Samstag, 18. November 2017

Angst vor der eigenen Endlichkeit

Ich habe Momente, da falle ich in ein schwarzes Loch. Alles dreht sich, ich habe Todesangst, ich werde mir der Endlichkeit des Lebens zutiefst bewusst und das versetzt mich in eine solche Panik, dass ich zittere, die Luft anhalte und erstarre. Das Herz rast. Es sind Momente, wo ich Dinge begreife, die das menschliche Gehirn eigentlich nicht begreifen kann. Die Unendlichkeit des Universums zum Beispiel und vor allem die Gewissheit des eigenen Todes, die Auslöschung meiner Person und die Weiterexistenz der Welt ohne mich. Dinge, die man sich eigentlich nicht vorstellen kann und deshalb verdrängt, werden plötzlich begreifbar und kreisen glasklar in meinem Verstand. Es ist unerträglich und ich bin nach solchen Attacken immer fix und fertig.

Sie halten relativ kurz an, nur ein paar Minuten, und danach ist alles wieder beim Alten. Während man im normalen Alltagsleben theoretisch weiß, dass man sterben muss wie alle Menschen auch, das Leben der anderen weitergeht und man innerhalb kurzer Zeit vergessen ist, kommt in solchen Momenten das Begreifen mit aller Macht und Ausweglosigkeit und stürzt mich ins Bodenlose, ins Schwarze, ins Unerträgliche. Ich begreife dann das eigentlich Unbegreifliche, und das ist furchtbar, schmerzhaft und grauenhaft. Es ist, als würde die normale Beschränktheit des menschlichen Verstandes für einen kurzen Moment ausgehebelt und man erhält Anteil am "Weltgehirn". Es fühlt sich an, als würde man gleichzeitig verrückt und allweise werden. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll. Es ist panik- und angsteinflößend und gleichzeitig faszinierend.

Ich hatte diese Momente schon früher. Zwar weiß ich nicht mehr, wann es angefangen hat, aber seit meinen frühen Zwanzigern erinnere ich mich daran. Ein anthroposophischer Freund hat damals immer gesagt, als ich ihm das erzählte: "Das ist die Erfahrung des Nichts." Früher fühlte ich mich noch ausgelieferter und verwirrter, mittlerweile weiß ich auch mitten in diesen Momenten, dass sie bald vorüber gehen. Die Intensität ist geblieben und die Häufigkeit sogar angestiegen, je älter ich werde. Es sind keine konkreten Auslöser erkennbar, auch wenn neuerdings immer öfter beim Anblick von alten Menschen das Bewusstsein der Vergänglichkeit hochkommt. Trotzdem falle ich dabei selten in diese "Attacken" hinein. Sie treten unvorhersehbar tags, nachts, in jeder Situation auf, manchmal wochenlang gar nicht, dann wieder öfter. Ein gewisser Ruhezustand ist Voraussetzung dafür, und kurioserweise hat die Häufigkeit zugenommen, obwohl ich selten Ruhe und Muße habe. Ich habe keinen Einfluss darauf und kann in den Momenten auch nichts tun, damit sie aufhören.

Ich vermute, dass es sowas wie Panikattacken sind, allerdings geht es darin nicht um die Angst, irgendetwas im Leben nicht bewältigen zu können, sondern schon immer nur um die Endlichkeit meiner Existenz, die räumliche Unendlichkeit des Universums und gleichzeitig seine zeitliche Endlichkeit, verbunden mit den Fragen: was war davor, was kommt danach? Wobei ich die Vorstellung, dass es eine lange Geschichte vor mir gegeben hat, nicht ganz so unvorstellbar finde wie die Tatsache, dass es nach mir einfach so weitergehen wird. Das klingt vielleicht narzisstisch, aber ich empfinde das in diesen Momenten ganz existenziell. Die Erkenntnis der Vergänglichkeit schneidet wie ein Blitz durch meinen Körper.

Quelle: Pixabay

Die Kinder als Trost?

Man hat früher zu mir gesagt, dass es besser werden würde, wenn Kinder da sind, weil man dann die Gewissheit hat, sozusagen in den Kindern weiterzuleben und etwas von sich selbst auf der Erde zu hinterlassen. Besser geworden ist es nicht, seit ich Kinder habe, im Gegenteil, die eigene Endlichkeit ist mir noch stärker bewusst geworden und die Angst vor dem Ende noch intensiver. In den letzten Jahren haben wir meine Schwiegereltern beerdigt. Ich habe gesehen, wie schnell alles, was ein Leben ausgemacht hat, entsorgt und vergessen ist, und während es Menschen gibt, denen das nichts bedeutet, finde ich das ganz schrecklich. Ich sehe, wie die Jahreszeiten und Geburtstage vergehen, und all das führt näher ans Ende. Besonders der Herbst und Winter werden von Jahr zu Jahr immer schwerer für mich zu ertragen. Ich sehe, dass ich seit fast 7 Jahren und noch ca. 14 weitere Jahre nicht so oder nur eingeschränkt leben kann, wie ich eigentlich gern möchte. Ich sehe, wie meine Eltern und Verwandten älter werden, das Verhältnis immer schwieriger wird und die Familien auseinanderfallen, seit die Großelterngeneration nicht mehr da ist. Ich sehe, wie schnell alles in Vergessenheit gerät. Ich merke, wie schnell ich selbst vergesse.

All das macht mir ehrlich gesagt große Angst. Einerseits lebe ich zwar in den Kindern weiter, andererseits erinnern sie mich aber auch mehr als je zuvor an mein eigenes Ende. Das ist schmerzhaft und manchmal auch schon mit dem normalen Bewusstsein kaum auszuhalten. In den schwarzen Momenten ist das unmöglich. Die Existenz der Kinder hat darauf keinerlei Auswirkung, weder ist sie ein Trost noch kann sie solche Momente verhindern. Eher hat sie sie noch verstärkt. Das ist insofern merkwürdig, weil mein Empfinden sonst generell weniger tief geworden ist, seit ich die Kinder habe.

Im Sturm "Xavier", der Anfang Oktober über Norddeutschland tobte, ist eine Frau ums Leben gekommen, die ich persönlich kannte. Es ist schon viele Jahre her, seit sich unsere Wege beruflich kreuzten, und wir haben kaum mehr als ein paar Worte gewechselt. Trotzdem fühlte sich dieser Tod für mich anders an als sonstige unpersönliche Todesfälle, und die Irrationalität eines solch verfrühten Lebensendes trat besonders deutlich zum Vorschein. Das hat mich stark beschäftigt und lässt mich bis heute nicht los. Sie war nur ein Jahrzehnt älter als ich, als ein dummer Zufall, anders kann man es nicht nennen, während des Sturms ihr Leben auslöschte. Es ist unbegreiflich und führte mir die eigene Endlichkeit und besonders auch die potentielle Plötzlichkeit des Endes hart vor Augen. Ich ringe streckenweise stark mit dem Thema und nein, meine Kinder sind mir dabei kein Trost. Das eine hat mit dem anderen für mich überhaupt nichts zu tun.

Ungefähr die Hälfte meines Lebens ist vorbei. Die zweite Hälfte vergeht bekanntlich immer schneller. Und obwohl ich mir wünsche, dass die Kinder älter werden und ich dadurch wieder etwas freier leben kann, habe ich gleichzeitig Angst davor, denn mit dem Älterwerden der Kinder vergeht mein eigenes Leben. Diese Ambivalenz ist schwer auszuhalten. Ich möchte sie ja gern noch lange begleiten und sehen, wie sie ihr Leben gestalten. Andere, leichtere Gemüter als ich würden jetzt sagen: "Ach was, genieße einfach jeden Moment deines Alltags, damit du weißt, du hast dein Leben gut gelebt." So simpel ist das aber für mich nicht und wird es auch nie werden. Aber auch das gehört zu meiner Existenz dazu. Vielleicht kommt dieses Gefühl, wenn das Hamsterrad des Alltags etwas nachlässt. Was aber nichts an der Unausweichlichkeit des Endes ändert. Wir müssen alle mit dieser Perspektive leben. Der eine verdrängt, dem anderen gelingt das nicht. Ich gehöre zu Letzteren, schon immer. Daran hat die Mutterschaft nichts geändert. Und bei euch?

Dienstag, 14. November 2017

Dritter Blog-Geburtstag mit Verlosung

 Bildquelle: Pixabay

Heute feiere ich mich selbst, denn mein Blog ist nun 3 Jahre alt! Happy Birthday to me und danke an euch alle, die ihr hier so treu mitlest und kommentiert! Am 14. November 2014 veröffentlichte ich meinen ersten Text Ich sollte nicht ins Kino gehen und schrieb von da an mehr oder weniger regelmäßig Geschichten aus unserem Alltag, meine Gedanken über Elternschaft und meine Kinder, Erinnerungstexte, Buchrezensionen, Reiseberichte und hin und wieder auch einen Kooperationstext.

Mittlerweile habe ich nun mit meinem Großen, der bei Blogstart 3 3/4 Jahre alt war, seit diesem Jahr ein Schulkind und meine Kleine, die damals gerade mal 1 1/2 Jahre zählte, wird nächstes Jahr schon ein Vorschulkind sein. Was die Kinder angeht, so hat sich in den letzten 3 Jahren sehr viel verändert, sie haben sich unheimlich entwickelt und es ist wahnsinnig interessant, zu verfolgen, wie sie sich verändern, welche Charakteristika geblieben, welche neu dazugekommen sind und wie sich diese beiden Individuen entwickeln. Auch meine eigenen Prognosen und Einschätzungen muss oder darf ich immer wieder korrigieren im Leben mit ihnen: während z.B. der Schulstart des Großen weitaus glimpflicher verlaufen ist als befürchtet, durchlebt die Kleine und wir mit ihr seit geraumer Zeit eine sehr anstrengende Phase, was ich niemals für möglich gehalten hätte. Man lernt die Kinder immer wieder neu kennen und wird von manchem positiv, von anderem negativ überrascht. Kontinuität und Verlässlichkeit gibt es kaum im Leben mit meinen Kindern und sie fordern eine große mentale Flexibilität von uns Eltern. Allerdings merke ich, dass ich, je älter die Kinder werden, durchaus zurückhaltender als früher über diese Entwicklungen berichte. Ich denke, das ist normal. Einiges flechte ich in die Geschichten aus unserem Alltag mit ein, anderes wird nachträglich oder halt gar nicht erzählt.

Im Gegensatz zu den Veränderungen bei den Kindern hat sich in unserem äußeren Leben in den letzten 3 Jahren seit Blogstart nichts verändert, die Arbeits- und Wohnsituation sind gleich geblieben, die fehlende Entlastung ist weiterhin ein großes Thema für mich, auch wenn es mit dem Älterwerden der Kinder sukzessive etwas einfacher wird, und mein Mamasein, meine Mutterschaft, meine Gefühle und Gedanken als Mama sind überwiegend auch gleich geblieben, das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich meine alten Texte lese. Ich würde sagen, bis heute ist es nicht so, dass mir das Mamasein leicht fällt, auch wenn der Alltag funktioniert und auch Krisensituationen mittlerweile viel besser gemanaged werden als früher. Aber ich habe irgendwie akzeptiert, dass dieses Gefühl wohl für immer zu meinem Mamasein dazugehören wird und vielleicht schreibe ich deshalb auch kaum noch darüber. Ich denke, ihr lest es trotzdem zwischen den Zeilen...

Nun aber möchte ich meinen dritten Blog-Geburtstag mit euch feiern! Ich danke euch von ganzem Herzen für eure Lesertreue, euer Mitfiebern, euer Mitleiden, euer Mitdenken, die Kommentare, Mails, Herzchen und Likes. Laut der blogeigenen Statistik hatte ich seit Blogstart fast 500.000 Seitenaufrufe, laut Google Analytics immerhin ca. 345.000. Das sind unglaubliche Zahlen! Danke für einen tollen Austausch, der immer noch - neben dem Niederlegen der eigenen Gedanken - einer meiner Hauptbeweggründe für das Bloggen ist. Danke dafür, dass ich durch euch immer wieder merke, wie viele Gleichgesinnte bzw. ähnlich empfindende Mamas es gibt. Ich freue mich auf das nächste Blogjahr und habe nun auch etwas für euch!

Verlosung

Als Dankeschön für eure Treue möchte ich an euch die beiden tollen Henry-Bücher für hochsensible Kinder von Petra Neumann verlosen. Ihr wisst, dass das Thema hochsensible Kinder in meinem Blog eine Rolle spielt und ich diverse Bücher zum Thema rezensiert habe (siehe hier). Wenn ihr wissen wollt, worum es in den Henry-Büchern geht, dann lest mal hier nach.

Es sind Bücher für hochsensible Kinder im Grundschulalter, die erklären, ermutigen und anleiten sollen, damit Kinder besser mit ihrer Hochsensibilität, ihrer "Superfühlkraft", umgehen können. Ich finde sie wunderbar lebensnah und undogmatisch und besonders auch für Eltern hochsensibler Kinder eine große Bereicherung. Schaut auch mal auf der Webseite von Petra Neumann vorbei, sie schreibt tolle bodenständige Texte voller Herz, die zur Verbreitung und Vermittlung des Themas "hochsensible Kinder" beitragen!

Ihr könnt gewinnen:

1.  "Henry mit den Superkräften ... oder - warum in jedem Kind ein Held steckt"* von Petra Neumann, erschienen im Januar 2015

ODER

2.  "Das Handbuch für SuperFÜHLkrafthelden. Henry und Johanna öffnen ihre Trickkiste"* von Petra Neumann, erschienen im April 2016


Beide Gewinne sind natürlich neu und unbenutzt und wurden mir für die Verlosung von der Autorin zur Verfügung gestellt. Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasst mir bitte hier auf dem Blog einen Kommentar, in dem ihr euch kurz vorstellt und erzählt, wie ihr das Mamasein empfindet. Gern könnt ihr auch schreiben, welche Themen euch besonders interessieren/ berühren und natürlich bitte nicht vergessen, welches der beiden Bücher ihr gern gewinnen möchtet. Es kann ja sein, dass ihr schon eines habt;-). Zusätzlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir auf Facebook folgt und die Verlosung teilt. Ist aber keine Bedingung. Bitte gebt euren Namen an!

Die Verlosung läuft bis zum 19. November 2017, 23:59 Uhr. Unter allen bis dahin eingehenden Kommentaren werden die beiden GewinnerInnen ausgelost und hier per Kommentar sowie auf Facebook bzw. Twitter bekanntgegeben. (Ich sehe keine Mailadressen, kann euch also nicht per Mail benachrichtigen.) Beide Gewinne werden direkt von mir versendet, d.h. eure Adresse landet nur bei mir. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang mit Facebook. Versand nur innerhalb Deutschlands. Mindestalter 18 Jahre. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung. Viel Glück!

Vielen Dank an die Autorin Petra Neumann für die Verlosungsexemplare.

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Donnerstag, 9. November 2017

Das Schlafen verlernt

Ich habe das Schlafen verlernt. Ich kann nicht mehr schlafen, nicht mehr abschalten, nicht mehr tief in das Reich des Morpheus versinken. Ich bin immer mit einem halben Ohr da, das Gehirn ist auf Standby, bereit, sofort zu reagieren, wenn ein Kind ruft. Ich brauche jeden Abend sehr lange, um überhaupt einzuschlafen, liege wach im Bett und warte auf den Schlaf. Ich schlafe nie tief und bin meist sofort wieder da, wenn ich dann nachts geweckt werde. Und dann liege ich wieder ewig wach. Manchmal ist das Kreisen der Gedanken daran schuld, manchmal sind es äußere Störungen wie Schlafgeräusche der Kleinen, die ja meist noch neben mir schläft. Meist jedoch liegt es daran, so vermute ich jedenfalls, dass mein Gehirn, das nun fast 7 Jahre in ständiger Bereitschaft ist, einfach nicht mehr abschalten kann. Es findet nicht mehr in den kompletten Ruhezustand.

Ich habe das gemerkt, als ich in diesem Jahr erstmals, seit ich Mama bin, zwei Mal für 3 Tage allein verreist war. Ich habe in diesen 2 x 2 Nächten geschlafen, ja, auch durchaus gut geschlafen, aber überhaupt nicht tief, ich brauchte wie zuhause ewig lange, um einzuschlafen, und war morgens viel zu früh wach, dafür, dass ich eigentlich hätte ausschlafen können. Obwohl ich allein war und für niemanden Verantwortung hatte, konnte ich mich, was die Schlafprobleme betrifft, in der kurzen Zeit nicht umstellen. Ich würde dringend mal wieder tiefe und lange Schlafnächte brauchen, aber es ist einfach nicht mehr möglich. Jetzt, wo die Kinder alt genug sind und mich nur noch selten nachts brauchen, ist das umso frustrierender. Ich habe das Schlafen durch die Kinder verlernt.

Bildquelle: Pixabay

Der Große war anfangs ein grauenhafter Schläfer, sowohl tagsüber als auch nachts. Stundenlang saß ich in den Nächten mit ihm im Stillsessel, musste immer wieder zu ihm, wenn er im Bett lag und schrie, und es gab viele Nächte in seinem ersten Lebensjahr, in denen er 3 Stunden knallwach war und herumgetragen werden musste. Dazu kam, dass er trotz dieser schlechten Nächte den Schlaf nicht morgens verlängert hat, sondern schon immer ein Frühaufsteher war (zwischen 5 und 6 Uhr). Das war für mich eigentlich das Schlimmste. Mit 15 Monaten verbesserte sich sein Nachtschlaf deutlich und er schlief dann ungefähr jede zweite Nacht durch, allerdings in Phasen, d.h. ein paar Tage lang gar nicht und dann einige Tage jede Nacht, vereinfacht gesagt. Es war unberechenbar, aber eine große Verbesserung. Mit 3 1/4 Jahren (da war die Kleine schon 1 Jahr alt!) schlief er dann endlich zuverlässig durch, und seitdem ist er wirklich ein super Schläfer. Er schläft gut ein und sehr tief, er kann auch in neuen Umgebungen mittlerweile wunderbar schlafen und er benötigt uns nachts eigentlich gar nicht (Ausnahmen bei Krankheit). Ich staune, wie er sich so komplett gewandelt hat und das Schlafen, das Zur-Ruhe-Kommen und Abschalten selbst mit der Zeit "gelernt" hat. Ich habe es aber zuerst durch ihn VERlernt.

Die Kleine war von Anfang an ganz anders in ihrem Schlafverhalten. Sie schlief tagsüber wunderbar im ersten halben Jahr, nachts etwas durchwachsener, aber für mich erträglicher als der Große seinerzeit. Ich bekam mehr Schlaf ab als bei ihm, da sie nachts schnell wieder einschlief und kaum lange nächtliche Wachphasen hatte. Allerdings wachte sie auch mit über einem Jahr, als der Große begann, besser zu schlafen, noch sehr oft auf und wollte teilweise alle 1-2 Stunden nachts stillen. Das war ziemlich anstrengend und ich war froh, als das vorbei war. Mit ca. 19 Monaten konnte sie durchschlafen, allerdings schläft sie bis heute (sie ist 4 1/2 Jahre) nicht zuverlässig durch, sondern wacht noch manchmal nachts auf. Es ist kurios, dass das Kind, was anfangs grottenschlecht schlief, nun der zuverlässige Durchschläfer ist und die Kleine eher die unzuverlässige Schläferin. Da ich meist bei ihr schlafe, bin ich davon natürlich auch direkt beeinflusst. In unserem Mallorca-Urlaub letzte Woche hatte sie einen solchen nächtlichen Husten (bei völliger Gesundheit tagsüber), dass ich eine Woche lang nachts kein Auge zugetan habe. Dort konnte ich ja auch nicht in ein anderes Zimmer ausweichen wie zuhause. Mit ihr habe ich schon sehr viele Nächte durch, in denen sie sich ständig erbrochen hat. Sowas kenne ich vom Großen gar nicht. Sie braucht auch viel Körperkontakt und kommt mir nachts sehr nahe, ich habe ihre Füße im Gesicht und ihre Hand an meinem Hals. Das lässt mich nicht schlafen bzw. weckt mich immer wieder auf. Sie hat aber Angst und wandert nachts in der Wohnung herum, wenn ich nicht bei ihr schlafe. Deshalb können wir daran auch im Moment nicht viel ändern.

Ich bin, selbst wenn ich schlafe, immer mit einem halben Ohr da, immer im Standby-Modus, bereit, sofort aufzuspringen, wenn ein Kind ruft, weint, schlecht träumt, erbricht oder raus muss. Mit einem Klick bin ich hellwach und einsatzfähig, so, als hätte ich gar nicht geschlafen. Einen richtigen Tiefschlaf kenne ich schon lange nicht mehr. Früher habe ich viel und lebhaft geträumt, das hat fast völlig aufgehört. Ich vermisse meinen guten, erholsamen, regenerativen, unbeschwerten Schlaf sehr!

Mir wurde gesagt, das mit dem Schlafen käme irgendwann wieder. Man könne das wieder lernen! Ich glaube da nicht dran. Ich fürchte, es ist endgültig vorbei. Ich werde nie wieder tief, lange und unbeschwert schlafen. Ich werde mich immer in Bereitschaft fühlen, auch nachts. Das Gehirn wird wohl nie wieder so abschalten können wie früher. Dass mir Schlaf fehlt, sieht man mir an. Dass mir Schlaf fehlt, fühle ich selbst. Aber ich kann ihn nicht herbeizwingen. Ich gehe spät ins Bett, weil ich sowieso wach liege. Und weil der späte Abend die einzige Zeit ist, wo ich längere Zeit ungestört und allein sein kann. Ich schlafe schon länger schlecht und das ist auch in Phasen völliger Erschöpfung der Fall. Oder eben auch, wenn ich mal allein in einem Hotelzimmer bin, was dieses Jahr erstmals vorkam. Seit fast 7 Jahren unterbrochene Nächte fordern ihren Tribut. Das Gehirn hat sich darauf eingestellt, dass es nicht schlafen darf. Und ich fürchte, dieser Vorgang ist nicht wieder umkehrbar.

Als Kind war uns unverständlich, dass unsere Eltern auch am Wochenende freiwillig um 7 Uhr aufstanden. Niemals wollten wir so werden! Aber wahrscheinlich werden wir das nicht verhindern können, denn mit eigenen Kindern verlernt man das Schlafen. Dabei würde man genau in dieser Lebensphase den Schlaf so dringend brauchen. Lieber Schlaf, komm bitte wieder zurück zu mir!

Sonntag, 5. November 2017

WMDEDGT? am 5. November 2017 - Urlaubsnachwehen

Es ist der 5. des Monats und bei Frau Brüllen werden wie immer unter #wmdedgt (Was machst du eigentlich den ganzen Tag?) Berichte des Tagesablaufes von Bloggern gesammelt. Es ist Sonntag und der letzte Tag der ersten Herbstferien meines Großen. Wir Eltern hängen noch ziemlich durch, da wir am Freitag aus unserem Sonnen-Urlaub auf Mallorca zurückgekommen sind und uns noch nicht richtig akklimatisiert haben. Deshalb war die Devise für heute: minimale Anstrengung und keine Aufregung:-)

Ab 7:15 Uhr
Alle wachen so langsam auf, der Mann geht zum Bäcker und wir frühstücken um 8:30. Danach wird Schriftkram erledigt, die Blumenkästen werden entsorgt und die letzte Maschine Urlaubswäsche gewaschen. Die Kinder streiten, toben und haben wie immer, wenn sie nicht gecoacht werden, nur Unsinn im Kopf. Der sinnlose Lärm geht an unsere nervliche Substanz, zumal die letzten beiden Wochen nicht gerade einfach waren.

10:30 Uhr
Ich verziehe mich mit dem Großen in sein Kinderzimmer und gehe mit ihm zusammen seine Schulsachen durch, denn morgen startet die Schule wieder. Dann mache ich mit ihm noch einige Leseübungen, was sonst meist der Mann übernimmt, und stelle fest, dass ich niemals Grundschulpädagogin sein könnte, denn es macht mich irre, Dinge hundertmal erklären zu müssen, die für Erwachsene selbstverständlich sind. Trotzdem ist es natürlich süß, ihm zuzuhören, wie er mühsam Buchstaben und Silben aneinander reiht (und den Sinn des Gelesenen nicht versteht, weil er so auf die Buchstaben konzentriert ist).

12:30 Uhr
Mittagessen und danach Mittagspause. Bitter nötig, denn gestern waren wir über Mittag unterwegs und konnten uns nicht ausruhen. Ich überlege derweil, was ich am Nachmittag mit den Kindern allein machen könnte, weil der Mann durchhängt und ich auch ziemlich schlapp bin. Außerdem fängt es an zu nieseln.

14:45 Uhr
Ich fahre mit den Kindern ins Zeiss-Großplanetarium und wir schauen um 15:30 Uhr das Programm "Mit Raketen zu Planeten". Die Kleine ist wie immer sehr unruhig, aber der Große macht gut mit und erinnert sich an einige astronomische Fakten. Ich kann sitzen und mich ausruhen, und da die Astronomie auch zu meinen vielen nicht gepflegten Interessen gehört, finde ich das Kinderprogramm sogar bereichernd.


17 Uhr
Wir sind zurück zuhause, essen Abendbrot und lassen den Abend ruhig ausklingen. Morgen heißt es wieder "Back to Alltag" und wir hoffen, das bringt den Kindern etwas Ausgeglichenheit zurück. Denn die beiden Ferienwochen waren sie wirklich unsäglich gelaunt und viel länger hätten wir das nicht ertragen. Insofern freuen wir uns auf Schule, Kita und Arbeit und trotzdem hoffe ich, dass die dunklen Monate November und Dezember schnell vorbei gehen;-). Kommt gut in die Woche!

Mehr #wmdedgt gibt es bei Frau Brüllen.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Unser Wochenende in Bildern 28./ 29. Oktober 2017 - Urlaubsedition

Ich melde mich mit ein paar schönen Bildern von Sonne, Strand und Meer aus unserem Mallorca-Urlaub. Da wir am Freitagabend erst angekommen sind, haben wir am Wochenende noch nichts Großes unternommen, sondern erstmal nur unsere Hotelanlage und Umgebung erkundet. Am heutigen Sonntag starteten wir dann mit einer kleinen Schifffahrt. Bei diesem phantastischen Wetter sind tolle Bilder entstanden.

Samstag

Am Freitag waren wir durch eine Flugverspätung leider erst abends im Hotel und die Kinder spät im Bett. Die erste Nacht im Hotel ist ja sowieso immer schwierig und so erwachten wir am Samstag alle etwas derangiert. Bei mir überwog sehr schnell die Freude über das schöne Wetter, den herrlichen Blick auf's Meer und das Urlaubsglück und -privileg, aber den kleinen Familienmitgliedern ging das anscheinend nicht so, denn es wurde den ganzen Tag gemotzt und gemeckert, was das Zeug hielt. Schlechte Laune vom Feinsten bei beiden Kindern und dementsprechend auch irgendwann bei uns. Anstrengend!

Morgens war unser Ausblick vom Balkon dieser:


Nach dem Frühstück erkundeten wir unsere Hotelanlage, die auf einem Felsplateau liegt und an 3 Seiten von Wasser umgeben ist. Traumhaft!





Dann ging es in den Kinderbereich. Toll ist der Piratenschiff-Pool. Im Kinderclub gab es einen kleinen Parcours, wo die Kinder einiges mitmachten und Halloween-Süßkram absahnten..


Die Kinder wollten auch unbedingt schon den Pool testen, obwohl es wegen des Windes etwas zu kühl war. Das merkten sie aber schnell selbst.


Nach dem Mittagessen machten wir eine Pause, weil alle noch sehr müde waren, und die Kleine schlief ein. Das gab es schon seit einem Jahr nicht mehr. Wir ließen sie und gingen am Nachmittag zum Strand, einer schönen Bucht unterhalb unseres Hotels, wo einige Unerschrockene großen Spaß am Wellengang hatten.



Dort blieben wir bis zu den goldenen Strahlen der Abendsonne. Das Abendbrot war, wie gerade alles hier, von Halloween geprägt. Das scheint hier echt ein Hype zu sein. Bisher hatten wir das Thema erfolgreich von unseren Kindern ferngehalten.


Natürlich wurde der Kinderdisco noch ein Besuch abgestattet und es ging wieder recht spät ins Bett. Die Nacht der Zeitumstellung folgte. 

Sonntag

Wir schliefen mit Unterbrechungen durch Husten bis 7 Uhr. Muss man ja schon fast dankbar sein. Timehop erinnerte mich an die Aufwachzeiten der letzten Jahre. Der Sonnenaufgang sah so aus:


Es war windstill und schon recht warm. Ich schlug vor, eine kleine Schifffahrt zu machen. Wir nahmen gleich das erste Schiff um 9:30 Uhr, das unterhalb unseres Hotels startete, und waren die einzigen Gäste. Ein Schiff nur für uns allein! Die Tour ging an den Calas de Mallorca entlang, wunderschönen Buchten und Höhlen an der Ostküste.



Zurück im Hotel holten wir uns einen kleinen Snack und Getränke und setzten uns auf die Plaza, wo heute Hüpfburgen aufgebaut waren. Auf der Bühne gab es Zumba, die Kinder waren beschäftigt und es fühlte sich herrlich nach Urlaub an. Vor dem Mittagessen probierten die Kinder nochmal den Pool aus.

Am Nachmittag gingen wir zum Strand und wunderten uns, dass der Schatten so früh kam, bis uns einfiel, dass es ja gestern eine Stunde später war;-). Der Große und ich wagten sich ins Wasser. Eine erfrischende Angelegenheit...



Der Sonnenuntergang (hinter einem Berg) war um 17:38 Uhr. Morgen haben wir einen Mietwagen gebucht und wollen ein wenig herumfahren. Die Stimmung der Kinder ist immer noch sehr durchwachsen und das ist derzeit das Einzige, was diesen Urlaub bei herrlichem Wetter und in einer wunderschönen Umgebung stört. Abgesehen davon finde ich es traumhaft, bin dankbar, dass wir aus dem trüben Herbst in Deutschland ausbrechen können und soviel Glück mit dem Wetter haben.


Mehr Wochenenden in Bildern findet ihr wie immer bei Geborgen Wachsen.

Montag, 23. Oktober 2017

Gartenfrust 2017

Unser Garten hat uns in diesem Jahr mehr Frust als Freude gebracht. Nur Arbeit, fast ohne ihn nutzen zu können. Wegen miesen Wetters mehrmals abgesagte Einladungen und Verabredungen. Bei jedem Besuch neue Baustellen wie riesengroße Wespennester, ein kaputter Sichtschutz oder ein aufgewühlter Rasen. Bis auf's Blut streitende Kinder, die erst überhaupt nicht hinfahren wollten und sich dort nur in der Wolle hatten. Wuchernde Pflanzen, unzählige Nacktschnecken, aggressive Mücken, deren Stiche den Kindern dicke Beulen bescherten, Unkraut überall. Eine so geringe Obst- und Gemüseernte wie noch nie zuvor, ich staunte immer über die Instagram-Bilder anderer Gartenbesitzer. Selbst unser Apfelbaum, der im letzten Jahr wunderschöne Schneewittchen-Äpfel hervorgebracht hatte, produzierte nur Ausschuss. Es war frustrierend.


Einerseits lag es am wirklich schlechten Frühlings- und Sommerwetter in Berlin. Ich lebe jetzt seit 23 Jahren hier, aber so einen miesen Sommer habe ich noch nie erlebt. Und wenn mal schönes Wetter war, dann unter der Woche, doch an den Wochenenden regnete es oft. Da wir aber meist nur am Wochenende hinaus in den Garten fahren können, ist das natürlich ungünstig, gelinde gesagt. Die Gartenarbeit, für die Elektro-Geräte benötigt werden, dürfen wir auch nur bis Samstag Mittag machen, danach und am Sonntag ist Ruhezeit. So mussten wir dieses Jahr oft im Nieselregen am Samstag Vormittag den Rasen mähen. Andere Arbeiten wie Hecke schneiden haben wir dann meist händisch (nicht elektrisch) erledigt, da die mögliche Arbeitszeit schon wieder vorbei war. Und ein Genießen des Gartens war fast nie möglich, wir mussten uns oft im Haus aufhalten, da es am Wochenende immer wieder regnete. Das haben wir in den letzten 7 Jahren als Gartenbesitzer noch nie so extrem erlebt.

Symbolbild des Sommers

Auf meiner Mutter-Kind-Kur hatte ich mir vorgenommen, im Sommer MEHRMALS! ALLEIN! im Garten zu übernachten, um ab und zu etwas Abstand vom Familientrubel zu haben. Im letzten Jahr hatte ich zum ersten Mal, seit wir den Garten haben, jeweils mit einem Kind im Garten übernachtet und das klappte gut. Genau das wollte ich in diesem Sommer allein machen und freute mich drauf. Was soll ich sagen: es scheiterte nicht am Willen, sondern am Wetter bzw. den Umständen. Es gab kein Wochenende, wo alles passte, wo es auch nachts warm genug war, man nicht von Mücken zerstochen wurde und kein Regen angekündigt war. Dass es überhaupt nicht heiß war, merkten wir auch in unserer Dachgeschosswohnung, die sich sonst im Sommer total schnell aufheizt. Dieses Jahr gar nicht. Von der Sonne verbranntes Gras im Garten und in unserem Park existierte 2017 nicht. Außerdem sind wir natürlich auch nicht jedes Wochenende zuhause gewesen. Unter der Woche wiederum geht das mit dem Übernachten nicht, da die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sehr schlecht ist. Ich bin echt frustriert, dass ich meine Vorsätze diesbezüglich nicht umsetzen konnte. Nun hoffe ich sehr auf nächstes Jahr.


Die Kinder hatten oft keine Lust, in den Garten zu fahren, und haben sich dann aus ihrer schlechten Laune heraus geärgert und gepiesackt. Wir mussten viel schimpfen und waren genervt. Die Mittagspause klappt im Garten nicht so wie zuhause und geschlafen wird ja sowieso nicht mehr. Auch der Mann verlor immer mehr den Antrieb hinzufahren, und selbst ich dachte zum ersten Mal ans Abgeben des Gartens. Das hatte ich noch nie, schließlich ist er meine Ruheoase und Ausgleich zum Großstadtleben. Außerdem würde dann nicht nur der Garten fehlen, sondern auch die Felder hinter unserem Garten, die Heckrinder, Wildpferde und Störche, die Spazierwege, die Heuballen, wilden Obstbäume und die Weite des Landes. Ich war total traurig über meine eigenen Gedanken des Aufgebens, aber die Umstände waren dieses Jahr wirklich bescheiden.


Nur ein einziges Mal haben wir so richtig, nämlich einen ganzen Nachmittag, geplanscht, nur zweimal überhaupt Besuch im Garten gehabt. Selten gegrillt, nicht übernachtet, oft in der Hütte gesessen, um den Regenschauer abzuwarten und uns jedesmal geärgert. Über die viele Arbeit, die seltenen Gelegenheiten, hinzufahren und eben das Wetter. Ich weiß, das kann man nicht ändern, aber noch nie hat der Frust so deutlich die Freude am Garten überwogen. Und nicht zuletzt ist das auch ein finanzieller Posten, der umso mehr weh tut, je weniger man den Garten nutzen kann.

Tja, was sollen/ können wir tun? Aufgeben? Auf ein neues, besseres Jahr hoffen? Öfter mal spontan unter der Woche rausfahren im nächsten Sommer? Das wiederum lohnt sich zeitlich kaum und bringt meist Stress und abends schreiende Kinder. Außerdem hatten die Kinder sowieso meist keine Lust und meckerten, dass sie nicht in den Garten wollten. Ich verstehe absolut nicht, warum sie zunehmend ungern hinfahren, es ist eigentlich ein Paradies für Kinder, mit dem Spielturm*, der Wasserbahn*, dem Sandkasten* und jeder Menge Spielzeug. Sie dürfen jedesmal bei der Gartenarbeit helfen, haben auch spezielle Gartenutensilien* für Kinder.


Sie dürfen natürlich direkt von den Sträuchern naschen, sie pflanzen mit mir zusammen und wir gehen oft in die wunderschöne Umgebung auf unsere Felder hinaus, wo wir Drachen steigen lassen, die Tiere besuchen, den Kreislauf der Landwirtschaft beobachten und wildes Obst pflücken. Für mich ist das wirklich traumhaft, aber es fällt mir zunehmend schwer, die schlechte Laune der Kinder im Garten auszugleichen und sie zu motivieren. Denn ich selbst möchte genießen und nicht an meinem Ruheort vollgemeckert werden. Die Streiereien der Kinder hört man schon im ganzen Umfeld und das ist zermürbend.


Das Gartenjahr 2017 ist vorbei, wir haben den Garten schon winterfest gemacht und kommen nur noch für kleine Arbeiten vorbei. Ich hoffe ganz sehr, dass das nächste Jahr in jeder Hinsicht besser wird und vor allem die Kinder wieder mehr Freude am Garten empfinden können. Wenn nicht, weiß ich nicht, ob wir ihn behalten. Wir haben ihn damals im Frühjahr 2010 übernommen, kurz bevor ich mit dem Großen schwanger wurde. Mir bedeutet er sehr viel, aber ich kann ihn nicht gegen den Widerstand meiner Familie, vor allem der Kinder, halten. Ich verstehe diese Abneigung, diesen Unwillen der Kinder nicht und weiß auch nicht, was man da tun kann. Nun warten wir einfach mal ab, was das nächste Jahr bringt. Mehr Frust als Freude ist jedenfall auf Dauer unbefriedigend!


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Freitag, 20. Oktober 2017

Die ersten Ferien!

Die ersten Ferien für meinen Großen! Wahnsinn, wie schnell die 6 Wochen seit seiner Einschulung vergangen sind. Ich erinnere mich, wie elend lang für mich als Kind die Schulwochen immer waren und wie weit entfernt die nächsten Ferien schienen. Kinder haben ja doch eine ganz andere Zeitwahrnehmung als Erwachsene. Nun, da ich selbst Mama eines Schulkindes bin, staune ich, wie rasant die Wochen verflogen sind. Aber vor allem staune ich darüber, wie ruhig und problemlos die Umstellung geklappt hat und wie ausgeglichen der Große ist. Das hätte ich niemals so erwartet.

Ich habe erwartet und wurde auch von vielen Seiten darauf vorbereitet, dass die ersten Wochen schwierig und anstrengend werden und es mindestens bis zu den Herbstferien, oft sogar bis zum Ende des ersten Halbjahres, dauern würde, bis sich das eingeschulte Kind und alle Familienmitglieder an die Veränderungen, die neuen Anforderungen, den anderen Rhythmus gewöhnt hätten. Ich habe wahlweise mit völliger Überforderung und Überreizung, mit Aggressionen, mit Wut, mit Verzweiflung, mit Unlust und Boykott oder auch mit Apathie gerechnet und mich auf eine lange, anstrengende Zeit des Tröstens, Ausgleichens und Aufmunterns eingestellt. Ich hatte Angst davor, wieder der Puffer für viele negative Emotionen des Großen zu werden, wie schon so oft. Und ich hatte natürlich auch befürchtet, dass er meine Angst und Skepsis spüren würde.

Nichts davon ist eingetreten. Ich kann es selbst bis heute nicht glauben und erwartete täglich ein Platzen der Bombe, ein Ausrasten, ein Verweigern oder Zusammenbrechen von ihm. Ich erwartete ein Auf und Ab der Emotionen und Stimmungen, Müdigkeit und Erschöpfung, Verwirrung, Überforderung, Frust und Tränen. Dass es anders gekommen ist, finde ich unglaublich toll. Er ist da so pflegeleicht durchgegangen, dass wir, abgesehen vom organisatorischen Kram, fast nichts von der Veränderung gemerkt haben. Überhaupt, schon der Begriff "pflegeleicht" in Zusammenhang mit einer Umstellung im Leben des Großen liest sich fast unglaublich.

Ich glaube weiterhin, dass einen großen Anteil daran das Verbleiben in seinem gewohnten Umfeld inklusive vertrauter Freunde und anderer Kinder hatte. Das macht für Charaktere wie ihn unheimlich viel aus und ich bin froh, dass ich das als eines der ausschlaggebenden Kriterien für die Anmeldung auf der normalen Einzugsgrundschule herangezogen habe. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie verlassen und einsam er sich allein auf einer fremden Schule, in einer völlig neuen Umgebung gefühlt hätte. Er ist nicht der offene Typ, der schnell neue Kontakte knüpft und auf andere zugeht. Hier an seiner Schule geben ihm die Kinder, die er kennt (und das sind nur einige wenige unter 600 Schülern) Halt und er konnte dadurch auch schon ein paar neue Freunde finden. Das ist für mich schön zu sehen.

Er hält mit seinem neuen Wissen, seinen erlernten Kenntnissen und neuen Abläufen ziemlich hinter dem Berg und sprudelt nicht automatisch alles heraus, was er am Tag gelernt und erlebt hat. Manche Fragen über den Schulalltag, die ich ihm so stelle, kann er gar nicht beantworten. Ich denke, sein Gehirn schützt sich vor zuviel Input, indem es alles ausblendet, was nicht direkt "lebensnotwendig" im Schulleben für ihn ist. Das ist okay, ich kenne das selbst auch. Er ist aber ganz stolz, wenn wir seine Aufgabenblätter, bei denen er meist volle Punktzahl erreicht, aus seiner Postmappe rausholen und anschauen. Das Lesen und Schreiben lernen schreitet ganz langsam voran, aber auch das finde ich völlig in Ordnung, ich bin da komischerweise gar nicht so ungeduldig wie sonst. Seine Lehrerin wird es ihm schon beibringen. Bis jetzt gibt es keine Probleme oder Sorgen. Ich würde mir wünschen, dass die Klasse öfter und länger nachmittags rausgeht, aber das ist eben erzieherabhängig. Noch wichtiger ist mir, dass darauf geachtet wird, dass die Hausaufgaben im Hort erledigt werden, und das ist glücklicherweise der Fall. Denn dann kann ich beruhigt nachmittags mit den Kindern genau wie bisher auf den Spielplatz oder in den Park gehen.

In den 6 Wochen seit seiner Einschulung hat er die ersten beiden Milchzähne verloren. Er ist mit einem Nasenbeinbruch gestartet und kann mittlerweile wieder alles regulär mitmachen. Er geht allein (oder mit anderen Kindern) das letzte Stück des Weges bis hoch in seinen Klassenraum, hat aber keine Ambitionen, die darüber hinaus reichen. Er erledigt seine Aufgaben wunderbar, macht aber nichts Zusätzliches. Ich sehe, was ich schon länger wahrnehme, nämlich dass er kaum Ehrgeiz hat, sich selbst etwas Neues beizubringen oder etwas zu machen, was über die Anforderungen hinausgeht. Selbst im Rechnen, was ihm liegt, versucht er nicht selbstständig voranzukommen. Aber solange er die Anforderungen erfüllt, sich Mühe gibt und nicht unwillig dabei ist, bin ich auch zufrieden. Spezielle Interessen und damit eine intrinsische Motivation kommen vielleicht im Laufe der Zeit. In den letzten Wochen ging es vor allem darum, diese große Umstellung so reibungslos wie möglich zu gestalten.

In der ersten Ferienwoche wird er 2 Tage in den Ferienhort gehen, an den restlichen Tagen ist er anderweitig verplant. Und am nächsten Freitag fliegen wir für eine Woche in den Urlaub, da die Kita in der 2. Ferienwoche ebenfalls geschlossen ist. Juhu, wir freuen uns. Und dann beginnt der nächste Abschnitt unseres Schulkindes!

Samstag, 14. Oktober 2017

Förderunterricht für Schulanfänger?

Vor kurzem hatten wir das erste Eltern-Kind-Treffen der Schulklasse unseres Großen. Wir fanden uns informell im Park zusammen, um uns ein wenig kennenzulernen. Abgesehen davon, dass nur ca. die Hälfte der Eltern und Kinder anwesend war und ich mir nur wenige Namen merken konnte, war es trotzdem recht interessant. Mein Großer erzählt ja nicht viel vom Schulalltag und so erfuhr ich einige Dinge, die ich noch nicht wusste. Zum Beispiel, dass seit kurzem zwei Kinder schon Förderunterricht hatten.

Eine Mama berichtete, dass sie ziemlich überrascht, um nicht zu sagen geschockt war, weil ihre Tochter kaum 4 Wochen nach der Einschulung schon eine "Einladung" zum Förderunterricht in der Postmappe hatte. Sie erzählte auch, dass ihre Tochter das nicht gut verkraftet hatte, sondern sich nun "schlechter" und unter Druck gesetzt fühlen würde. Und das alles schon kurz nach Schulstart! Ich war auch überrascht, als ich dies hörte, hätte ich doch nie damit gerechnet, dass so schnell Leistungsdruck aufgebaut wird und "schlechtere" Schüler gefördert werden. Ich muss ehrlich sagen, ich wäre ziemlich perplex gewesen, wenn solch ein Schreiben in unserer Postmappe gewesen wäre und mein Großer nun zum Förderunterricht müsste.

Bildquelle: Pixabay

Der Förderunterricht findet bei uns vor dem regulären Unterricht statt, d.h. startet um 7:25 Uhr. Um 8 Uhr beginnt der normale Schulalltag. Die betroffenen Kinder haben also noch einen längeren Unterrichtstag und merken natürlich, dass sie herausgepickt wurden, weil irgendwas nicht so ganz läuft, wie es optimalerweise laufen sollte. Prinzipiell finde ich es gut, wenn die Pädagogen mit ihrer Erfahrung individuell auf die Kinder schauen und diejenigen unterstützen, denen gewisse Dinge schwerer fallen als anderen. Wir wissen alle selbst, dass es oft nicht ausreicht bzw. nicht funktioniert, wenn die Eltern ihre Kinder zum regelmäßigen Üben anhalten. Viele Kinder reagieren auf die Bemühungen ihrer Eltern mit Abwehr oder machen dicht. Außerdem sind Eltern keine Pädagogen, haben oft wenig Zeit und noch weniger Geduld. Insofern ist es sicherlich sinnvoll, diese "Nachhilfe" in der Schule, von der Klassenlehrerin zu bekommen.

Allerdings war ich (und nicht nur ich) wirklich überrascht, dass damit schon 4 Wochen nach der Einschulung begonnen wird. Sollten die Kinder nicht erstmal ganz langsam den Schulalltag kennenlernen und nach und nach ans Lesen, Schreiben, Rechnen und die Anforderungen des Schulsystems herangeführt werden? Sollte man nicht erstmal Wert auf das Zusammenwachsen der Klasse legen, anstatt einige Kinder nun schon zu stigmatisieren? Kann man so früh überhaupt merken, ob ein Kind wirklich Defizite hat oder vielleicht lediglich noch an der Umstellung auf die Schule zu knabbern hat? 4 Wochen sind wirklich kein langer Zeitraum, die Kinder müssen soviel Neues verarbeiten, und sollen dann noch nach so kurzer Zeit ein bestimmtes Leistungsniveau erfüllen? Das finde ich persönlich ungut.

Andererseits gibt es sicherlich Kinder, die tatsächlich von Anfang an elementare Schwierigkeiten auch mit den einfachsten Schreibanforderungen haben oder nicht mal geometrische Formen erkennen und zuordnen können. Für diese Kinder ist es dann tatsächlich gut, wenn sie schon früh individuell gefördert werden, bevor der Abstand zum Rest der Klasse zu groß wird. Aber kann man das wirklich unterscheiden? Manche Kinder sind einfach schüchtern und zeigen vielleicht nicht ihr wahres Leistungsvermögen. Manche funktionieren unter Druck nicht so gut. Und andere konzentrieren sich möglicherweise am Anfang erstmal auf das ganze soziale Gefüge, bevor sie bereit sind zu lernen. Eine schwierige Gratwanderung, das als Pädagoge zu unterscheiden, und sicherlich auch für die betroffenen Eltern dieser Kinder nicht immer nachvollziehbar.

Die Tochter der Mama, die dies erzählte, fühlt sich jedenfalls schon jetzt verunsichert durch diese Sonderstellung. Diese Verunsicherung äußert sich durchaus auch als Schulunlust und Abwehrhaltung. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei meinem Großen ganz ähnlich wäre, wenn es ihn betreffen würde. Ist so etwas nötig, wenige Wochen nach Schulstart? Ich meine nein, aber ich bin keine Pädagogin. Ich kenne auch nicht die genauen Beweggründe und Umstände, die dazu geführt haben. Ich kann nur hoffen, dass nicht nach einem starren vorgegebenen Schema geurteilt, sondern individuell eingeschätzt wurde. Dass die Förderung für diese Kinder also wirklich unbedingt nötig ist. Ansonsten finde ich persönlich es wichtiger, den Erstklässlern so lange wie möglich die Freude am Lernen und die Lust, in die Schule zu gehen zu erhalten. Auch wenn vielleicht noch nicht alles so perfekt läuft. Aber das muss es doch auch gar nicht. Schließlich sind sie gerade erst in die Schule gekommen!

Was meint ihr dazu?

Donnerstag, 5. Oktober 2017

WMDEDGT? am 5. Oktober 2017 - Mama-Auszeit und Sturm

Es ist der 5. des Monats (Wahnsinn, schon Oktober!) und bei Frau Brüllen werden wieder unter #wmdedgt (Was machst du eigentlich den ganzen Tag?) Berichte des Tagesablaufes von Bloggern gesammelt. Ich bin heute für eine kleine Mama-Auszeit an die Ostsee gefahren. Der Tag war geprägt vom Sturm Xavier. Und so war mein Tag:

6:15 Uhr
Der Wecker klingelt. Es regnet. Heute werde ich die Kinder in die Schule und die Kita bringen. Sonst macht das der Mann, aber heute haben wir getauscht.

6:30 Uhr
Der Mann fährt schon früh zur Arbeit, weil er die Kinder heute abholen muss. Wir drei frühstücken und machen uns fertig.

7:30 Uhr
Wir verlassen die Wohnung und gehen zuerst zur Schule, wo der Große spätestens um 7:50 in seinem Klassenzimmer sein muss. Danach bringe ich die Kleine zur Kita. Glücklicherweise klappt mit der Verabschiedung alles, obwohl ich ihr natürlich gesagt habe, dass ich verreise und erst am Samstag wiederkomme. Gestern abend waren beide Kinder nämlich ziemlich anhänglich.

8:15 Uhr
Ich bin wieder zuhause und packe mein Köfferchen, räume den Geschirrspüler aus, lege Wäsche zusammen und wische nochmal das Bad durch. Alles geht superschnell und ich bin zu früh fertig. Ungewohntes Gefühl!

9:45 Uhr
Ich breche zum Bahnhof auf, wo meine Regionalbahn abfährt. Es ist genau die gleiche Uhrzeit und der gleiche Zug, mit dem damals der Große und ich zu unserer Mutter-Kind-Kur losgefahren sind. Ich fahre nämlich in unseren damaligen Kur-Ort, weil ich Sehnsucht nach der Ostsee habe. Ich muss daran denken, wie aufregend damals alles für mich war, weil ich überhaupt nicht wusste, was mich erwartete.


10:15 bis 14:00 Uhr
Eine herrlich ruhige und angenehme Zugfahrt auf die Insel Usedom. Die Zeit vergeht wie im Flug und ich genieße es, einfach ganz lange aus dem Fenster zu starren, ohne angesprochen zu werden, ohne Essen zu reichen, zu beschäftigen und zur Toilette begleiten zu müssen. Es regnet Bindfäden und die Nachrichten bezüglich des Sturms Xavier verdichten sich. Ich hoffe, dass ich noch rechtzeitig ankomme. Geschafft! Ich muss weinen, als ich die bekannten Wege langgehe und denke mit Wehmut an die schöne Zeit bei der Mutter-Kind-Kur zurück.

14:30 Uhr
Ich beziehe mein Hotelzimmer und bin vom kurzen Weg ziemlich nass. Meine Klamotten und Schuhe müssen trocknen und ich bleibe vorerst im Zimmer. Ich habe sogar ein Sofa zum Relaxen! Draußen ist alles grau in grau und windig.


16:00 Uhr
Der Regen wird nicht besser und ich gehe nochmal raus. Nach 2 Minuten bin ich völlig durchnässt. Tapfer will ich trotzdem bis zum Strand laufen. Es stürmt wie verrückt und es ist kein Mensch unterwegs. Auch das Meer ist aufgepeitscht.


Ich hole mir noch ein Fischbrötchen für später. Es macht keinen Sinn bei diesem Wetter. Auf dem Rückweg statte ich noch meiner damaligen Kurklinik einen Besuch ab und stelle fest, dass bei unserem Wohntrakt ein zusätzlicher Trakt gebaut wird. Alles ist eine riesengroße Baustelle und viel enger nun. Was hatten wir für ein Glück! Auch mit dem Wetter... So wie heute habe ich unseren Kur-Ort in den 3 Wochen Kur nie erlebt.


17 Uhr
Ich kapituliere und gehe völlig durchnässt ins Hotel. Den Rest des Abends verbringe ich im Hotelzimmer und stelle fest, wie herrlich lang der Tag doch ist, wenn man niemanden zu versorgen hat. Das Schweigen, die Stille tun mir extrem gut. Abschalten kann ich aber noch nicht so richtig. Ich höre Phantomschreie und -streit und muss immer wieder weinen, weil ich weiß, dass mir dieses Immer-Funktionieren-Müssen im Alltag eigentlich viel zu viel ist. Ich weiß aber auch, dass ich es nicht ändern kann.

18 Uhr
Der Mann schickt mir Nachrichten von der Lage in Berlin. Er ist heil mit den Kindern nach Hause gekommen. Allerdings gab es Verwüstungen durch den Sturm in unserer Straße, der Bahnverkehr ist eingestellt worden und der Haupteingang zur Schule meines Großen wurde wegen eines herabgestürzten Daches gesperrt. Puh!


Ich mache mir jetzt einen gemütlichen Abend und hoffe auf etwas ruhigeres Wetter für morgen. Ich möchte am Strand entlang und durch den Wald wandern und die Ostsee-Luft in mich aufsaugen, bevor es am Samstag wieder nach Hause geht. Und vor allem die Ruhe genießen!

Mehr #wmdedgt gibt es bei Frau Brüllen.


Mittwoch, 4. Oktober 2017

"Die entspannte Familie" - gibt es dafür ein Patentrezept? (Rezension)

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das mich sehr interessierte, weshalb ich es mir als Rezensionsexemplar bestellte, das aber insgesamt ein zwiespältiges Gefühl bei mir hinterlassen hat. Es handelt sich um "Die entspannte Familie"* von Simone Kriebs aus dem Gütersloher Verlagshaus, erschienen im Februar 2017. Da ich uns als Familie nicht unbedingt als entspannt bezeichnen würde, war und bin ich sehr erpicht darauf, vielleicht Tipps und Strategien zu bekommen, wie man das Familienleben entzerren und insgesamt harmonischer gestalten kann. Und vor allem dafür, wie wir Eltern vielleicht manchmal etwas weniger genervt und angespannt agieren können, wenn wir selbst am Limit sind. Denn bei uns schaukeln sich negative Gefühle schnell hoch und potenzieren sich, weil wir uns alle nicht gut abgrenzen und unsere Bedürfnisse nicht konstruktiv äußern können. Das ist ungut und ich würde gern einen anderen Weg finden, damit umzugehen.

Das Inhaltsverzeichnis mit den interessanten Kapitelüberschriften und die Einleitung wecken auf jeden Fall Interesse und lassen auf spannende Anregungen hoffen. Die Grundannahmen des Buches orientieren sich an Jesper Juul: Gleichwürdigkeit, Authentizität, Respekt, Integrität. Die Autorin hält dazu an, sich mit der eigenen inneren Haltung auseinanderzusetzen: "Ich glaube, dass ein respektvolles Miteinander in einer Familie sich nur entwickeln kann, wenn die Erwachsenen bereit sind, sich mit ihren unbewussten 'Programmen' zum Thema Erziehung auseinanderzusetzen." (S. 9) Dem stimme ich absolut zu, aber einfach ist das natürlich nicht und zwei verschiedene Elternteile werden das möglicherweise in sehr unterschiedlichem Maße bewerkstelligen. Doch ist es zu Recht einer der wichtigsten Ansatzpunkte für eine entspanntere Familie.

Dazu gehört beispielsweise, Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen und dadurch unseren Kindern den konstruktiven Umgang mit Emotionen vorzuleben. Das stärkt sie und vermittelt Strategien, um Lösungen für Konflikte zu suchen und zu finden. Das Vorleben durch die Eltern ist dafür elementar. Allerdings weckten schon hier einige Aussagen meinen Widerstand, z.B.: "Jedoch hat die genetische Anlage der Gefühle wenig Einfluss darauf, wie wir mit unseren Emotionen umgehen. Wie Gefühle gezeigt werden, ist Teil unserer Sozialisation." (S. 41) Das halte ich nur bedingt für richtig, denn unterschiedliche Persönlichkeiten, die identisch sozialisiert wurden (wie Geschwister) äußern ihre Gefühle meist auch sehr verschieden. Der eine trägt sie auf der Zunge, der andere braucht lange, um aufzutauen, ein dritter sorgt sich mehr um die Gefühle anderer als um die eigenen.

Bei meinen Kindern und anderen Geschwistern sehe ich tagtäglich, dass das Vorbild der Eltern nur marginal Einfluss auf die Art und Weise hat, wie Gefühle geäußert und verarbeitet werden. Das ist mehr oder weniger Veranlagungssache, mit kleinen Einflussmöglichkeiten seitens der Eltern. Es stimmt meiner Meinung nach nicht, dass Kinder so reagieren werden, wie sie sich das von den Eltern abschauen. Solche verallgemeinerten Aussagen wecken immer Widerspruch in mir, und davon gibt es in dem Buch noch einige mehr. Dabei erwähnt die Autorin selbst auf S. 56f. die Unterschiedlichkeit und Individualität von Geschwistern. Generell habe ich des öfteren beim Lesen des Buches mit dem Kopf geschüttelt oder ein "Nein!" an den Rand geschrieben, besonders bei Aussagen wie: "Sind die Eltern entspannt, treffen wir auch auf entspannte Kinder!" (S. 142) Das ist nicht nur falsch, sondern triggert und weckt Schuldgefühle. Keiner, der einen Erziehungsratgeber schreibt, sollte mit solchen unreflektierten Aussagen um sich werfen.

Welches sind denn nun die Ansatzpunkte für eine entspannte Familie? Die Autorin nennt viele kleine Bausteine, die dazu beitragen können, dass sich Eltern und Kinder besser verstehen, Konflikte konstruktiv und liebevoll gelöst werden und jeder sich gesehen fühlt. Es geht um Respekt, Gefühle erkennen und benennen, Selbstvertrauen stärken, Autonomie und Verantwortung, Grenzen achten, Authentizität, Selbstfürsorge von Eltern, Gelassenheit und Zeit. Alles keine bahnbrechenden Ansätze, alles gut bekannt, wenn man einige Bücher von Jesper Juul und anderen gelesen hat. Sehr viel Wert legt die Autorin zu Recht auf das Erkennen alter erlernter Erziehungsmuster, die die Beziehung zu unseren Kindern erschweren: "In Momenten, in denen Eltern nicht weiterwissen, greifen sie gerne auf Verhaltensweisen zurück, die sie eigentlich für sich ablehnen." (S. 84) Es braucht Kraft, Disziplin und Selbsterkenntnis, aus solchen Mustern auszusteigen und neue Wege zu beschreiten, die nichts mit den erlernten oder selbst erfahrenen Wegen zu tun haben. Aber es lohnt sich und bringt Entspannung in der Familie mit sich (allerdings nur, wenn der andere Elternteil diesen Weg mitgeht; ansonsten gibt es eher noch mehr Konflikte. Anm. von mir).

Bereichernd fand ich folgende Aussage, die direkt damit zu tun hat: "Dagegen kann es für die ganze Familie entspannend wirken, wenn die Erwachsenen ihre eigenen Muster erkennen, mit denen sie bestimmte Verhaltensweisen beim Kind stabilisieren." (S. 87) Sie schlägt vor, in angespannten Situationen bewusst anders zu reagieren bzw. zu handeln als bisher (als es die Kinder kennen) und dadurch eine unerwartete Gegenreaktion oder bestenfalls Befriedung der Situation auszulösen. "Denn wenn einer das Muster verändert, passt auch nicht mehr das Muster der anderen." (S. 88) Auch sollten Eltern ihren Kindern die Möglichkeit geben, Selbstregulierung und Stressresistenz zu lernen, anstatt alles Unbequeme für sie aus dem Weg zu räumen. Dass aber auch dies von individuellen Voraussetzungen abhängt und in sehr unterschiedlichem Maße und Tempo voranschreiten kann, wird nicht erwähnt. Stattdessen kam mir das Buch streckenweise wie ein Ratgeber der Sorte "Drücke Knöpfchen A, dann passiert folgendes...!" vor. Auf solche Vereinfachungen reagiere ich nicht nur grundsätzlich, sondern auch aus meiner Erfahrung heraus allergisch.

Im letzten Teil gibt es noch einige Gedanken zum Thema Schule, das ja für mich seit der Einschulung meines Großen nun auch relevant ist. Durch den zunehmenden Leistungs- und Zeitdruck können neue und stärkere Konflikte in Familien aufbrechen und zum Teil somatische Beschwerden bei Kindern entstehen, wenn sie ihre Gefühle unterdrücken müssen. Es ist wichtig, Kinder einfühlsam und verständnisvoll durch schwierige Phasen zu begleiten. Manchmal muss man auch unkonventionelle Wege gehen, zum Wohle des Kindes. So berichtet die Autorin, dass eine Mutter, deren Sohn immer wieder über Bauchschmerzen klagte, wenn der schulische Druck zu hoch wurde, einen Weg fand, ihrem Sohn entgegenzukommen, ohne dass er eine körperliche Symptomatik entwickeln musste: sie schenkte ihm Gutscheine für 3 Zuhause-Tage pro Halbjahr, die er unter bestimmten Bedingungen einlösen konnte. Manchmal muss man auch solche unkonventionellen Lösungen finden, wenn es dem Wohlbefinden eines Familienmitgliedes und damit einer entspannten Familie dient.

Insgesamt hatte ich beim Lesen des Buches sehr zwiespältige Gefühle. Mit den Juulschen Grundannahmen stimme ich absolut überein, aber viele pauschalisierende Aussagen des Buches riefen Widerstand in mir hervor. Erziehung bzw. Beziehung zu Kindern ist eine komplexe Aufgabe, an der alle beteiligten Seiten arbeiten und wachsen müssen. Es gibt kein Schema F, was bei allen funktioniert, es gibt immer wieder Überraschungen, neue komplexe Situationen und vor allem individuell verschiedene Voraussetzungen. Dessen wird mir zu wenig Rechnung getragen. Ansonsten gibt es hilfreiche Ansätze, die besonders für Eltern interessant sein können, die sich noch wenig mit Prinzipien wie Gleichwürdigkeit, Authentizität und Integrität beschäftigt haben.

Fazit: Eine entspannte Familie möchte sicherlich jeder haben, aber es gibt dafür kein Patentrezept!

Die Eckdaten:
Simone Kriebs: Die entspannte Familie. Wie man aus einer Mücke keinen Elefanten macht*, Gütersloher Verlagshaus, Februar 2017, 224 Seiten, ISBN 978-3579086668, € 17,99


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Freitag, 29. September 2017

5 Freitagslieblinge am 29. September 2017

Ich mache seit langem mal wieder bei der Aktion von BerlinMitteMom mit und zeige euch meine 5 Freitagslieblinge der letzten Woche. Im Moment passiert irgendwie immer etwas bei uns: am Dienstag verlor der Große seinen Wackelzahn und hat seitdem seine erste Zahnlücke. Am Mittwoch schnitt ich mich unglücklich an der Fußsohle, die Stelle entzündete sich leider und heute war ich beim Arzt. Nun habe ich einen bandagierten Fuß und muss Antibiotika nehmen. Mist! Aber natürlich will ich euch weder einen lädierten Fuß noch eine Zahnlücke zeigen. Stattdessen gibt es hier ein paar Bilder dieser Woche.

Lieblingsbuch der Woche

Der Große brachte aus der Schule ein Geschenk mit, nämlich die "Schule der magischen Tiere"*, wovon es mehrere Bände gibt und was ich schon immer mal kaufen wollte. Das Geschenk stammt aus der Aktion Lesestart des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Stiftung Lesen und des Carlsen Verlags. Finde ich ganz toll und freue mich darauf, hineinzuschnuppern und die nächsten Bände dann selbst zu kaufen. Da der Große ja nun ein Schulkind ist und ganz langsam Silben zu lesen beginnt, ist das doppelt aufregend.


Lieblingsessen der Woche

Das war eindeutig das Frühstück am letzten Sonntag in unserem Hotel in Radebeul. Ich liebe Hotelfrühstück mit einer großen Auswahl und mal anderen kulinarischen Genüssen als zuhause. Zwar war es recht unruhig, da es voll war und die Kinder ständig aufstehen und noch etwas vom Buffet holen wollten, aber sehr lecker!


Lieblingsmoment der Woche mit den Kindern

Das war der kurze Augenblick, als die Kinder auf dem Heimweg von Schule und Kita mal einträchtig nebeneinander gelaufen sind, statt sich wie sonst immer zu fangen, zu ärgern oder vor die Füße zu laufen. Selten! Ich sehe meinen Großen mit seinem Schulranzen und die Kleine, die nun schon zu den großen Kitakindern gehört. Und das ist ein so viel schöneres Gefühl als mit einem Kinderwagen spazieren zu gehen oder ein müdes Kleinkind hinter sich her zu ziehen!



Lieblingsmoment nur für mich

Das war eindeutig die Busfahrt mit dem Großen zurück nach Berlin am vergangenen Sonntag, wo ich zwar nicht allein war, die aber trotzdem einer der entspanntesten und erholsamsten Momente der letzten Jahre war. Der Große schlief irgendwann ein und ich hatte nichts zu tun, musste mich um nichts kümmern und konnte kurzzeitig mal richtig abschalten. Herrlich war das!


Inspiration der Woche

Das war der Text "Herzensheimat" des Blogs Pusteblumen für Mama. Die Blogschreiberin ist vor kurzem in ihre Herzensheimat, ans Meer, gezogen und beschreibt sehr schön die Gefühle für die neue Heimat, ihren Sehnsuchts- und Kraftort, der jetzt ihr Lebensmittelpunkt geworden ist, und die Bande in die alte Heimat.

"Ein Stück Wehmut macht sich in mir breit. Alte Heimat ist auch was Schönes. Aber dann denke ich daran, wo ich tags darauf, nach unserem eintägigen Kurztrip, um diese Uhrzeit anzutreffen sein werde, und nicht nur mein Gesicht beginnt zu strahlen, sondern auch mein ganzes Herz: Zuhause, am Meer, den Blick aufs Wasser gerichtet, die Salzluft in der Nase."

Ich kenne das Gefühl sehr gut, sein Herz an einen bestimmten Ort zu verlieren, und auch auf mich übt das Meer einen starken Sog aus. Am Meer kann man auftanken und sich selbst spüren, das habe ich besonders auf meiner Mutter-Kind-Kur gemerkt. Ich habe aber auch noch andere Sehnsuchts- und Kraftorte. Ein wunderschöner Text über ein sehr tiefes Gefühl!


Und der heutige Freitag brachte mir zwar einen bandagierten Fuß, aber auch einen wunderschönen Herbstnachmittag in unserem Garten. Habt ein schönes Wochenende!



Mehr Freitagslieblinge findet ihr wie immer bei BerlinMitteMom.

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Sonntag, 24. September 2017

Unser Wochenende in Bildern 23./ 24. September 2017

Das Wochenende der Bundestagswahl 2017 verbrachten wir überwiegend in Dresden-Radebeul, wo wir einen bereits bezahlten Hotelgutschein im Hotel Radisson Blu einlösten.

Samstag:

Wir frühstückten gemütlich zuhause und fuhren am späten Vormittag los. Nach 2 Stunden Fahrt kamen wir in der Region Dresden an. Da das Herbstwetter ganz annehmbar war, wir uns bewegen wollten und sowieso noch nicht ins Hotel konnten, besuchten wir das Wildgehege Moritzburg, ein schönes, teils historisches Gelände in der Nähe des Schlosses Moritzburg.


Wir sahen Wildschweine, Damwild, Mufflons, Elche und Wölfe sowie diverse kleinere Tiere.



Der Wildpark ist absolut empfehlenswert, ein schönes, abwechslungsreiches Gelände mit Gastronomie und einem angrenzenden Kletterpark.

Am frühen Abend checkten wir im Hotel ein, erkundeten kurz den hoteleigenen Spielplatz sowie das Spielzimmer und planschten dann noch eine gute Stunde im Schwimmbad. Es war herrlich leer und die Kinder waren begeistert.


Zurück im Hotelzimmer (wir hatten ein Familienzimmer, d.h. zwei verbundene Zimmer mit jeweils
eigenem Bad) aßen wir noch schnell die Reste unseres Reiseproviantes auf und fielen dann ins Bett.

Sonntag:

Nach einem super leckeren Hotelfrühstück vom Buffet, bei dem ich es immer bedauere, nicht auf Vorrat essen zu können, machten wir uns auf den kurzen Weg zum Karl-May-Museum Radebeul. Da es nieselte, passte unsere Planung perfekt.


Das Museum besteht aus der Villa Shatterhand, dem Wohnhaus Karl Mays in Radebeul, der Villa Bärenfett mit der Ausstellung zu den nordamerikanischen Indianern und einem kleinen Garten mit Goldwaschanlage und Spielplatz.


Ich war zuletzt als Kind hier gewesen und konnte trotz phasenweisen Nörgelns der Kinder der Ausstellung genug Zeit widmen. Die Kleine war besonders interessiert an dem "gepuckten" Baby.


Danach begaben wir uns zum Bahnhof, denn der Große und ich mussten allein nach Berlin zurückkehren. Er ist ja nun ein Schulkind und da kann man nicht mehr einfach so ein Wochenende verlängern. Wir beide fuhren mit dem Fernbus nach Hause und das waren für mich die gemütlichsten 2 Stunden seit langem. Der Große schlief die Hälfte der Zeit, ich las und döste und musste mich einfach um nichts kümmern. Herrlich!


Zurück zuhause spielte der Große tatsächlich eine Weile allein und ohne zu jammern in seinem Zimmer. Das hat Seltenheitswert und meine Entspannung setzte sich fort. Rechtzeitig vor Schließung der Wahllokale gingen wir noch gemeinsam wählen. Der Große fand es allerdings total doof, dass er nicht mit in die Wahlkabine durfte, und meckerte herum. Zuhause spielten wir noch ein Kartenspiel, aßen ein schnelles Abendbrot und dann - Feierabend. Alles geht so schnell und man ist so flexibel, wenn man allein mit einem Kind ist!


Der Mann und die Kleine bleiben noch einen Tag länger im Hotel. Sie besuchten heute Nachmittag Schloss Moritzburg und waren nochmal im Schwimmbad. Und ich bin nun zwar nicht generell die erste Nacht ohne die Kleine, aber tatsächlich die erste Nacht ohne sie bei uns zuhause. Und sie ist damit - nach unserem kürzlichen Mädels-Trip - zum ersten Mal allein mit dem Papa woanders über Nacht unterwegs. Ich bin gespannt, was er berichten wird.

Mehr Wochenenden in Bildern findet ihr wie immer bei Geborgen Wachsen.