Freitag, 20. Oktober 2017

Die ersten Ferien!

Die ersten Ferien für meinen Großen! Wahnsinn, wie schnell die 6 Wochen seit seiner Einschulung vergangen sind. Ich erinnere mich, wie elend lang für mich als Kind die Schulwochen immer waren und wie weit entfernt die nächsten Ferien schienen. Kinder haben ja doch eine ganz andere Zeitwahrnehmung als Erwachsene. Nun, da ich selbst Mama eines Schulkindes bin, staune ich, wie rasant die Wochen verflogen sind. Aber vor allem staune ich darüber, wie ruhig und problemlos die Umstellung geklappt hat und wie ausgeglichen der Große ist. Das hätte ich niemals so erwartet.

Ich habe erwartet und wurde auch von vielen Seiten darauf vorbereitet, dass die ersten Wochen schwierig und anstrengend werden und es mindestens bis zu den Herbstferien, oft sogar bis zum Ende des ersten Halbjahres, dauern würde, bis sich das eingeschulte Kind und alle Familienmitglieder an die Veränderungen, die neuen Anforderungen, den anderen Rhythmus gewöhnt hätten. Ich habe wahlweise mit völliger Überforderung und Überreizung, mit Aggressionen, mit Wut, mit Verzweiflung, mit Unlust und Boykott oder auch mit Apathie gerechnet und mich auf eine lange, anstrengende Zeit des Tröstens, Ausgleichens und Aufmunterns eingestellt. Ich hatte Angst davor, wieder der Puffer für viele negative Emotionen des Großen zu werden, wie schon so oft. Und ich hatte natürlich auch befürchtet, dass er meine Angst und Skepsis spüren würde.

Nichts davon ist eingetreten. Ich kann es selbst bis heute nicht glauben und erwartete täglich ein Platzen der Bombe, ein Ausrasten, ein Verweigern oder Zusammenbrechen von ihm. Ich erwartete ein Auf und Ab der Emotionen und Stimmungen, Müdigkeit und Erschöpfung, Verwirrung, Überforderung, Frust und Tränen. Dass es anders gekommen ist, finde ich unglaublich toll. Er ist da so pflegeleicht durchgegangen, dass wir, abgesehen vom organisatorischen Kram, fast nichts von der Veränderung gemerkt haben. Überhaupt, schon der Begriff "pflegeleicht" in Zusammenhang mit einer Umstellung im Leben des Großen liest sich fast unglaublich.

Ich glaube weiterhin, dass einen großen Anteil daran das Verbleiben in seinem gewohnten Umfeld inklusive vertrauter Freunde und anderer Kinder hatte. Das macht für Charaktere wie ihn unheimlich viel aus und ich bin froh, dass ich das als eines der ausschlaggebenden Kriterien für die Anmeldung auf der normalen Einzugsgrundschule herangezogen habe. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie verlassen und einsam er sich allein auf einer fremden Schule, in einer völlig neuen Umgebung gefühlt hätte. Er ist nicht der offene Typ, der schnell neue Kontakte knüpft und auf andere zugeht. Hier an seiner Schule geben ihm die Kinder, die er kennt (und das sind nur einige wenige unter 600 Schülern) Halt und er konnte dadurch auch schon ein paar neue Freunde finden. Das ist für mich schön zu sehen.

Er hält mit seinem neuen Wissen, seinen erlernten Kenntnissen und neuen Abläufen ziemlich hinter dem Berg und sprudelt nicht automatisch alles heraus, was er am Tag gelernt und erlebt hat. Manche Fragen über den Schulalltag, die ich ihm so stelle, kann er gar nicht beantworten. Ich denke, sein Gehirn schützt sich vor zuviel Input, indem es alles ausblendet, was nicht direkt "lebensnotwendig" im Schulleben für ihn ist. Das ist okay, ich kenne das selbst auch. Er ist aber ganz stolz, wenn wir seine Aufgabenblätter, bei denen er meist volle Punktzahl erreicht, aus seiner Postmappe rausholen und anschauen. Das Lesen und Schreiben lernen schreitet ganz langsam voran, aber auch das finde ich völlig in Ordnung, ich bin da komischerweise gar nicht so ungeduldig wie sonst. Seine Lehrerin wird es ihm schon beibringen. Bis jetzt gibt es keine Probleme oder Sorgen. Ich würde mir wünschen, dass die Klasse öfter und länger nachmittags rausgeht, aber das ist eben erzieherabhängig. Noch wichtiger ist mir, dass darauf geachtet wird, dass die Hausaufgaben im Hort erledigt werden, und das ist glücklicherweise der Fall. Denn dann kann ich beruhigt nachmittags mit den Kindern genau wie bisher auf den Spielplatz oder in den Park gehen.

In den 6 Wochen seit seiner Einschulung hat er die ersten beiden Milchzähne verloren. Er ist mit einem Nasenbeinbruch gestartet und kann mittlerweile wieder alles regulär mitmachen. Er geht allein (oder mit anderen Kindern) das letzte Stück des Weges bis hoch in seinen Klassenraum, hat aber keine Ambitionen, die darüber hinaus reichen. Er erledigt seine Aufgaben wunderbar, macht aber nichts Zusätzliches. Ich sehe, was ich schon länger wahrnehme, nämlich dass er kaum Ehrgeiz hat, sich selbst etwas Neues beizubringen oder etwas zu machen, was über die Anforderungen hinausgeht. Selbst im Rechnen, was ihm liegt, versucht er nicht selbstständig voranzukommen. Aber solange er die Anforderungen erfüllt, sich Mühe gibt und nicht unwillig dabei ist, bin ich auch zufrieden. Spezielle Interessen und damit eine intrinsische Motivation kommen vielleicht im Laufe der Zeit. In den letzten Wochen ging es vor allem darum, diese große Umstellung so reibungslos wie möglich zu gestalten.

In der ersten Ferienwoche wird er 2 Tage in den Ferienhort gehen, an den restlichen Tagen ist er anderweitig verplant. Und am nächsten Freitag fliegen wir für eine Woche in den Urlaub, da die Kita in der 2. Ferienwoche ebenfalls geschlossen ist. Juhu, wir freuen uns. Und dann beginnt der nächste Abschnitt unseres Schulkindes!

Samstag, 14. Oktober 2017

Förderunterricht für Schulanfänger?

Vor kurzem hatten wir das erste Eltern-Kind-Treffen der Schulklasse unseres Großen. Wir fanden uns informell im Park zusammen, um uns ein wenig kennenzulernen. Abgesehen davon, dass nur ca. die Hälfte der Eltern und Kinder anwesend war und ich mir nur wenige Namen merken konnte, war es trotzdem recht interessant. Mein Großer erzählt ja nicht viel vom Schulalltag und so erfuhr ich einige Dinge, die ich noch nicht wusste. Zum Beispiel, dass seit kurzem zwei Kinder schon Förderunterricht hatten.

Eine Mama berichtete, dass sie ziemlich überrascht, um nicht zu sagen geschockt war, weil ihre Tochter kaum 4 Wochen nach der Einschulung schon eine "Einladung" zum Förderunterricht in der Postmappe hatte. Sie erzählte auch, dass ihre Tochter das nicht gut verkraftet hatte, sondern sich nun "schlechter" und unter Druck gesetzt fühlen würde. Und das alles schon kurz nach Schulstart! Ich war auch überrascht, als ich dies hörte, hätte ich doch nie damit gerechnet, dass so schnell Leistungsdruck aufgebaut wird und "schlechtere" Schüler gefördert werden. Ich muss ehrlich sagen, ich wäre ziemlich perplex gewesen, wenn solch ein Schreiben in unserer Postmappe gewesen wäre und mein Großer nun zum Förderunterricht müsste.

Bildquelle: Pixabay

Der Förderunterricht findet bei uns vor dem regulären Unterricht statt, d.h. startet um 7:25 Uhr. Um 8 Uhr beginnt der normale Schulalltag. Die betroffenen Kinder haben also noch einen längeren Unterrichtstag und merken natürlich, dass sie herausgepickt wurden, weil irgendwas nicht so ganz läuft, wie es optimalerweise laufen sollte. Prinzipiell finde ich es gut, wenn die Pädagogen mit ihrer Erfahrung individuell auf die Kinder schauen und diejenigen unterstützen, denen gewisse Dinge schwerer fallen als anderen. Wir wissen alle selbst, dass es oft nicht ausreicht bzw. nicht funktioniert, wenn die Eltern ihre Kinder zum regelmäßigen Üben anhalten. Viele Kinder reagieren auf die Bemühungen ihrer Eltern mit Abwehr oder machen dicht. Außerdem sind Eltern keine Pädagogen, haben oft wenig Zeit und noch weniger Geduld. Insofern ist es sicherlich sinnvoll, diese "Nachhilfe" in der Schule, von der Klassenlehrerin zu bekommen.

Allerdings war ich (und nicht nur ich) wirklich überrascht, dass damit schon 4 Wochen nach der Einschulung begonnen wird. Sollten die Kinder nicht erstmal ganz langsam den Schulalltag kennenlernen und nach und nach ans Lesen, Schreiben, Rechnen und die Anforderungen des Schulsystems herangeführt werden? Sollte man nicht erstmal Wert auf das Zusammenwachsen der Klasse legen, anstatt einige Kinder nun schon zu stigmatisieren? Kann man so früh überhaupt merken, ob ein Kind wirklich Defizite hat oder vielleicht lediglich noch an der Umstellung auf die Schule zu knabbern hat? 4 Wochen sind wirklich kein langer Zeitraum, die Kinder müssen soviel Neues verarbeiten, und sollen dann noch nach so kurzer Zeit ein bestimmtes Leistungsniveau erfüllen? Das finde ich persönlich ungut.

Andererseits gibt es sicherlich Kinder, die tatsächlich von Anfang an elementare Schwierigkeiten auch mit den einfachsten Schreibanforderungen haben oder nicht mal geometrische Formen erkennen und zuordnen können. Für diese Kinder ist es dann tatsächlich gut, wenn sie schon früh individuell gefördert werden, bevor der Abstand zum Rest der Klasse zu groß wird. Aber kann man das wirklich unterscheiden? Manche Kinder sind einfach schüchtern und zeigen vielleicht nicht ihr wahres Leistungsvermögen. Manche funktionieren unter Druck nicht so gut. Und andere konzentrieren sich möglicherweise am Anfang erstmal auf das ganze soziale Gefüge, bevor sie bereit sind zu lernen. Eine schwierige Gratwanderung, das als Pädagoge zu unterscheiden, und sicherlich auch für die betroffenen Eltern dieser Kinder nicht immer nachvollziehbar.

Die Tochter der Mama, die dies erzählte, fühlt sich jedenfalls schon jetzt verunsichert durch diese Sonderstellung. Diese Verunsicherung äußert sich durchaus auch als Schulunlust und Abwehrhaltung. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei meinem Großen ganz ähnlich wäre, wenn es ihn betreffen würde. Ist so etwas nötig, wenige Wochen nach Schulstart? Ich meine nein, aber ich bin keine Pädagogin. Ich kenne auch nicht die genauen Beweggründe und Umstände, die dazu geführt haben. Ich kann nur hoffen, dass nicht nach einem starren vorgegebenen Schema geurteilt, sondern individuell eingeschätzt wurde. Dass die Förderung für diese Kinder also wirklich unbedingt nötig ist. Ansonsten finde ich persönlich es wichtiger, den Erstklässlern so lange wie möglich die Freude am Lernen und die Lust, in die Schule zu gehen zu erhalten. Auch wenn vielleicht noch nicht alles so perfekt läuft. Aber das muss es doch auch gar nicht. Schließlich sind sie gerade erst in die Schule gekommen!

Was meint ihr dazu?

Donnerstag, 5. Oktober 2017

WMDEDGT? am 5. Oktober 2017 - Mama-Auszeit und Sturm

Es ist der 5. des Monats (Wahnsinn, schon Oktober!) und bei Frau Brüllen werden wieder unter #wmdedgt (Was machst du eigentlich den ganzen Tag?) Berichte des Tagesablaufes von Bloggern gesammelt. Ich bin heute für eine kleine Mama-Auszeit an die Ostsee gefahren. Der Tag war geprägt vom Sturm Xavier. Und so war mein Tag:

6:15 Uhr
Der Wecker klingelt. Es regnet. Heute werde ich die Kinder in die Schule und die Kita bringen. Sonst macht das der Mann, aber heute haben wir getauscht.

6:30 Uhr
Der Mann fährt schon früh zur Arbeit, weil er die Kinder heute abholen muss. Wir drei frühstücken und machen uns fertig.

7:30 Uhr
Wir verlassen die Wohnung und gehen zuerst zur Schule, wo der Große spätestens um 7:50 in seinem Klassenzimmer sein muss. Danach bringe ich die Kleine zur Kita. Glücklicherweise klappt mit der Verabschiedung alles, obwohl ich ihr natürlich gesagt habe, dass ich verreise und erst am Samstag wiederkomme. Gestern abend waren beide Kinder nämlich ziemlich anhänglich.

8:15 Uhr
Ich bin wieder zuhause und packe mein Köfferchen, räume den Geschirrspüler aus, lege Wäsche zusammen und wische nochmal das Bad durch. Alles geht superschnell und ich bin zu früh fertig. Ungewohntes Gefühl!

9:45 Uhr
Ich breche zum Bahnhof auf, wo meine Regionalbahn abfährt. Es ist genau die gleiche Uhrzeit und der gleiche Zug, mit dem damals der Große und ich zu unserer Mutter-Kind-Kur losgefahren sind. Ich fahre nämlich in unseren damaligen Kur-Ort, weil ich Sehnsucht nach der Ostsee habe. Ich muss daran denken, wie aufregend damals alles für mich war, weil ich überhaupt nicht wusste, was mich erwartete.


10:15 bis 14:00 Uhr
Eine herrlich ruhige und angenehme Zugfahrt auf die Insel Usedom. Die Zeit vergeht wie im Flug und ich genieße es, einfach ganz lange aus dem Fenster zu starren, ohne angesprochen zu werden, ohne Essen zu reichen, zu beschäftigen und zur Toilette begleiten zu müssen. Es regnet Bindfäden und die Nachrichten bezüglich des Sturms Xavier verdichten sich. Ich hoffe, dass ich noch rechtzeitig ankomme. Geschafft! Ich muss weinen, als ich die bekannten Wege langgehe und denke mit Wehmut an die schöne Zeit bei der Mutter-Kind-Kur zurück.

14:30 Uhr
Ich beziehe mein Hotelzimmer und bin vom kurzen Weg ziemlich nass. Meine Klamotten und Schuhe müssen trocknen und ich bleibe vorerst im Zimmer. Ich habe sogar ein Sofa zum Relaxen! Draußen ist alles grau in grau und windig.


16:00 Uhr
Der Regen wird nicht besser und ich gehe nochmal raus. Nach 2 Minuten bin ich völlig durchnässt. Tapfer will ich trotzdem bis zum Strand laufen. Es stürmt wie verrückt und es ist kein Mensch unterwegs. Auch das Meer ist aufgepeitscht.


Ich hole mir noch ein Fischbrötchen für später. Es macht keinen Sinn bei diesem Wetter. Auf dem Rückweg statte ich noch meiner damaligen Kurklinik einen Besuch ab und stelle fest, dass bei unserem Wohntrakt ein zusätzlicher Trakt gebaut wird. Alles ist eine riesengroße Baustelle und viel enger nun. Was hatten wir für ein Glück! Auch mit dem Wetter... So wie heute habe ich unseren Kur-Ort in den 3 Wochen Kur nie erlebt.


17 Uhr
Ich kapituliere und gehe völlig durchnässt ins Hotel. Den Rest des Abends verbringe ich im Hotelzimmer und stelle fest, wie herrlich lang der Tag doch ist, wenn man niemanden zu versorgen hat. Das Schweigen, die Stille tun mir extrem gut. Abschalten kann ich aber noch nicht so richtig. Ich höre Phantomschreie und -streit und muss immer wieder weinen, weil ich weiß, dass mir dieses Immer-Funktionieren-Müssen im Alltag eigentlich viel zu viel ist. Ich weiß aber auch, dass ich es nicht ändern kann.

18 Uhr
Der Mann schickt mir Nachrichten von der Lage in Berlin. Er ist heil mit den Kindern nach Hause gekommen. Allerdings gab es Verwüstungen durch den Sturm in unserer Straße, der Bahnverkehr ist eingestellt worden und der Haupteingang zur Schule meines Großen wurde wegen eines herabgestürzten Daches gesperrt. Puh!


Ich mache mir jetzt einen gemütlichen Abend und hoffe auf etwas ruhigeres Wetter für morgen. Ich möchte am Strand entlang und durch den Wald wandern und die Ostsee-Luft in mich aufsaugen, bevor es am Samstag wieder nach Hause geht. Und vor allem die Ruhe genießen!

Mehr #wmdedgt gibt es bei Frau Brüllen.


Mittwoch, 4. Oktober 2017

"Die entspannte Familie" - gibt es dafür ein Patentrezept? (Rezension)

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das mich sehr interessierte, weshalb ich es mir als Rezensionsexemplar bestellte, das aber insgesamt ein zwiespältiges Gefühl bei mir hinterlassen hat. Es handelt sich um "Die entspannte Familie"* von Simone Kriebs aus dem Gütersloher Verlagshaus, erschienen im Februar 2017. Da ich uns als Familie nicht unbedingt als entspannt bezeichnen würde, war und bin ich sehr erpicht darauf, vielleicht Tipps und Strategien zu bekommen, wie man das Familienleben entzerren und insgesamt harmonischer gestalten kann. Und vor allem dafür, wie wir Eltern vielleicht manchmal etwas weniger genervt und angespannt agieren können, wenn wir selbst am Limit sind. Denn bei uns schaukeln sich negative Gefühle schnell hoch und potenzieren sich, weil wir uns alle nicht gut abgrenzen und unsere Bedürfnisse nicht konstruktiv äußern können. Das ist ungut und ich würde gern einen anderen Weg finden, damit umzugehen.

Das Inhaltsverzeichnis mit den interessanten Kapitelüberschriften und die Einleitung wecken auf jeden Fall Interesse und lassen auf spannende Anregungen hoffen. Die Grundannahmen des Buches orientieren sich an Jesper Juul: Gleichwürdigkeit, Authentizität, Respekt, Integrität. Die Autorin hält dazu an, sich mit der eigenen inneren Haltung auseinanderzusetzen: "Ich glaube, dass ein respektvolles Miteinander in einer Familie sich nur entwickeln kann, wenn die Erwachsenen bereit sind, sich mit ihren unbewussten 'Programmen' zum Thema Erziehung auseinanderzusetzen." (S. 9) Dem stimme ich absolut zu, aber einfach ist das natürlich nicht und zwei verschiedene Elternteile werden das möglicherweise in sehr unterschiedlichem Maße bewerkstelligen. Doch ist es zu Recht einer der wichtigsten Ansatzpunkte für eine entspanntere Familie.

Dazu gehört beispielsweise, Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen und dadurch unseren Kindern den konstruktiven Umgang mit Emotionen vorzuleben. Das stärkt sie und vermittelt Strategien, um Lösungen für Konflikte zu suchen und zu finden. Das Vorleben durch die Eltern ist dafür elementar. Allerdings weckten schon hier einige Aussagen meinen Widerstand, z.B.: "Jedoch hat die genetische Anlage der Gefühle wenig Einfluss darauf, wie wir mit unseren Emotionen umgehen. Wie Gefühle gezeigt werden, ist Teil unserer Sozialisation." (S. 41) Das halte ich nur bedingt für richtig, denn unterschiedliche Persönlichkeiten, die identisch sozialisiert wurden (wie Geschwister) äußern ihre Gefühle meist auch sehr verschieden. Der eine trägt sie auf der Zunge, der andere braucht lange, um aufzutauen, ein dritter sorgt sich mehr um die Gefühle anderer als um die eigenen.

Bei meinen Kindern und anderen Geschwistern sehe ich tagtäglich, dass das Vorbild der Eltern nur marginal Einfluss auf die Art und Weise hat, wie Gefühle geäußert und verarbeitet werden. Das ist mehr oder weniger Veranlagungssache, mit kleinen Einflussmöglichkeiten seitens der Eltern. Es stimmt meiner Meinung nach nicht, dass Kinder so reagieren werden, wie sie sich das von den Eltern abschauen. Solche verallgemeinerten Aussagen wecken immer Widerspruch in mir, und davon gibt es in dem Buch noch einige mehr. Dabei erwähnt die Autorin selbst auf S. 56f. die Unterschiedlichkeit und Individualität von Geschwistern. Generell habe ich des öfteren beim Lesen des Buches mit dem Kopf geschüttelt oder ein "Nein!" an den Rand geschrieben, besonders bei Aussagen wie: "Sind die Eltern entspannt, treffen wir auch auf entspannte Kinder!" (S. 142) Das ist nicht nur falsch, sondern triggert und weckt Schuldgefühle. Keiner, der einen Erziehungsratgeber schreibt, sollte mit solchen unreflektierten Aussagen um sich werfen.

Welches sind denn nun die Ansatzpunkte für eine entspannte Familie? Die Autorin nennt viele kleine Bausteine, die dazu beitragen können, dass sich Eltern und Kinder besser verstehen, Konflikte konstruktiv und liebevoll gelöst werden und jeder sich gesehen fühlt. Es geht um Respekt, Gefühle erkennen und benennen, Selbstvertrauen stärken, Autonomie und Verantwortung, Grenzen achten, Authentizität, Selbstfürsorge von Eltern, Gelassenheit und Zeit. Alles keine bahnbrechenden Ansätze, alles gut bekannt, wenn man einige Bücher von Jesper Juul und anderen gelesen hat. Sehr viel Wert legt die Autorin zu Recht auf das Erkennen alter erlernter Erziehungsmuster, die die Beziehung zu unseren Kindern erschweren: "In Momenten, in denen Eltern nicht weiterwissen, greifen sie gerne auf Verhaltensweisen zurück, die sie eigentlich für sich ablehnen." (S. 84) Es braucht Kraft, Disziplin und Selbsterkenntnis, aus solchen Mustern auszusteigen und neue Wege zu beschreiten, die nichts mit den erlernten oder selbst erfahrenen Wegen zu tun haben. Aber es lohnt sich und bringt Entspannung in der Familie mit sich (allerdings nur, wenn der andere Elternteil diesen Weg mitgeht; ansonsten gibt es eher noch mehr Konflikte. Anm. von mir).

Bereichernd fand ich folgende Aussage, die direkt damit zu tun hat: "Dagegen kann es für die ganze Familie entspannend wirken, wenn die Erwachsenen ihre eigenen Muster erkennen, mit denen sie bestimmte Verhaltensweisen beim Kind stabilisieren." (S. 87) Sie schlägt vor, in angespannten Situationen bewusst anders zu reagieren bzw. zu handeln als bisher (als es die Kinder kennen) und dadurch eine unerwartete Gegenreaktion oder bestenfalls Befriedung der Situation auszulösen. "Denn wenn einer das Muster verändert, passt auch nicht mehr das Muster der anderen." (S. 88) Auch sollten Eltern ihren Kindern die Möglichkeit geben, Selbstregulierung und Stressresistenz zu lernen, anstatt alles Unbequeme für sie aus dem Weg zu räumen. Dass aber auch dies von individuellen Voraussetzungen abhängt und in sehr unterschiedlichem Maße und Tempo voranschreiten kann, wird nicht erwähnt. Stattdessen kam mir das Buch streckenweise wie ein Ratgeber der Sorte "Drücke Knöpfchen A, dann passiert folgendes...!" vor. Auf solche Vereinfachungen reagiere ich nicht nur grundsätzlich, sondern auch aus meiner Erfahrung heraus allergisch.

Im letzten Teil gibt es noch einige Gedanken zum Thema Schule, das ja für mich seit der Einschulung meines Großen nun auch relevant ist. Durch den zunehmenden Leistungs- und Zeitdruck können neue und stärkere Konflikte in Familien aufbrechen und zum Teil somatische Beschwerden bei Kindern entstehen, wenn sie ihre Gefühle unterdrücken müssen. Es ist wichtig, Kinder einfühlsam und verständnisvoll durch schwierige Phasen zu begleiten. Manchmal muss man auch unkonventionelle Wege gehen, zum Wohle des Kindes. So berichtet die Autorin, dass eine Mutter, deren Sohn immer wieder über Bauchschmerzen klagte, wenn der schulische Druck zu hoch wurde, einen Weg fand, ihrem Sohn entgegenzukommen, ohne dass er eine körperliche Symptomatik entwickeln musste: sie schenkte ihm Gutscheine für 3 Zuhause-Tage pro Halbjahr, die er unter bestimmten Bedingungen einlösen konnte. Manchmal muss man auch solche unkonventionellen Lösungen finden, wenn es dem Wohlbefinden eines Familienmitgliedes und damit einer entspannten Familie dient.

Insgesamt hatte ich beim Lesen des Buches sehr zwiespältige Gefühle. Mit den Juulschen Grundannahmen stimme ich absolut überein, aber viele pauschalisierende Aussagen des Buches riefen Widerstand in mir hervor. Erziehung bzw. Beziehung zu Kindern ist eine komplexe Aufgabe, an der alle beteiligten Seiten arbeiten und wachsen müssen. Es gibt kein Schema F, was bei allen funktioniert, es gibt immer wieder Überraschungen, neue komplexe Situationen und vor allem individuell verschiedene Voraussetzungen. Dessen wird mir zu wenig Rechnung getragen. Ansonsten gibt es hilfreiche Ansätze, die besonders für Eltern interessant sein können, die sich noch wenig mit Prinzipien wie Gleichwürdigkeit, Authentizität und Integrität beschäftigt haben.

Fazit: Eine entspannte Familie möchte sicherlich jeder haben, aber es gibt dafür kein Patentrezept!

Die Eckdaten:
Simone Kriebs: Die entspannte Familie. Wie man aus einer Mücke keinen Elefanten macht*, Gütersloher Verlagshaus, Februar 2017, 224 Seiten, ISBN 978-3579086668, € 17,99


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Freitag, 29. September 2017

5 Freitagslieblinge am 29. September 2017

Ich mache seit langem mal wieder bei der Aktion von BerlinMitteMom mit und zeige euch meine 5 Freitagslieblinge der letzten Woche. Im Moment passiert irgendwie immer etwas bei uns: am Dienstag verlor der Große seinen Wackelzahn und hat seitdem seine erste Zahnlücke. Am Mittwoch schnitt ich mich unglücklich an der Fußsohle, die Stelle entzündete sich leider und heute war ich beim Arzt. Nun habe ich einen bandagierten Fuß und muss Antibiotika nehmen. Mist! Aber natürlich will ich euch weder einen lädierten Fuß noch eine Zahnlücke zeigen. Stattdessen gibt es hier ein paar Bilder dieser Woche.

Lieblingsbuch der Woche

Der Große brachte aus der Schule ein Geschenk mit, nämlich die "Schule der magischen Tiere"*, wovon es mehrere Bände gibt und was ich schon immer mal kaufen wollte. Das Geschenk stammt aus der Aktion Lesestart des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Stiftung Lesen und des Carlsen Verlags. Finde ich ganz toll und freue mich darauf, hineinzuschnuppern und die nächsten Bände dann selbst zu kaufen. Da der Große ja nun ein Schulkind ist und ganz langsam Silben zu lesen beginnt, ist das doppelt aufregend.


Lieblingsessen der Woche

Das war eindeutig das Frühstück am letzten Sonntag in unserem Hotel in Radebeul. Ich liebe Hotelfrühstück mit einer großen Auswahl und mal anderen kulinarischen Genüssen als zuhause. Zwar war es recht unruhig, da es voll war und die Kinder ständig aufstehen und noch etwas vom Buffet holen wollten, aber sehr lecker!


Lieblingsmoment der Woche mit den Kindern

Das war der kurze Augenblick, als die Kinder auf dem Heimweg von Schule und Kita mal einträchtig nebeneinander gelaufen sind, statt sich wie sonst immer zu fangen, zu ärgern oder vor die Füße zu laufen. Selten! Ich sehe meinen Großen mit seinem Schulranzen und die Kleine, die nun schon zu den großen Kitakindern gehört. Und das ist ein so viel schöneres Gefühl als mit einem Kinderwagen spazieren zu gehen oder ein müdes Kleinkind hinter sich her zu ziehen!



Lieblingsmoment nur für mich

Das war eindeutig die Busfahrt mit dem Großen zurück nach Berlin am vergangenen Sonntag, wo ich zwar nicht allein war, die aber trotzdem einer der entspanntesten und erholsamsten Momente der letzten Jahre war. Der Große schlief irgendwann ein und ich hatte nichts zu tun, musste mich um nichts kümmern und konnte kurzzeitig mal richtig abschalten. Herrlich war das!


Inspiration der Woche

Das war der Text "Herzensheimat" des Blogs Pusteblumen für Mama. Die Blogschreiberin ist vor kurzem in ihre Herzensheimat, ans Meer, gezogen und beschreibt sehr schön die Gefühle für die neue Heimat, ihren Sehnsuchts- und Kraftort, der jetzt ihr Lebensmittelpunkt geworden ist, und die Bande in die alte Heimat.

"Ein Stück Wehmut macht sich in mir breit. Alte Heimat ist auch was Schönes. Aber dann denke ich daran, wo ich tags darauf, nach unserem eintägigen Kurztrip, um diese Uhrzeit anzutreffen sein werde, und nicht nur mein Gesicht beginnt zu strahlen, sondern auch mein ganzes Herz: Zuhause, am Meer, den Blick aufs Wasser gerichtet, die Salzluft in der Nase."

Ich kenne das Gefühl sehr gut, sein Herz an einen bestimmten Ort zu verlieren, und auch auf mich übt das Meer einen starken Sog aus. Am Meer kann man auftanken und sich selbst spüren, das habe ich besonders auf meiner Mutter-Kind-Kur gemerkt. Ich habe aber auch noch andere Sehnsuchts- und Kraftorte. Ein wunderschöner Text über ein sehr tiefes Gefühl!


Und der heutige Freitag brachte mir zwar einen bandagierten Fuß, aber auch einen wunderschönen Herbstnachmittag in unserem Garten. Habt ein schönes Wochenende!



Mehr Freitagslieblinge findet ihr wie immer bei BerlinMitteMom.

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Sonntag, 24. September 2017

Unser Wochenende in Bildern 23./ 24. September 2017

Das Wochenende der Bundestagswahl 2017 verbrachten wir überwiegend in Dresden-Radebeul, wo wir einen bereits bezahlten Hotelgutschein im Hotel Radisson Blu einlösten.

Samstag:

Wir frühstückten gemütlich zuhause und fuhren am späten Vormittag los. Nach 2 Stunden Fahrt kamen wir in der Region Dresden an. Da das Herbstwetter ganz annehmbar war, wir uns bewegen wollten und sowieso noch nicht ins Hotel konnten, besuchten wir das Wildgehege Moritzburg, ein schönes, teils historisches Gelände in der Nähe des Schlosses Moritzburg.


Wir sahen Wildschweine, Damwild, Mufflons, Elche und Wölfe sowie diverse kleinere Tiere.



Der Wildpark ist absolut empfehlenswert, ein schönes, abwechslungsreiches Gelände mit Gastronomie und einem angrenzenden Kletterpark.

Am frühen Abend checkten wir im Hotel ein, erkundeten kurz den hoteleigenen Spielplatz sowie das Spielzimmer und planschten dann noch eine gute Stunde im Schwimmbad. Es war herrlich leer und die Kinder waren begeistert.


Zurück im Hotelzimmer (wir hatten ein Familienzimmer, d.h. zwei verbundene Zimmer mit jeweils
eigenem Bad) aßen wir noch schnell die Reste unseres Reiseproviantes auf und fielen dann ins Bett.

Sonntag:

Nach einem super leckeren Hotelfrühstück vom Buffet, bei dem ich es immer bedauere, nicht auf Vorrat essen zu können, machten wir uns auf den kurzen Weg zum Karl-May-Museum Radebeul. Da es nieselte, passte unsere Planung perfekt.


Das Museum besteht aus der Villa Shatterhand, dem Wohnhaus Karl Mays in Radebeul, der Villa Bärenfett mit der Ausstellung zu den nordamerikanischen Indianern und einem kleinen Garten mit Goldwaschanlage und Spielplatz.


Ich war zuletzt als Kind hier gewesen und konnte trotz phasenweisen Nörgelns der Kinder der Ausstellung genug Zeit widmen. Die Kleine war besonders interessiert an dem "gepuckten" Baby.


Danach begaben wir uns zum Bahnhof, denn der Große und ich mussten allein nach Berlin zurückkehren. Er ist ja nun ein Schulkind und da kann man nicht mehr einfach so ein Wochenende verlängern. Wir beide fuhren mit dem Fernbus nach Hause und das waren für mich die gemütlichsten 2 Stunden seit langem. Der Große schlief die Hälfte der Zeit, ich las und döste und musste mich einfach um nichts kümmern. Herrlich!


Zurück zuhause spielte der Große tatsächlich eine Weile allein und ohne zu jammern in seinem Zimmer. Das hat Seltenheitswert und meine Entspannung setzte sich fort. Rechtzeitig vor Schließung der Wahllokale gingen wir noch gemeinsam wählen. Der Große fand es allerdings total doof, dass er nicht mit in die Wahlkabine durfte, und meckerte herum. Zuhause spielten wir noch ein Kartenspiel, aßen ein schnelles Abendbrot und dann - Feierabend. Alles geht so schnell und man ist so flexibel, wenn man allein mit einem Kind ist!


Der Mann und die Kleine bleiben noch einen Tag länger im Hotel. Sie besuchten heute Nachmittag Schloss Moritzburg und waren nochmal im Schwimmbad. Und ich bin nun zwar nicht generell die erste Nacht ohne die Kleine, aber tatsächlich die erste Nacht ohne sie bei uns zuhause. Und sie ist damit - nach unserem kürzlichen Mädels-Trip - zum ersten Mal allein mit dem Papa woanders über Nacht unterwegs. Ich bin gespannt, was er berichten wird.

Mehr Wochenenden in Bildern findet ihr wie immer bei Geborgen Wachsen.

Samstag, 23. September 2017

Die ersten beiden Schulwochen des Großen

Der Große hat nun schon die ersten beiden Schulwochen hinter sich und es lief erstaunlich und bemerkenswert gut. Ich hatte ja mit abendlichem Motzen und Durchdrehen oder mit völliger Apathie gerechnet, aber nichts davon trat ein. Beim Abholen wirkte er ausgeglichen und zufrieden, bewegte sich selbstsicher durch den Klassenraum, kommunizierte auch in meiner Gegenwart mit seiner Horterzieherin und zeigte mir manchmal, was die Kinder schon im Unterricht gemacht hatten. Er kennt die Abläufe und Wege, hat sich halbwegs an das Gewimmel der vielen vielen Schüler gewöhnt und zeigt kaum noch Scheu in der neuen Umgebung.

Zwar war er schon 2 Wochen vor der Einschulung im Ferienhort, damit er sich ein wenig eingewöhnen konnte, aber der Schulalltag ist natürlich doch nochmal ein ganz anderer. Seine Lehrerin ist neu, der Rhythmus ist anders, die Klasse ist nun vollständig, d.h. er hat viele neue Kinder kennengelernt, und wahnsinnig viele neue Anforderungen stürmen auf ihn ein. Ich kann mich leider nicht mehr an meine Einschulung erinnern, aber aus meiner Erwachsenenperspektive heraus stelle ich mir das als eine riesengroße Umstellung vor. Insofern hat er die ersten Tage erstaunlich gut gemeistert und wirkte nicht mal besonders erschöpft oder müde. Das war schön zu sehen.

Er ist auch schon genauso lange in der Schule wie seinerzeit in der Kita (7 1/2 Stunden). Der Unterricht startet um 8 Uhr, bis 13:30 Uhr geht die verlässliche Halbtagsgrundschule (VHG) und wir haben die anschließende Hortbetreuung bis 16 Uhr gebucht. Ab Tag 1 durften wir ihn nicht in den Klassenraum bringen, sondern seine Lehrerin wartete mit den Zweitklässlern vor der Schule und ging dann mit der ganzen Klasse nach oben. Ab Tag 4 standen nur noch die Zweitklässler unten und warteten auf die Schulanfänger, und bald sollen sie ganz allein den Weg nach oben gehen. Das war ein Aspekt, der mir vorher Bauchschmerzen bereitete, aber der Große macht das gut mit. Im Moment machen wir (bzw. der Papa, der ihn meist morgens zur Schule bringt) es noch so, dass wir auf einen Klassenkameraden warten, mit dem zusammen er hochgehen kann.

Am Nachmittag hole ich ihn meist als erstes ab und laufe dann mit ihm zur Kita, um die Kleine abzuholen. Auf diese tägliche kurze Exklusivzeit hatte ich mich total gefreut, weil ich es oft schwierig fand, mich nach der Kita auf die Bedürfnisse zweier Kinder zu konzentrieren. Nun laufen wir den kurzen Weg zusammen und es ist richtig schön, auch wenn er weniger aus sich heraussprudelt, als ich gehofft hatte. Vieles, was er erlebt hat oder was ihn beschäftigt, kommt tatsächlich erst abends zuhause zum Vorschein. Leider brauchen wir durch die Größe der Schule, notwendige Gespräche und das Einpacken seiner Sachen doch deutlich länger bis zur Kita, als ich gedacht hatte, obwohl ich den Großen aktuell noch etwas eher abhole. Das gefällt mir noch nicht, aber ich hoffe, dass das durch die zunehmende Routine besser wird.

Das Lernen erfolgt sehr spielerisch, die ersten Tage waren sowieso "Eingewöhnungstage", wo die Regeln (Toilette!) erklärt wurden und alle sich aneinander gewöhnten. Der Unterricht ist aufgelockert und abwechslungsreich. Vom Sportunterricht war er wegen seines Nasenbeinbruchs noch befreit, aber das war im Grunde auch ganz gut, denn so konnte er erstmal von der Bank zuschauen, wie das überhaupt abläuft. Ansonsten fließen die einzelnen Fächer ineinander und die Lehrerin entscheidet, ob sie nun gerade Schreiben oder Rechnen lehrt oder etwas ganz anderes macht. Für die Kinder ist das manchmal schwer nachvollziehbar, welcher Unterricht gerade stattfindet. So verneinte der Große beispielsweise auf meine Nachfrage, ob er am Lebenskunde-Unterricht teilgenommen habe. Es stellte sich aber heraus, dass er durchaus dabei war, nur eben die ganze Stunde gespielt wurde.

Die Hausaufgaben, ein weiteres meiner Bauchschmerzthemen, macht er bis jetzt nachmittags im Hort und schafft auch das, was vorgegeben ist. Zuhause mussten wir uns zum Glück noch nicht daran setzen. Ich hoffe, das bleibt so. Nachmittags konnten wir bisher unsere gewohnten Ziele wie Cafè und Spielplatz ansteuern, auch wenn ihm der Schulranzen am Nachmittag schnell zu schwer wird. Da die Kinder an einem Schultag doch deutlich weniger Zeit an der frischen Luft und in Bewegung verbringen als im Kitaalltag, finde ich es wichtig, nachmittags noch draußen unterwegs zu sein. Oft hole ich den Großen aus dem Klassenraum ab, frage ihn, ob er denn draußen war und er sagt, in der Hofpause. Ich hoffe, dass es nicht nur in der Hofpause war.


Besonders rührend ist es für mich, zu sehen, wie er jedesmal in der Kita begrüßt wird, wenn wir die Kleine abholen. Einige der jüngeren Kinder rennen zu ihm, umarmen ihn, begutachten seinen Ranzen und fragen ihn über die Schule aus. Das ist echt süß und ich kann mich nicht erinnern, dass sich der Große für die Einschulungskinder ein Jahr vor ihm interessiert hat, wenn diese ihre kleinen Geschwister abholten. Auch die Erzieher befragen ihn zu seinem Schulalltag. Das muss ein komisches Gefühl für ihn sein, täglich in das jahrelang vertraute Umfeld zu kommen, aber nun aus seiner neuen Welt der Schule heraus.

Insgesamt bin ich nicht nur sehr glücklich, sondern wirklich überrascht über diesen reibungslosen Start. Er wirkt schon total angekommen und zufrieden, überhaupt nicht verwirrt, überfordert oder haltlos. Was mich sehr erstaunt, ist die bisher fehlende Erschöpfung und Müdigkeit, hatte ich doch von allen Seiten gehört, dass die Kinder in den ersten Wochen völlig erledigt abends ins Bett fallen. Das ist bei ihm bisher nicht der Fall, kann aber natürlich noch kommen. Die 4 Wochen Ferien zwischen Kitaende und Ferienhortbeginn haben ihm sicherlich Kraft und Erholung gegeben, von der er noch zehren kann. Er wirkt sehr ausgeglichen, es gibt kaum Stimmungsschwankungen, er ist nicht aggressiv, verschlossen oder apathisch. Schön!

Ich erinnere mich nur zu gut an die Folgen seines Wechsels in den großen Elementarbereich der Kita, mit dem er eine Zeitlang arg zu kämpfen hatte - und wir mit ihm. Das ist kein Vergleich jetzt, im Gegenteil, man merkt ihm fast gar nichts an. Vielleicht geht es ihm ähnlich wie mir, dass er mit der konkreten Situation besser umgehen kann als mit der Ungewissheit vorher. In jedem Fall ist es toll, dass er soviel Stabilität und Reife gewonnen hat, um sich von solch einer großen Veränderung nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Hoffentlich geht es so weiter. Bisher sind wir insgesamt zufrieden und positiv überrascht. Und der Große meistert das ganz toll!