicht wagen. Deshalb wurde das Wegfahren, als sie das Einschlafen mit knapp 3,5 Jahren endlich zuließ, mein wichtigster Vorsatz für das Jahr 2017, der sich auf meiner Mutter-Kind-Kur nochmal festigte. Zwar klammerte sie nach der Kur extrem, hatte enorme Trennungsängste und durch akutes Mama-Vermissen ihren ersten heftigen Neurodermitis-Schub, was mir auch sehr zu schaffen machte und Gewissensbisse verursachte. Dennoch wollte ich den Weg, mich ein wenig von den Kindern "abzunabeln", langsam weitergehen, und fing deshalb nach der Kur an, nach einem kleinen Städtetrip nur für mich allein zu recherchieren. Es sollte wirklich nur kurz und nicht zu weit weg sein, mit internationalem, aber halbwegs vertrautem Flair, wo ich mich auch sicher genug fühlen würde, denn ich war ja ohnehin schon aufgeregt genug.

Meine Wahl fiel auf Prag, eine knappe Flugstunde entfernt, mit einer gut überschaubaren Altstadt, nicht zu teuer und nicht zu einschüchternd für eine Reise allein. Ich war im Oktober 2002 zuletzt in Prag gewesen, als infolge des Hochwassers im August einige Teile der nördlichen Altstadt nicht zugänglich waren. Insofern gab es noch einiges zu erkunden. Nach einigen Zweifeln meinerseits und Protesten der Kinder machte ich Nägel mit Köpfen und buchte Flug und 2 Nächte im Hotel. Selbst von den 2 Nächten wollte die Kleine mich noch runterhandeln;-). Direkt vorher stand ein Familienurlaub an, die Kinder konnten also hoffentlich genug Mama tanken, so dass ihnen mein Wegsein dann vielleicht nicht so schwer fallen würde.


Ich freute mich nur sehr verhalten, ich hätte gedacht, dass ich euphorischer sein würde. Aber erstens wird man auch ein wenig zum Angsthasen, wenn man nach so langer Zeit wiedermal was allein plant, und zweitens kann ja mit Kindern immer noch so viel dazwischen kommen. Und so wäre es auch fast gekommen: nachdem die Kleine in den letzten Urlaubstagen Magen-Darm-Grippe hatte, traf es nach unserer Rückkehr erst den Mann, dann mich und dann den Großen im Abstand von jeweils 8 Stunden. Zu dritt parallel mit Magen-Darm flachliegen - das hatten wir so noch nicht gehabt. Ich fürchtete um mein Vorhaben, war abwechselnd wütend und resigniert. Am Tag vor meiner Prag-Reise waren alle wieder halbwegs einsatzfähig, wenn auch nicht hundertprozentig fit. Ich stellte die Kinder auf meine Abwesenheit ein, aber sie weinten teilweise immer wieder, wenn ich davon erzählte. Ich konnte es auch selbst kaum glauben, dass es nun wirklich soweit sein würde.

Am Donnerstag, 1. Juni, brachte ich die Kinder in die Kita, kaufte für die Familie ein und packte dann mein Köfferchen. Ich fühlte mich körperlich nicht gut, dachte aber, die relativ kurze Reisezeit würde ich schon überstehen. Als ich zum Flughafen fuhr, musste ich schon ein paar Tränchen verdrücken. Was für eine unvertraute, verrückte, unvorstellbare Situation, die Kinder zum ersten Mal in 6 Jahren zu verlassen und 2 Nächte allein zu verbringen! Über 6 Jahre lang war ich nie ohne mindestens 1 Kind, also immer im Mama-Modus! Nicht weil ich dies so wollte, sondern weil es lange Zeit nicht anders ging.

Am Flughafen stellte sich leider heraus, dass ausgerechnet mein Flug verspätet war! Die Verspätung wurde immer größer, so dass ich bis zum endgültigen Abflug insgesamt 5 Stunden in Tegel verbrachte. Da hätte ich ja gleich mit der Bahn fahren können! Außerdem ging es mir immer schlechter, mir war übel und schummrig, ich hatte Bauchkrämpfe und der Kreislauf war nicht vorhanden. Ich war mehrfach kurz davor, wieder nach Hause zu fahren, so schlecht ging es mir. Irgendwann saß ich völlig fertig im Flieger und dachte, dann legst du dich halt 2 Tage in Prag ins Bett. Der Flug und die Fahrt zum Hotel klappten zum Glück reibungslos und am Abend war ich endlich in meinem Hotelzimmer. Ich ruhte mich etwas aus und versuchte dann nochmal, eine kleine Runde rauszugehen, musste aber nach 20 Minuten abbrechen. Es machte keinen Sinn, ich war total schlapp und kurz vor'm Umkippen. Lieber Kräfte zusammenhalten für den nächsten Tag. In der Nacht schlief ich schlecht, was vor allem an meiner körperlichen Verfassung lag. Da war ich also nun allein in Prag und konnte es überhaupt nicht genießen. Konnte wegen der Übelkeit weder lesen noch Pläne für den nächsten Tag schmieden. Aber wenigstens war ich allein und musste mich um niemanden kümmern.


Am nächsten Morgen (Freitag) ging es mir etwas besser, ich frühstückte und ruhte mich noch ein wenig aus, bevor ich um 9 Uhr loszog. Ich hatte keinen festen Plan, sondern wollte einfach sehen, was ich schaffe und wohin es mich zieht. An der Moldau entlang spazierte ich ganz langsam in Richtung Karlsbrücke und dann hinüber ins Burgviertel, ging aber bewusst nicht zur Burg hinauf, sondern wieder zurück und in die Altstadt hinein, ließ mich treiben, besichtigte Kirchen, schaute Musikern und Künstlern zu, geriet in ein buntes Roma-Festival auf dem Altstädter Ring, erfreute mich an der lebendigen, internationalen Atmosphäre und genoss es, ganz bei mir zu sein.




Es war so toll, allein, selbstbestimmt, kommunikationslos und ohne Verantwortung zu flanieren, stehen zu bleiben und weitergehen zu können, wann ich wollte, ohne mich um die Launen, den Hunger, das Tempo und die Bedürfnisse der Kinder kümmern zu müssen, ohne ständig in Habachtstellung und Bereitschaft zu sein, ohne auf hundert Sachen aufpassen oder einen halben Hausstand mitschleppen zu müssen. Auch war mir bewusst, dass ich dieses Umherlaufen und spontane Entscheiden niemals mit den Kindern machen könnte. Mit meinen geht das jedenfalls nicht. Es war wirklich herrlich, auch wenn ich mich nicht besonders fit fühlte. Dafür aber frei :-)


Gegen 14 Uhr ging ich für eine kleine Pause zurück ins Hotel, das in Laufentfernung von der Altstadt lag. Auch das war toll, sich dann eben wirklich erholen zu können und Ruhe zu haben. Später zog ich dann nochmal los, weil ich die Josefstadt erkunden wollte, die damals 2002 vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen war. Endlich konnte ich zwei Gegenstände in der Maisel-Synagoge besichtigen, die in meiner Magisterarbeit eine Rolle gespielt hatten. 2002 war das Museum leider wegen des Hochwassers geschlossen gewesen. Und der alte jüdische Friedhof ist wirklich beeindruckend!


Ich merkte aber schon, wie es mir wieder schlechter ging, und musste schweren Herzens schon vor 18 Uhr ins Hotel zurückkehren. Es half nichts, ich hatte keine Kraft, der Körper machte nicht mit. Eigentlich wollte ich in der Dämmerung nochmal raus, um die angestrahlten Bauwerke zu bewundern, aber auch dies musste ich canceln, es ging einfach nicht. Ich hatte also zwar weniger geschafft als ursprünglich geplant, aber immerhin mehr, als ich am Vortag zu hoffen wagte. Trotzdem doof. Da ist man endlich mal weg und dann wird man von Krankheiten ausgebremst. Der Magen-Darm-Virus schien noch ziemlich nachzuhängen. Aber auch diesmal war ich froh, im Hotel Ruhe zu haben und mich um nichts kümmern zu müssen.


Am Samstagmorgen frühstückte ich wieder gegen 8 Uhr und war um 9 Uhr schon im Museum "National Memorial to the Heroes of the Heydrich Terror", was sich nicht weit vom Hotel entfernt befand. Danach kaufte ich im Lego Museum noch ein Geschenk für den Großen (für die Kleine hatte ich in der Altstadt schon eine Feen-Marionette erstanden) und kehrte ins Hotel zurück, um auszuchecken. Mit dem Köfferchen machte ich mich auf den Weg zur Moldau und bestieg ein Schiff für eine einstündige Schifffahrt.


Das war perfekt für den Abreisetag und meine schlappe Konstitution. Gegen Mittag fuhr ich zum Flughafen und diesmal ging mit dem Flug alles glatt. Ich konnte den Rückflug richtig genießen, er ging viel zu schnell vorbei. In Tegel warteten der Mann und die Kinder und obwohl ich damit gerechnet hatte, dass sie fremdeln würden, traf das überhaupt nicht ein.


Sie fragten gleich nach ihren Geschenken, ich hatte ihnen ja versprochen, dass ich etwas mitbringen würde. Auf der Heimfahrt erzählten sie mir, dass sie ein paarmal geweint hätten, weil sie mich vermissten. Und dass ich jetzt erst in ein paar Jahren wieder wegfahren darf;-). Insgesamt scheint aber alles problemlos geklappt zu haben, der Mann war viel mit ihnen unterwegs gewesen (Freitag war ein Kitaschließtag gewesen), damit keine Langeweile aufkam. Zuhause war alles wie gehabt und zack, war ich wieder im Mama-Modus drin. Eine Schonfrist gibt es nicht und es wird sich auch nicht weniger gestritten oder geärgert, nur weil die Mama endlich wieder da ist...

Mir geht es heute etwas besser, ich bin aber immer noch angeschlagen und das nervt sehr. Was ich aber deutlich merke, ist, dass ich trotz der Widrigkeiten ein Stück weit mental heruntergefahren bin und mir das Alleinsein Kraft gegeben hat. Introvertierte Menschen schöpfen ja ihre Kraft aus dem Alleinsein, nicht aus der Gesellschaft anderer Menschen, und das ist bei mir sehr ausgeprägt. Ich habe das wirklich sehr gebraucht, unheimlich genossen und nehme mir vor, dies noch öfter durchzusetzen und einzufordern. Die permanente Anspannung hat nachgelassen und ein kleiner Tank hat sich in mir gefüllt. Wichtig wäre nun, solche kleinen kinderlosen Auszeiten von Zeit zu Zeit zu wiederholen, was nicht so einfach ist, weil das natürlich zu Lasten des Mannes geht, der in dieser Zeit die Allein-Verantwortung inkl. schrumpfender Kräfte hat. Ihm ging es nämlich in der Zeit auch nicht besonders gut (weshalb ich bei uns beiden an Nachwehen des Magen-Darm-Virus glaube) und er musste trotzdem alles allein managen. Diese Rolle kenne ich natürlich auch und das kostet Kraft. Damit ich Kraft tanken kann, muss also ein anderer Mensch pausenlos funktionieren und verliert Kraft, die er dann wiederum selbst auftanken muss, auf meine Kosten. Ein ewiger Kreislauf, zumindest solange die Kinder klein sind.


Obwohl ich mich ärgere, dass ich ausgerechnet bei meiner ersten Reise allein, seit ich Mama bin, nicht fit war und sie deshalb nicht hundertprozentig ausnutzen und genießen konnte, bin ich trotzdem sehr froh und dankbar, dass es endlich geklappt hat, dass ich mich getraut habe, dass Prag die richtige Wahl war und ich mich wohlgefühlt habe. Und es war herrlich und so nötig, dass ich nach über 6 Jahren mal für 2,5 Tage in meinem Rhythmus, ohne Reden, ohne Kümmern, ohne Planen, ganz für mich und bei mir sein konnte. Beim nächsten Mal dann ohne Kranksein!

Was war eure erste Reise ohne Kinder? Wie alt waren eure Kinder, wie hat das geklappt und wie habt ihr euch gefühlt? Macht ihr das regelmäßig oder braucht ihr das nicht so?

Mittwoch, 24. Mai 2017

Eine Fahrradtour mit und ohne Launen

Wir sind gerade im Urlaub und haben für den Vormittag eine Fahrradtour mit den Kindern geplant. Wir wollen uns dafür 2 Fahrräder ausleihen; der Große hat sein eigenes mit und die Kleine will in den Kindersitz. Die Sonne scheint, es ist wunderbares Fahrradwetter und wir freuen uns auf eine schöne Runde um den See mit vielen Zwischenstationen. Die Strecke von ca. 9 km kennen wir schon, denn das war unsere erste gemeinsame Fahrradtour mit dem damals 4-jährigen Großen, der frisch Fahrradfahren gelernt hatte. So können wir die Kinder gut vorbereiten und sie wissen, worauf sie sich freuen können (Bisons, Spielplatz, Eisessen).

Tour 1:

Wir sind alle fertig und bereit zum Losgehen, während der Große wieder einmal beim Anziehen streikt. Trotz Klamotten-Alternativen, viel Geduld und der Aussicht auf einen schönen Tag weint er, verweigert und wälzt sich wie immer herum. Irgendwann ist er vor der Tür, wütet und beschimpft uns und sein Fahrrad, das er zum 6. Geburtstag bekam, und schreit, dass er nicht mitfährt und überhaupt, dass er gar nichts mehr mit uns machen will. Wer jetzt denkt, er wolle nur keinen Fahrradausflug machen, irrt. Diese Situation haben wir fast jeden Tag, egal ob Alltag oder Urlaub, und es wird einfach nicht besser.

Die Kleine und ich gehen schon zur Rezeption, um die Fahrräder auszuleihen. Es dauert alles ein wenig, bis die Räder angepasst sind. Der Große weint die ganze Zeit vor unserem Ferienhaus. Der Mann versucht ihn zu animieren und hat schon jetzt keine Lust mehr. Irgendwann kommen sie dann doch heulend. Der Fahrradkindersitz befindet sich auf dem größeren Fahrrad, das der Mann fahren soll. Waaahh, die Kleine will aber bei Mama sitzen! Der Sattel lässt sich nicht niedriger (für mich) einstellen. Es geht nicht. Die Kleine steht kurz vor einem Heul-Wutausbruch. Ich zeige ihr, dass ich mit dem großen Fahrrad wirklich nicht fahren kann. Sie grummelt, aber sagt dann: "Na gut, dann fahr ich bei Papa". Puh!

Der Große jammert immer noch, aber nun geht es endlich los. Das erste Stück der Tour ist eine herrliche Bergab-Strecke. Ich fahre mit dem Großen zusammen und wir brausen den Berg hinunter. Das macht Spaß und er hört auf zu meckern. Auf den ersten Kilometern sind dann tatsächlich alle ruhig und zufrieden. Die Natur ist wunderbar, aber die Anspannung steckt noch in allen drin und ich nehme nur einen Bruchteil meiner Umgebung wahr. Da unsere Starts in den Tag fast immer so anstrengend sind, lässt sich das nicht mehr so einfach abschütteln.


Wir machen eine kleine Pause an einem Skulpturen-Aussichtspunkt. Der Große möchte auf einen Säbelzahntiger klettern. Die Kleine kommt dazu und will auch oben sitzen. Das findet aber der Große nicht gut: "Immer will sie das, was ich mache!", und geht meckernd weg. Der Mann faucht irgendwas Genervtes und der Große ist noch beleidigter. Er beschimpft erneut den Papa und die ganze Welt. Die Stimmung ist schon wieder unterirdisch. Irgendwann schaffe ich es, den Großen wieder zu beruhigen, und wir fahren weiter.

Wir kommen zu einem Aussichtspunkt an einer Bisonweide. Die Kleine wollte unbedingt Bisons sehen, darauf hat sie sich die ganze Zeit gefreut. Es sind keine zu sehen. Ihre Laune rutscht in den Keller. Auf Familien-Fotos hat sie nun keine Lust mehr und knatscht vor sich hin. Zum Glück ist sie mit Snacks zufriedenzustellen. Weiter geht es wieder eine tolle Brausestrecke entlang. Auf den Wiesen am Westufer des Sees grasen cremefarbene Charolais-Kühe. Das sieht sehr idyllisch aus, ich mache Fotos, aber die Kleine hat darauf weiterhin keine Lust.


Wir machen Halt an einem Aussichtspunkt mit Kletterparcours. Leider gibt es nur einen für meine 2 Kinder. Das reicht nicht. Sie fangen an zu streiten und ärgern sich gegenseitig, bis der Große wieder schimpfend das Weite sucht. Es ist so nervend. Die Umgebung ist wunderschön und ich versuche krampfhaft, das Gute-Laune-Fähnchen hochzuhalten. Der Mann hat längst aufgegeben und gibt nur noch eskalationsfördernde Bemerkungen von sich. Wir fahren in Richtung Seepromenade und kommen zu einem Spielplatz. Dort wird konfliktfrei (!) geklettert. Beim Aufbruch merkt man allerdings schon der Kleinen an, dass etwas in ihr gärt, sie jammert, will nicht in den Kindersitz, sich nicht anschnallen lassen, keinen Helm aufsetzen. Ich glaube, sie ist müde und will zu mir, also schnalle ich sie an, aber mitfahren muss sie weiterhin beim Mann. Sie weint etwas, aber als wir Pferde sehen, geht es wieder.


Unsere letzte Station ist der Eisladen an der Seepromenade. Jeder bekommt ein leckeres Eis und wir sitzen herrlich im Schatten auf einer Bank am See. Ein Traum. Die Kleine bedient sich an meinem Eis, naja, was soll's. Wir sind jetzt echt kaputt und die zunehmende Mittagswärme wird unangenehm. Es gibt Streit ums Getränk, die Kleine gibt es nicht frei, der Große hat Durst. Wieder will sie nicht in den Kindersitz, sondern mit mir fahren bzw. es ist jetzt alles doof. Sie schreit und schimpft und bockt und verweigert. Ich versuche mit Engelszungen, sie zu beruhigen, wir wollen losfahren, es ist heiß, wir haben Hunger und noch einen Anstieg vor uns. Der Mann ist super genervt, ich rede auf die Kleine ein, sie schreit und der Große grummelt. Wir unterhalten die halbe Seepromenade mit unserem Schauspiel.

Irgendwann geht es nicht mehr, wir kriegen sonst einen Sonnenstich. Es sind nur ca. 23 Grad, aber die Sonne hat Kraft und wir sind direkt am See. Die Kleine muss jetzt in den Kindersitz, schreit, weint, tritt, tobt und boxt den Papa für den Rest der Strecke in den Rücken. Sie schnallt sich selbst den Helm ab und fährt helmlos. Das letzte Stück ist ein Anstieg, wir keuchen alle, der Große fängt an zu meckern. Der Mann strampelt mit der schreienden Kleinen den Berg hinauf. Nach insgesamt 2,5 h wieder im Ferienhaus angekommen, dirigieren wir die Kinder ins dunkle, kühle Schlafzimmer. Dort beruhigen sie sich schnell und machen erstmal Pause. Wir Eltern kümmern uns ums Mittagessen und unsere eigene Verfassung und sind fix und fertig - weniger von der Fahrradtour als vielmehr von den Launen und Befindlichkeiten der Kinder. Ein Genuss war das nicht, für keinen. Im Gegenteil. Ich erzähle dem Mann, was für Touren andere Eltern mit ihren Kindern machen, sei es mit Fahrrad, im Auto, mit dem Zug oder Flugzeug. Nichts davon würde mit unseren Kindern funktionieren. Wir hatten reichlich Proviant mit, haben Pausen gemacht, Spielgelegenheiten und Interessantes für die Kinder eingebaut, die Strecke war nicht zu schwer und sehr abwechslungsreich, das Wetter eigentlich ideal. Trotzdem kann man das nur als gescheiterten Vormittag bezeichnen.

Tour 2:

Am Nachmittag wagen wir uns nicht nochmal auf eine Familien-Fahrradtour. Da wir die Räder aber bis zum nächsten Morgen gemietet haben, sage ich zum Mann, er solle doch abends nochmal alleine die Runde um den See fahren. Das macht er und kommt nach 25 Minuten wieder. Huch, ich hatte gedacht, er genießt es und ist den ganzen Abend unterwegs. Da er schon wieder zurück ist und die Kleine schnell einschläft, kriege ich auch noch Lust auf eine Tour. Also nach kurzer Überwindung um 20:20 Uhr noch auf's Rad geschwungen, um allein die gleiche Runde wie am Vormittag abzufahren.

Ich brause den Berg hinunter und spüre die Freiheit, die Geschwindigkeit und die laue Abendluft. Die Sonne schimmert über dem See, der friedlich daliegt. Bald geht es in den Wald hinein. Ruhe und Einsamkeit umfängt mich. Zwei Hasen flüchten vor mir, ein Bussard steigt auf. Es duftet nach Blüten. Ich merke, dass ich diesen Geruch auf der Tour mit den Kindern nicht wahrgenommen hatte, so wie ich vieles nicht wahrnehme, wenn ich mit ihnen unterwegs bin. Ich empfinde viel tiefer und intensiver, wenn ich allein, ohne Kinder bin. Die frisch-grünen Blätter, die Stille des Waldes, das Bei-Mir-Sein, das Freiheitsgefühl, es ist herrlich. Ich genieße die Abendstimmung mit allen Fasern.


Ich fahre an den Skulpturen vorbei und denke mit Grauen an die Streitereien der Kinder am Vormittag. Ich treffe andere Fahrradfahrer, die ebenfalls den Abend genießen. Am Bison-Aussichtspunkt mache ich Halt, es sind immer noch keine Bisons zu sehen, aber das Panorama ist phantastisch. Es ist absolut herrlich, ich bin total glücklich. Der Blick auf den See in einer fast menschenleeren Gegend. Dann geht es mit Geschwindigkeit bergab, ich jauchze und strecke die Beine ab. Die Charolais-Kühe sind immer noch da und grasen in der Abenddämmerung. Auf der großen Wiese am See haben sich Wildgänse eingefunden, die ich eine Weile beobachte. Diese Stille!

Auch die letzte Etappe fahre ich ruhig und glücklich und lasse die Tour auf einer Bank mit Blick auf den See ausklingen. Am Wegesrand sind Getreidefelder, Vögel zwitschern, Pärchen gehen spazieren, Rennradfahrer und Inline-Skater nutzen die tollen Routen. Nach etwas über einer Stunde komme ich zuhause an und bin selig. So fühlt sich für mich Glück, Genuss und Freiheit an. Der Kontrast zu der Tour am Vormittag ist krass. Nicht nur empfinde ich es mit den Kindern viel einschränkender und weniger intensiv und nach nun 6 Jahren des Mamaseins denke ich, das wird sich auch nicht mehr ändern, sondern es ist auch höchst anstrengend, ständig zwei oder vielmehr drei Menschen in ihren Missstimmungen, Emotionen und Launen regulieren und vermitteln zu müssen. Es saugt mich aus, es kostet unheimlich viel Kraft, die mir beim Genießen schöner Momente dann fehlt. Aber bei der Abend-Tour allein habe ich mich gespürt, habe Kraft getankt und genossen. Das war so schön!


Freitag, 12. Mai 2017

Die U8 der Kleinen am 5. Mai 2017

Vor einer Woche absolvierten die Kleine und ich ihre U8, die Untersuchung um den 4. Geburtstag herum, und wieder einmal überraschte sie mich mit ihrem Verhalten. Diesmal war ich - im Gegensatz zu ihrer U7a - vorher relativ angespannt, weil die Kleine im Moment unberechenbar ist und ich befürchtet hatte, dass sie nicht kooperieren, sondern sich verweigern würde, wie sie es zuhause gerade sehr oft macht. Nun habe ich ja mit dem Großen schon viele schwierige U's absolviert, wäre aber trotzdem bei einem der derzeit heftigen Wutanfälle der Kleinen hilflos gewesen.


Wir hatten gleich den ersten Termin um 8 Uhr vor der eigentlichen Sprechstunde. Ich fing an, den Fragebogen auszufüllen und wusste von der U8 des Großen, dass die Sprechstundenhilfe gleich versuchen würde, die Kleine allein zum Seh- und Hörtest mitzunehmen. Dies verweigerte er seinerzeit, verständlicherweise, und ich rechnete auch damit, dass die Kleine nicht mitkommen würde, da sie seit meiner Mutter-Kind-Kur noch mehr an mir hängt und klammert als ohnehin schon. Pustekuchen, sie schaut kurz zu mir und trabte dann leichten Fußes mit der fremden Person mit. So unterschiedlich ist das, und es hat rein gar nichts damit zu tun, ob eine Mama "ängstlich" ist oder "nicht loslassen kann" (alles schon gehört), sondern lediglich mit dem Wesen des Kindes. Sie war bestimmt 20 Minuten weg, machte den Seh- und Hörtest mit der Sprechstundenhilfe und, wie ich hinterher erfuhr, auch den Sprach- und Maltest. Ich saß derweil allein im Wartezimmer, eine Situation, die ich so noch nie erlebt hatte. Dafür konnte ich die Fragebögen mit mehr Muße ausfüllen als bisher.


Dann durfte ich dazukommen und sie zeigte mir die Formen und Bilder, die sie gemalt hatte. Das sah alles super aus. Beim Sehtest war wohl das rechte Auge etwas schlechter, deshalb haben wir eine Überweisung zum Augenarzt bekommen. Die Kleine wurde gewogen und gemessen. Sie wiegt aktuell 16,7 kg und ist 103 cm groß. Damit hat sie den Abstand zum Großen im gleichen Alter verringert und seit der U7a ganz schön aufgeholt. Der Große wog zu seinem 4. Geburtstag 17,1 kg und war 107 cm groß. In den letzten Wochen hatte sie eine Klamottengröße fast übersprungen und wir merkten, dass sie zugelegt hatte.

Dann kam die Ärztin dazu und machte die üblichen motorischen Tests: Hüpfen, Ball werfen und fangen, auf Zehenspitzen und Hacken laufen und auf einem Bein stehen. Das klappte alles wunderbar und ich staunte über die gute Laune und Kooperation der Kleinen. Sie hatte richtig Spaß. Die ausführliche körperliche Untersuchung folgte, nachdem sich die Kleine schnell, bereitwillig und selbstständig ausgezogen hatte. Dafür brauchte der Große immer etwas Hilfe. Als sie sich auf die Liege legen sollte, war mir angst und bange, hatte doch der Große damals fürchterlich geweint, als er dies machen sollte. Aber: kein Problem mit ihr, sie schaute kurz zu mir und ließ sich dann bereitwillig im Liegen untersuchen. Körperlich ist soweit alles in bester Ordnung, bis auf ein Problem (dazu weiter unten).

Der Wortschatz der Kleinen ist super, die Aussprache einiger Konsonanten jedoch noch nicht korrekt. Ich vermute, dass die Kinderärztin uns eine Überweisung zur Logopädie ausgestellt hätte, wenn ich nicht ziemlich überzeugend vermittelt hätte, dass ich aus der Erfahrung mit dem Großen heraus glaube, dass sich diese Schwierigkeiten von selbst auflösen werden und die korrekte Aussprache mit der Zeit kommen wird. So war es nämlich beim Großen, der allerdings geringere Artikulationsprobleme hatte als die Kleine. Wir sind nun so verblieben, dass wir in einem halben Jahr nochmal extra deshalb zur Kinderärztin kommen und dann weitersehen. Das ist okay für mich, da ich eigentlich damit gerechnet hatte, dass wir den Sommer über zur Logopädie müssten.


Die für mich schwerwiegendste und auch traurigste Feststellung der U8 war die Neurodermitis-Diagnose, die bisher schon vermutet wurde, aber, da es noch keine Schübe gegeben hatte, nicht feststand. Seit einigen Wochen jedoch hat die Kleine in den Kniekehlen und den Armbeugen deutliche Neurodermitisstellen, die stark jucken, und kratzt sich besonders abends rot. Es ist eine leichte Neurodermitis und mit konsequenter Basispflege gut in den Griff zu kriegen, aber die Diagnose steht nun leider fest. Auf meine Frage, was diesen ersten größeren Schub ausgelöst haben könnte, antwortete die Kinderärztin, dass es meist entweder Infekte oder Stress sind. Und da die Kleine lange keine Infekte hatte, fiel es mir gleich wie Schuppen von den Augen: STRESS, natürlich hatte sie Stress, den vielleicht schlimmsten Stress ihres Lebens, als ich die 3 Wochen mit dem Großen auf der Mutter-Kind-Kur war und sie jeden Tag nach mir weinte und mich furchtbar vermisste. Ich musste die Tränen runterschlucken, als mir dies klar wurde. Sie tat mir so unglaublich leid, und gleichzeitig fand ich es auch so ungerecht, dass ich eine (veranlagte) Krankheit bei meinem Kind zum Ausbruch geführt hatte, nur weil ich zum ersten Mal in 6 Jahren als Mutter mal etwas für mich gemacht hatte. Das ist einfach frustrierend! Aber man sieht daran wieder einmal, wie eng Kinder mit ihren Eltern verbunden sind und wie emotionale Schwierigkeiten sich auf irgendeine Weise ihren Weg nach außen bahnen. Bei der Kleinen eben über die Haut und manchmal über den Bauch, und es tut mir im Herzen weh, dass meine Kur nun ihren ersten Neurodermitis-Schub ausgelöst hat.

Manchmal denke ich, als Mutter kann man eigentlich nur alles falsch machen. Sorgt man nicht für sich selbst, sondern ist nur für die Kinder da, wird man unzufrieden und unruhig. Tut man etwas für sich, entscheidet man sich damit automatisch temporär gegen die Kinder und kriegt meist danach die Quittung. In unserem Fall heißt es nun konsequente Basispflege der empfindlichen Haut der Kleinen und möglichst Vermeidung der schubauslösenden Faktoren. Und obwohl ich ein enormes schlechtes Gewissen habe und sehr traurig bin, dass es so gekommen ist, kann so eine Diagnose nicht für mich bedeuten, dass ich nun wieder einen Schritt zurück gehe und nichts mehr mache, was mit einem Wegsein von den Kindern verbunden ist. Ich finde es unglaublich schwer, diesen Spagat auszuhalten und eine zufriedenstellende Balance zu finden. Irgendeiner leidet immer, so meine Erfahrung.

Ich erzählte noch ein wenig von ihrer Entwicklung, z.B. dass ihre Autonomiephase erst recht spät anstrengend wurde und sie jetzt, in dem Alter, als es mit dem Großen endlich einfacher wurde, viel schwieriger zu händeln ist als früher. Also auch für die Ärztin interessante Unterschiede in der Entwicklung der beiden Geschwister.

Insgesamt verlief die ganze Untersuchung wunderbar. Die Kleine kooperierte entgegen meiner Erwartungen perfekt, machte alles bereitwillig mit, zog sich aus und an und verließ am Ende sogar schon selbstständig den Raum, als ich noch mit der Ärztin sprach. Ich sagte nur: "Sie sehen selbst, wie unterschiedlich meine Kinder sind", und sie stimmte zu. Diesmal war ich wirklich überrascht, hatte ich doch aufgrund ihres Verhaltens in den letzten Monaten durchaus anderes erwartet. Ich hatte den Eindruck, sie wollte zeigen, was sie drauf hatte. Mit einer Leichtigkeit rauschte sie durch Situationen hindurch (hinlegen, allein mitgehen), die beim Großen im gleichen Alter noch undenkbar oder sehr schwierig waren.

Nach einer Stunde waren wir fertig und kauften als Belohnung die ersten deutschen Erdbeeren von Karl's Erdbeerhäuschen, wie von ihr gewünscht. Wir liefen zum Bus und fuhren zur Kita. Auch der Abschied dort war - wider Erwarten - problemlos. Ich machte mich auf den Weg zur Arbeit und staunte noch lange über mein kleines Mädchen. Die U8 lief super, auch wenn die Neurodermitis ein Wermutstropfen ist. Also, nicht die Neurodermitis an sich, sondern dass höchstwahrscheinlich meine Mutter-Kind-Kur den ersten größeren Schub bei ihr ausgelöst hat. Daran habe ich immer noch zu knabbern. Mit ihrer Artikulation werden wir weitersehen. Ansonsten ist alles bestens. Das war insgesamt sehr erfreulich, und es war auch lange nicht so anstrengend, wie die U's mit dem Großen immer für mich sind. In einem Jahr folgt die U9 und dann ist erstmal eine Weile Pause.

Montag, 8. Mai 2017

Der 4. Geburtstag der Kleinen

Am Samstag, dem 6. Mai 2017, feierte die Kleine ihren 4. Geburtstag. 4 Jahre alt ist sie nun, ein tolles, wenn auch mit ihr recht anstrengendes Alter. Damals im Jahr 2013 hatten wir ungeduldig auf sie gewartet, sie ließ sich erst Zeit und dann musste es schnell gehen. Ihre Geburt habe ich immer noch in wunderschöner Erinnerung. An ihrem Geburtstag wachte sie um 7 Uhr auf, wollte natürlich sofort aufstehen und nachsehen, was ihr der Geburtstagswichtel gebracht hatte. Also durfte sie gleich ihre Geschenke in Augenschein nehmen.


Genau wie der Große zu seinem 4. Geburtstag bekam sie ihr erstes Fahrrad, ein S.Cool Nixe, welches sie schon im Fahrradladen probegefahren war. Allerdings vorsorglich mit Stützrädern, denn es ist noch recht groß für sie und es wird noch eine Weile dauern, bis sie sich ohne Stützräder sicher genug fühlt. Dieses Geschenk war eigentlich von den Großeltern. Wir schenkten ihr das Playmobil Riesenrad, das Spiel Hexenkugel, ein Puzzle, 2 kleine Bücher, eine CD, ein Portemonnaie und einen kleinen Kinder-MP3-Player, damit sie im Auto Musik hören kann, ohne uns andere, die wir das nicht so mögen, zu stören.

Nach dem Auspacken wurde gefrühstückt und ein wenig gespielt sowie das neue Fahrrad ausprobiert, allerdings nicht mit so viel Elan wie seinerzeit der Große an seinem 4. Geburtstag, der keine halbe Stunde brachte, um selbstständig und sicher zu fahren. Obwohl die Kleine auch schon viel Laufrad gefahren ist, ist sie eben ein anderer Typ als der Große und braucht deutlich länger für Tätigkeiten, die eine gute Koordination erfordern. Vielleicht ist es ihr auch einfach nicht wichtig genug;-)

Sie wünschte sich wieder einen Ausflug zu Karl's Erdbeerhof nach Elstal, deshalb fuhren wir am späten Vormittag dorthin und verbrachten ein paar Stunden in dem Erlebnisdorf. Das mag sie immer sehr und war glücklich. Traktorbahn fahren, Kartoffelsackrutsche und vor allem Ponyreiten stehen hoch im Kurs. Die Zeit verging wie im Fluge.


Danach wollten wir eigentlich noch in unseren Garten fahren, gerieten aber in einen Stau, so dass die Zeit zu knapp geworden wäre. Deshalb entschieden wir spontan, wiedermal zu den Pferdekoppeln am Stadtrand zu fahren, um der Kleinen noch einen schönen Geburtstagsausklang zu ermöglichen. Sie liebt ja Pferde und ich liebe die Natur ringsherum und so machten wir noch einen kleinen Spaziergang. Am Nachmittag war es richtig warm geworden und so fühlte sich das wie ein Frühsommertag an, obwohl die Sonne sich nicht durchsetzte.


Am Abend drehte ich noch mit beiden Kindern und den neuen Fahrrädern eine kleine Runde durch unseren Park. Da fuhr die Kleine dann mit Lust und Elan, aber ich denke trotzdem, dass sie die Stützräder noch eine Weile behalten wird. Soll sie gern, bis sie sich sicher fühlt.


Am nächsten Tag (Sonntag) bereiteten wir vormittags die Kindergeburtstagsfeier vor und ich machte noch einen kleinen Spaziergang allein. Um 15 Uhr kamen die Gäste, drei Mädchen aus ihrer Kita-Gruppe. Die Kleine war sehr aufgeregt, immerhin hatte sie noch nie soviel Besuch, der nur ihr galt, in der Wohnung. Ihren 3. Geburtstag hatten wir extra im Garten gefeiert, da damals die Eltern der Gastkinder noch mit dabei waren.

Im Vergleich zu letztem Jahr, als die Kinder im Garten sofort zusammenfanden und sich fast komplett selbst beschäftigten, war es diesmal sehr mühsam. Alle waren recht scheu und brauchten viel Animation. Wir mussten unentwegt reden, anregen und beschäftigen. Zwar kannten sich alle untereinander, aber da die ursprüngliche Clique der Kleinen durch Gruppenwechsel dreier Kinder leider auseinandergerissen wurde, was sich auch auf die eingeladenen Gäste niederschlug, war die Atmosphäre nicht so locker und vertraut wie gehofft. Für uns war das sehr anstrengend und für die Kleine anscheinend auch, denn sie bekam gegen Ende Bauchschmerzen und machte dann gar nichts mehr mit.

Wir aßen, spielten, bemalten Tiermasken und gingen dann, als die Kinder überhaupt nicht ins gemeinsame Spiel fanden, hinunter in unseren Hausgarten, wo wir noch Topfschlagen machten und ein wenig Ball spielten. Die Kleine wurde immer öfter sauer und ein anderes Kind verhielt sich sehr fordernd, was meine Kinder zwar auch sind, aber eben nicht bei Fremden. Insgesamt war es für uns sehr anstrengend, und als alle abgeholt waren, atmeten wir auf. Zwar war die Situation nicht eskaliert wie beim 4. Geburtstag des Großen, aber die beiden 4. Geburtstage meiner Kinder werden mir nun immer in unangenehmer Erinnerung bleiben. Glücklicherweise hatte sich der Große die ganze Zeit über angenehm verhalten, obwohl er nicht im Mittelpunkt stand, und am Abend beruhigte sich die Kleine auch schnell wieder.

Die Mini-Muffins für die Kita hatte ich schon am Vormittag gebacken und heute wurde die Kleine nun noch von ihrer Kita-Gruppe gefeiert. Jetzt ist erstmal wieder 10 Monate Pause mit den Kindergeburtstagen. Zum Glück! Und ich habe nun ein 4- und ein 6-jähriges Kind. Das klingt toll!

Dieser Beitrag enthält Affiliate Links.

Freitag, 5. Mai 2017

WMDEDGT? am 5. Mai 2017 - U8 der Kleinen und Geburtstagsvorbereitungen

Nach dem letzten WMDEDGT? von der Mutter-Kind-Kur mit dem Großen mache ich wiedermal bei der Aktion von Frau Brüllen (#wmdedgt) mit und erzähle euch ein wenig von meinem Tag, dem Tag vor dem 4. Geburtstag meiner Kleinen und ihrer U8. Es war also viel los.

Um 8 Uhr hatten wir den Termin für die U8 der Kleinen, die ich nochmal gesondert beschreiben werde. Nur so viel: sie hat mich wieder einmal verblüfft, denn ich hatte nach den vielen Wutanfällen in letzter Zeit mit Verweigerung gerechnet. Nichts davon, sie kooperierte wunderbar und die Ärztin und ich waren hoch zufrieden.


Als wir nach einer Stunde fertig waren, kauften wir die ersten Erdbeeren am Erdbeerhäuschen von Karl's Erdbeerhof. Nach diesen Erdbeeren ist die Kleine immer ganz wild und es war eine schöne Belohnung für die tolle U8.


Ich brachte sie gegen 9:30 Uhr zur Kita und war um 10 Uhr auf der Arbeit, wo ich bis 14:30 Uhr  blieb.


Das ist der Blick aus meinem Bürofenster auf eine der Großbaustellen in Berlin.


Da freitags der Mann die Kinder von der Kita abholt, gehe ich nach der Arbeit immer noch einkaufen. Zwar bestellen wir den Großeinkauf beim Rewe Lieferservice, aber ein paar Dinge sind vor dem Wochenende immer noch zu holen.


Auf dem Rückweg sah ich, dass in der Zwischenzeit vor dem Markt ein schwerer Unfall passiert war. Ein Motorrad lag völlig geschrottet auf dem Gehweg, ein kaputtes Auto stand mitten auf der Fahrbahn, Polizei und Feuerwehr kamen, der Verkehr staute sich und Passanten standen herum. Schlimm!

Ich traf einen befreundeten Papa und erzählte kurz. Um 15:30 Uhr war ich zuhause, der Mann ging gerade los, um die Kinder abzuholen. Ich verräumte die Einkäufe und startete die Kuchenproduktion für den Geburtstag der Kleinen.


Als der Kuchen im Ofen war, konnte ich endlich etwas Warmes essen und eine kleine Pause machen sowie diesen Beitrag beginnen. Außerdem suchte ich die Geburtstagsdeko, Kerzen, Luftballons etc. zusammen, um abends zu dekorieren.

Als die Kinder kamen, haben wir unser normales Abendprogramm gemacht und, sobald sie im Bett waren, den Geburtstagstisch für die Kleine geschmückt und die Geschenke drapiert.


Hoffentlich wecken uns die Kinder nicht zu früh. Morgen wird die Kleine 4 Jahre alt !!

Dienstag, 25. April 2017

Das Potenzial hochsensibler Kinder: "Aber ich kann es doch spüren!" (Rezension und Verlosung)

Erneut möchte ich euch ein neues, gerade erschienenes Buch über hochsensible Kinder vorstellen und darf sogar ein Exemplar an euch verlosen. Es handelt sich um das Buch von Karin Abriel: "Aber ich kann es doch spüren! Hochsensibilität als Potenzial nutzen"*, erschienen im Crotona Verlag. Karin Abriel ist Pädagogin und Herausgeberin der Webseite www.hochsensibilitaet.at und möchte mit diesem Buch dazu beitragen, "Bewusstsein zu schaffen für Bedürfnisse hochsensibler Menschen, vor allem Kinder, in einer Gesellschaft, die diesbezüglich noch wenig Bewusstsein hat" (siehe hier). Außerdem wird auf dem Cover mit dem "Schwerpunkt Schule" geworben und das interessiert mich natürlich besonders, da mein hochsensibler Sohn in diesem Jahr eingeschult wird. Meine bisherigen Rezensionen findet ihr hier.

Den Titel "Aber ich kann es doch spüren!" finde ich sehr passend für ein Buch über hochsensible Kinder. Da es nicht sehr umfangreich ist, eignet es sich gut für Eltern oder Pädagogen, die sich einen kurzen Überblick über das Thema verschaffen wollen. Im 1. Kapitel "Was ist Hochsensibilität?" fasst die Autorin die wesentlichen Informationen über das Phänomen zusammen und stellt die Merkmale hochsensibler Kinder wie stark ausgeprägte sinnliche Wahrnehmungen, besonderes Interesse an tiefergehenden Themen, präzise sprachliche Ausdrucksweise, Neigung zu Ticks und Zwängen, Zwiespalt zwischen Anders-Empfinden und Anpassungswillen etc. dar und konstatiert:

"Bedürfnisse von hochsensiblen Kindern sind fordernd. Sehr fordernd. Hochsensibel wahrzunehmen, bedeutet, ständiges Überfordertsein mit der Umgebung und ihren Reizen, als Kind noch einmal um ein Vielfaches mehr als im Erwachsenenalter. Das Erkennen, dass die Welt scheinbar anders wahrgenommen wird als bei den unmittelbaren Bezugspersonen, führt zu dem Dilemma, als hochsensibles Kind schon bald mit einer Identitätskrise konfrontiert zu werden." (S. 33f)

Es entsteht oft eine Tendenz zu Introversion, Rückzug, mangelndem Selbstbewusstsein und Distanziertheit, wodurch das Potential, das solchen Kindern innewohnt, auch später im Erwachsenenalter nicht ausreichend genutzt werden kann. Für eine positive Entwicklung kommt es sehr stark auf die Unterstützung und das Verständnis der Bezugspersonen an, wobei es schwierig sein kann, die eigenen Empfindungen und Erfahrungen von denen seines Kindes zu trennen, zum Beispiel, was die eigene Schulkarriere angeht.

Im 4. Kapitel geht die Autorin auf die Herausforderungen des heutigen Schulsystems ein, das durch Zeit- und Leistungsdruck, Anti-Individualismus, Lautstärke, Gewalt und Aggression, Hierarchien etc. charakterisiert ist und eine extreme Belastungssituation für hochsensible Kinder darstellen kann. Individuellen Unterschieden von Kindern wird nicht (ausreichend) Rechnung getragen und der Druck, einer Norm entsprechen zu müssen, ist sehr hoch. Umso mehr spüren Kinder, die "anders" sind, dass sie nicht in das starre System Schule passen, genauso wie auch Pädagogen überfordert sein können, wenn ein Kind extrem vom Durchschnitt abweicht.

"Den unterschiedlichen Wahrnehmungskanälen, die bei allen, vor allem aber bei hochsensiblen Kindern, vorhanden sind, wird im Regelunterricht auf keinerlei Art und Weise Rechnung getragen." (S. 75)

Im Teil 2 des Buches geht die Autorin darauf ein, wie man ein hochsensibles Kind konkret im Alltag unterstützen kann, und gibt viele praktische Tipps und Anregungen, die das gemeinsame Leben erleichtern. Als ein Schlagwort nennt sie beispielsweise den "Mut zur Langsamkeit", den Eltern möglichst aufbringen sollten, um der langsameren, intensiveren Wahrnehmung und Verarbeitung ihres Kindes gerecht zu werden und den Stress der umgebenden Welt, dem es ausgesetzt ist, zu reduzieren bzw. auszugleichen.

Zum Schluss bietet das Buch noch konkrete Ratschläge, wie man der Überforderung hochsensibler Kinder im Schulalltag am besten begegnen kann, worauf Eltern achten sollten und wie man unterstützen kann. Auch hier kommt es wieder darauf an, eine gesunde Balance zwischen Verständnis und Überidentifizierung zu finden. Diese Anregungen beziehen sich aber im Wesentlichen auf die Rolle der Eltern; mir fehlt in dem Kapitel, wie Lehrer und Erzieher angemessen mit hochsensiblen Kindern umgehen und sie so integrieren können, dass der enorme Anpassungsdruck reduziert wird.

Die richtige Schulwahl ist ein bedeutsames Thema für Eltern hochsensibler Kinder. Nicht immer jedoch sind alternative Schulen mit ihrem Fokus auf Eigenverantwortlichkeit automatisch die besseren Schulen für solche Kinder. Sie brauchen vor allem feste Strukturen und zugewandte, verständnisvolle Bezugspersonen. Man sollte sich bewusst machen, dass es nicht die "einzig richtige" Schule für das Kind geben wird. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle.

"Es gibt Systeme, herkömmliche und alternative, die in unterschiedlichen Richtungen Schwerpunkte setzen. Ob das für Ihr Kind förderlich ist, liegt stark an der Persönlichkeit, die es mitbringt, und an den Menschen, die diese Persönlichkeit im System begleiten." (S. 139f.)

Insgesamt ist die Schulzeit eine herausfordernde, lange Zeit für hochsensible Kinder, die mit vielen Emotionen auf beiden Seiten einhergehen kann und manchmal sogar das Gefühl von Ausweglosigkeit hinterlässt. Eltern und Pädagogen sollten eng zusammenarbeiten, um die Entfaltung des Potenzials hochsensibler Kinder zu unterstützen. Das Buch möchte dazu beitragen, für das Thema zu sensibilisieren und sich damit auseinanderzusetzen. Als Einführung in das Thema und kurze Zusammenfassung ist es gut geeignet. Es sind auch gute praktische Tipps enthalten. Wenn man sich schon intensiver mit dem Thema Hochsensibilität/ hochsensible Kinder beschäftigt hat (wie in meinem Falle), bietet ein Buch von diesem Umfang naturgemäß nicht viel Neues. Auch zum beworbenen Schwerpunkt Schule hätte ich mir ein paar mehr Gedanken gewünscht. Trotzdem finde ich es ungemein wichtig, dass es solche Einführungswerke gibt und dadurch Menschen, die sich über das Thema informieren wollen, ohne gleich ein umfangreiches wissenschaftliches Werk zu lesen, erreicht werden.

Fazit: Leseempfehlung für alle Eltern und Pädagogen, die sich kurz und knackig zum Thema belesen möchten.

Die Eckdaten:
Karin Abriel: Aber ich kann es doch spüren! Hochsensibilität als Potenzial nutzen*, Crotona Verlag, Februar 2017, 180 Seiten, ISBN 978-3861910831, € 14,95

Verlosung


Ich freue mich, ein weiteres Exemplar des Buches "Aber ich kann es doch spüren!"* verlosen zu dürfen. Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasst mir bitte hier einen Kommentar darüber, was euch an dem Thema interessiert und, falls das Thema Schule bald ansteht, was euch besonders wichtig für euer hochsensibles Kind ist. Zusätzlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir auf Facebook folgt, die Verlosung teilt und mir hier ein Herzchen gebt. Ist aber keine Bedingung. Bitte gebt euren Namen an, sonst kann ich euch nicht berücksichtigen!

Die Verlosung läuft bis zum 01.05.2017, 23:59 Uhr. Unter allen bis dahin eingehenden Kommentaren wird der Gewinner/die Gewinnerin ausgelost und hier sowie auf Facebook bekanntgegeben. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang mit Facebook. Versand nur innerhalb Deutschlands. Mindestalter 18 Jahre. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Vielen Dank an den Crotona Verlag für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar!

*Affiliate Link

Ich habe am 03.05.2017 ausgelost. Gewonnen hat: Ann Greg. Herzlichen Glückwunsch!

10.05.2017: Da sich Ann Greg leider nicht bei mir gemeldet hat, musste ich neu auslosen. Die neue Gewinnerin ist Christina Voss (Josy). Herzlichen Glückwunsch!