Dienstag, 25. April 2017

Das Potenzial hochsensibler Kinder: "Aber ich kann es doch spüren!" (Rezension und Verlosung)

Erneut möchte ich euch ein neues, gerade erschienenes Buch über hochsensible Kinder vorstellen und darf sogar ein Exemplar an euch verlosen. Es handelt sich um das Buch von Karin Abriel: "Aber ich kann es doch spüren! Hochsensibilität als Potenzial nutzen"*, erschienen im Crotona Verlag. Karin Abriel ist Pädagogin und Herausgeberin der Webseite www.hochsensibilitaet.at und möchte mit diesem Buch dazu beitragen, "Bewusstsein zu schaffen für Bedürfnisse hochsensibler Menschen, vor allem Kinder, in einer Gesellschaft, die diesbezüglich noch wenig Bewusstsein hat" (siehe hier). Außerdem wird auf dem Cover mit dem "Schwerpunkt Schule" geworben und das interessiert mich natürlich besonders, da mein hochsensibler Sohn in diesem Jahr eingeschult wird. Meine bisherigen Rezensionen findet ihr hier.

Den Titel "Aber ich kann es doch spüren!" finde ich sehr passend für ein Buch über hochsensible Kinder. Da es nicht sehr umfangreich ist, eignet es sich gut für Eltern oder Pädagogen, die sich einen kurzen Überblick über das Thema verschaffen wollen. Im 1. Kapitel "Was ist Hochsensibilität?" fasst die Autorin die wesentlichen Informationen über das Phänomen zusammen und stellt die Merkmale hochsensibler Kinder wie stark ausgeprägte sinnliche Wahrnehmungen, besonderes Interesse an tiefergehenden Themen, präzise sprachliche Ausdrucksweise, Neigung zu Ticks und Zwängen, Zwiespalt zwischen Anders-Empfinden und Anpassungswillen etc. dar und konstatiert:

"Bedürfnisse von hochsensiblen Kindern sind fordernd. Sehr fordernd. Hochsensibel wahrzunehmen, bedeutet, ständiges Überfordertsein mit der Umgebung und ihren Reizen, als Kind noch einmal um ein Vielfaches mehr als im Erwachsenenalter. Das Erkennen, dass die Welt scheinbar anders wahrgenommen wird als bei den unmittelbaren Bezugspersonen, führt zu dem Dilemma, als hochsensibles Kind schon bald mit einer Identitätskrise konfrontiert zu werden." (S. 33f)

Es entsteht oft eine Tendenz zu Introversion, Rückzug, mangelndem Selbstbewusstsein und Distanziertheit, wodurch das Potential, das solchen Kindern innewohnt, auch später im Erwachsenenalter nicht ausreichend genutzt werden kann. Für eine positive Entwicklung kommt es sehr stark auf die Unterstützung und das Verständnis der Bezugspersonen an, wobei es schwierig sein kann, die eigenen Empfindungen und Erfahrungen von denen seines Kindes zu trennen, zum Beispiel, was die eigene Schulkarriere angeht.

Im 4. Kapitel geht die Autorin auf die Herausforderungen des heutigen Schulsystems ein, das durch Zeit- und Leistungsdruck, Anti-Individualismus, Lautstärke, Gewalt und Aggression, Hierarchien etc. charakterisiert ist und eine extreme Belastungssituation für hochsensible Kinder darstellen kann. Individuellen Unterschieden von Kindern wird nicht (ausreichend) Rechnung getragen und der Druck, einer Norm entsprechen zu müssen, ist sehr hoch. Umso mehr spüren Kinder, die "anders" sind, dass sie nicht in das starre System Schule passen, genauso wie auch Pädagogen überfordert sein können, wenn ein Kind extrem vom Durchschnitt abweicht.

"Den unterschiedlichen Wahrnehmungskanälen, die bei allen, vor allem aber bei hochsensiblen Kindern, vorhanden sind, wird im Regelunterricht auf keinerlei Art und Weise Rechnung getragen." (S. 75)

Im Teil 2 des Buches geht die Autorin darauf ein, wie man ein hochsensibles Kind konkret im Alltag unterstützen kann, und gibt viele praktische Tipps und Anregungen, die das gemeinsame Leben erleichtern. Als ein Schlagwort nennt sie beispielsweise den "Mut zur Langsamkeit", den Eltern möglichst aufbringen sollten, um der langsameren, intensiveren Wahrnehmung und Verarbeitung ihres Kindes gerecht zu werden und den Stress der umgebenden Welt, dem es ausgesetzt ist, zu reduzieren bzw. auszugleichen.

Zum Schluss bietet das Buch noch konkrete Ratschläge, wie man der Überforderung hochsensibler Kinder im Schulalltag am besten begegnen kann, worauf Eltern achten sollten und wie man unterstützen kann. Auch hier kommt es wieder darauf an, eine gesunde Balance zwischen Verständnis und Überidentifizierung zu finden. Diese Anregungen beziehen sich aber im Wesentlichen auf die Rolle der Eltern; mir fehlt in dem Kapitel, wie Lehrer und Erzieher angemessen mit hochsensiblen Kindern umgehen und sie so integrieren können, dass der enorme Anpassungsdruck reduziert wird.

Die richtige Schulwahl ist ein bedeutsames Thema für Eltern hochsensibler Kinder. Nicht immer jedoch sind alternative Schulen mit ihrem Fokus auf Eigenverantwortlichkeit automatisch die besseren Schulen für solche Kinder. Sie brauchen vor allem feste Strukturen und zugewandte, verständnisvolle Bezugspersonen. Man sollte sich bewusst machen, dass es nicht die "einzig richtige" Schule für das Kind geben wird. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle.

"Es gibt Systeme, herkömmliche und alternative, die in unterschiedlichen Richtungen Schwerpunkte setzen. Ob das für Ihr Kind förderlich ist, liegt stark an der Persönlichkeit, die es mitbringt, und an den Menschen, die diese Persönlichkeit im System begleiten." (S. 139f.)

Insgesamt ist die Schulzeit eine herausfordernde, lange Zeit für hochsensible Kinder, die mit vielen Emotionen auf beiden Seiten einhergehen kann und manchmal sogar das Gefühl von Ausweglosigkeit hinterlässt. Eltern und Pädagogen sollten eng zusammenarbeiten, um die Entfaltung des Potenzials hochsensibler Kinder zu unterstützen. Das Buch möchte dazu beitragen, für das Thema zu sensibilisieren und sich damit auseinanderzusetzen. Als Einführung in das Thema und kurze Zusammenfassung ist es gut geeignet. Es sind auch gute praktische Tipps enthalten. Wenn man sich schon intensiver mit dem Thema Hochsensibilität/ hochsensible Kinder beschäftigt hat (wie in meinem Falle), bietet ein Buch von diesem Umfang naturgemäß nicht viel Neues. Auch zum beworbenen Schwerpunkt Schule hätte ich mir ein paar mehr Gedanken gewünscht. Trotzdem finde ich es ungemein wichtig, dass es solche Einführungswerke gibt und dadurch Menschen, die sich über das Thema informieren wollen, ohne gleich ein umfangreiches wissenschaftliches Werk zu lesen, erreicht werden.

Fazit: Leseempfehlung für alle Eltern und Pädagogen, die sich kurz und knackig zum Thema belesen möchten.

Die Eckdaten:
Karin Abriel: Aber ich kann es doch spüren! Hochsensibilität als Potenzial nutzen*, Crotona Verlag, Februar 2017, 180 Seiten, ISBN 978-3861910831, € 14,95

Verlosung


Ich freue mich, ein weiteres Exemplar des Buches "Aber ich kann es doch spüren!"* verlosen zu dürfen. Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasst mir bitte hier einen Kommentar darüber, was euch an dem Thema interessiert und, falls das Thema Schule bald ansteht, was euch besonders wichtig für euer hochsensibles Kind ist. Zusätzlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir auf Facebook folgt, die Verlosung teilt und mir hier ein Herzchen gebt. Ist aber keine Bedingung. Bitte gebt euren Namen an, sonst kann ich euch nicht berücksichtigen!

Die Verlosung läuft bis zum 01.05.2017, 23:59 Uhr. Unter allen bis dahin eingehenden Kommentaren wird der Gewinner/die Gewinnerin ausgelost und hier sowie auf Facebook bekanntgegeben. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang mit Facebook. Versand nur innerhalb Deutschlands. Mindestalter 18 Jahre. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Vielen Dank an den Crotona Verlag für das Rezensions- und das Verlosungsexemplar!

*Affiliate Link

Mittwoch, 19. April 2017

Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Erfahrungsbericht und Fazit

Die Mutter-Kind-Kur mit dem Großen auf Usedom ist seit einer Woche vorbei und ich möchte natürlich unbedingt ein ausführliches Fazit ziehen und über meine Erfahrungen berichten. Insgesamt, das kann ich gleich vorab sagen, war es für mich eine sehr schöne Zeit, die mir gut getan hat, mich etwas Abstand gewinnen ließ und erholsam war. Ich wurde auf jeden Fall positiv überrascht nach den vielen Negativ-Berichten aus meinem Umfeld und bin sehr dankbar für die wertvolle Erfahrung. Es war nicht alles einfach und besonders die Schwierigkeiten meiner beiden Kinder (6 und knapp 4 Jahre alt) mit der Situation waren teilweise recht belastend für mich, aber ich habe immer wieder versucht, meine eigenen positiven Gefühle wahrzunehmen und zu genießen. Ich bin froh, dass ich mich für die Mutter-Kind-Kur entschieden habe (hier die Vorgeschichte) und auch die Entscheidung, mit dem Großen allein zu fahren, war definitiv richtig.

Unser kleineres Nebenhaus der Kurklinik

Wir verbrachten vom 22.03.2017 bis 12.04.2017 genau 3 Wochen in der Ostseestrand Kurklinik Klaus Störtebeker in Kölpinsee auf der Insel Usedom. Nach der Anreise am Mittwoch brauchten wir ein paar Tage, um uns einzuleben und alles kennenzulernen. Von der Kurklinik, dem Zimmer, dem Speisesaal und den sonstigen Räumen (Spielzimmer, Toberaum, Teeküche etc.) hatte ich gleich einen angenehmen Eindruck. Wir hatten als Einkind-Familie ein Einzimmerappartment mit Schiebetür, recht klein, aber praktisch und nett eingerichtet. Ich fühlte mich sofort wohl und auch der Große hatte keine Umstellungsprobleme. Auch an die Mahlzeiten im Speisesaal gewöhnten wir uns schnell. Das Frühstück war wirklich sehr lecker, das Mittagessen qualitativ unterschiedlich und das Abendbrot recht spartanisch, aber ausreichend.


Speiseplan - Beispiel

Unser Kurgang (15 Familien auf Eltern-Kind-Kur) war in einem kleineren, ruhigen Nebenhaus untergebracht, und vor unserem Fenster begann direkt der Wald. Die Lage und Umgebung war wirklich wunderbar, in weniger als 10 Minuten gelangte man zum Strand und zum Wald, die Landschaft war sehr abwechslungsreich durch Flach- und Steilküste sowie einen größeren See im Ort. Kleinere Souvenirläden gab es in direkter Nähe, einen Supermarkt und den Bahnhof der Usedomer Bäderbahn in ca. 10 Minuten Laufentfernung. Am Anreisetag schien die Sonne und wir gingen gleich nachmittags zum Strand. Es war herrlich, man schaltete sofort auf Erholung um.


In den ersten beiden Tagen standen ein ärztliches und ein psychologisches Gespräch an, in denen die Therapien und Kurse individuell festgelegt wurden. Dabei wurden die eigenen Wünsche und Vorlieben berücksichtigt. Ich bekam 4x Wirbelsäulen- und 2x Wassergymnastik, 4 Massagen, 4x Autogenes Training, 4x Beckenbodentraining und 4x Selbstfürsorge-Kurs verschrieben. Außerdem Vorträge über Erschöpfung und Stressmanagement. Weitere Angebote waren Yoga, Progressive Muskelentspannung, Kunsttherapie, Therapeutisches Bogenschießen, Sport-Fit und Freies Walken. Nach der ersten Woche hatte man eine Zwischenvisite und ein Kurgespräch, am Ende ein Abschlussgespräch mit der Ärztin und der Kurbetreuerin. In der Zwischenvisite hätte man eine Änderung des Therapieplanes besprechen können, wenn man unzufrieden gewesen wäre. Das war bei mir nicht der Fall, mir machten die Kurse Spaß, die ich hatte. Es war überhaupt kein Problem, wenn man mal an einem Termin nicht teilnahm, weil man sich lieber ausruhen wollte. Es gab keinen Zwang oder so. Gerade am Anfang war der Terminplan doch recht voll und jeder musste erstmal schauen, ob es zuviel oder angenehm ist. Ich empfehle, sich wirklich nur die Therapien herauszupicken, die man unbedingt machen möchte. Alle, die sich zuviel "aufgebürdet" hatten, ruderten in der zweiten Woche zurück, da die Entspannungszeit fehlte.


Kinderbetreuung

Am Donnerstag Nachmittag schnupperte der Große ca. 1 Stunde in der Kinderbetreuung und wir Eltern hatten nebenan ein Gruppengespräch. Da ich befürchtet hatte, ihn gleich am ersten Morgen übergangslos abgeben zu müssen, war ich von dieser "sanften" Eingewöhnung positiv überrascht. Alles machte einen guten Eindruck und der Große löste sich an diesem Tag problemlos von mir. Genauso hatte ich mir das erhofft; leider ging es nicht so weiter. Als ich den Wochenplan der Kinderbetreuungszeiten sah, war ich ziemlich überrascht: es waren im Laufe der Kur viele halbe Tage für Eltern-Kind-Interaktion eingeplant, wo die Betreuung geschlossen hatte. Insgesamt gab es in den 21 Tagen der Kur nur 4 Tage, wo die Kinder ganztags betreut wurden! Das war erstmal ein kleiner Schock für mich, immerhin gehen meine Kinder zuhause täglich 7,5 Stunden in die Kita und ich war nicht zuletzt deshalb auf die Kur gefahren, um mehr Zeit ALLEIN zu verbringen. Von fast allen aus unserer Gruppe wurde dies als unglücklich empfunden und am Ende auch im Feedbackgespräch mitgeteilt.

Kita

Dazu kam, dass es an den Tagen der Vormittagsbetreuung (bis 14 Uhr) eine freiwillige Abholzeit um 12 Uhr gab, die einige Eltern, deren Kinder einen längeren Mittagsschlaf halten sollten, wahrnahmen. Jedesmal, wenn mein Großer nun hörte, dass einer seiner Freunde statt um 14 Uhr schon um 12 Uhr abgeholt würde, forderte er dies auch von mir ein. Wäre er glücklich in der Betreuung gewesen, hätte ich das sicherlich abgelehnt. Leider fiel es ihm aber nach den ersten Tagen so schwer und er weinte herzzerreißend beim Abgeben und Abholen, dass ich nachgab und ihn dann eben auch so früh abholte. Er war dann beispielsweise nur von 9 bis 12 Uhr in der Betreuung und ich hatte neben meinen Terminen an solchen Tagen kaum Zeit für mich. Ungünstig waren auch Tage der Nachmittagsbetreuung von 14 bis 16:30 Uhr. Vormittags fand dann eine Eltern-Kind-Interaktion statt und die Kita hatte geschlossen. Keinem der Kinder fiel es leicht, nach dem gemeinsam verbrachten Vormittag dann am Nachmittag für 2 Stunden in die Betreuung zu gehen. Und den Eltern brachte das rein gar nichts. Mit der Verteilung der Betreuungszeiten waren wir also fast alle unzufrieden; wenn ich nachrechne, komme ich vielleicht auf ein Drittel unserer Betreuungszeit zuhause. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Immerhin gibt es sogar Kurkliniken, wo es eine Betreuung am Wochenende gibt, wenn man dies möchte oder braucht. Zum Glück war es für mich nicht anstrengend, da ich nur den Großen allein um mich hatte. Mit beiden Kindern hätte das schon anders ausgesehen und eine Mutter mit drei Kindern brach u.a. deshalb die Kur ab, weil es für sie zu anstrengend war, ihre Kinder ständig allein zu betreuen, was ich sehr gut verstehen kann.

Für mich war es sehr belastend, dass der Große sich nach den ersten Tagen nur noch widerstrebend und weinend in der Betreuung abgeben ließ. Fremdbetreuung und Trennungen waren für ihn nie einfach gewesen und er würde immer lieber bei uns bleiben, als in eine Kita zu gehen. Allerdings hatte ich gehofft, dass er mittlerweile anpassungsfähig genug ist, um solch eine fraglos schwierige, komplett fremde Situation zu meistern. Die Erzieher wirkten etwas unerfahren, obwohl sie ja ständig Trennungen bewältigen müssen. Fast alle Kinder hatten anfangs Schwierigkeiten mit der Kita. Hinzu kam das Pech, dass seine beiden neuen Freunde anfangs gleich drei Tage in Quarantäne (wegen Magen-Darm) waren und er sich ziemlich allein dort fühlte. Das war echt blöd für ihn, und es blieb dann bis zum Ende sehr schwierig mit der Kita. Er weinte schon abends, wenn es um den nächsten Tag ging, fragte immer, wie viele Termine ich hätte und ob ich ihn eher abholen könnte. Das war sehr schwierig auszuhalten, denn ich wollte ja nicht nur meine Termine wahrnehmen, sondern mal allein spazierengehen oder im Zimmer lesen etc. Stattdessen hatte ich auch bei nur 3 Stunden Betreuung ein schlechtes Gewissen und er tat mir so leid, dass ich meine Freizeit kürzte, um ihn eher abzuholen. Das hatte ich mir anders vorgestellt, aber es ist eben unplanbar und ich musste es so akzeptieren. Meine Termine nahm ich aber alle wahr und die Zeit mit ihm zusammen war auch meist total schön, da wir viel unternahmen und ich dadurch etwas "für mich" machte, aber es sprang für mich durch diese beiden Umstände (weniger Betreuungszeit als zuhause und die Probleme des Großen) definitiv zu wenig Alleinzeit heraus. Nach unserer Abreise sollte wohl etwas an dem Konzept der Betreuungszeiten geändert werden, ließ die Kurbetreuerin durchblicken.

Ein Spaziergang zum Strand donnerstags morgens um 9 Uhr

Die Kinder absolvierten während der Betreuungszeit auch verschiedene Aktivitäten wie Sport und Kinderküche. Toll war das Zirkus-Projekt, wofür sie des öfteren übten und was sie uns am letzten Tag in einer Abschluss-Show präsentierten. Der Große zauberte Tücher aus seinem Ärmel, andere Kinder balancierten auf einem Ball, imitierten Tiere oder schwangen Bänder und Reifen, und alle hatten einen riesen Spaß. Das war ein wunderschöner Abschluss und die eine oder andere Mama verdrückte einige Tränchen. An den beiden letzten Tagen kam der Große auch besser mit der Betreuung zurecht, sei es nun durch die baldige Abreise bedingt oder weil er richtig Fuß gefasst hatte. Insgesamt aber hatte ich mir diesen Aspekt der Kur leichter erhofft.

Steilküste

Eine zuverlässige Fremdbetreuung ist unglaublich wichtig für das Gelingen einer Kur. Mit sehr kleinen oder trennungsängstlichen Kindern würde ich mir sehr gut überlegen, auf eine Mutter-Kind-Kur zu fahren. Meiner knapp 4-jährigen Kleinen hätte ich eine Eingewöhnung in der kurzen Zeit nicht zugetraut. Das war u.a. ein Aspekt, weswegen ich sie nicht mitgenommen hatte. Die Allerkleinsten wurden nach Aussage zweier Mütter lediglich "verwahrt". Die Gruppe des Großen, die 3-6jährigen, war eine gute gemischte Gruppe, aber nicht jedes Kind schließt mit allen Freundschaft oder freut sich über die willkommene Abwechslung. Und nicht jede Mama schafft es, ihr weinendes Kind morgens abzugeben und sich dann ohne Gewissensbisse bis nachmittags ihrem Kur-Ziel zu widmen. Mir fiel das sehr schwer, was im Alltag nicht der Fall ist, wenn wir zur Arbeit fahren müssen, während die Kinder fremdbetreut sind. Es sollte jeder, der eine Kur in Betracht zieht, ehrlich überlegen, ob das für beide Seiten so funktioniert, dass die 3 Wochen zufriedenstellend verlaufen. Mein Großer ist schon alt genug, um ihn für einen Termin auch mal 45 Minuten allein im Zimmer zu lassen, wenn er sich komplett der Betreuung verweigert hätte. Mit kleinen Kindern ist das nicht möglich. Das muss man bedenken.

Therapien

Meine oben erwähnten Therapien/ Anwendungen/ Kurse waren allesamt sehr angenehm. Ich hatte eine gute Mischung aus Kursen für Körper und Geist. Sicherlich gab es Qualitätsunterschiede bei den Therapeuten und manchmal überraschende Personalwechsel innerhalb eines Kurses, aber so ist das eben in einer großen Einrichtung. Überraschend fand ich, wieviel Spaß die Wassergymnastik machte, obwohl ich diesen Kurs eigentlich absagen wollte. Als sehr fruchtbar empfand ich den Austausch im Selbstfürsorge-Kurs, wo 5 Mütter unter Anleitung einer Psychologin über ihre Probleme, Bedürfnisse und Strategien sprachen. Natürlich können solche Runden nie in die Tiefe gehen und langanhaltende Probleme lösen, aber es half schon, zu merken, dass man nicht allein mit gewissen Schwierigkeiten ist. In einige Wunden wurde der Finger gelegt, die Mütter wurden immer wieder ermutigt, sich gut um sich selbst zu kümmern und mir wurde noch deutlicher, worauf ich in Zukunft noch mehr achten muss. Einzeltermine wurden nicht aktiv angeboten, aber man konnte Beratungsgespräche problemlos vereinbaren. Einige Mütter aus unserer Gruppe nahmen zum Beispiel eine Erziehungsberatung in Anspruch. Ich hatte weder den Anspruch, dass 4 Massagen meine Rückenprobleme grundlegend beheben noch dass ein Vortrag über "Wege aus der Erschöpfung" mein gesamtes Leben verändert. Es können lediglich Anregungen zur Bewältigung vermittelt werden und Eltern für typische Probleme sensibilisiert werden. Dessen sollte man sich bewusst sein, sonst wird eine zu hohe Erwartungshaltung sicher nicht erfüllt. Was man daraus macht, muss natürlich jeder allein zuhause weitersehen. Nun war in unserer Gruppe auch außer einer Frau niemand, der wirklich schwerwiegende gesundheitliche Probleme hatte. Deshalb waren eigentlich alle Erwachsenen unserer Gruppe zufrieden mit den angebotenen Anwendungen.

Therapieplan für die 2., entspanntere Woche

Was die Kinder betrifft, sah das schon anders aus. Mein Großer war lediglich Begleitkind, d.h. es waren keine Therapien vonnöten, aber es gab einige Kinder, die ausdrücklich als Patientenkinder mitgefahren sind (Neurodermitis etc.) und diese erhielten leider keine oder unzureichende Anwendungen. Ich würde also raten, dass man lieber eine Kinderreha beantragt, wenn man umfassende Therapien für das Kind haben möchte. Bei einer Eltern-Kind-Kur liegt der Focus auf den Eltern.

Der Therapieplan hätte gern ausgeglichener sein können. In den ersten Tagen gab es viel Terminstress und kaum Zeit zwischen den Anwendungen. Ich glaube, das wird auch bewusst so geplant, damit man nicht aus seinem Alltagsstress in ein Loch fällt. Eine gewisse Tagesstrukur gibt ja auch Halt, gerade wenn alles noch neu ist. Dann wurde es langsam weniger und in den letzten Tagen hatte ich manchmal nur einen Termin (da gab es dann aber auch nur 3 Stunden Kinderbetreuung). Wenn mein Anfangsplan so stressig weitergegangen wäre, hätte ich definitiv bei der Zwischenvisite um Kürzung meiner Therapien gebeten. Das war aber genau der Zeitpunkt, als es entspannter wurde und deshalb beließ ich es dabei. Mir gefiel nicht, dass die freie Zeit manchmal so zerrissen war, d.h. Termin, 1/2 h Freizeit, Termin, 1 h Freizeit, Termin, Kind abholen. Für mich persönlich sind längere zusammenhängende Freizeitphasen besser, da ich immer recht lange zum Herunterfahren brauche. Habe ich schon in einer Stunde den nächsten Termin, bleibe ich auf einem hohen Adrenalinlevel und kann nicht abschalten. Aber das ist individuell verschieden, manche fanden auch gerade die vielen kurzen Pausen toll. Der allerletzte Tag war nochmal total vollgepackt, das bemängelten alle im Abschlussgespräch. Ich hatte an diesem Tag bewusst einen Termin gestrichen. Während der Mittagszeit fanden keine Therapien statt, d.h. man konnte tatsächlich entweder mit oder ohne Kind (je nach Betreuungsplan) auf dem Zimmer ruhen oder einen Spaziergang machen. Das war toll, denn wer von uns hat im Alltag mittags eine freie Stunde, wenn der Körper müde ist und eine Pause braucht? Auch wenn der Große bei mir war, hielten wir diese Zeit ein.

Freizeit

Für die Zeiten der Eltern-Kind-Interaktion gab es Angebote seitens der Klinik für gemeinsame Aktivitäten mit dem Kind. Oder man konnte allein etwas mit dem Kind unternehmen. Wir haben vier Angebote mitgemacht, Wassertreten am Strand, Eltern-Kind-Zirkus, eine Waldwanderung zum Gummibärchenbaum und einen Kreativ-Vormittag (Bemalen von Holz). Das war alles angenehm. Manchmal unternahmen wir allein etwas oder gingen mit den Freunden zum Strand. An zwei Interaktionstagen war der Mann mit der Kleinen zu Besuch, der Große ging nicht in die Betreuung und wir machten am Nachmittag einen Ausflug. Die Interaktionen waren aber für diejenigen Eltern schwierig, die mit Kindern verschiedenen Alters da waren. Eine Zweijährige und ein Sechsjähriger sind schlecht unter einen Hut zu bringen. Einige Eltern fühlten sich dann zerrissen oder mussten sich Alternativen überlegen. Das war etwas unglücklich organisiert.


Auch für die Wochenenden konnte man sich für Aktivitäten eintragen bzw. es gab Aushänge über Angebote wie Kutschfahrten, Kindertheater, Schwimmbad etc. In unmittelbarer Nähe waren zwei Spielplätze, der See, der Strand und der Wald, so dass es wirklich nie langweilig wurde. Im Nachbarort befand sich Karl's Erdbeerhof, wo man locker mehrmals einen halben Tag verbringen kann. Dank des meist wunderbaren Wetters waren wir natürlich viel am Strand unterwegs, machten eine lange Waldwanderung und genossen einfach die frische Ostseeluft. Abends trafen sich die Kinder meist noch im Toberaum und Spielzimmer. Der Große und seine Freunde spielten auch Karten oder Gesellschaftsspiele in der Sitzecke. Ich habe mit ihm so gut wie nie im Zimmer gespielt. Entweder wir waren draußen oder im Haus unterwegs oder wir machten eben Mittagspause. Da ich weder Essen zubereiten noch abräumen oder putzen und mich außer um die Wäsche um nichts kümmern musste, war ich in der gemeinsamen Freizeit immer präsent für ihn und konnte mich ihm exklusiv widmen. Und weil ich mich draußen in der Natur am wohlsten fühle, waren wir sehr viel unterwegs.


Besuch

Familienbesuch ist ein schwieriges Thema auf einer Kur. Eigentlich möchte man ja gerade mal raus aus den festgefahrenen Familienstrukturen und Abstand gewinnen. Zumindest ging es mir so. Jede Familie hatte das verschieden gelöst. Einige Väter waren die ersten Tage mit vor Ort, andere kamen zum Schluss die letzten Tage, andere jedes Wochenende. Manche Mütter hatten nach der Kur noch ein paar Tage Urlaub mit der Familie geplant, was sich wegen der Osterfeiertage anbot. Manche buchten sich als Übernachtungsgäste in der Kurklinik ein, andere nahmen sich ein Pensionszimmer oder eine Ferienwohnung. Wir hatten den Besuch des Papas mit der Kleinen genau in der Hälfte geplant, um die lange Zeit der Kur (immerhin war sie noch nie mehr als ca. 15 Stunden von mir getrennt gewesen) für sie erträglicher zu gestalten. Und ich fand es auch gut, nach ihrer Abreise noch eine ganze Woche für mich und den Großen zu haben. Grundsätzlich war das auch richtig so. Ich selbst hätte den Besuch nicht gebraucht, mir wäre es lieber gewesen, ich hätte die kompletten 3 Wochen Abstand gehabt. Die 4 Tage waren recht nervenaufreibend und mental anstrengend, genau so, wie es eben zuhause immer ist. Dadurch hatte ich das Gefühl, ich müsste die Kur nach dem Besuch nochmal neu anfangen. Aber für die Kinder war das schon wichtig, den jeweils anderen Elternteil wiederzusehen.


Sie hatten eine Ferienwohnung direkt neben unserem Kurhaus gebucht und obwohl ich eigentlich weiterhin in unserem Zimmer schlafen und im Speisesaal essen wollte, ließ sich das nicht durchsetzen, die Kleine vereinnahmte mich völlig und der Große wollte auch in der Ferienwohnung wohnen. An ihren Besuchstagen war zum Teil Wochenende bzw. ich hatte an den Wochentagen nur jeweils einen Termin, so dass wir flexibel genug waren, um etwas zu unternehmen. Das hatte gut gepasst. Wir machten Ausflüge zu Gullivers Welt, dem Verkehrten Haus, der Schmetterlingsfarm Trassenheide, nach Bansin, Heringsdorf und zu Karl's Erdbeerhof. Der Große hatte den Papa auch vermisst, naja und die Kleine klebte förmlich an mir. Ich fiel für 4 Tage zurück ins Alltagsleben inkl. Essensvorbereitung, Geschirrspüler ein- und ausräumen, Geschwisterstreitereien etc. Darüber war ich recht frustriert und daher froh, als der Große und ich wieder in unser Kurzimmer zurückkehren konnten. Der Abschied war wie erwartet sehr schwierig und tränenreich. Wie gesagt, für mich wäre kein Besuch besser gewesen, aber für die Kinder eben nicht. Die Kleine hatte schon darauf hingefiebert, für sie war die Zeit der Trennung natürlich sehr lang. Zwar hat der Abschied dann nochmal Wunden bei den Kindern aufgerissen, aber ich denke trotzdem, dass der Besuch wichtig für sie war.


Die Kleine, die ich aus guten Gründen nicht mitgenommen hatte, litt zuhause streckenweise arg. Sie hat eine sehr starke, nicht nur psychische, auch körperliche Bindung zu mir und war noch nie ohne mich. Sie weinte anfangs viel, suchte mich in der Wohnung und beklagte sich beim Papa, warum sie denn nicht mitkommen durfte. Sie fixierte sich dann sehr auf ihren Papa, entwickelte starke Trennungsängste und wollte sich kaum von den Großeltern, die 3 Tage bei ihnen zu Besuch waren, und dann gar nicht mehr von einer befreundeten Mama von der Kita abholen lassen. Das war für sie zuviel, wenn nach der Mama nun auch noch der Papa nicht kam. Der Mann bastelte ihr einen Tageskalender, zuerst bis zum Urlaub und danach noch einen zweiten bis zum Kur-Ende, wo sie gleich morgens den nächsten Tag abschnitt. Ich schickte ihr viele Postkarten und Fotos sowie kleine Videosequenzen, die sie aber auch oft weinen ließen. Das tat mir unheimlich leid und ich weiß, wie schwer das für sie gewesen sein muss. Trotzdem habe ich es immer für die richtige Entscheidung gehalten (und das tue ich auch heute noch), dass sie nicht dabei war, denn ihre Anwesenheit hätte eine ganz andere Dynamik und einen viel höheren Stresspegel für mich mit sich gebracht, der dem Kur-Effekt diametral entgegen gestanden hätte.


Gruppe

Alle, die am gleichen Datum anreisten (bei uns 15 Familien), waren ein fester Kurgang, wohnten im gleichen Haus (die meisten auch im gleichen Flur) und hatten ihre Termine zusammen (aufgeteilt nach den jeweiligen Plänen). Das fand ich toll, so kannte man bald die Eltern und Kinder (in unserem Kurgang war auch ein Papa mit seinen beiden Jungs, die die besten Freunde meines Großen wurden) und musste sich nicht ständig auf neue Leute einstellen. Besonders bei sensiblen Kursen wie dem Selbstfürsorge-Kurs war es angenehm, dass schon eine Art Vertrauensverhältnis aufgebaut war; so konnte man doch freier erzählen als wenn die Besetzung immer gewechselt hätte.

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig Angst vor den anderen Müttern hatte, nach den Berichten, die ich so gehört und gelesen hatte. Unsere Gruppe war zum Glück extrem toll und homogen, alle waren sehr nett untereinander und liebevoll mit ihren Kindern und es herrschte eine angenehme, ausgeglichene Atmosphäre. Natürlich gibt es mal unterschiedliche Ansichten zur Kindererziehung etc., aber es wurde sich sehr respektvoll und zugewandt ausgetauscht. Im Kurgang vor uns sah ich allerdings durchaus Mütter, die einen unschönen Umgang mit ihren Kindern pflegten und aus anderen sozialen Schichten als unsere Gruppe stammten. Deshalb bin ich wirklich dankbar, dass ich soviel Glück mit der Gruppe hatte. Da ich besonders am Anfang das Alleinsein genoss und die Einsamkeit suchte, merkte ich dies so richtig erst ab der Mitte der Kur. Auch die Altersmischung unserer Kinder war perfekt, zwischen 2 und 7 Jahren und somit passend für uns. Mit zwei 6-jährigen und einem 4-jährigen Freund hatte es auch der Große gut getroffen; eine 4-jährige Freundin für die Kleine beispielsweise hätte es in unserer Gruppe nicht gegeben. Nach uns kamen die Kurmütter mit den Schulkindern (Osterferien), das war eine ganz andere Atmosphäre und Gruppendynamik. Mit kleineren Kindern würde ich also immer versuchen, außerhalb der Schulferien auf Kur zu fahren.

Tendenziell merkte man, dass die Mütter, die mit mehreren Kindern da waren, gestresster waren als die Einkind-Mütter. Man sah deutlich den Unterschied zwischen der Einkind- und der Mehrkind-Situation, den ich selbst ja auch immer extrem krass empfinde. Alle Einkind-Mütter waren auf der Kur entspannt und zufrieden und konnten sich ausreichend ihrem Kind und sich selbst widmen. 5 Mütter unserer Gruppe (darunter ich) waren mit nur einem ihrer Kinder da und hatten die anderen zuhause gelassen. Dabei war ich die Einzige, die das kleinere Kind nicht mitgenommen hatte. Die einzige anwesende Dreikind-Mama brach die Kur ab. Die Zweikind-Mamas waren durchaus zerrissen zwischen den Bedürfnissen der Kinder und ihren eigenen. Je mehr Kinder mit sind, umso weniger kann man sich um sich selbst kümmern. Ich möchte dazu ermutigen, mit nur einem Kind zu fahren, wenn es irgendwie möglich ist. Nicht nur bekommt man eine tolle Exklusivzeit mit dem Kind geschenkt, die im Alltag so niemals möglich sein wird, sondern man kann auch mehr für sich selbst tun. Bei uns kommt erschwerend dazu, dass meine Kinder nicht gut harmonieren und dies ein enormer Stressfaktor gewesen wäre. Bei entspannten Geschwistern kann es auch eine tolle Erfahrung für beide sein.

Mein Befinden

Mir ging es bis auf Kopfschmerzen und den Anflug eines Magen-Darm-Virus (beides nur am Anfang) in der ganzen Zeit total gut, ich fühlte mich körperlich so fit wie zuhause nie, kränkelte nicht, war aktiv und gut gelaunt. Ich schlief mehr als zuhause und vor allem ungestörter, da allein. Zuhause liegt ja die Kleine neben mir, die noch einen sehr durchwachsenen Schlaf hat, und ich gehe grundsätzlich zu spät ins Bett, damit ich die einzige Freizeit des Tages auskosten kann. Auf der Kur war ich abends durch die Ostseeluft so müde, dass ich oft eindöste, nachdem der Große im Bett war. Der Schlaf war erholsam und ungestört, ich habe das nach 6 unruhigen Jahren sehr genossen. Bis auf wenige Tage konnten wir auch morgens länger schlafen als zuhause. Ich fühlte mich schnell recht ausgeruht. Vor allem die Aktivitäten an der frischen Luft taten mir gut und waren Balsam für meine Seele.

Auch die Zeit mit dem Großen war sehr entspannt, ich konnte eigentlich fast alles mit ihm unternehmen, was ich gern wollte, so dass sich mein sonst sehr hohes Stress-Level deutlich verringert hat. Die Zeit fühlte sich für mich streckenweise fast wie mein Vorkind-Leben an und dieses Gefühl, nach 6 Jahren mal so zu können, wie ich gern wollte, ohne auf alle möglichen Befindlichkeiten Rücksicht nehmen zu müssen, war so toll! Es gab auch keinen Zeitpunkt, wo ich mir gewünscht habe, dass ich ganz allein zur Kur gefahren wäre. Okay, der Große hatte zwischendurch ein paar Tage, wo sein Kopf komplett leer schien und die einfachsten Dinge nicht funktionierten. Das war nervig, aber insgesamt waren wir ein super Team und er zog gut mit. An den letzten Tagen hatte er allerdings starkes Heimweh, die 3 Wochen waren für ihn etwas zu lang. Für mich nicht;-)


Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter, den Umständen (Ort, Unterkunft, Gruppe etc.) und auch mit der Tatsache, dass uns keinerlei Krankheiten heimgesucht haben. Eine mehrtägige Isolation wegen Magen-Darm oder eine Fieberwoche oder Überführung in eine Kinderklinik auf dem Festland (trat alles in unserer Gruppe auf) hätten die Zufriedenheit auf der Kur sicherlich deutlich geschmälert. Insofern bin ich sehr dankbar, dass wir die Zeit komplikationslos ausnutzen und genießen konnten.

Mir hat es sehr gut getan, einen deutlichen Abstand vom Alltag und der Familienkonstellation zu haben. Ich konnte endlich mal reichlich Zeit allein bzw. mit dem Großen verbringen und das hat sowohl mich selbst als auch unsere Bindung gestärkt. Eines meiner Kurziele war übrigens, die Beziehung zu ihm zu intensivieren, die durch die schwierige Anfangszeit (Schreibaby) immer noch geprägt ist. Wir sind sehr zusammen gewachsen und ich sah, wie gut ihm die Ruhe und die Konzentration auf nur eine Bezugsperson bekam. Allerdings realisierte ich aber doch nach der ersten Woche, dass ihm der nahe Kontakt zu anderen Kindern (trotz Kita) fehlte und achtete ab diesem Zeitpunkt mehr darauf, uns bzw. ihn mit seinen Freunden zusammenzubringen. So waren wir oft mit anderen zusammen am Strand, im Wald, auf dem Fußball- oder Spielplatz oder im Toberaum. Wenn ich mir die vielen Fotos von dieser tollen Kindertruppe anschaue, mit ihren bunten Jacken vor dem blauen Meer oder zusammen im Strandkorb sitzend und Karten spielend, wird mir ganz warm ums Herz. Es war eine wunderbare Zeit und ich bin dankbar und glücklich über diese Erfahrungen und Erlebnisse. Gut, dass ich die Kur gemacht habe!

Ich habe versucht, alle Aspekte, die mir wichtig waren, zusammenzufassen und näher zu beleuchten. Wenn ihr noch konkrete Fragen habt, könnt ihr diese gern in den Kommentaren stellen.



Hier findet ihr die anderen Beiträge zu meiner Mutter-Kind-Kur:

Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Die Vorgeschichte
Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Die Planung
Unser Wochenende in Bildern 25./ 26. März 2017 auf der Mutter-Kind-Kur
Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Zwischenstand nach einer Woche
WMDEDGT? am 5. April 2017 - auf der Mutter-Kind-Kur

Mit diesem Beitrag nehme ich auch an der Blogparade #meinekur vom Blog Landfamilie teil.

Alle Fotos: Copyright Frühlingskindermama

Mittwoch, 5. April 2017

WMDEDGT? am 5. April 2017 - auf der Mutter-Kind-Kur

Heute mache ich mal bei der Aktion "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?" (#wmdedgt) von Frau Brüllen mit und berichte von unserem Tag auf der Mutter-Kind-Kur mit dem Großen. Da der Mann und die Kleine, die uns ein paar Tage besuchten, heute abreisten, räumen wir morgens die Ferienwohnung leer und stellten uns auf einen tränenreichen Abschied ein. Genauso kam es, beide Kinder weinten bitterlich und markerschütternd, als wir uns vor dem Haus verabschiedeten. Die im Auto angeschnallte Kleine streckte ihre Ärmchen weinend nach mir aus und der Große wollte mit nach Hause fahren, weil er nicht gern in die hiesige Kinderbetreuung geht. Es war wirklich furchtbar für alle und wir machten das so kurz wie möglich.


Nach der Abfahrt der beiden brachte ich den Großen - auch unter vielen Tränen - um 8:50 Uhr in die Kinderbetreuung. Ich fragte die Erzieherinnen, ob er sein Kartenspiel mit in den Gruppenraum nehmen könne (er liebt Kartenspiele) und rief einen Jungen, mit dem er zuletzt mal Fußball gespielt hatte, dass er ihn an der Hand nehmen und hineinführen solle. Er weinte, aber es klappte halbwegs und ich raste zu meinem Termin um 9:00 Uhr. Auf dem Programm stand die 3. Kursstunde "Selbstfürsorge", ein wirklich toller Austausch unter sehr verschiedenen, reflektierten Mamas, die alle ähnliche Probleme haben, wenn auch in unterschiedlichen Umständen. Es war wieder eine schöne Stunde.

Danach hatte ich eine halbstündige Pause, in der ich die Dinge, die wir in die Ferienwohnung geschleppt hatten, wieder in unserem Kur-Zimmer platzierte. Um 11 Uhr ging es weiter mit Wirbelsäulengymnastik, heute auf dem Pezziball. Danach ging ich zum Mittagessen, holte mir einen Kaffee auf's Zimmer und hielt eine Mittagspause (13:00-14:30 Uhr). Der Mann informierte mich derweil, dass er zuhause angekommen sei, die Kleine aber im Auto mehr als die Hälfte der Strecke geweint habe. Oje. Dabei war er extra noch zur Ablenkung mit ihr in Karl's Erdbeerhof gewesen. Auch zuhause weinte sie viel. Sie tut mir echt leid, aber ich bin immer noch überzeugt davon, dass es richtig war, sie nicht mitzunehmen. Dass sie mich wiederum 3 Wochen gar nicht sieht, hätte ich auch nicht über's Herz gebracht.

Um 14:30 Uhr startete mein Kurs "Autogenes Training", eine halbe Stunde Entspannung auf Knopfdruck, was mal besser, mal schlechter funktioniert. Direkt anschließend fand die letzte Einheit Beckenboden-Training statt, bis 15:45 Uhr. Ich raste danach gleich zur Kinderbetreuung und rechnete damit, einen traurigen Großen vorzufinden, aber zum ersten Mal überhaupt auf der Kur kam er mir nicht weinend in die Arme gerannt, sondern saß vergnügt mit seinem Freund am Tisch, spielte mit seinen Karten und bat mich sogar, noch ein wenig zu warten. Ich war sehr erstaunt und erleichtert. Er sagte selbst, dass es ihm heute zum ersten Mal Spaß gemacht habe. Puh! Als ich ihm dann noch erzählte, dass wir uns später mit seinen Freunden zum Fußball-Spielen treffen würden, was ich schon mit den jeweiligen Eltern verabredet hatte, war die Freude groß. Er wirkte sehr ausgeglichen und fröhlich, ein großer Kontrast zu den letzten Abholsituationen.

Nach der Betreuung wurde erstmal im Strandkorb gesnackt und erzählt. Wir gingen noch kurz Einkaufen und dann spielten die vier Jungs ein bisschen Fußball. Es war allerdings recht frisch und windig und sie hielten nicht lange durch. Stattdessen setzten wir uns noch in die Klön-Ecke in unserem Kurhaus und die Jungs spielten nochmal mit Begeisterung Karten. Dann aßen wir alle gegen 18 Uhr Abendbrot. Da wir die letzten Tage fast immer in der Ferienwohnung gegessen hatten, war das wieder spannend. Nach dem Abendbrot trafen sich die Jungs erneut und enterten den Toberaum. Ganz glücklich und ausgepowert war der Große und das war so schön zu sehen. Er hatte noch einen kurzen Papa-Vermissens-Anflug, aber äußerte nicht wie bisher jeden Abend, dass er keinesfalls morgen wieder in die Betreuung gehen würde. Mal sehen, wie es dann morgen läuft.

Ich freue mich auf unsere letzte Kurwoche, mit viel frischer Luft, schönen Ausflügen und Freunden für den Großen, was für ihn doch wichtiger zu sein scheint, als ich ursprünglich dachte und was ich ja nun nach der ersten Woche auch mehr berücksichtigt habe. Es war schön, ihn nach diesem emotional aufreibenden Morgen so ausgeglichen zu erleben. Wenn nun noch die Kleine nicht so arg traurig wäre, könnte ich die Zeit so richtig genießen. Denn ich selbst fühle mich weiterhin sehr wohl hier.

Mittwoch, 29. März 2017

Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Zwischenstand nach einer Woche

Heute sind wir genau eine Woche auf unserer Mutter-Kind-Kur und, so wie ich heute eine kleine Zwischenvisite hatte, möchte ich auch einen kleinen Zwischenbericht schreiben. Die ersten Tage waren wir mit der Umstellung und dem Einleben beschäftigt, lernten die Umgebung kennen und mussten schauen, wie der Hase läuft. Ich hatte ärztliche und psychologische Termine, der Große schnupperte in seiner Kinderbetreuung und dann startete das Kursprogramm. Wir hatten wunderschönes Wetter und verbrachten viel Zeit draußen am Strand und im Wald. Die ersten Tage hat der Große alles wunderbar mitgemacht, war sehr kooperativ und wirkte auch zufrieden. Die letzten beiden Tage hatte er einen Durchhänger, der sich deutlich bemerkbar macht.

Mir gefällt es sehr gut, ich bin positiv überrascht und fühle mich grundsätzlich wohl. Meine Kurse/ Anwendungen sind angenehm, zusätzliche Termine habe ich abgelehnt, weil ich lieber mehr Zeit für mich haben möchte. Den langsamen Start in der Kinderbetreuung empfand ich als sehr positiv und ich hatte die Hoffnung, dass der Große sie problemlos akzeptiert, was am Anfang auch der Fall war. Leider fällt es ihm mit jedem Tag schwerer, mich loszulassen und seine Betreuung dort zu akzeptieren. Das ist aber unabdingbar dafür, dass ich meine Termine wahrnehmen kann und mich erhole. Immerhin ist es insgesamt eine kürzere Betreuung als zuhause, an vielen Tagen nur halbtags und wenn der Mann und die Kleine zu Besuch kommen, können wir ihn natürlich auch ganz herausnehmen. Aber man darf eben nicht vergessen, dass es eine komplett neue Situation für die Kinder ist, fremde Erzieher, fremde Kinder, fremde Räumlichkeiten, und sie sich auch erstmal an den anderen Rhythmus gewöhnen müssen. Fast alle Kinder tun sich mit der Betreuung dort schwer. Durch das enge Zusammensein mit der Mama sind sie halt auch viel stärker als vielleicht zuhause auf sie fixiert und empfinden eine Trennung umso schmerzhafter. Dazu kommt Heimweh und Vermissen, ungewohntes Essen und möglicherweise auch ein verändertes Verhalten der Bezugsperson.

Mir fällt es hier deutlich schwerer als zuhause, ihn abzugeben, wenn er traurig und widerwillig ist. Er hat sich noch nie leicht mit Betreuung getan und das ist in 5 Jahren Kita auch nicht wesentlich leichter geworden. Auch zuhause ist er jeden Morgen traurig, hat Probleme mit dem Situationswechsel und würde, wenn man ihm die Wahl ließe, sich immer für's Zuhause-Bleiben entscheiden. Die Wahl haben wir natürlich nicht. Hier gäbe es zwar die Option, ihn gar nicht betreuen zu lassen, was bedeuten würde, dass ich meine Termine nicht wahrnehmen könnte und auch keinerlei Zeit für mich hätte. Das kann nicht Sinn und Zweck der Kur sein. Allerdings finde ich es wirklich deutlich belastender, ihn hier wegen meiner Massagen, Wassergymnastik oder einem Selbstfürsorge-Kurs abzugeben als wegen der Arbeit. Das schlechte Gewissen lässt grüßen. Sobald Mama etwas für sich tut, meldet es sich und dann kann ich die Zeit eben auch nicht genießen. Klar kommt eine erholte Mama auch dem Kind zugute, aber Erholung tritt nur ein, wenn der Kopf sich ausschaltet und man nicht den ganzen Tag grübelt und traurig ist. Ein schwieriges Dilemma. Ich hatte gehofft, dass das einfacher wird.


Was mich betrifft, so merke ich, dass ich zwar im Großen und Ganzen gelassener, geduldiger und ausgeglichener bin, allerdings in Gesprächen oder Gesprächskreisen sehr viele Emotionen hochkommen und schon Stichworte wie Selbstfürsorge genügen, um mir das Wasser in die Augen zu treiben. Es sind sehr viele unbearbeitete, unterdrückte Themen da, die nur angetippt werden, und ich hoffe, dass es demnächst noch ein wenig in die Tiefe geht. Denn was mir immer stärker bewusst wird, ist, dass ich etwas in meinem Leben ändern müsste, aber das gar nicht möglich ist, ohne entweder jemanden anderen oder mich selbst zu schädigen. Und dass viele Dinge im Rahmen der Möglichkeiten schon optimiert sind, der Rest jedoch einfach nicht änderbar ist. Im Prinzip habe ich alles, was ich hier erfahre, schon hunderte Male durchdacht und gedanklich gewälzt.

Weiterhin merke ich immer deutlicher, dass ich einfach nur allein sein und meine Ruhe haben will. Weder möchte ich am Tisch mit anderen Leuten zusammen essen und das gleiche Theater haben wie zuhause noch möchte ich die Intensität und Exklusivität im Zusammensein mit dem Großen dadurch aufweichen, indem ich mit anderen Mamas und deren Kindern Ausflüge etc. mache. Wir sind eine nette Gruppe und einige haben sich gleich von Anfang an zusammen getan, aber ich will das nicht, mir ist das schon zuhause zuviel und ich genieße es gerade hier so, dass ich Ruhe allein oder zu zweit habe. Das war ja auch eines meiner wichtigsten Ziele für die Kur, nicht nur für mich, sondern auch für den Großen, der oft ebenfalls unter dem häuslichen Trubel, den Geschwisterkonflikten und fehlenden Rückzugsmöglichkeiten leidet. Es scheint aber so, als würde er doch auch mittlerweile andere Kinder vermissen. Nun waren blöderweise seine beiden Freunde seit 3 Tagen in Quarantäne und das merkt man ihm an. Wäre das nicht passiert, würde er vielleicht heute nicht so traurig und ablehnend sein, wie er ist. Dadurch, dass ich die Einsamkeit suche, hat er eben auch nicht so die Chance, andere Freunde zu finden. Deshalb war ich heute Abend bewusst mit ihm im Tobe- und Spielraum (was ich nicht mag) und er hat es sichtlich genossen, mit ein paar anderen Kindern zu spielen. Danach ging es ihm besser, was mir wiederum auch sehr gut tat.

Insgesamt kommen wir gut miteinander klar, bis auf immer wiederkehrende Dinge, die auch zuhause ein Problem sind (Anziehen...). Er hat viel weniger Frust auszuhalten als zuhause, der durch die Schwester und auch den Papa entsteht, wie er mehrfach sagte. Die Kämpfe und Scharmützel fallen vollständig weg und das tut ihm gut und mir genauso. Die ständigen Ausraster oder Boykotte wie in letzter Zeit zuhause fehlen weitestgehend. Daran sieht man, wie ihn die häusliche Situation doch unter Stress setzt bzw. diesen noch verstärkt. Ich finde es schön, ihn so ruhig zu erleben und weiß, dass er noch viel mehr solcher Zeiten zuhause brauchen würde.

Für mich kann ich auch sagen, dass ich den physischen Abstand zu meiner Kleinen sehr genieße. Sie ist ja ein sehr körperbetontes Kind und ich habe sie seit fast 4 Jahren täglich (und nachts) an mir "kleben". Außerdem darf viele Dinge immer noch nur ich machen und ich empfinde das manchmal als sehr einschränkend. Im Moment fühle ich mich deshalb so ein klitzekleines Bisschen wie der Mensch, der ich vor meinen Kindern war, auch wenn der Große bei mir ist, und das ist definitiv ein angenehmes Gefühl. Leider werde ich das zurück im Alltag wohl nicht bewahren können.

Nun bin ich erstmal auf den Besuch des Restes der Familie am Wochenende gespannt und welche Dynamik dadurch entsteht. Für uns liegen noch zwei weitere Wochen Kur vor uns und ich freue mich darauf. Und hoffe inständig, dass der Große wieder etwas bereitwilliger in die Betreuung geht. Denn damit steht und fällt alles.

Sonntag, 26. März 2017

Unser Wochenende in Bildern 25./ 26. März 2017 auf der Mutter-Kind-Kur

Mein Wochenende in Bildern kommt von der Insel Usedom, wo der Große und ich uns derzeit auf Mutter-Kind-Kur befinden. An den Wochenenden gibt es keinerlei Termine und wir können die Zeit gemeinsam nutzen und gestalten. Wir genießen die Exklusivzeit, das Meer, die Sonne, den Wind, ausgedehnte Buchenwälder und viel frische Luft.

Samstag:

Das Wetter war nach einem strahlend sonnigen Freitag morgens wieder bedeckt und frisch. Nach dem Frühstück war der Therapieplan für die kommende Woche im Briefkasten, den ich zurück im Zimmer erstmal studierte (und "Überflüssiges" strich).


Gegen 10 Uhr starteten wir beide zu einer See-Umrundung, auf der wir viele nette Entdeckungen machten. Es war menschenleer überall, soviel Ruhe und Natur gibt es zuhause natürlich nicht direkt vor der Haustür.


Nach etwas Meckerei am Anfang lief der Große dann doch problemlos mit und beschwerte sich nicht mal über den frischen Wind.


Die Schafe auf der Weide hatten schon einige Lämmer bekommen und ich entdeckte einige potentielle Ferienhäuser für den übernächsten Ostsee-Urlaub.


Wir kauften noch ein paar Sachen ein und waren rechtzeitig zum Mittagsessen zurück. Nach der Mittagspause fuhren wir mit der Usedomer Bäderbahn zu Karl's Erdbeerhof in den Nachbarort und verbrachten zwei Stunden dort. Es ist immer wieder schön, besonders in der Nebensaison und bei schönem Wetter, denn die Sonne kam heraus.


Die Kartoffelsackrutsche überlasse ich sonst dem Papa, aber der war nicht da und so musste ich bestimmt 6 Mal zusammen mit dem Großen rutschen. Puh! Den nächsten Nervenkitzel gab es beim Balancieren über's Wasser. Alles gut gegangen.


Zurück mit der Bahn, Abendbrot und dann die Nacht der Zeitumstellung mit einem am nächsten Morgen zeitlich limitierten Frühstück:-)

Sonntag:

Nach dem Frühstück telefonierten wir erstmal mit der Kleinen und dem Papa. Zum Glück verkraftete sie das gut und war schon aufgeregt, denn die Großeltern sollten heute zu Besuch kommen. Danach packten wir unsere Buddelsachen und machten uns auf den Weg zum Strand.


Dort war es herrlich windstill und sonnig, wir buddelten, sammelten Muscheln und schickten Videobotschaften an die Freunde des Großen.


Besonders toll ist es immer, wenn Pferde auf dem Strand vorbeitraben.


Nach dem Mittagessen und der Mittagspause wollte ich eine Wanderung zur dritthöchsten Erhebung Usedoms machen, wusste aber nicht, ob der Große das schafft. Ein wunderschöner Weg mit traumhaften Ausblicken entlang der Steilküste führte uns hinauf.


Eine tolle ursprüngliche Natur!

 
Da eine hinabführende Treppe von der Sturmflut im Januar zerstört war, mussten wir weiter gehen als geplant. Endlich ging es wieder hinunter. Den Rückweg legten wir am Strand zurück, natürlich nochmal mit einer kleinen Buddelpause.


Es war mittlerweile richtig warm geworden. Dann bewunderten wir noch zwei "Angler".


Und auf dem letzten Wegstück durch den Wald sprangen zwei Rehe direkt vor uns über den Weg. Einfach toll, soviel Natur vor der Nase! Wir waren insgesamt 3 Stunden über Stock und Stein und Sand unterwegs und das wäre mit der Kleinen niemals möglich gewesen. So einen langen Strandspaziergang muss ich zuletzt vor der Geburt der Kinder gemacht haben.


Es war ein wunderschönes Wochenende, wir sind erholt, durchlüftet und haben viel erlebt. Es tut so gut, mal aus allem Alltagskram raus zu sein und Zeit nur für den Großen zu haben. Ich freue mich auf die weitere Zeit!

Mehr Wochenenden in Bildern (#wib) gibt es bei Geborgen Wachsen.

Dienstag, 21. März 2017

Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Die Planung

Im letzten Beitrag habe ich über die Vorgeschichte der Mutter-Kind-Kur, die ich mit dem Großen allein bald antreten werde, erzählt. Nun möchte ich ein wenig unsere Planungen beschreiben, denn ich wäre nicht ich, wenn ich einfach abfahren und mir keinerlei Gedanken über uns Wegfahrende und die Zuhause-Bleibenden machen würde. Planungen geben mir Sicherheit und Struktur und sind sehr wichtig für uns, weil wir keinerlei Notfall-Auffangnetz haben. Außerdem wollte ich weder der Kleinen noch mir zumuten, volle 3 Wochen ohne einander zu verbringen. Ich glaube, das schafft sie noch nicht. Dazu kommt, dass der Mann nicht die Kleine täglich in die Kita bringen und abholen kann, ohne immense Minusstunden zu sammeln, die dann wieder auf meine Kosten abgetragen werden müssen. Deshalb habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie die lange Zeit strukturiert, organisatorisch geschafft und abwechslungsreich gestaltet werden kann.

Die Zuhause-Bleibenden

Am ersten Wochenende ohne uns werden meine Eltern sonntags zu Besuch kommen und ausnahmsweise auch bei uns wohnen, was sie sonst nicht tun, weil wir einfach nicht genügend Platz haben. So kann sich die Kleine gut an sie gewöhnen, hat ein bisschen Abwechslung und der Mann wiederum Entlastung. Am Sonntag sollen sie möglichst auch etwas mit ihr allein unternehmen, so dass sich der Mann etwas ausruhen kann. An den nächsten 2 oder 3 Tagen werden sie die Kleine aus der Kita abholen und nachmittags betreuen, bis der Papa von der Arbeit kommt. Da müssen sie mit ihr auch zu ihrem Kindertanzkurs gehen, der dienstags stattfindet. Ich hoffe sehr, dass das funktioniert, denn sie hat die beiden Male, in denen die Großeltern sie bisher (allein, ohne den Großen) abholten, ganz schlimm geweint und wollte nicht mitgehen. Hoffentlich werden sie auch mal was einkaufen, kochen und ein bisschen saubermachen. Auch nach ihrer Abreise werden sie sich die ganze Zeit der Kur über bereit halten, falls es einen Notfall geben sollte. Das müssen sie auch, denn jemand anderen gibt es dafür nicht. Ich habe unseren Kurtermin extra in eine Zeit gelegt, in der sie keine Termine, Urlaube o.ä. geplant hatten, damit sie zum Einspringen zur Verfügung stehen.

Theoretisch würde auch noch eine Kita-Übernachtung für die Kleine an diesem ersten Wochenende stattfinden, aber da weiß sie bis jetzt noch nicht, ob sie teilnehmen möchte.

Am zweiten Wochenende kommen uns der Mann und die Kleine besuchen. Sie haben eine schöne Ferienwohnung ganz in der Nähe der Kurklinik gebucht und bleiben 4 Tage, in denen wir die Insel Usedom, die wir alle noch nicht kennen, entdecken wollen. Da der Große und ich ohne Auto vor Ort sein werden, ist das eine schöne Gelegenheit, dann mal etwas weitere Strecken zu fahren. Es wird sich herausstellen, ob es eine gute Idee war, wenn die Kleine mich wiedersieht und dann erneut von mir getrennt wird. Sicherlich wird das nicht einfach sein. Aber die Alternative, sie 3 Wochen gar nicht zu sehen, würde ich nicht schaffen und für sie wäre das auch nicht gut. Sie hängt sehr an mir und wird mich arg vermissen. Also gibt es ein Wiedersehen genau in der Mitte der Kur, ein paar gemeinsame Urlaubstage und eine erneute Trennung. Der Mann hat sich die gesamte Woche Urlaub genommen, kann also nach der Rückkehr der beiden nach Berlin noch 2 Tage entspannen, wenn die Kleine wieder in die Kita geht, und sie so auch besser auffangen, sollte sie arg leiden.

Bildquelle: Pixabay

Das dritte Wochenende wird er allein mit ihr sein, da können sie sich dann hoffentlich schon im Garten aufhalten, alles österlich dekorieren und die letzten Tage Exklusivzeit genießen. Am darauffolgenden Mittwoch kommen wir wieder. Am Donnerstag habe ich Urlaub genommen, der Große soll aber wieder in die Kita gehen, allerdings nur diesen einen Tag, denn danach ist schon das Osterwochenende. Und das werden wir dann auch brauchen, um uns alle wieder aneinander zu gewöhnen;-)

An zwei einzelnen Tagen wird die Kleine von einer befreundeten Mama aus der Kita mitgenommen und der Papa holt sie später dort ab. Wenn alles wie geplant klappt, hat der Mann lediglich 4 Tage in diesen 3 Wochen, an denen er durch das Bringen und Abholen der Kleinen Minusstunden machen muss. Alle anderen Tagen werden durch freie Tage, Urlaub oder andere Abholer abgedeckt. Das finde ich sehr beruhigend. Nun kann natürlich noch das eine oder andere dazwischen kommen, damit muss man rechnen. Aber ich finde die Planung erstmal relativ wasserdicht und vor allem abwechslungsreich, so dass sich die 3 Wochen, bis wir wiederkommen, hoffentlich nicht zäh wie Kaugummi ziehen werden. Sie haben den Vorteil, in ihrer gewohnten Umgebung zu sein, allerdings muss neben Arbeit und Betreuung der Kleinen der gesamte Haushalt allein vom Mann am Laufen gehalten werden. Da habe ich es einfacher, muss ich mich doch auf der Kur um nichts außer der Wäsche kümmern. Andererseits muss man zugute halten, dass bei nur 2 Personen ja deutlich weniger Dreck, Wäsche und Einkauf anfällt als zu viert.

Der Große und ich

Wir beide werden mit der Bahn nach Usedom fahren und demzufolge nicht mehr als zwei Koffer mitnehmen können. Natürlich müssen da genügend Beschäftigungsmöglichkeiten für den Großen dabei sein. Größeres Spielzeug können wir uns vor Ort ausleihen, einen Ball und Buddelzeug werde ich vielleicht kaufen. Eventuell können wir uns auch Fahrräder ausleihen, mal sehen. Im Ort gibt es mehrere Spielplätze, der Strand ist 5 Minuten entfernt und Karl's Erdbeerhof existiert seit einem Jahr im Nachbarort.

Wir werden sicherlich ein paar Tage brauchen, um alles zu erkunden und uns einzuleben. Der Große muss allerdings von Anfang an in die Kinderbetreuung gehen, denn eine Eingewöhnung ist in Kurkliniken nicht vorgesehen. Ich kann nur hoffen, dass das problemlos funktioniert. Ich selbst möchte neben den obligatorischen Anwendungen und Terminen vor allem viel Zeit allein verbringen, lesen, spazieren und einfach die Seele baumeln lassen. Ich möchte versuchen, den ständigen Druck des Funktionieren-Müssens mal etwas abzuschütteln. Gleichzeitig freue ich mich auf die Zeit mit meinem Großen, die wir intensiv und ungestört zusammen verbringen können. Ich möchte mit ihm auch ein paar Ausflüge machen, aber vor allem die nähere Umgebung gemeinsam erkunden. Da ich kein Auto vor Ort haben werde, sind wir auf die UBB (Usedomer Bäderbahn) und den Nahverkehr angewiesen.

Ich möchte explizit auch mal raus aus dem Familienhamsterrad. 6 lange Jahre war und bin ich nun für erst ein Kind, dann zwei Kinder dagewesen und werde dies natürlich auch weiterhin sein. Aber eine kleine Pause, eine kleine Veränderung tut jedem mal gut. Meine Kinder mögen gern Exklusivzeiten mit einem Elternteil und ich selbst mag es gern, mich auf ein Kind zu konzentrieren. Es ist für mich sehr anstrengend, mich ständig zerteilen zu müssen, Bedürfnisse abzuwägen und Konflikte zu schlichten. Von all dem gibt es erstmal eine Pause. Ich freue mich auch darauf, nach 4 Jahren mal wieder allein schlafen zu können, denn obwohl ich das starke Bedürfnis der Kleinen nach körperlicher Nähe auch des Nachts erfülle und seit ihrer Geburt mit ihr zusammen schlafe, bin ich doch von Natur aus eher eine Individualistin und würde lieber gern allein schlafen. Ich brauche das wiedermal. Der Große schläft eigentlich problemlos allein und obwohl wir wenig Platz haben werden, so bin ich doch dadurch mehr für mich als zuhause. Und wenn der Große (hoffentlich!) zuverlässig in die Kinderbetreuung geht, werde ich (hoffentlich!) auch tagsüber etwas Zeit für mich haben, um aus der Anspannung der letzten 6 Jahre mal grundlegend herunterzufahren.

Die Kleine wird mich vermissen und ich sie auch. Das tut sicherlich weh, gehört aber dazu, wenn einer verreist. Ich war in den letzten 6 Jahren nie allein weg, sie war nie lange ohne mich und es wird definitiv eine ungewohnte Situation für alle. Aber wir werden daraus lernen und neue Wege finden, und jedes Elternteil wird mit "seinem" Kind stärker zusammenwachsen. Ich bin gespannt! Morgen geht es los.

Je nach WLAN-Qualität werde ich auch zwischendurch von mir hören lassen, und danach gibt es natürlich einen ausführlichen Bericht. Bis bald, ihr Lieben!

Samstag, 18. März 2017

Der erste Kinobesuch des Großen

Heute habe ich es gewagt und war zum ersten Mal mit dem Großen im Kino. Bis vor kurzem hielt ich das noch für zu früh und sah nicht, dass er diese Erfahrung problemlos verkraften würde. Vor ziemlich genau einem Jahr, er war gerade 5 geworden, sollte er mit seiner Kita ins Kino gehen und ich entschied nach vielen Überlegungen und Austausch, ihn davon auszunehmen. Das Für und Wider habe ich hier beschrieben. Das war damals auf jeden Fall die richtige Entscheidung und ich bin immer noch froh, sie getroffen zu haben.

Nun ist er ein Jahr älter und reifer geworden, kann unbekannte Situationen besser verarbeiten und wir waren in diesem Winter ein paarmal im Planetarium, wo es 45-minütige Kindervorstellungen gibt, die mit einem Kinobesuch vergleichbar sind. Das hat er gut mitgemacht. Zuhause schauen wir übrigens immer noch kein TV. Ich hatte schon im Hinterkopf, mich nun mit ihm mal ins Kino zu wagen, wollte aber einen absolut harmlosen Film schauen und freute mich deshalb sehr, als ich zwei Freikarten für "Die Häschenschule" gewann. Diesen Film hielt ich für total gut geeignet für seinen ersten Kinobesuch und der Trailer gefiel ihm. Ich suchte ein kleines Programmkino aus, denn keinesfalls wollte ich ihm einen großen Kinosaal in einem Multiplexkino zumuten, wo ich es selbst immer als viel zu laut und überfordernd empfinde.


Heute Nachmittag war es nun soweit. Wir beide fuhren mit dem Bus zu dem kleinen Kino, suchten uns Plätze in der vorletzten Reihe und am Rand, damit wir schnell raus konnten, falls es nötig sein sollte. Ich sagte ihm, dass er mir sofort Bescheid geben sollte, wenn für ihn irgendetwas komisch oder unangenehm wäre, und wir dann sofort rausgehen könnten. Zum Glück war die Leinwand klein, wir saßen weit hinten und der Sound war angenehm normal, nicht so ohrenbetäubend wie in großen Kinos. Als es losging, war ich sofort sicher, dass alles gutgehen würde. Er hatte keine Scheu vor der Dunkelheit und saß auch nicht stocksteif und mit weit aufgerissenen Augen da, wie sonst manchmal, wenn ihn etwas überfordert. Ich hatte das richtige Kino, den richtigen Film und die richtigen Plätze für den ersten Kinobesuch des Großen ausgesucht.


Der Film "Die Häschenschule" war wirklich süß und lustig, in der zweiten Hälfte lachten viele Kinder, darunter auch mein Großer, herzhaft, und er fieberte richtig mit. Ich fand ihn auch gar nicht zu kindlich für ihn. Die Bilder waren angenehm, der Schnitt nicht zu schnell und die Szenen nicht wild. Perfekt für ihn. Er hielt auch die 75 Minuten gut durch, fragte nicht einmal, wann der Film zuende sei und wirkte hinterher überhaupt nicht verwirrt oder irgendwie mitgenommen. Das war so schön für mich zu sehen. Er sagte, dass es ihm gefallen hätte und erzählte zuhause von den Abenteuern des Stadthasen Max. Als ich ihn fragte, ob er sich denn Kino so vorgestellt hatte, sagte er nur "größer". Darauf erwiderte ich, dass ich extra ein kleines Kino für sein erstes Mal ausgesucht hatte und es weitaus größere Kinos gibt. Er wirkte absolut ausgeglichen und zufrieden, was nicht oft der Fall ist, wenn er etwas zum ersten Mal macht. Bei neuen Erfahrungen braucht er wie ich meist 2-3 Anläufe bzw. Wiederholungen, bis er sich daran gewöhnt hat. Umso schöner, dass er dieses Erlebnis problemlos verdaute.

Für ihn war es genau richtig, bis jetzt mit einem Kinobesuch zu warten. Er ist nun 6 Jahre alt und reif genug für solche Erfahrungen, wenn man sie gut vorbereitet und sie in einem für ihn passenden Rahmen ablaufen. Sicherlich wäre das in einem großen Multiplexkino oder ohne vertraute Bezugsperson anders verlaufen. So aber war ich dabei, konnte seine Reaktionen beobachten und sofort reagieren, falls nötig. Ich war ziemlich schockiert, dass richtig kleine Kinder, vielleicht 2,5 Jahre alt, ebenfalls mit im Saal saßen, vermute aber, dass diese Kinder dann auch zuhause viel fernsehen und an diese Bilderflut "gewöhnt" sind. Ich habe auch von einem Kindergeburtstag von 3-Jährigen gehört, der in einem Kino stattfand. Das finde ich viel zu früh.

Zuletzt blieb noch sein Verhalten zuhause abzuwarten, denn wenn er überreizt ist, dann dreht er oft zuhause völlig durch, weint oder meckert viel und ist durch den Wind. All das war nicht der Fall, er verhielt sich völlig normal, lachte viel und war ganz ausgeglichen. Definitiv die beste Bestätigung für einen gelungenen Nachmittag. Ich bin sehr froh darüber, so lange gewartet zu haben, egal, was andere Leute sagen oder anders machen. Warum soll ich mein Kind mit etwas konfrontieren, was ich noch nicht als geeignet empfinde, nur weil andere Kinder das in einem jüngeren Alter schon mitmachen? Jedes Kind ist anders und ich habe die Verantwortung, dieses Kind so zu begleiten, dass es eben nicht überfordert wird, sondern entsprechend seiner Voraussetzungen möglichst optimal aufwachsen kann. Denn ich muss ja auch die Konsequenzen tragen, wenn ein Experiment scheitert, z.B. Alpträume, Ängste, Verweigerung aushalten und heilen.

Ich bin total im Reinen mit dieser ganzen Kino-Geschichte, sowohl was das lange Abwarten und die letztjährige Entscheidung gegen den Kinobesuch mit der Kita, als auch was das heutige Ausprobieren angeht. Und wenn er die Geschichte des Films noch einmal hören will, werde ich ihm das zugehörige Buch "Die Häschenschule"* kaufen. Es ist ja ein Klassiker und passt perfekt zur bevorstehenden Einschulung des Großen. Ich würde aber auch weiterhin kleine Kinos, harmlose Filme und Plätze weit hinten wählen, damit sein erstes Kinoerlebnis von weiteren positiven gefolgt wird. Abgesehen von dem gelungenen ersten Kinobesuch war es wieder eine schöne Exklusivzeit mit meinem Großen, von der es bald auf unserer Mutter-Kind-Kur viel mehr geben wird, und ein weiterer Test für den Mann und die Kleine, die dann viel Zeit zusammen verbringen werden.

Wann wart ihr das erste Mal mit euren Kindern im Kino? Sind eure Kinder unproblematisch, was solche Erfahrungen angeht, oder ähnlich sensibel wie mein Großer?

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Fotos: Frühlingskindermama

Dienstag, 14. März 2017

Zur Mutter-Kind-Kur mit dem Großen: Die Vorgeschichte

In einer Woche werde ich mit dem Großen zur Mutter-Kind-Kur fahren. Ja, nur mit dem Großen. Und ja, zur Mutter-Kind-Kur, was für mich lange Zeit niemals infrage gekommen wäre. In all den vergangenen Jahren war ich gegenüber Mutter-Kind-Kuren sehr skeptisch eingestellt. Ich hatte einfach zu viele negative, abschreckende Berichte gelesen und gehört, zu viele Mütter erlebt, die nach einer solchen Kur fix und fertig waren und sich erst einmal von Grund auf erholen mussten. Das hätte mir nach jahrelanger Erschöpfung endgültig den Todesstoß gegeben.

Besonders diejenigen, die mit (mehreren) kleinen Kindern gefahren waren, berichteten immer, dass der Druck und Stress eigentlich höher gewesen seien als zuhause. Oft taten sich die Kleinkinder mit der Fremdbetreuung auf der Kur schwer (es gibt in den meisten Fällen keine Eingewöhnung), meist wurden sie bzw. die ganze Familie krank, es gab keine Entlastung am Wochenende wie zuhause, sondern man war wirklich allein verantwortlich und die Kinder hatten mit Heimweh zu kämpfen. Nicht zu vernachlässigen ist auch eine zu hohe Erwartungshaltung von Müttern. Man erhofft sich nach vielen Jahren des Funktionierens massive Verbesserungen des physischen und psychischen Allgemeinzustandes. Natürlich kann aber eine 3-wöchige Kur nicht den gesamten Alltagsrhythmus zuhause verändern und ein paar Massagen und Vorträge können keine grundsätzliche Entspanntheit bewirken. Auch ist es sicherlich nicht so, dass die Freizeitstunden, sofern man sich den Wochenplan nicht zu voll knallt, die Alleinverantwortung und Mehrbelastung aufwiegen, vor allem mit mehreren Kindern. Wenn man Glück hat, hält sich das die Waage. Die beengte Wohnsituation, die Inflexibilität beim Essen, die fremde Umgebung kommen als Druckfaktoren dazu, neben Heimweh/ Vermissen, Einsamkeit, fehlender Mobilität, falls kein Auto vor Ort ist, und vielleicht auch Kindern, die sich mit der Umstellung schwer tun.

Eine Mutter-Kind-Kur, vor allem mit meinen beiden Kindern, die bekanntlich nicht die friedlichsten und harmonischsten Geschwister sind, war ein No-Go für mich. Danach wäre ich mit Sicherheit völlig erschöpft gewesen. Die vielen Negativ-Berichte bestätigten meine ablehnende Haltung. Irgendwann Mitte des letzten Jahres, als meine Rückenschmerzen trotz langanhaltender Physiotherapien einfach nicht besser, sondern fast noch schlimmer wurden, als ich dazu merkte, dass ich im Alltag eigentlich kaum Zeit für regelmäßige Physiotherapie hatte und diese Termine mich noch zusätzlich belasteten und stressten, dachte ich zum ersten Mal ernsthaft über eine Kur nach, wusste aber von Anfang an, dass ich davon nicht primär eine Verbesserung meiner Beschwerden erwarten, sondern sie lediglich als Auszeit vom Alltag ansehen würde.

Bildquelle: Pixabay

Ich liebäugelte damals schon mit dem Gedanken, mit dem Großen allein zu fahren, was aber noch utopisch war, da die Kleine jegliches Insbettbringen durch den Papa ablehnte. Im September sprach ich das Thema schüchtern bei meiner Frauenärztin an und sie unterstützte mich sofort. Sie begleitet mich seit der Schwangerschaft mit der Kleinen und kennt unsere schwierige Geschichte mit dem Großen, unsere Situation und meine Verfassung etwas. Sie sagte zu, den Antrag zu befürworten.

Um das Antragsformular zu bekommen, musste ich bei meiner Krankenkasse anrufen und meine Situation ausführlich schildern. Nein, das Formular gibt es nicht online, anscheinend will man von zu einfacher Antragstellung abschrecken. Ich war darauf nicht vorbereitet und hatte das Gefühl, ich wirkte nicht sehr überzeugend. Ich zweifelte ja selbst noch an dem Kur-Gedanken! Aber ich bekam das Formular zugeschickt, füllte es aus und schickte es zu meiner Frauenärztin. Ich sagte mir, ich könne immer noch entscheiden, ob ich es endgültig einreichen würde. Eigentlich wäre eine Kur allein am nötigsten gewesen, aber dass ich das dem Mann nicht zumuten konnte und mir selbst nicht erlauben würde, war klar. Mit beiden Kindern wollte ich aber auf keinen Fall fahren. Und so wälzte ich die Möglichkeiten hin und her.

Warum nur mit dem Großen?

In der Zeit, in der ich mich mit dem Gedanken grundsätzlich beschäftigte, wurde die Idee, mit dem Großen allein zu fahren, immer größer. Ich hatte auch im Antrag angegeben, dass wir einen sehr schwierigen Start (und damit meine ich die ersten 4 Jahre) miteinander hatten und ich durch so eine gemeinsame Erfahrung gern noch mehr mit ihm zusammenwachsen würde. Auch war die Gelegenheit im Jahr vor seiner Einschulung günstig. So einfach könnte ich ihn später als Schulkind nie wieder loseisen. Ein weiteres Argument war, dass ich mir bei ihm zwar nicht sicher war, aber sehr stark hoffte, dass er mit seinen nun 6 Jahren die eingewöhnungslose Fremdbetreuung akzeptieren würde. Zwar hat er immer wieder Trennungsängste, aber ist auch verständig genug, um eine zeitweise Trennung einzusehen, damit ich mich erholen kann. Die Kleine ist zwar mutiger, immerhin ist es ihr zu verdanken, dass beide Kinder nach Weihnachten erstmals allein in der Kinderbetreuung unseres Stamm-Ferienparks blieben. Aber sie ist auch unberechenbarer und sehr von der Chemie zu einer Erzieherin abhängig und würde allein mit mir wahrscheinlich noch mehr an mir hängen als ohnehin schon. Ein unproblematische Fremdbetreuung des Kindes ist für mich persönlich eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erholsame Kur und wäre mit ihr nicht garantiert gewesen. Beim 6 Jahre alten Großen kann ich mir natürlich auch nicht sicher sein, ob es klappt, aber ich hoffe stark auf seine Einsicht und Bereitschaft und spreche viel mit ihm darüber.

Dass ich nach seinerzeit 3 1/2, mittlerweile fast 4 Jahren, in denen ich eindeutig die wichtigste Bindungsperson für meine Kleine war, mal etwas Abstand von ihr haben wollte und brauchte, spielte auch mit hinein. Niemals hätte ich sie aber zu einer Zeit allein gelassen, in der sie noch sehr stark auf mich angewiesen war. Das größte Problem war weiterhin das Schlafengehen, was nur mit mir möglich war. Im Herbst 2016 machte sie dann endlich große Fortschritte und schaffte es, sich trotz meiner Anwesenheit freiwillig vom Papa ins Bett bringen zu lassen. Damit fiel ein großer Unsicherheitsfaktor meines Planes weg. Zwar will sie derzeit wieder NUR von mir ins Bett gebracht werden, aber ich weiß, sie wird das schaffen, denn die ursprüngliche Hürde ist überwunden. Als dies absehbar war, wurde ich immer sicherer, dass ich mit dem Großen allein fahren könnte.

Trotzdem hatte ich sehr viele Bedenken und ein schlechtes Gewissen, die Kleine zuhause zu lassen, verständlicherweise. Immerhin war sie noch nie mehr als 15 Stunden von mir getrennt, hängt stark an mir und auch ich würde ihre Frohnatur, ihr liebevolles, patentes, quirliges Wesen sehr vermissen. Dafür hätte der Große endlich mal eine längere ungestörte Exklusivzeit mit mir. Ihr wisst, wie gut meinen Kindern Exklusivzeiten tun (siehe auch dieser Bericht). Eine Kollegin und die liebe Sandy vom Blog Ein Haufen Liebe, die ebenfalls mit ihrem gleichaltrigen Großen auf Mutter-Kind-Kur fahren würde (mittlerweile schon zurück) und ihre Kleine zuhause ließ, halfen mir mit Ratschlägen und beruhigten mich. Es war in jedem Fall kein einfacher Entscheidungsprozess.


Nach unserem Herbsturlaub war das von meiner Frauenärztin ausgefüllte Formular im Briefkasten und ich schickte es gleich weiter an die Krankenkasse. Nur den Großen als Begleitkind einzutragen fühlte sich wirklich sehr komisch an. Ehrlich gesagt, rechnete ich nicht mit einer Bewilligung, denn es gibt sicherlich viele Frauen, die in einer noch viel anstrengenderen Situation sind als ich und stärkere physische oder psychische Probleme haben. Aber bei einer Mutter-Kind-Kur handelt es sich ja auch um eine Präventionsmaßnahme, die vor einem endgültigen Zusammenbruch bewahren und neue Energie für den Alltag geben soll. Genau das brauche ich.

Als kaum anderthalb Wochen später (Anfang November) die Bewilligung kam, konnte ich es trotzdem kaum glauben. Die Gefühle waren gemischt. Die von der Krankenkasse festgelegte Kurklinik und den Ort kannte ich nicht. Als ich aber nachschaute und sah, dass wir nach Usedom fahren würden, freute ich mich total, denn dorthin wollte ich schon immer mal und irgendwie hatte es noch nie (bis auf einen ganz kurzen Besuch) geklappt. Von der Kurklinik wurde ein Termin im Dezember vorgeschlagen. Dieser passte aber aus diversen Gründen überhaupt nicht und ich fragte deshalb einen Termin im März/ April an. Und nun ist es bald soweit. Wir sind sehr gespannt, ohne aber mit zu vielen Erwartungen heranzugehen (eine schwierige Balance), und ich werde selbstverständlich berichten.

Im nächsten Teil lest ihr etwas über unsere Planungen, sowohl was den Aufenthalt vom Großen und mir auf Usedom angeht als auch für die Organisation zuhause.

Wart ihr schon einmal zur Mutter-Kind-Kur, evtl. sogar auch nur mit einem Kind? Was könnt ihr berichten? Oder seid ihr skeptisch, vielleicht aus den gleichen Gründen wie ich bisher?

Samstag, 11. März 2017

Der 6. Geburtstag des Großen

6 Jahre !! Das Kind, das vor 6 Jahren mit seiner Geburt unser Leben auf den Kopf stellte, ist am 6. März 6 Jahre alt geworden! Das ist toll, das ist phantastisch, das ist unglaublich. Ich freue mich immer noch über jeden Geburtstag meiner Kinder, über jedes Älterwerden, und bin überhaupt nicht wehmütig. Nein, schnell vergangen sind die 6 Jahre nicht und in den ersten Jahren habe ich manchmal nicht daran geglaubt, dass wir dieses Alter, ohne durchgedreht zu sein, erreichen würden. Aber nun ist es soweit und ich finde es grandios! Auch die Kinder sprachen immer wieder darüber, es war süß, wie die Kleine fast noch mehr als der Große auf diesen Tag hinfieberte.

Der 6. März war in diesem Jahr ein Montag. Es war relativ unklar, wie der Tag verlaufen würde, da beide Eltern in der Woche davor krank waren. Der Mann gesundete wieder und ging am Geburtstag wieder arbeiten. Ich selbst war noch krankgeschrieben und hätte sowieso meinen freien Montag gehabt. Wir standen ein bisschen früher auf als sonst, damit wir genug Zeit hatten. Morgens wurden natürlich erstmal die Geschenke begutachtet und ausgepackt, allerdings nicht bevor die Kleine nicht angezogen war. Das ist ihr selbst sehr wichtig und ich bin da eigentlich genauso, schaffe es aber mit den Kindern nicht mehr, mich an Geburtstagen morgens fertigzumachen. In Rekordzeit rissen die Kinder die Geschenke auf; der Große wollte eigentlich langsamer machen, aber die Kleine schleppte eins nach dem anderen an. Weiter unten liste ich auf, was genau er geschenkt bekam. Er wirkte rundum zufrieden; wichtig war ihm, dass etwas von Lego dabei ist, hatte er doch Angst, nichts davon zu bekommen, da er zuletzt kaum noch mit seinem Lego spielte. Er baut es halt immer rasend schnell zusammen und dann steht es unbenutzt und unbespielt herum. Ein teures Hobby...


Nach der Geschenkeschlacht und dem Frühstück brachte der Mann die Kinder in die Kita, fuhr zur Arbeit und ich kurierte mein Kranksein weiter aus. Eigentlich wollte ich den Großen einzeln als Mittagskind und die Kleine später abholen. Da ich den Weg zur Kita aber aufgrund meiner Schlappheit nicht 4-mal gehen wollte, entschied ich, beide Kinder zusammen nach dem Mittagessen abzuholen. Der Große war in der Kita gefeiert worden und beide freuten sich, Mittagskinder zu sein, was sehr selten vorkommt.

Um 13 Uhr waren wir zurück zuhause und sie fingen an, mit den Geschenken zu spielen. Der Große startete mit seinem Lego-Geschenk* und die Kleine wollte mit mir spielen, was etwas doof war, weil ich mich eigentlich mit dem Geburtstagskind beschäftigen wollte. Dann riefen noch die Großeltern an und um 15:30 Uhr machten wir uns fertig, weil wir mit dem Papa Eisessen fahren wollten.


Wir schlemmten uns durch die Karte, wie gewohnt zügig, da die Kinder einfach kein Sitzfleisch haben und keine Genießer sind. Später trafen wir uns wieder zuhause, weil ich noch etwas erledigen musste, und fuhren ein paar Runden mit dem neuen Fahrrad des Großen, das er sofort wieder hervorragend beherrschte.
 

Abends waren wir ganz schön geschafft, der Große klagte über Kopfschmerzen, ich war noch krank und alle ziemlich platt. Dabei war es eigentlich ein ruhiger Tag gewesen. Am nächsten Kita-Tag durfte sich der Große 3 Kinder aussuchen, mit denen er zusammen Kuchen gebacken hat, wie es in der großen Gruppe üblich ist. Eine schöne Tradition, wie ich finde.

Geschenke

Geschenkideen sammeln wir meist im Laufe des Jahres und entscheiden dann, was er zu Weihnachten und was er zum Geburtstag bekommen soll. Nötig war auf jeden Fall ein neues Fahrrad. Sein 16-Zoll-Fahrrad, das er zum 4. Geburtstag bekam, war schon länger zu klein geworden. Schon im Dezember waren wir bei einem großen Fahrradhändler, um Fahrräder probezufahren. Wir schwankten zwischen einem 18-Zoll und einem 20-Zoll-Fahrrad, beim Händler wurde allerdings deutlich, dass es ein 20-Zoll-Rad sein muss. Wir fanden ein Modell, was er sofort sicher fuhr, und kauften dieses später gebraucht in einem sehr guten Zustand. Dies wurde das Hauptgeschenk der Großeltern, die aus der Ferne gratulierten.

Von uns bekam er die große Kalenderuhr*, ein Lego Ninjago-Set*, das Spiel "Die Logik-Piraten"*, einen Technik Experimentierkasten* und das Buch "Eliot und Isabella und die Jagd nach dem Funkelstein"*. Daneben stand sein neuer, erster Schulranzen auf dem Geschenketisch, ein Ergobag Kobärnikus*, über den ich separat berichten werde.


Kindergeburtstag

Am heutigen Samstag, dem 11. März, hatten wir 4 Kinder zur Geburtstagsfeier eingeladen. Wir hatten erstmals in Erwägung gezogen, woanders zu feiern, entschieden uns aber dann doch für zuhause. Da noch Dekosachen vom letzten Jahr vorhanden waren, als ich vorsorglich für 2 Mottos einkaufte (Piraten und Ritter), weil sich der Große lange nicht entscheiden konnte, griffen wir auf die übriggebliebenen Rittersachen zurück und überzeugten den Großen, etwas abgewandelt, einen Drachengeburtstag zu feiern.


Einen großen Kuchen wie in den letzten Jahren traute ich mir zu diesem Motto aber nicht zu. Deshalb probierte ich diese kleinen Drachen-Kastenkuchen (Bastelvorlage von DM) aus und das reichte völlig aus.


Zusätzlich zu unserem schon vorhandenen Dekokram* besorgte ich noch Drachenmasken* zum Ausmalen, Drachengleiter zum Zusammenbauen*, Drachen-Tattoos* und eine Drachenfigur sowie Kleinigkeiten für die Mitgebsel-Tüten.

Eingeladen waren 4 Jungen, die jeder für sich eher ruhige Zeitgenossen sind. Aber man weiß, wie sehr sich Kinder in Gesellschaft gegenseitig aufputschen, und so war der Lärmpegel während des Kindergeburtstages auch sehr hoch. Alle verstanden sich aber sehr gut und hatten sofort einen Draht zueinander. Das war schön zu sehen. Aus Erfahrung heraus hatten wir uns vorgenommen, keine Wettbewerbsspiele zu machen, da die Frustrationstoleranz des Großen dafür noch nicht ausreicht und die Stimmung kippen würde. Deshalb spielten wir nach dem Geschenkeauspacken und dem Kuchenessen nur Topfschlagen, bauten die Drachengleiter zusammen und malten die Drachenmasken aus.


Das machte allen Spaß und sorgte für gute gemeinschaftliche Stimmung. Daneben spielten die Kinder natürlich auch frei und machten allerlei Lärm und Radau. Aber es wurde viel gelacht und die Stimmung war locker. Als alle abgeholt waren, merkten wir Eltern doch die Erschöpfung. Das ist normal. Die Kinder wirkten ausgeglichen und nicht sonderlich überdreht, was ein gutes Zeichen ist.

Alles in allem war es eine wirklich nette Feier. Mehr Kinder würde ich allerdings in unsere Wohnung nicht einladen, dazu reicht der Platz einfach nicht aus. Sollte der Große jemals mehr Gäste einfordern, müssen wir den Geburtstag auslagern. Aber das können wir uns in einem Jahr dann überlegen...

Hier findet ihr die Links zu den letzten beiden Geburtstagen des Großen:

Der 5. Geburtstag des Großen

Der 4. Geburtstag des Großen

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