Donnerstag, 22. Februar 2018

Ein Rückblick auf meine beiden Elternzeiten (Blogparade #Elternzeitgeschichten)

Die Provinzmutti hat einen Aufruf gestartet: wir sollen unsere Elternzeitgeschichten aufschreiben und in ihrer Blogparade verlinken. Die entstandene Link-Liste möchte sie sogar ans Bundesfamilienministerium schicken, da ihr in den dortigen Auswertungen immer der menschliche, individuelle Aspekt fehlt. Eine tolle Idee und eine spannende Blogparade. Da mein Blog ja erst deutlich nach meinen Elternzeiten startete, nehme ich an ihrer Blogparade teil und rekonstruiere mal die Fakten und Umstände zu meinen bzw. unseren beiden Elternzeiten, denn mein Mann war ebenfalls länger in Elternzeit.


1. Elternzeit 2011

Meine bzw. unsere erste Elternzeit liegt schon einige Jahre zurück. Nach der Geburt des Großen, unseres ersten Kindes, im März 2011 starteten wir beide, mein Mann und ich, parallel in die Elternzeit (bzw. ich in den Mutterschutz). So hatten wir das vorher vereinbart und so wurde es umgesetzt. Nach vielen Jahren des Kinderwunsches war es für uns beide ein großes Bedürfnis, uns gemeinsam um unser Baby zu kümmern. Wir wollten uns die 14 Elterngeldmonate (12 + 2) gleichmäßig aufteilen, so dass jeder 7 Monate Elterngeld beziehen würde (bzw. ich 5 Monate Elterngeld + 2 Monate Mutterschaftsgeld). Meinem Mann wurden bei der Anmeldung seiner Elternzeit keine Steine in den Weg gelegt, obwohl eine so lange väterliche Elternzeit zu diesem Zeitpunkt noch nicht alltäglich war. Auch mein Arbeitgeber zeigte sich hinsichtlich meines Wunsches einer stufenweisen langsamen Rückkehr in meinen Job sehr kooperativ und stimmte meinem Plan problemlos zu. Wir haben da wirklich keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht und alle Vereinbarungen wurden auch jederzeit eingehalten.

Gesagt, getan. Wir gingen parallel ab Geburt in Elternzeit und waren die ersten 7 Monate zusammen zuhause. Allerdings hatten wir uns unsere gemeinsame Elternzeit völlig anders vorgestellt, als sie dann letztendlich wurde. Das Leben mit einem sehr fordernden, ständig unzufriedenen, nicht schlafenden und viel schreienden Baby, das lange brauchte, um halbwegs in dieser Welt anzukommen, war das Gegenteil dessen, was wir uns erträumt hatten. Ich selbst brauchte sehr lange, um mich körperlich von der Geburt wieder zu erholen, wir waren beide völlig überfordert, hilflos, oft verzweifelt und ständig über unseren Grenzen. Es war keine schöne, sondern eine absolut schlimme Zeit. Doch das ist ein anderes Thema.

Sicherlich konnten wir uns in dieser harten Zeit gegenseitig entlasten, das Baby abwechselnd herumtragen und wenigstens ein Mindestmaß an Ordnung aufrechterhalten. Ich vermag mir nicht vorzustellen, wie es gewesen wäre, wenn ich nach 2-3 Wochen allein mit dem Baby gewesen wäre, zu einem Zeitpunkt, als ich körperlich noch völlig derangiert war, vom mentalen und seelischen Zustand ganz zu schweigen. Allerdings haben wir das Dasein des jeweils anderen Elternteils manchmal nicht wirklich als Entlastung empfunden, da man mit einem Schreibaby sowieso immer in Bereitschaft ist und sich immer zuständig fühlt. Ich zumindest konnte mich nie entspannen, wenn der Mann das Baby in der Wohnung herumgetragen hat (abgesehen davon stillte ich voll und musste immer da sein). Man steht einfach permanent unter Strom, hat Angst vor der nächsten Schreiorgie und kriegt sein Leben nicht mehr auf die Reihe. Und möglicherweise sind drei nervöse, überspannte, reizbare und unzufriedene Menschen, die zuhause aufeinander hocken, auch ungünstiger als wenn es nur zwei gewesen wären. Aber das ist Spekulation und ebenfalls ein anderes Thema, über das ich viel erzählen könnte.

Nach 7 Monaten endete unser beider Elterngeldbezug, mein Mann kehrte auf seine Arbeitsstelle zurück und war dann an 4 Tagen pro Woche von 7 Uhr bis 16 Uhr weg. Am späten Nachmittag war er für mich und den Großen da und beschäftigte sich mit seinem fordernden Sohn. Als der Große knapp 8 Monate alt war, also 3 Wochen nach dem Arbeitsbeginn meines Mannes, stieg auch ich mit einem Arbeitstag pro Woche (am freien Tag meines Mannes) wieder in meinen Job ein. Das war so geplant gewesen und ich war unendlich glücklich darüber. Mein Mann betreute den Großen an diesem Tag allein, und ich war so dankbar, wenigstens an einem Tag aus der schwierigen Baby-Situation weg zu sein. Geplant war weiterhin, dass ich nach ca. 1,5 Jahren, wenn die Kita-Eingewöhnung hoffentlich erfolgreich abgeschlossen wäre, 20 Wochenstunden arbeiten würde.

Überraschend bekam der Große mit 13 Monaten schon einen Kitaplatz und ich begann die Eingewöhnung mit ihm, die sich als unheimlich schwierig und nervenzehrend erwies. Ich hatte kurzzeitig überlegt, den Termin für meine geplante Rückkehr zur 20-Stunden-Woche vorzuverlegen, aber zum Glück entschieden wir uns dagegen. Stattdessen wollte und sollte ich mich nach diesem außerordentlich anstrengenden Jahr noch einige Wochen ausruhen und regenerieren, bevor der neue Alltag mit Job und Kitakind beginnen würde. Die Eingewöhnung dauerte sehr lange und war in meinen Augen nie erfolgreich abgeschlossen, auch wenn der Große nach 2 Monaten in der Kita schlief und wenig später 5-6 Stunden am Tag dort verbrachte. Er war und blieb unglücklich dort. Als wir eine Zusage für unsere ursprüngliche Wunschkita bekamen, überlegten wir trotzdem lange, ob wir ihm einen Wechsel zumuten sollten. Wäre ich schon wieder richtig im Job gewesen (ich arbeitete weiterhin an einem Tag pro Woche), hätte ich keine erneute Eingewöhnung machen können. d.h. wir hätten vermutlich nicht gewechselt. So aber hatten wir die Möglichkeit dazu und entschieden uns während der Sommerschließzeit seiner Kita für einen Wechsel. Und das erwies sich als richtig! Er war insgesamt 5 Monate in seiner ersten Kita gewesen, davon mehr als 2 Monate in der Eingewöhnung, einmal länger krank + 2 Wochen Sommerschließzeit. Die reelle Entlastung fand also nur in wenigen Wochen statt. Und trotzdem wollten wir nochmal einen Neuanfang riskieren.

Also startete ich im September 2012 mit ihm die Eingewöhnung in die neue Kita, die glücklicherweise gut verlief und Anfang Oktober erfolgreich abgeschlossen war. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits wieder schwanger. Eigentlich wollte ich ab November wieder 20 Wochenstunden arbeiten. Da die Schwangerschaft anfangs ziemlich beschwerlich war und es mir nicht wirklich gut ging, der erste Kitawinter bevorstand, der Große insgesamt noch ziemlich labil und anstrengend war und ich bis zum Mutterschutz nur 4 Monate gearbeitet hätte, beschlossen wir einvernehmlich, dass ich wie bisher nur einen Tag pro Woche weiterarbeiten würde. Ich war ja weiterhin in Elternzeit, nur halt schon lange ohne Elterngeldbezug. Mein Arbeitgeber machte diese begründete Planänderung gottseidank mit und so blieb alles bei unserem bisherigen Modell. Ich konnte mich durch die sicher gestellte Betreuung des Großen in seiner neuen Kita die letzten Monate der Schwangerschaft noch gut regenerieren und Kraft tanken für die kommende Zeit mit zwei so kleinen Kindern. Ich bin sehr froh, dass wir die Möglichkeit hatten, so flexibel auf die jeweiligen Umstände zu reagieren. Anfang März 2013 ging ich erneut in den Mutterschutz, der Große war gerade 2 Jahre alt.

2. Elternzeit 2013

Im Mai 2013 kam die Kleine zur Welt und ein neues Kapitel begann. Aus Angst vor einem zweiten Schreibaby hatte der Mann sich damit durchgesetzt, ein ganzes Jahr (bzw. 13 Monate) Elternzeit einzureichen und somit länger als beim ersten Mal parallel mit mir zuhause zu bleiben. Der Arbeitgeber machte keine Probleme. Er beantragte also auch das Elterngeld für die kompletten 12 Monate. Ich bekam das übliche Mutterschaftsgeld bis 8 Wochen nach der Geburt und hatte danach erstmal kein Einkommen. Da ich vorher nur einen Tag pro Woche gearbeitet hatte, wäre es sowieso nur der Mindestsatz gewesen, hätten wir uns die Elterngeldmonate aufgeteilt. Durch den Geschwisterbonus für ein Kind unter 3 Jahren, den wir noch 10 von 12 Monaten erhielten, war das Elterngeld doch erfreulich höher als der normale Satz. Nichtsdestotrotz mussten wir unser Familien-Einkommen in dieser Zeit aus unseren Ersparnissen aufstocken, sonst wäre es nicht gegangen. Das wussten wir vorher und hatten uns bewusst dafür entschieden. Das Risiko, dass sich solch eine nervenaufreibende Baby-Situation wiederholt, nur eben diesmal mit einem 2-jährigen Geschwisterkind obendrauf und ich unter der Belastung zusammenbreche, war meinem Mann zu groß. Da jegliche anderweitige Entlastung fehlte, mussten wir alles selbst stemmen und unsere Kräfte für die beiden kleinen Kinder zusammenhalten.


Die Kleine erwies sich dagegen als recht pflegeleichtes Baby und die ersten Monate der Elternzeit waren tatsächlich so ruhig, wie man sich das wünscht und vorstellt, zumindest in den Stunden, wenn der Große in der Kita war. Insgesamt empfanden wir es trotzdem als anstrengende Zeit, denn der Große durchlebte eine intensive und nervenzehrende Autonomiephase und die Bedürfnisse beider Kinder zu koordinieren, fiel uns nicht leicht. Er war ja noch ganz klein, 26 Monate bei der Geburt der Schwester, und sein Wesen sehr aufmerksamkeitsbedürftig und fordernd. Und die Kleine brauchte ganz und gar mich, die Mama. Ich stillte auch wieder voll, d.h. musste immer anwesend ein. Ca. mit einem halben Jahr begann auch sie, uns mehr einzufordern, und unser Alltag wurde nochmal deutlich anstrengender.

Wie beim Großen begann ich auch mit 8 Monaten wieder zu arbeiten, diesmal an 2 Tagen pro Woche. Dadurch generierten wir etwas zusätzliches Einkommen und ich konnte mich zumindest tageweise aus der Babywelt verabschieden, was mir grundsätzlich gut bekam. Allerdings fiel mir das bei der Kleinen schwerer als beim Großen, weil sie mehr an mir hing und absolut null Interesse an Beikost hatte. Die Flasche hatten beide Kinder sowieso nie akzeptiert und so war es für meinen Mann manchmal schwierig, die Kleine durch meine Arbeitstage zu bringen. Trotzdem war es gut für mich, so früh, aber eben sanft wieder ins Arbeitsleben einzusteigen. Mit 12 Monaten fand die Kita-Eingewöhnung der Kleinen statt, die mein Mann übernahm und die nicht so leicht verlief wie erhofft. 4 Wochen später kehrte mein Mann auf seine Arbeitsstelle zurück und ich war froh, dass ich vorerst weiterhin nur 2 Tage arbeitete, denn so konnte ich mich einerseits noch etwas regenerieren und andererseits auch die Kleine, für die die Kita eine große Umstellung war, obwohl sie sie ja schon kannte, durch früheres Abholen und Exklusivzeiten ein bisschen auffangen. Im September 2014, sie war 16 Monate alt, kehrte ich dann wieder zu meiner 4-Tage-Woche zurück, und seitdem läuft unser normaler Alltag mit Arbeit, Kita und nun auch Schule.

Mit unserem Elternzeitmodell, was zwei längere Elternzeiten meines Mannes beinhaltete, waren und sind wir sowohl damals als auch heute sicherlich eher ungewöhnlich. In unserem Bekanntenkreis haben die allermeisten Papas die üblichen 2 Monate Elternzeit in Anspruch genommen. Auch mit meinem frühen, aber häppchenweisen Wiedereinstieg in den Job war ich ungewöhnlich unterwegs, aber für mich war das genau richtig so und ich bin dankbar, dass alles so geklappt hat. Dass die erste Elternzeit so anders verlaufen ist als geplant, hatte natürlich immense Auswirkungen auf unsere Planung der zweiten Elternzeit. Diese haben wir zum Teil privat aus unseren Ersparnissen und zu einem minimalen Teil durch Beantragung von Wohngeld und Kinderzuschlag finanziert, da das Elterngeld meines Mannes allein für eine vierköpfige Familie nicht ausreichte. Lustigerweise hat das Kind (die Kleine), bei dem der Mann die längere Elternzeit hatte und öfter mal allein war, eine deutlich stärkere Bindung zu mir, während der Große, bei dem wir die ersten 7 Monate parallel zuhause waren und später ich viel allein mit ihm war, eine gleichermaßen intensive Bindung zu beiden Elternteilen hat. Kinder sind verschieden und Elternzeiten verlaufen manchmal anders als geplant. Wir wussten es sehr zu schätzen, dass unsere Arbeitgeber uns keine Steine in den Weg gelegt haben und auch bei Planänderungen flexibel reagierten. Die eher ungewöhnliche Geschichte unserer Elternzeiten fand sogar mal ihren Weg ins Lob Magazin.

Und nun berichtet ihr mal, wie die Elternzeiten bei euch verteilt waren. Oder lest die Geschichten bei der Blogparade #Elternzeitgeschichten der Provinzmutti nach.

Sonntag, 11. Februar 2018

Unser Wochenende in Bildern 9./ 10./ 11. Februar 2018 im Dorfhotel Fleesensee

Heute enden die ersten Winterferien für meinen Großen, in denen er eigentlich die Großeltern besuchen sollte, die er aber stattdessen krank zuhause verbrachte. Als Ferienabschluss war ein Wochenende an der Mecklenburgischen Seenplatte geplant, auf das sich besonders die Kleine freute. Es sollte eine kleine Abwechslung im Alltag und mal ein Entdecken eines neues Feriendomizils, nämlich des Dorfhotels Fleesensee, sein, welches immer am 1. Donnerstag im Monat verschiedene Sonderangebote offeriert, was uns letztendlich dazu brachte, diesen doch sehr teuren Ferienpark zu buchen.

Da wir Eltern leider beide krank waren, wussten wir, dass das Wochenende körperlich anstrengend werden würde. Zwar gab es eine im Preis enthaltene Kinderbetreuung, aber wenn wir endlich wiedermal in der Müritz-Region sind, die wir noch von früher her sehr lieben, möchten wir die kurze Zeit natürlich nicht nur in der Ferienwohnung verbringen. Das ebenfalls im Preis erhaltene Schwimmbad SPAworld Fleesensee konnten wir wegen unseres Krankseins leider auch nicht nutzen, zumal der Große eben erst von der ersten Mittelohrentzündung seines Lebens genesen war. Dafür wurden wir mit tollem Wetter entschädigt, mit eisiger, trockener Kälte und viel Sonne sowie einer leichten Schneedecke, die in diesem Winter in Berlin bisher ausgeblieben war.

Freitag

Nach der Anreise erkundeten wir nachmittags bei herrlichem Sonnenschein das Feriendorf, machten den Spielplatz unsicher und testeten die Kinderbetreuung in der letzten Stunde vor Feierabend. Die kleinen Kanäle und Teiche mitten im Dorfhotel waren zugefroren und die Landschaft sah einfach traumhaft aus. Wir wohnten direkt am freien Feld, so dass wir abends von unserem Fenster aus Rehe beobachten konnten. Und diese Stille - herrlich!







Samstag

Den Vormittag verbrachten wir im Bärenwald Müritz, einem tollen Ausflugsziel, wo für alte und unwürdig gehaltene Bären ein neues, artgerechtes Zuhause geschaffen wurde. Erst hatten wir etwas Bedenken, dass wir keine Bären sehen würden, da sich die Bären ja eigentlich jetzt in der Winterruhe befinden, aber da wir den Bärenwald schon von früheren Besuchen kannten, wussten wir, dass es genügend andere Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kinder darin gibt, z.B. ein Labyrinth, einen Abenteuerspielplatz, eine Höhle und viele Stationen zum Entdecken und Ausprobieren. Es sind auch neue Dinge hinzugekommen, die wir noch nicht kannten.






Es war nach anfänglicher Nörgelei ein schöner Vormittag mit viel frischer Luft und Natur. Der Bärenwald Müritz ist wirklich zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.

Am frühen Nachmittag machten wir einen Zwischenstopp in der Stadt Röbel und stellten überrascht fest, dass dieser Teil der Müritz zugefroren war. Hier haben wir schon oft im Sommer Fischbrötchen gegessen oder sind Schiff gefahren. Dieser Anblick war aber auch ganz toll.



Nach einer kleinen Stärkung ging es zurück ins Dorfhotel. Die Kleine wollte unbedingt noch einmal in den Kinderclub. Da der Große darauf keine Lust hatte, ging ich mit ihm noch ein wenig spazieren und auf den tollen Spielplatz. Einen schönen Sonnenuntergang durften wir auch bewundern. Danach waren wir echt müde von soviel Luft und Bewegung. Aber es tut so gut!


Sonntag

Um 10 Uhr mussten wir auschecken. Weil Regen vorhergesagt war, wollten wir eigentlich nach Waren ins Müritzeum fahren. Da das Wetter aber noch trocken war, disponierten wir um und besuchten die wunderschöne Kleinstadt Mirow, die wir aus vielen Urlauben schon kennen, aber trotzdem immer wieder gern besuchen. Auf der Schlossinsel kann man gut spazieren, ein Museum und (in der Saison) die Johanniterkirche besuchen, Schifffahrten machen und Fisch essen. Auch hier war der Granzower See zugefroren und die Kinder hatten ihre helle Freude daran, Eisstücke von den Bootsstegen auf die gefrorene Oberfläche des Sees zu werfen. Dieser Vormittag war auch wieder total schön.




Nach dem Mittagessen begaben wir uns auf die Rückfahrt nach Berlin und kamen rechtzeitig an, damit die Kleine noch im Kindertheater das Stück "Die Schöne und das Biest" sehen konnte. Das wollte sie unbedingt, nachdem es letzte Woche angekündigt worden war, als ich selbst mit ihr im Theater war.


Diesmal ging der Papa mit ihr hin, ich packte zuhause die Taschen aus und der Große musste sich etwas langweilen;-). Seine Schulsachen bereiteten wir aber natürlich noch vor, denn die Ferien, die so anders verlaufen sind als geplant, sind nun zuende und er ist soweit wieder fit, dass er nun hoffentlich keinen Rückfall mehr erleidet. Mehr als 2 Wochen war er krank gewesen, das ist negativer Rekord für ihn seit Ewigkeiten.

Beim Zubettbringen der Kleinen merkte man sofort das Schläfchen im Auto auf der Rückfahrt, sie schlief über eine Stunde später ein als sonst. Blöd sowas. Morgen beginnt erstmal der Alltag wieder. Wir beide sind immer noch angeschlagen (ich habe das Wochenende nur mit der Höchstdosis Schmerzmittel, Nasenspray und Halstabletten überlebt), aber die Kinder sind fit. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Ich wünsche euch eine schöne Woche!

Mehr Wochenenden in Bildern (#wib) findet ihr wie immer bei Geborgen Wachsen.

Mittwoch, 7. Februar 2018

Hochsensible Kinder, Fairness und Gerechtigkeitssinn: "Wie Betty für Gerechtigkeit sorgt" (Rezension mit Verlosung)

Vor fast genau 2 Jahren habe ich euch das Buch "Wie Betty das Wut-Gewitter bändigt"*, ein Buch für hochsensible Grundschulkinder, vorgestellt, und nun ist im Dezember 2017 das Nachfolgewerk "Wie Betty für Gerechtigkeit sorgt"* im Festland Verlag erschienen. Die Autorin Stefanie Kirschbaum lässt uns darin wieder in verschiedenen Geschichten an den Erlebnissen der hochsensiblen Protagonistin Betty teilhaben und legt diesmal einen besonderen Augenmerk auf das Thema, wie hochsensible Kinder ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn konstruktiv einsetzen und ihre Umgebung dadurch positiv beeinflussen können. Der Slogan des Buches lautet: "Eine Geschichte über Sensibilität und das erfolgreiche Einstehen für Gerechtigkeit und Fairness." Ich freue mich, euch das neue Betty-Buch vorstellen und auch ein Exemplar an euch verlosen zu dürfen. Meine bisherigen Rezensionen von Büchern über und für hochsensible Kinder findet ihr hier.

In 18 Kapiteln tauchen wir in Bettys Alltag ein, sei es zuhause in ihrer Familie, in der Schule oder in ihrer Freizeit. Sie ist jetzt in der 4. Klasse, liebt Pferde und fühlt sich immer noch am meisten von ihrer Oma Trude verstanden. Als sie erfährt, dass ihr Freund Philipp von einigen Klassenkameraden geärgert wird, sich aber nicht traut, sich zu wehren, entschließt sie sich, die von der Schule angebotene Streitschlichter-Ausbildung zu machen, denn: "Wenn ich Streitschlichterin bin, dann kann ich dafür sorgen, dass es zumindest in der Schule gerechter zugeht." (S. 30) Sie lernt, dass man als Streitschlichterin versuchen sollte, beide Seiten zu verstehen, und unbedingt neutral bleiben muss, selbst wenn Freunde involviert sind, denen man helfen möchte. Das fällt ihr sehr schwer, denn ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn meldet sich und sie möchte ihren Freund Philipp unbedingt verteidigen. Dieser wiederum ist zwar dankbar für die Unterstützung, will aber aus Angst keine zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Betty berät sich mit ihrer Oma, wie sie sich verhalten soll.


Ein wenig Bauchschmerzen hat Betty vor der bevorstehenden Klassenfahrt der beiden 4. Klassen. Zum einen bedeutet so eine Klassenfahrt für sie als hochsensibles Kind eine große Herausforderung, zum anderen macht sie sich Sorgen, dass Philipp geärgert wird und unglücklich ist. Ihre Bedenken sind jedoch unbegründet: einige schöne gemeinsame Erlebnisse schweißen die Klasse zusammen, tragen dazu bei, dass alle sich besser kennenlernen, und am Ende gibt es sogar noch ein tolles Teamtraining, bei dessen Gruppeneinteilung Betty ein wenig ihre Hand im Spiel hatte. An kleinen Aufgaben und Herausforderungen lernen die Kinder zusammenzuarbeiten und wachsen gemeinsam. Durch diese Aktionen werden Vorurteile abgebaut und auch die etwas anders tickenden Schüler können sich Anerkennung verschaffen.

Am Ende berichtet Betty ihrer Oma Trude stolz und glücklich von den Erlebnissen auf der Klassenfahrt und kann ihre so gegensätzlichen Klassenkameraden zu einer gemeinsamen Aktion motivieren. Für ihren Freund Philipp hat sich damit ein unangenehmes Problem aufgelöst und Betty durfte die Erfahrung machen, dass ihr Problembewusstsein besonders originelle Lösungen hervorbringen kann, was wiederum ihr eigenes Selbstbewusstsein stärkt.


Im Gegensatz zum "Wut-Gewitter-Buch"* geht es in diesem Buch weniger um das Bewältigen der Emotionen hochsensibler Kinder, sondern um das Zurechtkommen hochsensibler Kinder mit ihren besonderen Voraussetzungen im sozialen Kontext, in diesem Fall unter Gleichaltrigen. Wie können (hochsensible) Kinder ihr ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein und ihren großen Gerechtigkeitssinn konstruktiv in ihrem Umfeld einbringen. Das Thema Hochsensibilität steht dabei nie im Mittelpunkt, sondern wird ganz selbstverständlich in die Geschichte integriert. Die geschilderten Erlebnisse der Protagonisten sind sehr alltagsnah und realistisch und regen zum Nachdenken über Fragen der Gerechtigkeit, Fairness, Ausgrenzung und Einmischung an.

Das Buch ist wie auch das Vorgängerwerk lebendig, leicht und abwechslungsreich geschrieben und wunderschön bebildert. Die Leser lernen Betty als Identifikationsfigur für hochsensible Kinder noch näher kennen und verfolgen ihre Entwicklung. Ich denke, es ist für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren sehr gut geeignet. Ein absolut empfehlenswertes Kinderbuch!


Verlosung:


Ich freue mich, ein weiteres Exemplar des Buches "Wie Betty für Gerechtigkeit sorgt"* verlosen zu dürfen. Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasst mir bitte hier einen Kommentar darüber, was euch an dem Thema interessiert, beispielsweise ob ihr ein hochsensibles Kind oder selbst einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habt. Zusätzlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir auf Facebook folgt und vielleicht sogar die Verlosung teilt. Ist aber keine Bedingung. Bitte gebt euren Namen an, sonst kann ich euch nicht berücksichtigen!

Die Verlosung läuft bis zum 11.02.2018, 23:59 Uhr. Unter allen bis dahin eingehenden Kommentaren wird der Gewinner/die Gewinnerin ausgelost und hier sowie auf Facebook bekanntgegeben. Da ich keine Mailadressen angezeigt bekomme, müsst ihr bitte die Folgekommentare abonnieren, um eine Benachrichtigung zu erhalten, oder nach der Auslosung nochmal vorbeischauen. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang zu Facebook. Versand nur innerhalb Deutschlands. Mindestalter 18 Jahre. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Die Eckdaten:
Stefanie Kirschbaum: Wie Betty für Gerechtigkeit sorgt*, Festland Verlag, Dezember 2017, 116 Seiten, ISBN 978-3903234048, € 17,50

Vielen Dank an den Festland Verlag für das Rezensions- und Verlosungsexemplar!

*Affiliate Link


14.02.18:
Ich habe den Gewinner mit Random.org ausgelost: es ist Christina Horn. Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß mit dem Buch!  

Freitag, 2. Februar 2018

Der rasante Alltag mit einem Schulkind

Heute beginnen die Winterferien und mein Großer hat sein erstes Schulhalbjahr geschafft. Wahnsinn! Diese Woche hat er zwar wegen Krankheit gefehlt, aber die Zeit ist insgesamt unheimlich schnell vergangen. Ich kann genau wie bisher berichten, dass es super läuft in der Schule, dass er tolle Fortschritte macht, schon fast alle Buchstaben gelernt hat und einfache Texte gut lesen kann. Das Rechnen fiel ihm ja sowieso immer leicht und die Integration in die neue Klasse verlief reibungslos. Es ist wirklich erstaunlich, wie problemlos er diese große Umstellung gemeistert und sich in sein neues Leben hineinbegeben hat. Ich möchte aber diesmal auf etwas anderes hinaus. Ich stelle nämlich fest, dass das Leben, der Alltag noch schneller vergeht, seit wir ein Schulkind haben, und die Tage und Wochen noch rasanter an uns vorbeiziehen als früher. Auch wenn das dem Schulkind sicherlich selbst nicht so geht (ich erinnere mich da an meine zähe Schulzeit) - für uns Eltern fühlt es sich definitiv so an und der Unterschied zur Kitazeit ist auf jeden Fall vorhanden.

Woran liegt das? Zum einen daran, dass der Kontrast Wochentage - Wochenende deutlicher ist als im Kitaalltag. Unser Schulkind, der Große, muss täglich pünktlich um 7:30 Uhr mit einem Elternteil das Haus verlassen und das Kitakind, die Kleine, kommt natürlich gleich mit und wird danach zur Kita gebracht. Wir stehen früher auf als vorher, müssen mehr Aufgaben erledigen (Brotdose!) und haben einen unerbittlichen Zeitdruck. Zwar hatten wir auch früher eine konkrete Losgehzeit (8 Uhr), aber an freien Tagen oder wenn ich (statt des Mannes) die Kinder gebracht habe, konnte sich das schon mal etwas nach hinten verschieben. Das geht jetzt nicht mehr. Daneben müssen wir noch mehr darauf achten, dass die Kinder rechtzeitig am Abend ins Bett kommen. Trotzdem müssen sie ab und zu morgens geweckt werden, was uns besonders beim Großen erstaunt, der seit jeher ein Frühaufsteher war. Dafür schlafen die Kinder nun am Wochenende meist etwas länger als früher. Der Unterschied zwischen Wochen- und Wochenendtagen ist sehr viel ausgeprägter, seit die Schule begonnen hat. Und nein, wir haben unsere Kinder seinerzeit so gut wie nie einfach mal zuhause gelassen, statt sie in die Kita zu geben, wie dies manch andere Familien tun. Außer bei Urlaub, Krankheit und in absoluten Ausnahmefällen gingen sie jeden Tag hin und wir alle waren seit Jahren schon an die Alltagswoche gewöhnt. Trotzdem ist es mit Schule nochmal was anderes.


Außerdem spüren wir viel deutlicher, dass die Woche voller Pflichtsachen und das Wochenende relativ frei ist, so dass wir mehr auf's Wochenende hinfiebern und nervöser vor Montagen sind als vorher. Das Anziehen und Losgehen ist ja bei meinem Großen schon immer ein enormes, wenn nicht sogar mittlerweile sein größtes Problem, und unter Zeitdruck wird das Thema natürlich noch akuter als ohnehin schon. Während sich die Kleine meist bereitwillig fertig macht oder machen lässt, gibt es fast täglich Tränen und Verweigerung bei ihm. Wir kennen das, es war nie anders bei ihm und es hat nichts damit zu tun, dass er den Ort, wo er hingehen muss, nicht mag, sondern einfach damit, dass er lieber zuhause bleiben würde, wie sicherlich viele von uns. Am Wochenende existiert das Problem übrigens auch, wenn wir aufbrechen wollen, nur eben zeitlich verschoben und meist ohne direkten Zeitdruck. Wochentags ist das schon ein enormer Stressfaktor, der seit dem Schulstart natürlich an Brisanz zugenommen hat.

Was mir außerdem aufgefallen ist, als ich darüber nachdachte, warum die Wochen und Monate schneller vergehen, seit wir ein Schulkind haben, ist die Tatsache, dass das Jahr durch die vielen Ferien viel strukturierter ist. Unsere Kita hatte glücklicherweise nur wenige Schließzeiten, so dass man sich den Urlaub recht frei legen und verteilen konnte. Das hieß aber auch, dass die Abstände zwischen Urlauben früher länger waren als jetzt die Zeiträume zwischen den Schulferien. Man war länger im Alltagshamsterrad und es gab zwischendurch weniger Pausen und Veränderungen im Alltagsrhythmus. Manchmal zogen sich die Monate zwischen zwei Urlauben oder Auszeiten zäh dahin und wir schoben öfter mal Kurztrips ein, um die langen Durststrecken zu überbrücken. Seit dem Schulstart des Großen fühlt sich das anders an: die Ferien strukturieren das Jahr und die Zeiträume sind kürzer. Zwischen Einschulung und Herbstferien lagen 6 Wochen, zwischen Herbst- und Weihnachtsferien 7 Wochen und zwischen Weihnachts- und Winterferien 4 1/2 Wochen. Zwischen Winter- und Osterferien werden es 6 Wochen sein. Das sind sehr kurze Abschnitte, die schnell verfliegen. Dazwischen gab es noch Wandertage und Schul- bzw. Hortschließtage. Die letzten Monate fühlten sich also gleichzeitig durchstrukturiert und aufgelockert an und vergingen wie im Fluge. Zumindest für uns Eltern war das so.


Natürlich haben wir nicht jedesmal in den Ferien Urlaub, das können wir gar nicht abdecken. Der Große geht auch in den Ferienhort oder fährt zu den Großeltern. Trotzdem durchbrechen die Schulferien den Alltag und wirken auch für uns trotz Arbeitens wie eine Pause, was dazu beiträgt, dass die Wochen schneller vergehen. Für mich fühlt sich der Alltag mit einem Schulkind jedenfalls deutlich schnelllebiger an als mit Kitakindern und ich bin überrascht darüber, habe ich doch meine eigene Schulzeit als unheimlich zäh in Erinnerung. Und durch ein Schulkind steckt man als Eltern wieder etwas mehr in dem früheren eigenen Hinfiebern und Freuen auf Wochenenden und Ferien drin. Wodurch wiederum die Zeit schneller vergeht. Ich kann es jedenfalls kaum glauben, dass schon ein halbes Jahr Schule vergangen ist. Wenn der "Rest" auch so schnell verfliegt, dann hat der Große bald Abitur. Und ich bin 12 Jahre älter. Das ist der Nachteil daran;-)

Freitag, 26. Januar 2018

Wenn mein Großer glücklich ist

Ich liebe es, mit dem Großen allein unterwegs zu sein. Etwas gemeinsam zu entdecken, Zeit zum Reden zu haben und mich ganz und gar auf ihn konzentrieren zu können. Ihm interessante Dinge aus der Geschichte und Gegenwart zu erzählen und seine Fragen zu beantworten. Ihm die Ruhe zum Überlegen geben zu können und selbst Muße zu haben, mich auf seine Gedanken einzulassen. Ihn anzuschauen und mich exklusiv um ihn kümmern zu können, ohne dass von der Seite jemand verbal oder physisch an mir zerrt. Mir bewusst zu werden, was für ein großer Junge er schon ist und wie toll man sich mit ihm schon austauschen kann. Das ist wunderbar und ich brauche das total.

Auch er liebt es unglaublich, die volle Aufmerksamkeit eines Erwachsenen zu haben. Er braucht die Gelegenheit, seine Gedanken ungestört entwickeln und auch äußern zu können. So oft wird dazwischengeredet, so oft muss er unterbrechen und warten, so oft hat er dann verständlicherweise keine Lust mehr zu erzählen. Wenn man sich ihm ganz und gar widmet, sich auf ihn einlässt und exklusiv für ihn da ist, ist er das glücklichste Kind. Dann hört er intensiv zu, wenn man ihm etwas Spannendes erzählt, saugt alles auf und kann Dinge reproduzieren die man ihm vor langer Zeit mal nahegebracht hat. Er ist kein aktives und exploratives Kind, nein, er hat bisher kaum den Drang, sich selbst Wissen anzueignen oder etwas Neues auszuprobieren. Aber er ist ein sehr freudiger und dankbarer Empfänger von Aufmerksamkeit und Zuwendung. Es tut ihm unheimlich gut, in der direkten Interaktion mit einem Erwachsenen im Mittelpunkt zu stehen, ja, eigentlich entfaltet er sein Potential erst dann so richtig.

An einem der letzten Wochenenden war die Kleine auf einem Kindergeburtstag eingeladen und wir mit dem Großen allein. Da das sehr selten vorkommt, wollte ich unbedingt etwas mit ihm unternehmen, was wir mit der Kleinen im Schlepptau keinesfalls machen können. Meine ursprünglichen Vorhaben scheiterten nach vorheriger Recherche am Alter (eine Unternehmung war ab 7 Jahre, er wird erst im März 7) und an den zu kurzen Öffnungszeiten nach Ablieferung der Kleinen beim Geburtstag. Da wir sowieso zu dritt erst in ein schwedisches Möbelhaus wollten, um ein neues Sofa für den Großen und einen Schreibtisch für die Kleine zu kaufen, suchte ich nach Zielen in der Umgebung. Und so verschlug es uns ins Stasi-Museum Berlin, der ehemaligen Zentrale des MfS der DDR.

Das ist ja nun für Kinder eigentlich ein völlig unattraktiver Ort, mit den alten, original belassenen Einrichtungsgegenständen, den textlastigen Ausstellungsräumen und dem "schweren", nicht greifbaren Thema. Mit der Kleinen könnte man dort keine 10 Minuten verbringen, bis sie die Flucht ergreifen würde. Mit dem Großen sind wir eine Stunde durch die Ausstellung gestreift, haben ihm altersgerecht ausgewählte Details aus unserer Geschichte erklärt und seine Fragen beantwortet. Er war sehr interessiert und hat alles aufgesaugt. Sicherlich versteht er die großen Zusammenhänge und das Ausmaß dieser Vorgänge noch nicht, aber das, was wir ihm erzählt und gezeigt haben, hat er schon gut verarbeitet. Für mich ist es total toll, so ein großes Kind neben mir zu haben und ihn ein wenig am Wissen über die Welt teilhaben zu lassen. Und für ihn war es endlich mal ein Nachmittag mit der vollen Aufmerksamkeit beider Elternteile, ohne Störungen, ohne Aufregung, ohne Nervpotential. Seine Augen glänzten und er war total glücklich, das merkte man deutlich. Es bedeutet mir unheimlich viel, ihn so zufrieden zu sehen, und ich weiß, was ihm im Alltag fehlt.

Er braucht keine kleine Schwester, er braucht Erwachsene, die für ihn da sind, die sich exklusiv um ihn kümmern, die ihn nicht als Kind sehen, sondern ernst nehmen. Er braucht keine Streitereien, kein Kämpfen um die Eltern, keine Eifersüchteleien, er braucht Aufmerksamkeit, Zuwendung und Ernsthaftigkeit. Exklusiv. Und genau das ist natürlich nur bedingt möglich, wenn es ein Geschwisterkind gibt, noch dazu ein jüngeres. Umso mehr genieße ich, genießt er die rare Zeit, wenn er mal allein mit uns ist. Er wirkt dann immer so selig. Und auch für mich sind diese Momente meist wunderschön und bleiben in Erinnerung. Die erste (kurze) Exklusivzeit nach der Geburt der Kleinen, Fahrradausflüge und Museumsbesuche zu zweit und vor allem unsere gemeinsame Mutter-Kind-Kur sind einige Beispiele für schöne Zeiten mit ihm allein. Diese haben wir ihm auch immer wieder ermöglicht. Ich konnte ihn sogar schon einmal 4 Stunden mit auf meine Arbeit nehmen, als die Schule geschlossen war. Das wäre mit der Kleinen noch undenkbar. Auf der Kur habe ich allerdings auch gemerkt, dass ihm gleichaltrige Freunde fehlen, wenn er nur eine erwachsene Bezugsperson hat. Als ich begann, das Zueinanderfinden der Vorschulkinder zu forcieren, ging es ihm gleich viel besser. Das war seinerzeit eine neue Erfahrung für mich, weil ich das von ihm noch nicht kannte.

Es kommt jedoch nur äußerst selten vor, dass er beide Eltern parallel für sich allein hat, da die Kleine bisher nur selten abwesend war. Da wundert es nicht, dass er sich schon jetzt auf die 4 Tage freut, wenn sie bald zum ersten Mal auf Kitafahrt sein wird. Denn während er schon früh seine Freunde besucht hat und zumindest in den letzten 3 Jahren mehrfach ein paar Tage verreist war, ist sie gefühlt für ihn immer da. Also immer, wenn er auch da ist. Deshalb freue ich mich für ihn, dass es nun so langsam losgeht und sie ab und zu weg ist. Denn dann kann man ihm genau das geben, was er so essentiell braucht: Konzentration, Aufmerksamkeit, Exklusivität.

Ich mag es sehr, mich mit ihm zu unterhalten und ihm meine Gedankenwelt oder Themen aus Geschichte und Gegenwart nahezubringen. Ich mag es sehr, etwas mit ihm zu unternehmen und gemeinsame Erlebnisse zu sammeln. Ich staune, wie er überlegt und was er aufsaugt. Ich sehe gerührt seine glücklichen, strahlenden Augen und wie er den Moment auskosten will. Ich freue mich darüber, ihn ab und zu auch mal von dieser Seite kennenzulernen und zu erleben, so ausgeglichen und fröhlich. Ich genieße dann den Austausch mit ihm und merke, wie groß mein Großer nun schon ist, mit seinen fast 7 Jahren. Und wie glücklich er sein kann, wenn er mit Aufmerksamkeit bedacht und ernst genommen wird. Ich möchte ihm viele solcher Momente ermöglichen. Denn auch ich speichere mir diese Momente tief in meiner Erinnerung ab: wenn mein Großer glücklich ist!

Samstag, 20. Januar 2018

"Gelassen durch die Jahre 5 bis 10": Interview mit den Autorinnen des Wunschkind-Blogs über ihr zweites Buch

Gestern überraschten uns die Autorinnen des Blogs Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn mit der Ankündigung, dass sie begonnen haben, an ihrem dritten Buch zu schreiben, in dem es um das Thema Geschwister gehen wird. Wieder ein sehr spannendes Thema! Aktuell jedoch warten alle ihre Fans ungeduldig auf ihr zweites Buch "Gelassen durch die Jahre 5 bis 10", das im März 2018 erscheinen und das Vor- und Grundschulalter behandeln wird, eine Zeit voller Umbrüche und Veränderungen, die Eltern vor vielfältige Herausforderungen stellt. Mit ihrem bindungsorientierten und praxisnahen Ansatz möchten sie uns in ihrem neuen Buch gelassen durch diese Jahre führen und uns Eltern bei Themen wie Schulfrust, Vertrauen und Loslassen, Mediengebrauch etc. unterstützen. In Kürze können wir all das selbst im Buch nachlesen. Als Einstimmung darauf habe ich mit den Autorinnen ein Interview geführt, in dem sie ihr neues Buch vorstellen. Ich freue mich sehr darüber, es euch heute präsentieren zu dürfen.


Hier kommt das Interview:

Im März 2018 erscheint euer neues Buch „Gelassen durch die Jahre 5 bis 10“* im Beltz Verlag, auf das alle eure Fans und Leser schon hinfiebern. Danke, dass ihr uns hier schon einige Einblicke gewähren wollt.


1. Könnt ihr etwas näher beschreiben, welche Themen ihr im neuen Buch anreißen und welche Schwerpunkte ihr setzen werdet?

Nun, es geht vornehmlich um die typischen Probleme, die Eltern in diesem Altersabschnitt mit ihren Kindern haben: Das Kind will keine Hausaufgaben machen, es hängt nur an seinem Handy, es wird bald eingeschult und ist plötzlich so aggressiv, es hat blöde Freunde, die einen schlechten Einfluss ausüben, es hört nicht mehr auf die Eltern oder provoziert sie sogar, es flippt total aus, wenn die Eltern einen guten Ratschlag machen usw. Warum die Kinder so handeln, erklären wir wieder anhand des Gehirns - meist gibt es einen guten Grund. Wir erklären auch, wie man das als Eltern auf beziehungs- und bedürfnisorientierte Weise lösen kann. Eine ausführliche Inhaltsangabe findet ihr übrigens hier auf unserem Blog.


2. War es schwieriger, dieses zweite Buch zu schreiben, mit all dem Erwartungsdruck im Hinterkopf? Schließlich war euer Debüt ein Bestseller und ist zu einem Standardwerk über die „Trotzphase“ geworden.

Nein. Das Schreiben war genauso leicht und genauso schwer wie beim ersten Buch. Man geht ja an ein neues Buch nicht mit den Gedanken heran, einen Bestseller schreiben zu wollen. Man möchte einfach etwas erzählen - das war beim ersten und beim zweiten Buch gleich. Was jetzt, wo das neue Buch fertig ist, allerdings stark bei mir auftritt, ist Muffensausen. Ich habe wirklich Angst, es verbockt zu haben - dass alle Leser_innen das Buch langweilig und uninspirierend finden. Danielle versucht mir das tapfer auszureden. Sie findet das neue Buch toll. Also ja, Druck ist schon da. Aber eben nicht, weil wir unbedingt einen zweiten Bestseller wollen, sondern weil wir die Leser_innen nicht enttäuschen wollen.


3. In eurem ersten Buch „Der entspannte Weg durch Trotzphasen“* habt ihr ja einige eurer Blogtexte als Grundlage genommen und für das Buch erweitert. Diesmal war das sicherlich so nicht möglich, weil es nur wenige Texte zu dem thematisierten Alter auf eurem Blog gibt. Lief der Prozess des Schreibens und die Verteilung der Arbeit deshalb anders ab als beim letzten Mal?

Für das erste Buch hatten wir tatsächlich sehr viel mehr Artikel im Blog, auf die wir zurückgreifen konnten. Das war jetzt beim zweiten nicht mehr so einfach. Es sind zwar ein paar alte Artikel eingeflossen, z. B. über den Unterschied zwischen Wünschen und Bedürfnissen, aber insgesamt mussten wir sehr viel mehr neu schreiben und eben dazu auch recherchieren. Dieses zweite Buch war also arbeitsintensiver, würde ich sagen. Die Verteilung der Arbeit zwischen Danielle und mir war wie beim ersten Buch auch. Wir ergänzen uns einfach perfekt. Danielle kann innerhalb von Minuten jede Statistik und jede Buchreferenz wiederfinden, die ich brauche und sie fängt auch immer als Erste an mit jedem neuen Buch, weil sie strukturierter ist als ich. Ich merke immer erst beim Schreiben, was ich eigentlich im Buch haben will. Dafür bin ich für die Beispiele aus dem Alltag verantwortlich und mache ich auch die finale Überarbeitung, damit der Text an sich rund wirkt. Nach dem Lektorat sitzen wir beide nochmal unabhängig voneinander über den Kapiteln und suchen Fehler. Diesen letzten Schritt finde ich soooo anstrengend, dass ich ihn am liebsten ganz Danielle aufbürden würde.


4. Wie habt ihr selbst das Alter zwischen 5 und 10 bei euren Kindern empfunden bzw. wie empfindet ihr es? Was war leichter, was war schwerer als in den Jahren davor?

Katja: Ich finde eigentlich nur das Begleiten von Wutanfällen als emotional sehr auslaugend, insofern finde ich das Zusammenleben mit Kindern, die 5 und älter sind, als total entspannend. Klar gibt es auch Streit, schlechte Laune und irgendwelche Phasen, aber die waren bei uns immer nur kurz. Als meine Tochter Fräulein Chaos eingeschult wurde, ihre gleichalte Schwester aber nicht, da hatten wir z. B. ein paar sehr intensive Wochen mit einigem Gekreische auf Seiten der nicht eingeschulten Tochter. Da sie rein rational gut verstanden hatte, warum wir sie hatten zurückstellen lassen, und sie in der Kita auch glücklich war, brauchte ich ein bisschen, um dem Kreischen auf den Grund zu kommen. Als wir das aber verstanden hatten, konnte wir sie und ihr Bedürfnis besser unterstützen und dann hörte auch das störende Verhalten auf. Es ist also nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen bei uns, aber ich muss auch nicht täglich irgendwelche Grabenkämpfe austragen. Mittlerweile sind meine Kinder so vernünftig und rücksichtsvoll, dass ich wirklich nur noch sagen muss, wenn mich eine Kleinigkeit stört (z. B. wenn sie laut herumalbern, während ich etwas schreiben will), und dann hören sie einfach mit dem Störenden auf. Oder sie schlagen mir eine Alternative vor, so dass wir alle das bekommen, was wir wollen. Das hört sich jetzt albern kitschig an, aber unser Zusammenleben ist so leicht und schön, dass ich mich wirklich sehr gesegnet fühle.

Danielle: Ich muss ehrlich gestehen, dass mich die Zeit jetzt mehr anstrengt, als die ersten 5 Jahre, die ich mit meinen Kindern verbracht habe. Das liegt aber vorrangig daran, dass wir die Kinder in der Autonomiephase gut begleiten konnten, so dass diese Zeit eigentlich ruhig und angenehm war. Meine Kinder sind jetzt 6 und knapp 9 und lieben es, sich gegenseitig zu provozieren. Meinen Mann stresst das ziemlich, so dass ich mich oft unter Druck fühle, die Situationen möglichst schnell lösen zu wollen. Ich selbst kann das Geschrei meist gut aushalten und will lieber abwarten, bis sie selbst eine Lösung finden, aber meinem Mann fällt das sehr schwer. Da die Balance zu halten zwischen dem Bedürfnis meines Mannes nach Ruhe und dem Lernschwerpunkt der Kinder, ihren Streit selbst zu lösen, ist für mich ziemlich anstrengend. Was aber angenehm ist: meine Kinder sind nun in dem Alter, in dem sie für längere Zeit allein oder miteinander spielen. So haben wir Eltern zunehmend mehr Zeit für unsere eigenen Belange und natürlich auch uns als Paar - das ist schon deutlich entspannender, als die Zeit, in der man dem Anderthalbjährigen wachsam quasi auf Schritt und Tritt folgen musste.


Bildquelle: Das Gewünschteste Wunschkind aller Zeiten


5. Was sind die grundlegenden Veränderungen in diesem Alter und was sollten Eltern unbedingt wissen und berücksichtigen?

Nun, im ersten Lebensjahr lernen unsere Kinder ja erstmal ihren Körper kennen und ihn zu koordinieren. In der Trotzphase zwischen einem und fünf Jahren wiederum lernen sie, ihre Gefühle einzuordnen, mit ihnen umzugehen und sie zu integrieren. Wenn das abgeschlossen ist, also mit etwa 5 Jahren, sind im Gehirn dann alle Voraussetzungen gegeben, um zu lernen, wie die eigenen Handlungen auf andere wirken, welche Konsequenzen in den Beziehungen dadurch auftreten usw. Das große Lernthema der mittleren Kindheit ist also eindeutig "soziale Beziehungen". Deshalb driften unsere Kinder in diesem Alter auch etwas von uns weg, hin zu ihren Peers. Die Meinung ihrer Freunde wird wichtiger, und sie wollen immer mehr Zeit mit ihnen verbringen, als mit uns. Das ist richtig und wichtig so. Für die Eltern bedeutet das, sich im Loslassen zu üben. Wir dürfen weiterhin in Beziehung mit unseren Kindern bleiben, aber ihnen nicht in ihr Leben und ihre Freundschaften reinreden. Wenn sie in schwierige Mobbingsituationen geraten, dann müssen wir natürlich helfend zur Seite stehen, aber den Rest meistern sie gut allein. Und auch, wenn sie sich innerhalb dieser Freundschaften und Beziehungen für Wege entscheiden, die wir mit unserer Lebenserfahrung irgendwie doof oder nicht gesellschaftlich angemessen finden, sollten wir ihnen die Möglichkeit geben, selbst herauszufinden, was bei anderen gut ankommt und was nicht. Dieser Lernweg ist einfach nachhaltiger.


6. Katja Seide ist ja Lehrerin. Hast Du mit dieser Altersgruppe auch beruflich zu tun? Inwieweit fließen diese Erfahrungen in das Buch mit ein? Profitierst Du selbst davon, eure Gedanken und Strategien zu diesem Alter mal kompakt zusammengefasst und aufgeschrieben zu haben?

An meiner jetzigen Schule arbeite ich mit Kindern von 6 bis 12 Jahren, an der letzten Schule waren es sogar Kinder von 6-16 Jahren, und ja, natürlich fließen die Erfahrungen mit ins Buch ein. Ich habe ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert, wie wir Sonderpädagogen z. B. mit "schwierigen" Kindern umgehen oder was ich genau mache, wenn es einen eskalierten Streit zwischen zwei Kindern gegeben hat.


7. Für viele Eltern ist speziell die sogenannte Wackelzahnpubertät vor der Einschulung besonders nervenaufreibend. Auch bei meinem Sohn, der bald 7 Jahre alt wird und gerade eingeschult wurde, bemerke ich immer noch deutliche emotionale Schwankungen bzw. Schübe, in denen alles ausgelöscht scheint, was vorher gut funktionierte. Was passiert da in den Kinderhirnen und wie kann man diese umwälzende Zeit gut unterstützen?

Es gibt ja den Mythos der Vorschulpubertät, der besagt, Jungs hätten mit 5 und 6 eine Art Hormonschub, so dass sie in dieser Zeit aggressiver sind. Quasi wie in der richtigen Pubertät. Wir haben da intensiv nachgeforscht, und diesen Testosteronschub gibt es nicht. Von der Geburt bis etwa 10 Jahre haben Jungen und Mädchen gleich viel Testosteron im Körper, nämlich quasi null. Gäbe es diesen Hormonschub bei Jungen wirklich, würde ihnen mit 5 Jahren Haare unter den Achseln wachsen oder sie würden eine tiefere Stimme bekommen - das passiert aber nicht. Außerdem sind auch Mädchen mit 5 oder 6 Jahren echte Zahnlückenrebellen - sie sind genauso aufmüpfig, wie Jungen. Nein, was da in dem Jahr vor der Einschulung passiert, ist ein anderes Phänomen. Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Es ist so, dass wir Menschen und alle wilden Tiere es nicht leiden können, uns in hilflosen Situationen wiederzufinden. Das löst in unserem Gehirn nämlich eine Menge Stress aus. Deshalb versuchen wir, Hilflosigkeit zu entgehen. Es gibt ein sehr aufschlussreiches Experiment mit weißen Mäusen. Diese haben einen sehr großen Anteil des Tages damit verbracht, den Wissenschaftlern auf der anderen Seite des Käfigs zu "widersprechen". Knipsten die Versuchsleiter z.B. Licht in dem Käfig an, setzten die Mäuse alles daran, dieses Licht wieder auszumachen. Machten die Versuchsleiter das Licht aus, knipsten die Mäuse es wieder an. Sie verzichteten sogar freiwillig auf Nahrung oder Sex, nur, um widersprechen zu können, also eine Möglichkeit zu haben, sich nicht hilflos ausgeliefert zu fühlen. Und diesen Drang haben wir Menschen auch. So - und nun sind unsere 5-Jährigen also plötzlich in der Situation, dass sie bald zur Schule kommen. Die Erwachsenen um sie herum spechen nun andauernd darüber, ältere Herrschaften reden vom "Ernst des Lebens", der für sie beginnt, sie müssen in der Kita zur "Vorschule" gehen. Die Kinder wissen nicht so genau, wie es in der richtigen Schule sein wird, sie haben Angst davor, sie werden neue Freunde finden müssen, sie werden wieder die Kleinsten sein etc. Die Einschulung kommt also gnadenlos auf sie zu, und egal, was sie tun oder nicht, sie können nicht verhindern, eingeschult zu werden. All das führt zu großem inneren Druck, weil sie eben im Hinblick auf die Unausweichlichkeit Hilflosigkeit verspüren. Und was passiert bei großem inneren Druck? Wir werden aggressiv. Und genau das ist es, was wir bei den Zahnlückenrebellen beobachten: Es ist in Wut und Aggression umgewandelte Hilflosigkeit.

Wenn man das weiß, kann man das als Eltern relativ leicht auflösen. Man sollte den Kindern die Möglichkeit geben, sich auf anderem Gebiet nicht hilflos, sondern handlungsfähig zu erleben. Bei einer Aktion, die ihnen vielleicht auch Angst macht, aber eben bewältigt werden kann. Man muss ihnen quasi einen Knopf zum Drücken anbieten, wie bei den weißen Mäusen. Dazu eignen sich "gefährliche" Dinge, wie z.B. mit dem Messer schnitzen, oder allein zum Einkaufen gehen, oder allein kochen zu dürfen, oder mit Feuer hantieren zu dürfen. Gibt es für das Kind genügend andere Gelegenheiten, sich als nicht hilflos zu erleben, dann schwindet auch die Aggression im Alltag, die durch das Damoklesschwert "Einschulung" ausgelöst wurde. Alternativ können Eltern natürlich auch abwarten - ein paar Wochen nach der Einschulung sind eigentlich alle Kinder wieder von allein ganz normal und entspannt.


8. Was müsste im System Schule verändert werden, um Kindern in diesem Alter generell besser gerecht zu werden?

Oha, dazu könnte ich Romane schreiben... Ich glaube, es muss einen Paradigmenwechsel innerhalb des Verständnisses von Schule und Lernen geben. Wir müssen Zwang und Druck abschaffen, und den Kindern ihre Individualität in ihrem Herangehen ans Lernen lassen. Soweit ich das beurteilen kann, sind die meisten Schulen an diesem Punkt noch nicht angekommen. Aber es würde auch ein gänzlich neues Verständnis von Unterricht notwendig machen. An der Schule meiner Kinder wird z. B. in Mathe mit Yo-Gi-Oh und Nexo-Knights-Karten unterrichtet, was die Kinder natürlich viel mehr "abholt" als klassischer Unterricht. Wenn ein Kind ein Bild nur gekritzelt ausmalt, wird das einfach so angenommen, ohne darauf hinzuweisen, dass das nicht "richtig" ausgemalt sei. Sie werden zu nichts gedrängt und können jederzeit (auch mitten im Unterricht) zum Spielen auf den Hof gehen. Ihnen wird Vertrauen entgegengebracht, die Dinge dann zu lernen, wenn es für sie wichtig wird. Und der Erfolg gibt der Schule Recht - die Kinder lernen das alles auch ohne Zwang. Nur halt manchmal nicht in der von Erwachsenen vorgesehenen Reihenfolge.

Generell finde ich, dass die Schule, so wie sie existiert, den Kindern zu stark abgewöhnt, eigene Entscheidungen zu treffen. Man braucht nur mal kurz in eine beliebige erste Klasse hineinzuschauen: Den Kindern wird gesagt, wann sie frühstücken sollen, dass sie nun ihre Mathesachen auspacken sollen, dass sie jetzt bitte noch schnell auf Toilette gehen sollen, weil es gleich klingelt, dass sie eine Jacke auf dem Hof anziehen sollen, weil es kalt sei und dass sie nun den Buchstaben A lernen etc. Es gibt in der klassischen Schule wirklich kaum Gelegenheit für Kinder, eigene Entscheidungen für sich selbst zu treffen. Das machen immer die Erwachsenen. Und dann wird sich hinterher gewundert, warum die Kinder so unselbständig werden. Tja nun. Die Universitäten beschweren sich, dass die jungen Studierenden es nicht mehr schaffen, sich selbst zu organisieren und ihr Studium zu planen und umzusetzen, aber anstatt das Übel bei der Wurzel zu packen und den Umgang der Schule mit Schülerinnen und Schülern zu ändern, und sie selbstständiger werden zu lassen, wird stattdessen am Symptom rumgedoktert und das Studium komplett verschult. Klar, so kommen die Studierenden dann durch's Studium, aber sie haben dann immer noch nicht gelernt, eigene Entscheidungen zu treffen, ein Ziel zu planen und umzusetzen...

Bildquelle: Pixabay

9. Es gibt zu diesem Alter kaum Bücher, die keinen Fachbuchcharakter haben. Wolltet ihr ganz bewusst eine Literaturlücke schließen und ein populäres, allgemeinverständliches Buch zum Grundschulalter schreiben?

Uns war erst gar nicht bewusst, wie wenig Bücher es zu diesem mittleren Alter gibt - wir waren sehr überrascht, als wir das herausfanden. Denn eigentlich ist das doch der Zeitraum, um soziale Beziehungen zu lernen! Gerade, wenn man Angst davor hat, was die Pubertät so bringt, sollte man unbedingt die Jahre 5 bis 10 nutzen, um grundlegende Werte und eine tragfähige Basis für nicht-verletzendes Verhalten zu vermitteln. Die meisten Eltern kaufen erst in der Pubertät Bücher, wenn sie akute Probleme haben, aber dann ist ja eigentlich schon der Zug abgefahren. Jesper Juul z.B. sagt, dass in der Pubertät Erziehung nicht mehr geht und wir stimmen ihm da durchaus zu.


10. Seid ihr eigentlich ausgebrannt nach dem Schreiben dieser beiden Bücher oder habt ihr schon die nächsten Projekte im Hinterkopf? Auf eurem Blog ist es ja gerade etwas stiller; wie sieht euer Alltag zur Zeit aus? Wird es wirklich ein drittes Buch geben?

Es wird auf jeden Fall ein drittes Buch geben! Tatsächlich fangen wir gerade an, es zu schreiben, obwohl es zeitlich etwas schwierig ist. Wir beide haben den Job gewechselt und müssen uns erst einmal am neuen Arbeitsplatz einarbeiten. Zusammen mit der Familie bleibt da herzlich wenig Zeit für das neue Buch, leider. Die meisten unserer Leserinnen und Leser vermuteten, wir würden jetzt zur Pubertät schreiben. Aber wir haben immer gesagt, wir können nur authentisch über Themen schreiben, die wir selbst schon mit unseren Kindern durchgemacht haben. Daher ist das Thema des dritten Buches "Geschwister" - wie geht man mit Eifersucht und Geschwisterstreit um, was sollte man beachten, wenn ein neues Baby in die Familie geboren wird und wie jongliert man die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder? In unserem Kopf ist es quasi schon halb geschrieben - nur müssen wir irgendwie Zeit finden, es auch in den Laptop zu tippen. Wir werden es diesmal wie beim ersten Buch machen - wir schreiben Artikel über das Thema für den Blog und fassen diese dann hinterher für das Buch zusammen. So bleiben wir unserem Wunsch treu, unser Wissen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Unsere Leserinnen und Leser können dann selbst entscheiden, ob ihnen die Artikel im Blog ausreichen, oder ob sie dann noch das Buch kaufen wollen, um die Gedanken gebündelt für zuhause zum Nachschlagen zu haben.

Ich danke euch von ganzem Herzen für das Interview, wünsche eurem neuen Buch viel Erfolg und wieder viele Leserinnen und Leser und hoffe, dass ihr uns noch lange als Blog- und Buchautorinnen erhalten bleibt. Danke!

Die Eckdaten des Buches:

Danielle Graf, Katja Seide: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Gelassen durch die Jahre 5 bis 10*, Beltz Verlag, 352 Seiten, März 2018, ISBN 978-3407865045, € 16,95
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Samstag, 13. Januar 2018

Eine Schatztruhe von Ideen: Familienzeit - Entdeckerbuch für glückliche Familien (Rezension)

Heute möchte ich euch abseits meiner sonstigen Rezensionen ein Buch vorstellen, das ich bei einer anderen Bloggerin entdeckte und was mich sofort begeisterte, da es ein ganz ungewöhnliches Werk ist: Familienzeit - Entdeckerbuch für glückliche Familien*, ein Buch, das Familien durch den Jahreskreislauf begleiten und Anregungen für eine tolle Familienzeit in der Natur und zuhause geben soll. Wer ein schönes Buch sucht, das mehr als ein Bastel-, Koch- oder Ratgeberbuch für Drinnen und Draußen ist, sondern auch viele inspirierende Gedanken zum Familienleben allgemein erwähnt, dem lege ich diesen Band wärmstens an Herz.

Das Buch ist nach Monaten aufgeteilt, und zwar nach den Tierkreiszeichen-Monaten (z.B. 21. März bis 19. April). Dies geht auf den französischen Revolutionskalender zurück und war ein kurzlebiges, aber interessantes Projekt, um sich wieder mehr auf die Jahreszeiten zurückzubesinnen. Die Monatsbezeichnungen im Buch sind französischen Ursprungs und klingen in der Übersetzung als Erntemonat, Nebelmonat, Blumenmonat oder Schneemonat viel poetischer als unsere gregorianischen Monatsnamen. Sie unterstreichen das Anliegen des Buches, als Familie wieder mehr im Einklang mit den Jahreszeiten zu leben.


Aktuell befinden wir uns mitten im Winter, wo die Gelegenheiten, sich draußen auszutoben, naturgemäß begrenzter sind als im Sommer. Eltern suchen dann immer nach Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Kinder, nach Ideen und Inspiration für die vielen Stunden, die man in den eigenen vier Wänden verbringt. Dafür bietet das Buch vielerlei Anregungen, z.B. das Basteln eines Eislichtes, das Herstellen von Kräuterseife oder eine Biosphäre im Gurkenglas. Daneben gibt es einladende Rezepte wie die Familien-Friedens-Pizza, ein Entdeckerpicknick oder selbstgemachte Müsliriegel. Diese den Text auflockernden Seiten sind anschaulich und wunderschön bebildert und regen zum Nachmachen an.


Besonders mag ich die teils recht ausführlichen und sehr wertvollen Gedanken und Überlegungen der Autorin zu jedem einzelnen Monat. Wie kann das Familienleben entstresst werden, wie können wir achtsamer und bewusster leben, wie können wir unsere Kinder in den Alltag und unsere Aufgaben einbeziehen, wie können wir Probleme gemeinsam lösen. Es gibt Kapitel namens "Fantasiereisen", "Wir werden Wolkenforscher" und "Sternenwanderung", in denen ein kindgerechter Ansatz für Entdeckungsreisen in der Natur beschrieben wird. Im Feldfruchtmonat geht es um große Entwicklungsschritte von Kindern wie Kitastart und Einschulung, im Keimmonat um das Aufräumen und den Frühjahrsputz. Ihr merkt schon, es handelt sich wirklich um ein ungewöhnliches Buch, das sich in keine Schublade stecken lässt.



Es ist wirklich eine kleine Schatztruhe, auf jeder Seite eröffnen sich neue Inspirationen für einen abwechslungsreichen Familienalltag. Es ist auch völlig undogmatisch: gleich im ersten Kapitel legt die Autorin Wert darauf zu betonen, dass jede Familie unterschiedlich ist und niemals alle Ideen und Vorschläge zu jeder Familie passen. Das finde ich sehr wichtig, denn sonst fühlt man sich von solchen Büchern schnell unter Druck gesetzt. Dieses Gefühl entsteht hier überhaupt nicht. Man kann sich heraussuchen, was zur eigenen Familie oder in der aktuellen Lebensphase passt, man muss es nicht in einem Rutsch "durcharbeiten", sondern holt es einfach hervor, wenn man Inspiration braucht.


Die Autorin schafft es, auf eine leichte Art und Weise vom Stubenhocker-Wetter zum Budenkoller hin zu einer konstruktiven Streitkultur mit einer gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg überzuleiten. Im Kapitel "Nebelmonat" gibt sie nebenbei pädagogische Tipps, z.B. zum Thema Geschwisterstreit, und kombiniert das Monatsthema passenderweise mit dem Rezeptvorschlag "Familien-Friedens-Pizza".


Das Buch ist mit Humor und ohne belehrenden oder bevormundenden Unterton geschrieben. Es macht großen Spaß, durch dieses Werk zu stöbern, sich Anregungen für Beschäftigungen oder einen bewussteren Alltag zu holen. Im Übrigen eignet es sich nicht nur für die eigene Familie, sondern auch wunderbar als Geschenk. Ich empfehle es euch uneingeschränkt!

Die Eckdaten:
Sabine Huth-Rauschenbach: Familienzeit - Entdeckerbuch für glückliche Familien*, Trias Verlag, Oktober 2017, 184 Seiten, ISBN 978-3432103785, € 19,99


Vielen Dank an den Trias Verlag für das Rezensionsexemplar!

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